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Aktien mit überhöhten Risikoprämien

 

Die Weltwirtschaft wächst zur Zeit mit einem Tempo, wie wir es in den Jahren vor der Großen Rezession kannten. In den reichen Ländern sind die Output-Lücken nach wie vor groß, dafür herrscht Preisstabilität. Die Geldpolitik wird dort also expansiv bleiben, so dass es an den Rentenmärkten trotz der rekordniedrigen Renditen noch Kurspotenzial gibt. Aktien reflektieren noch nicht meine Erwartung, dass sich die Gewinne in diesem Jahr stark erholen werden. Die Kurs-Gewinnverhältnisse (KGV) für wichtige europäische Märkte liegen zwischen mageren 11 und 12. Für den S&P 500 liegt es auch nur bei 13,1. Vergleicht man die Aktienrenditen, die sich aus dem Kehrwert der KGV ergeben, mit der realen Rendite zehnjähriger deutscher oder amerikanischer Staatsanleihen, ergeben sich zur Zeit Risikoprämien in der Größenordnung zwischen sieben und acht Prozentpunkten. “Normal” ist eine Differenz von vier oder fünf Prozentpunkten. Kurspotenzial also auch an den Aktienmärkten.

In den Schwellenländern beträgt das Wirtschaftswachstum bereits wieder fünf Prozent und mehr. Da die Inflation ebenfalls auf etwa fünf Prozent angezogen hat, signalisieren die Notenbanken höhere Zinsen, de facto verfolgen sie aber weiterhin einen expansiven Kurs. Chinas Wachstum hat sich verlangsamt, woraufhin die Wirtschaftspolitik bereits wieder auf Expansion umschaltet. Der rasante Aufholprozess kann weitergehen, weil die Fundamentalfaktoren gesunder nicht sein können. Die Nachfrage nach Rohstoffen wird stabil bleiben, aber die Preise werden eher seitwärts tendieren.

Ausführliches zu den jüngsten Entwicklungen in den USA, Euroland, Japan und China und den Aussichten für Aktien, Bonds, und Rohstoffe in meinem neusten Investment Outlook:

Wermuth’s Investment Outlook – August 2010*) (pdf, 305 KB)

*) Den Investment Outlook von Dieter Wermuth in englischer Sprache gibt es einmal im Monat und er wird zunächst kostenlos auf Herdentrieb zum Herunterladen bereitgestellt. (ur)

26 Kommentare

  1.   WIHE

    Das sehe ich auch so.
    Mit dem Kauf weiterer Aktien vor zwei Wochen
    habe ich allerdings mein persönliches Risiko erhöht.
    Ich hoffe, dass es gutgeht.

    Ich bete täglich, dass die Israelis nicht plötzlich
    den Iran angreifen.

    „No risk no fun“, heißt auf Englisch.

  2.   hareck

    Lustig, auf der Hauptseite lautet die Überschrift dieses Artikels: „Aktien sind zu teuer“.

    Da hat wohl der Volontär den Begriff „Risikoprämie“ nicht verstanden.

  3.   Daniel080778

    Frage:
    Der Artikel wird folgendermassen angekündigt:
    „Aktien sind zu teuer“
    Aber ist der Tenor nicht anders herum?
    „KGV niedrig“;“Potenial an den Aktienmärkten“

    Hab ich was nicht verstanden?
    Wäre dankbar für eine Aufklärung

  4.   horst

    aktien mit erhoehten risikopraemien sind zu billig, nicht zu teuer. (@ titel der original zeit verlinkung)


  5. Wie immer solide recherchiert, verständlich erklärt und mit viel Weitblick. Wermuth’s Invesmtent Outolook: PFLICHTLEKTÜRE

  6.   Uwe Richter

    @ hareck, Daniel080778, horst

    Sie haben ja vollkommen recht, da ist bei der Überschrift der ZEIT online Verlinkung irgendetwas schief gelaufen. Das wird korrigiert.

    Vielen Dank für den Hinweis!

  7.   taurin97

    mutig, mutig, bei der haushaltslage und konjunkturaussichten treasury bonds als „riskfree“ anzusetzten :)…vor dem hintergrund sind die 7-8% deutlich zu hoch ^^…


  8. Pflichtlektüre „Wermuth’s Investment Outlook“ — Immer anregend und lesenswert.

    Hier noch ein paar kleine Ergänzungen:
    zu 6: Der Zins der US-Schatzanleihen liegt zu niedrig. Ihr heutiger Anstieg wäre demnach also ein positives Zeichen.
    zu 10: Ist die schrumpfende M3-Geldmenge in USA wirklich negativ zu interpretieren?
    zu 21: „China will put 16 million new cars on the road“ (im Jahr 2010). Allerdings werden nur 10,5 Millionen davon auf chinesischem Boden fabriziert. 5,5 Millionen wären also demnach Schiffs-Importe, wohl in erster Linie aus Japan, denn Volkswagen und GM produzieren ja auf chinesischem Boden.
    zu 36: „Commodity prices will move sideways.“ Nur bilden hier die rapide ansteigenden Getreidemärkte eine Ausnahme. Weltweite Missernten (Pakistan, Russland, Südostasien, Kanada) sowie Reis-Exportembargos mehrerer Länder in Südostasien tragen leider dazu bei.

  9.   Spartacu

    @ Wermuth:

    >>>Vergleicht man die Aktienrenditen, die sich aus dem Kehrwert der KGV ergeben, mit der realen Rendite zehnjähriger deutscher oder amerikanischer Staatsanleihen, ergeben sich zur Zeit Risikoprämien in der Größenordnung zwischen sieben und acht Prozentpunkten.>>>

    Tja, da rechnen wir doch einfach Mal die Mrd. von Stützungskäufen („quantitative easing“) der EZB, FED, Schweizer und Japanischer Notenbank mit fiat money raus, dann müßten die realen Risikoprämien doch wahrscheinlich eher bei 15 Prozentpunkten liegen, oder? Aktien sind also nach wie vor viel zu teures Teufelszeug, und billig erst ab einem DAX von 2800 Punkten.

  10.   Unwucht

    Als Kleinaktionär ist man eigentlich nur Geldvieh. Eine Aktie, die erst in 30…40 Jahren ihren Anlagewert hereinspielt, ist Schrott – da können sie verhungern. Absahnen tut der Vorstand/ Manager und die Großaktionäre. Ist, wie üblich in der Finanzbranche, nur eine Art verkapptes Schnellballsystem. Der kleine Aktienanleger erfüllt die Ameisenfunktion – wenn sie wissen, was ich meine. Man kann sein Geld besser anlegen.

 

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