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Vadder Adam und die Ifo-Schlümpfe

 

Weissgarnix hat Spaß mit Hans-Werner Sinn und seiner Aussage, die Investitionen und nicht der Konsum förderten das Wachstum. Einmal abgesehen davon, dass das empirisch Quatsch ist (die meisten Analysen, die ich kenne, sehen die erwartete Nachfrage als wichtigste Determinante des Investitionsverhaltens), habe ich einmal bei unser aller Vater nachgeschlagen.

Also sagt Big Adam:

„Consumption is the sole end and purpose of all production; and the interest of the producer ought to be attended to, only so far as it may be necessary for promoting that of the consumer. The maxim is so perfectly self-evident, that it would be absurd to attempt to prove it. But in the mercantile system, the interest of the consumer is almost constantly sacrificed to that of the producer; and it seems to consider production, and not consumption, as the ultimate end and object of all industry and commerce.“ (Wealth of Nations, Book IV, Chapter VIII)

32 Kommentare

  1.   Stefan L. Eichner

    In der Innovationsdebatte hat es diesen Streit, ob die Nachfrage- oder die Angebotsseite entscheidend sind, bekanntlich auch gegeben. Kline/Rosenberg haben m. E. vor vielen Jahren schon den Nagel auf den Kopf getroffen, wenn sie sagen:

    „A perceived market will be filled only if the technical problems can be solved, and a perceived performance gain will be put into use only if there is a realizable market use. Arguments about the importance of „market pull“ versus „technology push“ are in this sense artifical, since each market need entering the innovation cycle leads in time to a new design, and every successful new design, in time, leads to new market conditions.“

    Wachstum hat etwas mit Innovation zu tun. Hier geht es um einen Prozess, der von Wechselwirkungen zwischen Angebots- und Nachfrageseite getragen wird. Man muss beide Seiten für Erklärungen berücksichtigen. So einfach ist das. Das können und wollen Angebots- und Nachfragetheoretiker immer noch nicht begreifen.

  2.   keiner

    Klar, im Staatskapitalismus kann man mit der Subventionierung der Solartechnik erst beginnen, wenn das Kombinat auch liefern kann.

    Und eine Absatzförderung für die Autokombinate in Süddeutschland und der Nordschweiz (aka Abwrackprämie) kann nur nach vorheriger Aufblähung der Produktionskapazitäten des Arbeiterkollektivs auf Grund völlig schwachsinniger Annahmen zum Marktanteil dieser Werktätigenbeschäftigungsanstalten funktionieren. Sinn hat Recht, wenn man die DDR zurück haben will.


  3. @Stefan Eichner

    >Wachstum hat etwas mit Innovation zu tun. Hier geht es um einen Prozess, der von Wechselwirkungen zwischen Angebots- und Nachfrageseite getragen wird.

    Natürlich – und Schumpeter schrieb ausdrücklich, dass Unternehmer nur derjenige sei, der es verstünde, neue Kombinationen von Produktionsfaktoren gesellschaftlich „durchzusetzen“. Das ist richtig und steht ja alles außer Frage.

    Hat aber doch nichts mit Sinns Aussage zu tun, wonach wir uns den Fortschritt durch Konsumverzicht erst „ersparen“ müssen. Es ist dies eine These, über die sich Keynes bereits in der General Theory lustig gemacht, und die von Wolfgang Stützel glasklar als Logikfehler (Aggregationsfehler) entlarvt und wörtlich als „völlig unsinnig“ herausgestellt wurde.

    Hier geht es nicht um Innovationsleistungen des dispositiven Faktors, sondern um nackte Saldenmechanik.

  4.   Thomas Pittner

    „Solartechnik“

    Da haben wir doch gerade mit der letzten Bundesratkungelei ein wunderbares Beispiel für die Synthese von staatlicher Angebots- und Nachfragestimulierung; der Politiker wird von den Solarbuden beschossen, doch weiterhin gute Angebotsbedingungen zu schaffen, und so wird gewaltige Nachfrage über die Verschiebung der Abnahmepreissenkungen generiert. 🙄
    (gut, man könnte auch sagen, durch die Konstruktion der Förderung werden Kapital(Dach)besitzer und,gern vergessen, Kapitalverleiher über die Schaffung ziemlich sicherer Anlagemöglichkeiten von allen Stromverbrauchern subventioniert)

    Wieviel hätte wohl eine Senkung der Gewinnsteuern für Solarbuden oder sogar eine Senkung der Lohnkosten bewirkt?

    „Innovation“ wäre natürlich auch hier das Zauberwort gewesen.
    Ein Bruchteil der jetzt mit der Einspeisevergütung generierten Kosten in die Forschung, und dann von deutlich besserer Ausgangslage die Kostendegression durch Massenherstellung (natürlich wegen Massennachfrage, und nicht geringer Steueuern für Solarbuden) forcieren.

    Dann wäre die grid par(i)ty nicht erst 2014, sonderrn wahrscheinlich schon heute, und vor allem die beim jetzigen Konzept sehr teuren Übergangsjahre erheblich kürzer.


  5. Nochmal Solartechnik — Angebot und Nachfrage

    Täglich mehren sich die Presseberichte über die riesigen neuen Solarthermieanlagen in Nordafrika, die keine Solarzellen und Photovoltaik mehr brauchen. Was tut unsere Regierung? Sie subventioniert Solarzellen und Photovoltaik. Man kann aber den Konsum nicht erhöhen, indem man Produkte subventioniert, für die keine Nachfrage besteht.

  6.   keiner

    @dunnhaupt

    Ähh, doch, funktioniert doch einwandfrei bei den Solardächern. Kein Schwein würde die seit Jahren zu Marktpreisen kaufen. Nur die Anlagenbauer füllen sich die Taschen seit Jahr und Tag mit diesem rot-grünen Meisterwerk von einem Subventionsgesetz.

  7.   HKaspar

    Weissgarnix hat Spaß mit Hans-Werner Sinn und seiner Aussage, die Investitionen und nicht der Konsum förderten das Wachstum.

    Das sagt Sinn natuerlich nicht — sondern lediglich dass Deutschlands chronische Konjunkturschwaeche vor allem auf schwache (Netto-)Investitionen zurueckzufuehren sei. Woran ich nichts Falsches erkennen kann.

    A bisserl Sorgfalt vor der steifen These scheint mir schon angebracht.

  8.   HKaspar

    Hat aber doch nichts mit Sinns Aussage zu tun, wonach wir uns den Fortschritt durch Konsumverzicht erst “ersparen” müssen. Es ist dies eine These, über die sich Keynes bereits in der General Theory lustig gemacht, und die von Wolfgang Stützel glasklar als Logikfehler (Aggregationsfehler) entlarvt und wörtlich als “völlig unsinnig” herausgestellt wurde.

    Stuetzel soll Boehm-Bawerk als „Aggregationsfehler“ „entlarvt“ haben (und Keynes sich ueber BB ustig gemacht haben)???

    Voodoo laueft heute mal wieder amok.

    [P.S.: „Fortschritt“ ist natuerlich zu ersetzen durch Kapitalakkumulation, aber so genau wollen wir es mal nicht nehmen]


  9. @Mark und weissgarnix

    Ja, den guten alten Adam hatte ich auch vor vielen Monat mal rausgeholt. Ich muss aber zugeben, dass ich die ellenlange Empirie über die europäische Weizenproduktion mehrerer Jahrhunderte etwas entnervt überblättert hatte. Schon das Vorwort machte deutlich, dass man sich auch auf Smith heutzutage vor allem gerne falsch beruft. Aber das kennen wir ja über die Ordoliberalen auch.

    Aber hier geht’s mir um was anderes: Könnte nämlich gut sein, dass die Schumpetersche Innovationsdynamik und viele Flausen, die heute darauf aufbauen, gar nicht so furchtbar viel mit dem Kern zu tun haben und dass es eher um eine Korrelation, die mit dem Durchsetzen neuer Technologien (auch) einhergeht und dann sind wir vielleicht bei (der richtigen) Saldenmechanik (denn auch die Neolibs betrachten manche Salden) und Behaviour.

    Der Kern wäre dann, dass erstens massiv in der Vergangenheit akkumuliertes Kapital (mit seinen Eintrittsbarrieren und Oligopoltendenzen) entwertet wird und dass die Story von der Innovation zweitens einen guten Grund abgibt, warum die Entwertung sowohl von den Entrepeneurs, als auch von den Lohnabhängigen gleichzeitig akzeptiert werden kann.

    Beste Grüße
    Andreas

  10.   Rebel

    @ 9 Andreas Heil

    Ist mir heute auch durch den Kopf gegangen:
    Erwirtschaftes aktives Vermögen wird durch Innovationsinvestitionen, Strukturwandel erhalten, umgewandelt – im Unternehmen durch Eigentümer und Beschäftigte. Leider funktioniert dieses going concern prinzip nicht zu 100 % – Ursachen und Gründe sind vielfältig. Erhaltungssubventionen wie für Kohlebergbau führen zu Wohlfahrtsverlusten. Nartürlich sollte den Kumpels ein Beschäftigungswandel eröffnet werden. Von Unternehmen und Staat gemeinsam – Rückstellungen finanzieren auf der Passivseite und über die GuV dagegen – aber realistisch und zeitenkongruent bitte und kostet natürlich etwas an Gewinn und Gehalt. Hier sind unternehmerische Marktkenntnisse und Personalführung in einem sich wandelnden Bildungswesen gefragt.

 

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