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Hat sie oder hat sie nicht?

 

Die Märkte – und auf sie kommt es hier an – scheinen meine Interpretation des EU-Gipfels (die Europäer haben eine implizite Garantie für Griechenland abgegeben) nicht zu teilen. Die letzte Anleiheemission verlief nicht sehr gut, der Spread gegenüber deutschen Anleihen hat sich nicht vermindert. Also sind wir genau da, wo wir vor dem Treffen waren – bei einer recht weichen Garantie, die zwar ein paar Basispunkte bringt, aber eben nicht mehr.

Wir haben es also mit einer Art dreiviertel-bailout zu tun. Die Frage ist also, ob die Griechen mit sechs Prozent Zinsen überleben können. Wolfgang Münchau ist skeptisch.

17 Kommentare

  1.   egghat

    Bei 6% haben die Griechen keine Chance. Die Zinslast liegt doch jetzt schon bei 7% des BIPs. Bei 2,6% für deutsche, aber 6,1% für griechische Anleihen zahlen die Griechen mehr als das Doppelte. Übrigens auch vom Niveau aus, was die Griechen noch 2008 hatten (Risikoaufschlag damals deutlich unter 100 Basispunkte). Man kann also ganz grob davon ausgehen, dass die Griechen in zwei oder drei Jahren ihre Zinslast verdoppeln (kurze Maturity der Anleihen, habe ich mal nachgeguckt). Dann sind die Griechen bei 13 oder 14% des BIPs für Zinsen. Völlig unmöglich auf der Basis den Haushalt zu sanieren. Wenn die Griechen keine „normalen“ Zinsen bekommen (mein Modell: EU-Garantie für die Anleihen unter IWF-Aufsicht), haben die keine Chance.

  2.   Mark Schieritz

    @egghat

    Ich sehe es ähnlich, es wird eng. Aber ich würde Zinsen mit EU-Garantie nicht „normal“ im Sinne von risikoadäquat für Griechenland selbst nennen. Es wäre eine Subvention.

  3.   Dietmar Tischer

    >Wir haben es also mit einer Art dreiviertel-bailout zu tun.>

    Dieser bailout heißt für die Märkte: Die EWU haben zwar eine implizite Garantie für Griechenland gegeben – aber nur eine dreiviertel-Garantie. Denn für das restliche Viertel Garantie musste man den IWF bemühen.

    Die Tatsache, dass sich der Zinsspread nicht vermindert hat, ist ein Misstrauensvotum gegen die EWU.

    Es ist absolut berechtigt – wenn man daran denkt, was mit Portugal, Spanien etc. möglicherweise noch auf diese politisch zerstrittene Gemeinschaft zukommen wird.


  4. Es ist zu leicht hingeschrieben, dass ein Staat nicht mit 6% Zinsen leben kann (muss). Nach der Wiedervereinigung hatten wir durchaus ein höheres Niveau. Langfristig muss ein Staat mit 6% bei ca. 3% Inflation kalkulieren. Die niedrigen Zinsen für deutsche Staatsanleihen sind eine Ausnahmesituation und treiben Personen, die durch Zeichnung von Staatsanleihen ihren Lebensabend sichern wollen zwangsläufig zur Verzweiflung. Für den deutschen Staat ist es sicherlich im Augenblick ein gutes Geschäft sich langfristig zu verschulden.

    Das Griechische Problem resultiert nicht alleine aus den Staatsschulden (Japan hat 200%), sondern aus dem notwendigem Kapitalimport durch zunehmende Nettoauslandsschulden.

  5.   Marlene

    Der IWF prognostiziert für 2011 4,3 Millionen Arbeitslose für Deutschland.
    Wäre es nicht klüger von Frau Merkel jetzt ein 100 Milliarden Konjunkturprogramm aufzulegen, als 100 Milliarden verteilt über mehrere Jahre an Griechenland weiterzugeben?

  6.   veblen

    Schöner Artikel von Münchau. Allerdings kommt er ein wenig spät. Simon Johnson hat schon vor einigen Wochen geschrieben, dass Griechenland unmöglich mit „marktüblichen“ Zinsen leben könne:

    project-syndicate.org/commentary/johnson6/German

  7.   dave

    Meine Meinung: Anscheinend handelt es sich um ein Solvenzproblem.
    Das gibt uns eigentlich 2 Möglichkeiten:
    a) Entweder wir bekennen uns zu Transfers, d.h. wir leihen zu subventionierten und nicht marktgerechten Konditionen. Das wiederum würde aber dem Beschluss von Donnerstag widersprechen, wo die unsägliche von Münchau zu recht kritisierte Formulierung drin steht, dass man Griechenland – sobald es seinen Marktzugang verloren hat – zu marktgerechten Zinsen Geld liehen.
    b) Wir fangen endlich an diejenigen an dem Risiko beteiligen, für das sie jahrelang höhere Zinsen auf griechische Anleihen bekommen haben. Nämlich die Gläubiger Griechenlands im Rahmen einer Umstrukturierung. Falls man das jetzt nicht möchte, weil man Lehmann II befürchtet, muss zumindest dringend die Diskussion um einen Schuldenrestruktierungsmechanismus für Staaten in der Eurozone beginnen.

    Zu Schäuble: Bemerkenswertes Zeit-Interview. So deutlich für Europa zu plädieren und sich der Verantwortung stellen, ist beispielhaft. Die Politik steht vor der schwierigen Aufgaben (auch die Journalisten) den Bürgern zu vermitteln, wie sehr Deutschland von Europa profitiert und das es keine überzeugende Alternative zu enger Kooperation gibt.


  8. @Dave

    Nach meiner Überzeugung helfen Transferzahlungen nicht. Die Krise ist nicht an den Wurzeln angepackt worden. Als das Finanzkasinospiel der Banken nicht mehr weiter ging, haben die Staaten als Schuldner der letzten Instanz, die Banken gerettet und sich selber in künftige Schwierigkeiten manövriert. Staatspleiten sind nunmehr unausweichlich. Es wird diejenigen zuerst erwischen, die hohe Nettoauslandsschulden haben und auf weiteren Kapitalimport angewiesen sind.

  9.   Thomas Müller

    Ob Bailout oder nicht, den Griechen ist damit langfristig so oder so nicht geholfen und den Spaniern und Portugiesen genauso wenig. Die Eurozone kann nur dauerhaft überleben, wenn es zusätzlich oder anstelle der Masstricht-Kritierien Regeln für das wirtschaftliche Zusammenleben gibt oder aber wenn es eine politische Union gibt. Doch selbst wenn es die Vereinigten Staaten von Europa irgendwann geben sollte, wird es noch lange dauern und bis dahin werden neue Regeln benötigt und auch dann wird es keine so große Arbeitsmobilität geben wie innerhalb der Nationalstaaten.

    Gute Vorschläge kamen m.E. von Fritzsche: eurointelligence.com/…

  10.   undertaker

    Ich würde sogar die provokante These aufstellen, die Griechen könnten selbst mit -1% Zinsen nicht überleben. Wenn Regierung und Bevölkerung nicht mit Geld umgehen können, können sie nicht mit Geld umgehen. Dann ist das nur eine Frage der Zeit, bis das auch die Finanzmärkte nicht mehr übersehen können und das Aufnehmen neuer Schulden real teurer wird. Wie hoch der nominale Zinssatz dabei am Ende ist, ist irrelevant.

    Und die deutsche Regierung ist kaum besser. Was sagt denn das aktuelle Staatsdefizit aus? Wollen wir mal über die langfristigen Verbindlichkeiten in den Rentenkassen oder im Gesundheitssystem reden? Und nachher will’s wieder keiner gesehen haben… Bilanzfälschung! Skandal! Same old story.

 

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