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Paul Krugman erklärt uns den Krieg

 

Zumindest kann man das hier so verstehen:

„And it’s also important to send a message to the Germans: we are not going to let them export the consequences of their obsession with austerity. Nicely, nicely isn’t working. Time to get tough.“

Erstaunlich, wie drüben ein mechanistischer Keynesianismus Oberhand gewinnt, während hüben mit nicht-keynesianischen (also expansiven) Effekten einer restriktiven Haushaltspolitik argumentiert wird. Die Amerikaner sind ökonomisch vom Mars, wir von der Venus. Das gab es in der Form meines Wissens noch nie. Ich selbst war von der Literatur zu den nicht-keynesianischen Effekten bislang nicht überzeugt, aber für die nächste Ausgabe der ZEIT werde ich mich nun auf den neuesten Stand bringen.

40 Kommentare

  1.   Rebel

    Die Unterschiede zwischen Ordoliberismus (Wagner, von Mieses) und Keynesianismus (Dornbusch, Samuelson) bestehen schon lange nur die Dimensionen mit weltwirtschaftlichen Konsequenzen werden durch die konsumistischen Defizite (USA) und handelswirtschaftlichen Überschüsse BR Deutschland, China)dramatisch.
    Eine neue Lösung ist zufinden.


  2. Der „hier“-Link führt ins digitale Nirvana. Bitte ausbessern.

  3.   Martin

    Erstens ist der Handel mit den USA zwar wichtig, aber nun auch wieder nicht so riesig: Er liegt bei ca 8% des deutschen Gesamtexports. Wenn die USA uns da Steine in den Weg legen, bricht hier noch nicht sofort alles zusammen. Ausserdem besteht noch immer wohl Konsens, dass Freihandel am Ende allen nutzt und dass wir nicht die Torheiten der 30er Jahre mit Protektionismus wiederholen sollten. Also von daher würde ich sagen: Nicht zu leicht erschrecken lassen.
    Zweitens haben die Amerikaner (und der Rest der immer über unseren hohes Leistungsbilanzüberschuss jammert) ja auch nicht so ganz Unrecht: Unser Exportmodell hat sich in den letzten Jahren etwas zum Selbstzweck entwickelt – das Wirtschaftswachstum wurde nur noch im Exportbereich erzeugt, nicht in der Binnenwirtschft. Das ist auf die Dauer auch nicht gesund. Da nicht sein wird, was auf die Dauer nicht sein kann (ewiges exponentielles Wachstum des Exportsektors) muss man sich in der Sache mit den USA vielleicht gar nicht allzu sehr auseinandersetzen. Deutschland wird immer bestrebt sein, einen starken Exportsektor zu haben – und aus Gründen der Demographie, etc aind Leistungsbilanzüberschüsse für unser Land erstrebenswert (nur nicht allzu exzessive). Aber dass unser Exportsektor wie entfesselt weiter wächst ist auf Dauer nicht anzunehmen.
    Drittens könnten wir uns gegen solche Vorwürfe auch mindestens auf zwei Schienen verteidigen: Erstens ist Deutschland Teil der Eurozone und diese als Ganzes hat keinen grossen Leistungsbilanzüberschuss, sondern ist im Gegenteil im Moment stark in Schwierigkeiten. Das Letzte was jetzt noch nötig ist, wäre eine Schwächung indem Deutschlands Überschuss wegfällt und die ganze Eurozone damit massiv ins Minus geht. Das wäre letztlich wohl auch nicht im Interesse der USA.
    Ausserdem könnten wir das ganze Thema „toxische Assets“ auch mal international unter dem Gesichtspunkt „Schadensersatz“ thematisieren. Die „Stupid Germans“ welche die wertlosen US-„Assets“ gekauft haben, haben massiv Verluste erlitten. Diese sind letztlich durch Bankenrettung von IKB und co von deutschen Staat und mithin Steuerzahler zu tragen gewesen. In riesigem Umfang. Das ist letztlich eine Enteignung: Deutschland hat Waren und Dienstleistungen geliefert und im Gegenzug „Wertpapiere“ bekommen, die nun aber nichts (oder viel weniger) wert sind, als zugesichert. Da könnte man auch mal auf die Idee kommen, zu sagen: „wir wollen unser Geld zurück“. Die Verluste sollten eigentlich nicht von Deutschland zu tragen sein, sondern von denen, die vom Verkauf dieser sinnlosen Papiere profitiert haben und die über die Wertlosigkeit getäuscht haben, indem man diese Papiere als werthaltig und sicher dargestellt hat: Die USA. Mit Island sind UK und die Niederlande da in einer vergleichbaren Lage recht herzlos umgesprungen. Nun sind die USA nicht Island, aber trotzdem – Grösse alleine sollte nicht davor schützen, für den Schaden, den man angerichtet hat einzustehen. Also: Nicht dass es realistisch wäre, das wirklich durchzusetzen. Aber man könnte den Amerikanern mal in aller Freundschaft mitteilen, dass sie uns etwas wohlwollender behandeln sollten, denn eigentlich müssten Sie uns hunderte von Milliarden an Schaden erstatten, der entstanden ist, weil sie unsere (dämlichen) Banken beschissen haben und diese Verluste so riesig waren, dass sie nun auf der gesamten deutschen Gesellschaft lasten.

  4.   Naja

    Schadenersatz, ha, der war gut. Wieso sollten denn die Amis Schadenersatz leisten? Wenn die Deutschen so blöd sind, sich im Euro-Raum hinter Weichwährungsländern zu verstecken und ihre Porsches gegen Zertifikate tauschen, dafür kann doch der Ami nix. Jetzt zusagen, och menno, unser schönes Geld ist weg, ist doch ein wenig naiv.
    Wir Deutschen sollten uns einfach ans Inflationsziel der EZB halten, den Leuten Kaufkraft geben, dass die Handelsbilanz ausgeglichen wird. So einfach isses, dann braucht man auch nicht rumheulen, wenn so ein paar Papierchen nix wert sind. (Papier ist übrigens selten was wert, ob nun Geld, CDOs oder Staatsanleihen)
    Und zum Protektionismus: Wer betreibt hier denn Marktverzerrung der feinsten Sorte, indem er sich nicht an das Inflationsziel der Währungsunion hält und somit sich einen Exportvorteil in der EU und ausserhalb verschafft? Das feine Dtl. Es wird Zeit, dass der Merkel und Konsorten mal ordentlich der Marsch geblasen wird, Geithner war noch viel zu freundlich.

  5.   Uwe Richter

    @ Sebastian

    Vielen Dank für den Hinweis. Nun führt der Link zu Krugman.

    Grüße

  6.   Martin

    Ich habe ja selbst geschrieben dass es angesichts der Machtverhältnisse nicht realistisch ist, irgendeine Art von Schadensersatz zu bekommen. Aber Porsche hat ja seine Autos nicht gegen Schrottpapiere verkauft, sondern gegen Dollars. Die sind dann von unseren unfähigen Banken in Schrottpapieren angelegt worden. Auf der Suche nach Rendite wurde etwas gekauft das man nicht verstand und dabei ist gigantischer Schaden für Deutschland entstanden. Gleichzeitig haben die USA profitiert, weil wir für etwas Wertloses unsere Dollars hergaben. Peinliche Fehlleistung der deutschen Banken – und des deutschen Staates, der’s hätte erkennen und stoppen sollen. Trotzdem: Island muss für so etwas Entschädigung an UK & Niederlande zahlen. Ich denke, hinterg eschlossenen Türen darf eine deutsche Delegetion durchaus mal auf die Tatsachen hinweisen, um unsere Verhandlungsposition zu stärken. Der Prozess gegen Goldman in den USA zeigt dass die Vorkommnisse durchaus in US-Augen Betrug gewesen sein könnten. Mittel- und langfristig kann man wohl wirklich nur den Schluss ziehen, dass sich dauerhafte Leistungsbilanzüberschüsse nicht lohnen. Gut – soweit sind die Meisten. Fraglich nur, wie man dafür sorgen kann, dass mehr Kapital in Deutschland bleibt, statt es ans Ausland zu verschenken.


  7. Ich habe den Kommentaren von Martin nicht viel hinzuzufügen. Nur einige Ergänzungen. Ist unser Kapitalexport leistungsbilanzgetrieben oder ist unsere Leistungsbilanz kapitalexportgetrieben? Dieses ist ein großer Unterschied. Für China und Japan fällt die Antwort leicht, diese Staaten finanzieren eindeutig den Export und sehen zu, dass ihr dadurch entstehendes Auslandskapital sicher angelegt ist. Sie haben in der Finanzmarktkrise auch kaum Kapitalverluste erlitten. Das deutsche Verhalten sehe ich komplett anders. Hier sind der Leistungsbilanzüberschuss und die geringe Binnennachfrage kapitalexportgetrieben. Wer sich die Kapitalbewegungen der letzten Jahre analysiert, kann zu keinem anderen Schluss kommen. Fast die gesamten Jahre war der Kapitalexport größer als der Leistungsbilanzüberschuss in 2007/2008und 2009 sogar jeweils 34/33/18Mrd., fernerhin gab es riesige Kapitalbewegungen aus Deutschland raus (via Schweiz, Luxemburg und weiter Richtung London, New York) und vorwiegend von London zurück. Vor der Bankenkrise haben nachweislich normale deutsche Anleger, die ihr Geld deutschen Kapitalsammelstellen (Deutsche Bank usw.) anvertraut haben viel Geld in UK und den USA verloren. Es 2005 bis 2007 sind deutsche Banken im großem Stil ins Finanzkasino eingestiegen und haben ihr Geld in Finanzkasino versenkt. Mein Ansatzpunkt für Deutschland ist also die Drosselung der Kapitalexporte, die Leistungsbilanz und die Binnennachfrage wird dann schon folgen. Leider spielt die Bundesbank hierbei eine unrühmliche Rolle und hat, als die anderen Akteure nicht mehr wollten seit 2007 ca. 200 Mrd. netto exportiert. Nur wenn wir ihr und den anderen Banken eins auf die Finger klopfen, können wir unseren gerechten Lohn behalten.


  8. Allmachtsphantasien eines Kolumnisten?

    Fakt ist dass weder die Bundesregierung irgendwie „steuern“ kann dass jetzt gefälligst weniger exportiert werden soll (sollen hiesige Unternehmen etwa Bestellungen ausländischer Kundschaft ablehnen, mit dem Verweis man wollte die Außenhandelsbilanz ausgeglichener gestalten??) noch kann die US Regierung dortigen Verbrauchern und Unternehmen den Kauf von deutschen Produkten untersagen. Im Gegenteil, die Amerikaner haben von ihrern Politikern inzwischen dermaßen kategorisch „die Schnauze voll“ dass wohl schon aus Trotz deutsche Autos reißenden Absatz fänden.

    Das beste was die Regierungen machen können ist erstmal ihre Aufgaben zu erledigen. Die Haushalte in Ordnung bringen zum Beispiel.

  9.   keiner

    „noch kann die US Regierung dortigen Verbrauchern und Unternehmen den Kauf von deutschen Produkten untersagen.“

    Ooooch, so eine 50%-ige Importsteuer auf deutsche und chinesische Waren wären schon eine Ansage 😉

  10.   Dietmar Tischer

    Niemand muss einem anderen „obsession“ unterstellen, niemand eine „message“ an andere senden und es ist auch nicht die Zeit für „to get tough“.

    Die Rhetorik von Krugman ist so überflüssig wie sie zur Kriegserklärung hochzustilisieren.

    Es geht um die SITUATION, in der Staaten und Währungszonen sind.

    Die USA:

    Sie haben nicht die sozialen Sicherungssysteme wie die Europäer. Deshalb ist Arbeitslosigkeit ihr größtes Problem. Es mit ALLEN Mitteln, also auch nachfrageinduzierend zu lösen, ist nachvollziehbar. Insoweit muss man Krugman & Co. verstehen.

    Die Märkte haben dieser Politik bisher nicht signalisiert, dass es so nicht weitergehen kann. Also machen sie so weiter.

    Aber sie werden nicht ewig so weiter machen können. Spätestens wenn die Renditen für amerikanische Staatsanleihen anziehen – und das wird unabhängig davon geschehen, ob das Arbeitsmarktproblem gelöst ist oder nicht –, wird sich die Frage stellen:

    Was nun, Herr Krugmann?

    Uns müssen die Lehrmeister von drüben diese Frage nicht beantworten, sie sollten sie sich jedoch schon selbst einmal stellen.

    Die Euro-Zone:

    Die Märkte haben ganz klar signalisiert: keine weitere Verschuldung. Das ist auch ein eindeutiges NO zu den Forderungen von Krugman an Deutschland.

    Aus gutem Grund, man muss es sich nur einmal klar machen:

    Die gesamtschuldnerische Haftung der am „Rettungs-Fond“ beteiligten Länder ist letztendlich Augenwischerei. Wie soll beispielsweise Portugal für Spanien und Spanien für Griechenland und Griechenland für Portugal mit haften können, wenn alle drei in Schwierigkeiten sind – und durch solche Haftung ihre Lage noch weiter verschlimmern.

    Der Rettungs-Fond hängt an wenigen Ländern wie Deutschland, die noch vergleichsweis solide Staatshaushalte aufweisen.

    Diese Staaten dürfen sich nicht schwächen, müssen vielmehr den Finanzmärkten Stärke signalisieren. Dies insbesondere auch, weil ihre Banken immer noch krisenanfällig sind.

    Die Möglichkeit eines double dip der Weltwirtschaft ist zwar nicht aus den Augen zu verlieren, aber angesichts der Gefahren einerseits und positiver wirtschaftlicher Entwicklungen andererseits DERZEIT als zweitrangig zu betrachten.

    Statt Rhetorik und Drohungen:

    Europa und Amerika müssen ihre Kräfte bündeln, um schnellstens WIRKSAME Finanzmarktregulierungen durchzusetzen.

    Wir brauchen zwar die Finanzmärkte, nicht zuletzt als Signalgeber, um Korrekturen einzuleiten.

    Sie sollten jedoch nicht systemische Krisen auslösen können, die ALLE Volkswirtschaften mit enormen Kosten belasten.

    Bei dieser Aufgabe sind die besten Köpfe gefragt, selbstverständlich auch Krugman.

 

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