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Energiepolitik ist die Strukturpolitik der Stunde

 

Zwei Kommentatoren zu meinem neusten Investment Outlook haben mich zurecht darauf aufmerksam gemacht, dass wir wegen der stark gestiegenen relativen Preise für Energie vielleicht schon dicht an der Kapazitätsgrenze sind, global und national. Dass die Inflation also einfach daher rührt, dass es keine Produktivitätsreserven mehr gibt. Oder andersherum: ein Teil des Produktionspotentials muss de facto eingemottet werden, weil es zur Produktion von Gütern und Dienstleistungen nur dann nutzt, wenn es noch die alten Inputkosten-Relationen zwischen Energie, Löhnen und Kapital gäbe. Die sind aber gehörig durcheinander geschüttelt worden. Wir brauchen keine Fabriken mehr, die Benzinschlucker produzieren, oder Häuser, bei denen die Wärme in Nullkommanichts ins Freie entweicht, oder Flugzeugflotten, die sich nur bei billigem Kerosin rechnen. Bei gegebenem BIP ist das Produktionspotential vermutlich kleiner, als wir das bisher gedacht hatten.

Es kommt also darauf an, dass wir den Kapitalstock an die neuen relativen Preise anpassen, so schnell es geht. Das schafft zudem neue Arbeitsplätze, die mindestens teilweise die ersetzen, die jetzt verloren gehen, und es verschafft der Wirtschaft einen zeitlichen Vorsprung im internationalen Wettbewerb, wie es uns bisher schon in der Umwelttechnik einigermaßen gelungen ist. Weltweit werden dieselben Probleme zu lösen sein. Wenn der Ölpreis, wie ich vermute, eines Tages einbrechen sollte, hätten wir immerhin eine sauberere Umwelt als Trost und wären insgesamt unabhängiger und damit weniger erpressbar durch die Energielieferanten. Außerdem dürfte der Ölpreis langfristig dann doch wieder steigen, so dass die Mühe nicht umsonst gewesen wäre.

Es geht um eine neuartige Strukturpolitik. Sie setzt nicht bei der Flexibilisierung des Arbeitsangebots, der Öffnung der Märkte, oder der Einkommensumverteilung zugunsten der Gewinne an, sondern bei der nachhaltige Abkehr von energieintensiver Produktion. Die hohen Energiepreise erzwingen ohnehin einen solchen Strukturwandel, der Staat kann aber helfen, indem er die richtigen Signale setzt. Es ist keineswegs so, als ob es angesichts der aus dem Ruder laufenden Inflation keine Alternative zu steigenden Notenbankzinsen gäbe.

Auf der Nachfrageseite muss alles gefördert werden, was den Energieverbrauch vermindert. Vorschläge wie die von Herrn Sarkozy, die Mehrwertsteuer auf Benzin und Diesel zu senken, oder bayrische Ideen, die Pendlerpauschale in alter Schönheit wiederaufleben zu lassen, sind absolut kontraproduktiv. Wenn die Steuerlast zu hoch sein sollte, kann man die Mehrwertsteuer insgesamt senken. Auf jeden Fall aber muss alles vermieden werden, was die Energienachfrage steigert, auch wenn die Pendler, Spediteure, Fischer oder Bauern noch so schreien und ihre Lastwagen und Traktoren auf der Autoroute quer stellen. Alle Steuervorteile, die den Energieverbrauch begünstigen, müssen weg.

Zunächst brauchen wir eine gleichmäßig hohe Besteuerung aller Energiearten, vielleicht etwas differenziert nach den Umwelteffekten. Diesel, Heizöl, Strom, Gas, Kohle, Flugbenzin müssen alle je Energieeinheit gleich teuer sein. Da das einen Aufschrei auslösen wird, muss die Mehrwertsteuer Zug um Zug gesenkt werden. Ich denke sogar, dass sie so zurückgefahren werden muss, dass für den Staat zunächst per saldo etwas weniger in der Kasse bleibt – das passt gut in die gegenwärtige Konjunkturlandschaft. Außerdem muss die Energienachfrage weiterhin durch direkte Vorgaben vermindert werden, etwa für den Flottenverbauch von Autoherstellern, Vorschriften für die Wärmedämmung von Gebäuden, Förderung der Energieeffizienz in Kraftwerken, Fabriken, Haushalten und beim Energietransport, Investitionsprogramme für den Schienenverkehr.

Auf der Angebotsseite bin ich skeptischer. Ein paar Windräder mehr können nicht schaden, auch Solaranlagen auf den Dächern und in der Sahara nicht, aber auf einmal einen großen Teil der Ackerflächen für die Benzinproduktion zu nutzen, ist des Guten zu viel. Die energiewirtschaftliche Gesamtbilanz solcher Projekte ist furchtbar.

Wie ist es mit dem Einwand, dass wir möglicherweise ohne Ende Energie sparen und dadurch mit dazu beitragen, die Ölpreise runterzukriegen, die Nutznießer aber alle sind, also auch die Länder, die gar nichts tun. Wird schon so sein – trotzdem scheint es mir die Sache wert zu sein. Die Argumente, die bei uns für eine neue Strukturpolitik sprechen, gelten letztlich auch für alle anderen. Wir werden so einsam nicht sein.

35 Kommentare


  1. @HK

    Vermutlich haben Sie recht. Was jetzt genau den Engpaßfaktor darstellt, werden wir ja irgendwann auch noch mal genau erfahren, vermutlich zwar erst in 3-5 Jahren, aber besser spät als nie … 🙂

    Und was die EZB betrifft: wenn ich mir die diversen Kommentare hier und in anderen Blogs (zb den rosaroten) ansehe, dann sind Sie und ich offensichtlich die letzten echten Fans von Trichet und Co.

    Vielleicht sollten wir das denen mal schreiben, so mit Belegexemplarsammlung unserer gesammelten Werke als Beweis für die Treue … die Damen und Herren dort könnten sicher ein wenig Zuspruch vertragen.

  2.   EuroOptimist

    @ Michael
    „Mit den steigenden Preisen käme es schon zur Substitution von Energieträgern.“
    „Das werden die Verbrauchszahlen aus den USA zeigen.“
    Sicher, aber zu welchem Preis: dem schlagartigen Verlust der Investitionen in zahlreiche obsolete Modelle, der höchstwahrscheinlich die 3 nationalen Autohersteller in die Insolvenz ziehen wird, einem immensen Wertverlust bei dem schlagartig veralteten und praktisch unverkäuflichen Fahrzeugbestand von Millionen Bürgern. Die Anpassungskosten sind gewaltig, wenn nicht schlicht desaströs.
    Sie werden vielleicht behaupten, dass die Anpassungskosten bei den Ländern, die früh auf Energiesteuern gesetzt haben mindestens genauso hoch, wenn auch besser verteilt sind. In diesem Sinne ist auch die Risikoversicherung rein ökonomisch Augenwischerei, aber sie stirbt trotzdem nicht aus.

  3.   f.lübberding

    „Ich wuerde argumentieren dass derzeit das Weltwirtschaftswachstum an die Kapazitaetsgrenze stoesst, und dass die Kapazitaetsgrenze im Angebot von Rohstoffen besteht.“

    Interessante These. Allerdings nicht sehr überzeugend. Wenn es nämlich physische Knappheit geben würde, müßte es zwangsläufig auch zu Lieferengpässen kommen. Vergleichbar mit dem Ölembargo 1973 als es aus politischen Gründen zu dieser Knappheit gekommen ist – und man in internationaler Kooperation den Mangel verwaltete. Von solchen Lieferengpässen aus physischen Gründen habe ich noch nichts gehört. Man bekommt fast jede Menge zu allerdings horrenden Preisen. Das Problem sind tatsächlich die Inflationserwartungen. Eine Bekannte – Einkäuferin in einer „mittelständischen“ Chemiefirma – hat mir erzählt, dass niemand mehr mittel- oder langfristige Verträge eingeht, weil die Ungewißheit auf den Rohstoffmärkten jeder Kalkulationsgrundlage den Boden entzieht. Man braucht kein Prophet zu sein, dass diese steigenden Preise bei den Vorprodukten bald auch beim Konsumsektor ankommen werden. Nur das hat wenig mit physischer Knappheit zu tun, sondern ist die logische Konsequenz der Finanzkrise. Der Rohstoffsektor ist eben weltweit der einzige Sektor mit einem stabilen Aufwärtstrend, weil sich alle Investoren darüber einig sind, dass es diese heute noch nicht vorhandene physische Knappheit einmal geben wird. Damit haben sie auch recht. die Frage ist nur: Wann? Der gesamte Finanzmarkt ist zu einem Fan von Mr. und Mrs. Meadows aus dem Jahr 1973 geworden… . In dieser Perspektive werden auch die eher schlechten Konjunkturerwartungen in der Weltwirtschaft zu einer Marginalie. Denn eine weltweite Rezession kann sich niemand vorstellen – und dann gibt es also auch keinen Grund an dem stabilen Aufwärtstrend bei den Rohstoffen zu zweifeln. Solange diese Sichtweise hegemonial bleibt, wird der Preisauftrieb auch nicht gebrochen werden. Da müßten schon die ZBs die Weltwirtschaft über Zinserhöhungen komplett in die Depression treiben … .

    Aber was kann diese Sichtweise erschüttern? Außer dass man gleich Heinrich Kaspars Vorschlag zum ökonomischen Harakiri via Zinserhöungen folgen muss? Er muss ja ein Bild von Mr. Volcker über dem Bett hängen haben … . Wobei dieser Harakiri ja nicht an den Leuten vollzogen wird, die ihn vorschlagen … . Die sitzen wohlbehütet im gemachten Bett und sehen zu wie anderen der Bauch aufgeschlitzt wird. Da waren die Samurai übrigens wesentlich konsequenter … . Aber lassen wir das … . Nein, die Sichtweise, dass es wegen BRIC (aber vor allem wegen C) einfach zu keiner Rezession in der Weltwirtschaft kommen kann, das wird sich als der moderne Kinderglaube erweisen. Ganz so wie nach dem Krieg der „Traum von der immerwährenden Prosperität“ (Burkhard Lutz), der 1973 zerplatzt ist. In Wirklichkeit wird China als der neben den USA dümmste Rohstoffverschwender der Weltgeschichte sehr bald mit den Folgen seiner Dummheit – nämlich haarsträubende Ineffizienz – konfrontiert werden. Nach den Olympischen Spielen wird C der kranke Mann auf der anderen Seite des Pazifik sein – und sich mit dem kranken Mann von der anderen Seite treffen können, um eine Art Selbsthilfegruppe „Verschwendungssucht“ zu betreiben. Die Folge wird natürlich genau die Rezession sein, die fast jeder in der heutigen Weltwirtschaft für unmöglich hält. Und was wird dann mit den Rohstoffpreisen passieren – oder den Stahlpreisen? Glaubt jemand etwa, dass China dann noch wie heute mehr als ein Drittel der weltweiten Stahlproduktion absorbieren wird? Bauen die immer und unentwegt Dreischluchtenstaudämme oder riesige Wolkenkratzer mit Büros, die schon heute niemand braucht? Selbst in C gibt es Grenzen des Wachstums, die nur eben gar nichts mit Herrn Meadows und seinen Überlegungen zu tun haben … . Nur weil alle wie unter Dope in C eine ewige Wachstumsmaschine sehen, meinen sie, dass es mit den Rohstoffpreisen fundamental immer nach oben gehen muss. Da werden dann selbst unsere US Häuslebauer zu einer Petitesse … .

    Und was hat das mit dem heutigen Zinsentscheid der EZB zu tun? Eben … . Trichet wäre der GRÖZBAZ (Größte Zentralbanker aller Zeiten) wenn er heute bei diesem Wetter schwimmen gehen würde … .

    Ansonsten hat Dieter Wermuth recht. So muss man das machen.

  4.   Dieter Wermuth

    @ Michael

    In der Tat reichen die Preissignale grundsätzlich aus für eine Umstrukturierung der Öl- und Energienachfrage im allgemeinen. Der Staat fördert aber zur Zeit bestimmte Arten des Energieverbrauchs (Diesel, Heizöl, Kerosin) – das sollte er sein lassen und jede Art von Energie gleichmäßig besteuern – oder eben nicht. Die staatliche Förderung der Energieeinsparung sowie alternativer Energien beruht auf der Annahme, dass wir zu einem neuen Nachfrage-Angebot-Mix kommen müssen: 1. aus Umweltgründen, 2. aus Vorsorgegründen und 3. aus strategischen Gründen. Wie bei jeder Art von Außenhandelspolitik oder Industriepolitik will man nicht dem Markt allein vertrauen, aus den verschiedensten Gründen.

    Grüße, DW

  5.   Dieter Wermuth

    @ f.lübberding

    Es stimmt natürlich, dass es überhaupt keine physischen Grenzen beim Angebot von Rohstoffen gibt – dafür sorgen die Preise. Und trotzdem: wenn sich einer der Produktionsfaktoren stark und nachhaltig verteuert, ist das alte Produktionspotenzial nicht mehr zu gebrauchen, oder – genauer – nicht mehr so effizient und muss teilweise stillgelegt werden.

    Stellen Sie sich vor, der Zins stiege bei uns auf 25%, Kapital würde also auf einmal viel teurer als bisher. Dann würde der Einsatz von Kapital graduell vermindert (denn es rechnen sich viel weniger Projekte), der Einsatz von Arbeit, relativ zum Einsatz von Kapital, müsste gesteigert werden. Der Produktionsapparat würde geändert, die Unternehmen müssten ihre Abschreibungen erhöhen, die Gewinne gingen zurück, insgesamt schrumpft das Outputpotential und mit ihm steigt der Auslastungsgrad, was es wiederum erleichtert, die Preise zu erhöhen. Wenn wir dicht an der Vollbeschäftigung sind, wenn also keine neuen Leute da sind, die man zusätzlich einstellen kann, werden die Löhne schneller steigen. So ist das gemeint mit den inflationären Effekten der Ölpreisinflation auf die Kapazitätsauslastung. Der Auslastungsgrad steigt, weil die Kapazitäten schrumpfen – sie sind nicht auf sehr teures Öl eingestellt.

    Ich teile Ihre Ansicht, dass auch die Emerging Markets bald dran sind, also auch eine deutliche Abschwächung des Wachstums oder sogar eine Rezession erleben werden. 1. weil Investitionsbooms immer zu Überinvestitionen führen; ab einem bestimmten Punkt erweisen sich die Ertragserwartungen als nicht mehr haltbar, vor allem wenn die Notenbanken wegen der Inflation die Zügel immer stärker anziehen; es kommt zu Überschuldung. Das ist der klassische Zyklenverlauf. 2. Die Verbraucher werden nicht nur durch die Vermögensverluste an den Aktienmärkten und bei Immobilien geschockt, sondern zusätzlich durch den ölbedingten massiven Kaufkraftverlust (den die Regierungen nur eine Weile durch Subventionen verhindern können). Aber wie das so ist mit Blasen – es kann noch eine ganze Weile so weitergehen. Normalerweise sage beispielsweise ich den Wendepunkt viel zu früh voraus.

    Grüße, DW

  6.   f.lübberding

    Wermuth

    Sie beschreiben das Szenario der 70er Jahre. Ich habe gerade noch einmal ein bisschen in meinem Bücherregal gekramt und olle Kamellen aus den 70er Jahren gelesen, um den Begriff Stagflation zu rekonstruieren. Da gab es so einen Hinweis von Weissgarnix. Auch Galbraith hat Mitte der 70er Jahre von einer Lohn-Preis-Spirale geredet, die er allerdings korporatistisch begründete. Also dass Gewerkschaften und Unternehmen durchsetzen können, was Sie beschreiben: „Der Produktionsapparat würde geändert, die Unternehmen müssten ihre Abschreibungen erhöhen, die Gewinne gingen zurück, insgesamt schrumpft das Outputpotential und mit ihm steigt der Auslastungsgrad, was es wiederum erleichtert, die Preise zu erhöhen. Wenn wir dicht an der Vollbeschäftigung sind, wenn also keine neuen Leute da sind, die man zusätzlich einstellen kann, werden die Löhne schneller steigen. So ist das gemeint mit den inflationären Effekten der Ölpreisinflation auf die Kapazitätsauslastung. Der Auslastungsgrad steigt, weil die Kapazitäten schrumpfen –sie sind nicht auf sehr teures Öl eingestellt.“ Nur dass anstatt Vollbeschäftigung die Gewerkschaften den Lohnverfall aufgehalten hatten – und die Marktmacht der Unternehmen mit der der Gewerkschaften korrespondierte. Die saßen eben in einem Boot – nach dieser Logik. Galbraith plädierte übrigens statt für Zinserhöhungen für Steuererhöhungen und Preiskontrollen, was heute wohl niemand mehr nachvollziehen kann … . Aber Galbraith ist ja auch tot. Aber das Szenario sehe ich heute nicht. Wir werden vielmehr erleben, dass viele Unternehmen die gestiegenen Preise nicht weitergeben können und die Arbeitnehmer auch keine entsprechenden Lohnerhöhungen durchsetzen können. Die Autoindustrie geht ja gerade bei den Stahlherstellern betteln, um den Preisanstieg weniger rasant ausfallen zu lassen. Nur wen betteln eigentlich dann die Stahlhersteller an?

    Mit der Globalisierung ist die Marktmacht der Industrieproduzenten gebrochen worden. GM weiss davon ein Lied zu singen und pfeift deshalb gerade aus dem letzten Loch … . Von den Gewerkschaften brauchen wir beim Thema Marktmacht gar nicht erst zu reden. Nur in der Energiewirtschaft ist das bekanntlich nicht der Fall gewesen. Es gibt also in der Beziehung einen deflationären Druck – und den inflationären Druck durch die Rohstoffpreise. Wie nennt man das jetzt? Deflationäre Inflation oder lieber inflationäre Deflation? Oder Deinflation? Keine Ahnung. Auf jeden Fall scheint mir das Stagflationsszenario der 70er Jahre nicht zu passen, weil die ökonomischen und politischen Voraussetzungen fehlen. Nämlich dass Unternehmen und Gewerkschaften die Lohn-Preis-Spirale in Gang setzen können, der dann die ZBs mit Zinserhöhungen den Garaus machen können – wobei 25 % allerdings ein ziemlich kurzer Harakiri wären. Da hätte da ein Samurai seinem unglücklichen Kollegen schon gleich am Anfang geköpft und nicht am Ende wie es sich eigentlich gehört.

    Nur muss mir einmal jemand erklären, wie eine Lohn-Preis-Spirale funktioniert, wenn etwa GM seine Autos nur noch mit horrenden Rabatten absetzen kann? Es wäre nämlich dann zu erwarten, dass GM die Preise erhöht und gleichzeitig seine Kapazitäten reduziert – oder die seiner Konkurrenten. Also dann am Ende das Outputpotential sinkt. Dazu mag es dann trotzdem kommen, aber anarchisch, nicht Akteursgesteuert wie in den 70er Jahren in den Hochzeiten des Korporatismus.

    Ihren Vorschlag finde ich ja deshalb so plausibel, weil er genau die richtige Antwort auf die Situation ist. Denn wenn es tatsächlich eine Lohn-Preis-Spirale wie in den 70er Jahren geben würde, dann wären Zinserhöhungen das probate Mittel. Nur erschießt man mit Zinserhöhungen
    den falschen Mann im Saloon: Eben nicht den inflationären Rohstoffsektor, sondern den unschuldigen Industriesektor … . Aber im Wilden Westen sterben eben auch schon einmal Unschuldige … . Wissen wir ja.

  7.   inti

    f.lübberding:

    rohstoffe sind knapp, preise für rohstoffe steigen …

    was kann man tun?
    steuern auf rohstoffe senken
    kapazitätserweiterungen im rohstoffsektor subventionieren
    steuern auf rohstoffe erhöhen

    erstaunlich gell 😉

    sowohl steuern senken wie auch erhöhen … senken führt zu sinkenden preisen, erhöhen führt zu sinkender nachfrage und beseitigt damit die ursache (knappheit) und kämpft nicht mit dem symphtom (preis)

    bevor man den patienten sterben lässt mag medizin gegen die symphtome helfen, ansonsten aber setzt jede langfristige theraphie an den ursachen an

    wie bekommt man die hohe nachfrage runter?

    -steuern drauf
    -zinsen hoch
    -verbrauchssubventionen streichen

    zinsen hoch ist leider ein breitband-antibiotika (um bei den medizineren zu bleiben) während steuern und verbrauchssubventionen gezielt gesteuert werden können … da die politik auf grund kurzfristiger überlegungen ihre langfristige aufgabe (vorsorge) nicht erfüllt hat, greifen jetzt die notenbanker ein mit der keule erschlagen sie jetzt jegliche nachfrage, um die nach rohstoffen mit zu erwischen. und erwischt man alle, so schlägt dies durch bis zu den rohstoffen. zum glück waren die politiker in deutschland etwas vorrausschauender und wir haben ein niveau an energiekosten das durch steuern nach oben verschoben ist. dadurch wirkt sich der anstieg in deutschland auf die inflation schwächer aus wie in den usa. sprich die EZB muss nicht ganz so hart drauf hauen auf die böse nachfrage sonst wären wir schon bei 5% zinsen.

    frage: kann man den kursgewinn des € im vgl zum $ durch den unterschiedlichen rohstoffverbrauch erklären? da die us-aussenbilanz dadurch stärker in mitleidenschaft gezogen wird wie die europäische?

  8.   Heinrich Kaspar

    @ Luebberding

    Inflationserwartungen kontrollieren ist nicht „Harakiri“, sondern das A & O preisstabilitaetsorientierter Geldpolitik.

    Der rationale Kern Ihrer These, Kapazitaetsengpaesse bei der Rohstoffproduktion muessten zu Lieferengpaessen fuehren, entgeht mir uebrigens.

    Gruss,
    HK

  9.   Wi-Ing-030

    @ F.Lübberding

    „Eine Bekannte – Einkäuferin in einer “mittelständischen” Chemiefirma – hat mir erzählt, dass niemand mehr mittel- oder langfristige Verträge eingeht, weil die Ungewißheit auf den Rohstoffmärkten jeder Kalkulationsgrundlage den Boden entzieht.“

    -> … na Bingo ! … genau so steht es übrigens in den Lehrbüchern …

    -> … Einer der schädigenden Wirkmechanismen der Inflation (durch übermässige Geld- & Kreditschöpfung) ist … dass Unternehmern die Planbarkeit ihrer Geschäfte zunehmend durch (inflationär) verzerrte Preisstrukturen auf den Absatz- & Beschaffungsmärkten erschwert wird …

    -> … der nächste Schritt ist dann übrigens … dass diese Unternehmer ihre unternehmerische Tätigkeit reduzieren … oder … ganz einstellen …

    (… halten Sie uns bitte auf dem Laufenden … mit aktuellen, diesbezüglichen Infos an der realwirtschaftlichen Front ihrer Bekannten aus der Chemie …)

    Beste retroliberale Grüsse,
    Wi-Ing-030

    PS:

    … dies alles wäre nicht passiert … hätte man den US-GRÖZBAZ schon vor 10 Jahren Schwimmen geschickt.


  10. > dies alles wäre nicht passiert … hätte man den US-GRÖZBAZ schon vor 10 Jahren Schwimmen geschickt.

    Tat er doch eh, er schwamm in den weltweiten Ersparnissen, die der „Savings glut“ einer Flutwelle gleich über die USA hereinbrechen liess, sodass der US Consumer nur noch seine eigene Ersparnis komplett fahren lassen konnte und konsumieren mußte bis zum Umfallen, der Arme …

 

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