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Was will uns Roland Vaubel sagen?

 

Bis jetzt dachte ich, man könne Roland Vaubel, seines Zeichens Professor für politische Ökonomie in Mannheim, einfach ignorieren. Aber er wird richtig gefährlich (Quelle Handelsblatt).

Ein „Euromantiker“ ist Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble nach Ansicht von Roland Vaubel, Professor für Politische Ökonomie an der Uni Mannheim.  Vaubel begründet seine herbe Kritik damit, dass der Minister sich nicht um die Ratschläge seines Wissenschaftlichen Beirats schere, der ihn vor schädlichen Folgen von zu großzügigen Krediten an einzelne Euro-Staaten gewarnt habe.

„Der Fehlanreiz wäre geringer, wenn der Schuldnerstaat die verbürgten Hilfskredite, ob sie nun zur Finanzierung frischer Defizite oder zur Ablösung von Altschulden dienen, nur zu einem merklich höheren Zinssatz erhalten würde.“ Griechenland zum Beispiel könne sich auch nach Verabschiedung der ihm auferlegten Reformen „nicht am Markt zu so günstigen Bedingungen verschulden wie beim europäischen Bail-out-Fonds.“

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Schäuble hat versagt, weil die Zinsen des Rettungsfonds niedriger sind als die Marktzinsen. Aber was wäre denn, wenn die Zinsen genau so hoch wären wie die Marktzinsen? Genau, dann bräuchte man auch keinen Rettungsfonds. Denn der existiert ja, weil die Märkte zu hohe Zinsen verlangen (im Idealfall sind diese Zinsen zu hoch, weil die Märkte überschießen, ein eigentlich solventes Land hat ein Liquiditätsproblem, im nicht so idealen Fall ist das Land insolvent und erhält einen Transfer).

Und wo bitte ist der Fehlanreiz? Ist irgendeines der Länder gerne unter den Schirm geschlüpft? Nach dem Motto: Kommt und rettet uns, wir beugen uns gerne dem Diktat aus Brüssel? Ich erinnere mich, dass die EU an Portugal lange zerren musste. Man kann lange über das Für und Wider des Rettungsfonds diskutieren – aber so?


9 Kommentare

  1.   bmmayr@googlemail.com

    Warum immer diese Scheingefechte (von Schieritz UND von Vaubel etc.):

    Die eigentliche Auseinandersetzung ist folgende:

    Ein Teil der Bevölkerung Deutschlands / Europas / der Welt hat einen Haufen Geld / witschaftliche Macht und der Rest hat relativ wenig. Die die das Geld haben, glauben sie hätten es verdient und wollen es behalten.

    Der Rest findet das ungerecht und will auch was davon abhaben.

    Das ist der Kern der Auseinandersetzung, der Rest sind mehr oder minder konstruierte Argumente um die Schlacht um die öffentliche Meinung zu gewinnen.

  2.   matt_us

    Ich wuerde den wissenschaftlichen Beirat entlassen. Wer sitzt da noch drin ausser Vaubel?

    Wenn das das Beste ist was die deutschen Oekonomen sich ausdenken koennen, hohe Zinsen fuer den Schuldner in Noeten, damit Griechenland ja dann mit Sicherheit Pleite geht, sollte man die Motive der Oekonomen untersuchen.

    Jedes Kind weiss, das niedrigere Zinsen einfacher zurueckzuzahlen sind als hohe, und als Glauebiger gehoert das zum einfachen 1X1 der Schuldzurueckzahlung.

    Wir haben die Nase in Deutschland gestrichen voll, von Inside Job Oekonomen, die nur Ihrem Zahlmeister dienen, aber nicht der allgemeinen Wohl des Volkes. Kann man die nicht einfach rausschmeissen?

  3.   Stefan L. Eichner

    Betreffend die Begründung für einen zu hohen Marktzins gibt es natürlich noch eine dritte Möglichkeit: Die Märkte funktionieren nicht mehr so, wie sie sollten und deswegen ist es möglich, sie gezielt nach oben zu treiben.

    Eigentlich ist das doch die Lehre, die die nach Ausbruch der Finanzmarktkrise rat- und sprachlosen Ökonomen gezogen haben sollten: Sie verstehen die Märkte nicht oder zumindest viel weniger, als sie glaubten – das war der Grund für das Scheitern ihrer Theorien und Modelle.

    Nun ja, mit Modellen und ökonomischen Theorien hat Herr Vaubel nicht viel zu tun. Seine Kritik zeigt jedoch nicht nur, wie wenig er von Märkten versteht, sondern auch, dass er diese Tatsache beharrlich verdrängt. Er ist damit beileibe keine Ausnahme.

  4.   Bernd Klehn

    @ Stefan L. Eichner

    Nochmals, die Finanzmärkte wollten ab 2007 regieren und langsam höhere Zinsen haben. Die EZB hat voll gegen gehalten, bis ihre Mittel erschöpft waren. Jetzt sind die Spannungen umso größer und auch mit keinen geldpolitischen Mitteln mehr aufzuhalten. Der Finanzmarkt führt zwar fast nie zu einer optimalen Ressourcenallokation, aber reagiert irgendwann auf seine eigene Fehleinschätzung mit Spannungsentladungen. Vor und nach der Finanzkrise haben die Zentralbanken diese Spannungen weiter aufgebaut. K e i n e geldpolitische Maßnahme der Zentralbanken kann auf Dauer steigende Zinsen in Ländern mit notwendigem Nettokapitalimport verhindern, wenn diese von ausländischen Kapitalanlegern verlangt werden. Steigende Zinsen in einzelnen Ländern sind ein Beitrag zur Beseitigung realwirtschaftlicher Spannungen, wenn sie rechtzeitig verlangt werden. Nun ist allerdings Holland in Not und das nächste sehr heftige Erdbeben ausgehend von den GIPS, UK und USA unausweichlich.


  5. Auch die renommierte Schweizer „Neue Zürcher Zeitung“ äußerte bereits Bedenken, dass die generösen Rettungsaktionen nun auch die bisher noch gesunden, aber bereits tief verschuldeten Länder wie Deutschland weiter schwächen und ankränkeln könnten.

  6.   EricB.

    Herr Vaubel sagt nur, was die deutsche Ökonomenzunft denkt. Wer Hilfe haben will, soll dafür ordentlich bestraft werden. Sonst wäre Hilfe ein „Fehlanreiz“. Am liebsten würden diese Leute es den Märkten (=Banken) allein überlassen, Länder zu raten und abzuschießen. Im Fall Portugal haben sie es ja fast geschafft…
    mehr auf: lostineurope.posterous.com

  7.   Stefan L. Eichner

    @BK
    Sie haben ja recht. Aber inwieweit kann man erstens Marktergebnisse (Preise bzw. hier Zins) auf einem Markt, die – nur einmal angenommen, denn der Nachweis ist schwierig – von ein paar großen Spielern stark beeinflusst werden können, ebenso als echte Marktpreise betrachten wie die auf Märkten, auf denen kein Spieler einen signifikanten Einfluss hat? Spielen auf Finanzmärkten Marktform und Marktmacht keine Rolle? Und zweitens: Inwieweit kann man erwarten, dass mit dem bekannten geldpolitischen Instrumentarium in beiden Fällen die gleiche Wirkung erzeugt werden können? Denn eigentlich beziehen sich die Ökonomen, die es erdacht haben, nur auf den zweiten genannten Fall.

    Ich will Ihnen nicht widersprechen, sondern den Blickwinkel lediglich etwas weiter öffnen. Es liegt mir auch fern, die Notenbanken (und die Politik) zu verteidigen. Die haben schlicht experimentiert – bei der Fed bin ich mir da allerdings nicht so sicher – und sie tun es immer noch.

  8.   Martin

    Niemand hier hat begriffen worum es eigentlich geht.Alle europäischen Staaten sind hoch verschuldet,Tendenz seit 30 Jahren überall steigend. Diese Schulden sind kein Spielgeld, wie die meißten wahrscheinlich glauben, sondern echte Schulden: bei Pensionsgesellschaften, Versicherungen und ausländischen Gläubigern. Das ist der sogenannte „Finanzmarkt“, den es per se garnicht gibt.All diese Pleitestaaten überleben seit Jahrzehnten nur mit immerneuen Krediten. Im Falle Griechenland mit einer Verschuldung von 110% haben die Gläubiger gedroht, den Kredithahn zuzudrehen, und tatsächlich- das Land wäre sofort bankrott gewesen. Kann man das den Geldgebern verdenken, das sie langsam Angst bekommen? Ich denke nicht. Der Rettungsfond dient nicht etwa dazu, das Kernproblem, die Überschuldung anzugreifen, sondern einzig dazu die Gläubiger zu beruhigen: gebt uns weiter Kredite: wir bürgen. Nur, mit was? Kein einziges Land der Eurozone kann die abgegebenen Bürgschaften einlösen, ohne seine vielleicht noch halbwegs vorhandene Kreditwürdigkeit sofort einzubüßen. Das einzige Ziel besteht darin, den Krach nach hinten zu verschieben.
    Der Rettungsfond sollte nur bis 2013 gelten…schon vergessen?
    Wie Ihnen sicher entgangen ist, hat Deutschland seine Haushaltshohheit an Brüssel abgegeben – allein es wird nichts nützen. Denn kein einziges Kand der Eurozone kann sparen…
    Richtet Euch auf harte Zeiten ein. Alternativlos…!

  9.   Bernd Klehn

    @ Stefan L. Eichner

    Wir sind uns einig, der Finanzmarkt ist unter dem Schutz der Zentralbanken zum Finanzkasino verkommen. Das die Bank of England und die FED dieses zum kurzfristigen nationalen Vorteil gefördert haben wundert nicht, dass die EZB komplett unnötiger Weise leider auch auf die selbe Karte setzt, ist mehr als ärgerlich. Der Euroraum kann dabei nur verlieren.

 

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