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Schaden uns die Euro-Hilfen?

 

Die zentrale These von Hans-Werner Sinn und vielen seiner Kollegen (inklusive Henry Kaspar in diesem Blog) ist bekanntlich, dass die deutschen Investitionen in den vergangenen Jahren schwächelten, weil der Arbeitsmarkt zu starr war und das Kapital nach Griechenland und in die USA floh. Jetzt boomen die Investitionen wieder, weil das Kapital zu Hause bleibt und Rot-Grün den Arbeitsmarkt reformiert hat. Insofern wären die Hilfen für die Peripheriestaaten für Deutschland schädlich, denn wenn es diesen Ländern besser geht, fließt das Kapital bei uns ja wieder ab. Soweit Sinns Welt.

Zusammen mit Sebastian Dullien bin ich im Wirtschaftdienst dieser These einmal nachgegangen, mit erstaunlichen Ergebnissen: Es gab wohl ein schwere Krise nach der Jahrtausendwende, es gab aber keine strukturelle deutsche Investitionsschwäche, zumindest wenn man sich die in diesem Zusammenhang relevanten privaten Unternehmensinvestitionen anschaut. Man kann nun für oder gegen Arbeitsmarktreformen sein, man kann für oder gegen die Euro-Hilfen sein – mit der deutschen Wirtschaftskraft lassen sich die Positionen jedoch nicht begründen.

Viel Spaß beim lesen.

22 Kommentare


  1. Natürlich hat der Leistungsbilanzüberschuss, genauso wie nach den Krieg, und in Japan und China, nicht zu einer Inlandsinvestitionsschwäche geführt, aber im Gegensatz zu Japan und China und der Nachkriegeszeit, aber zu verloren Kapital am internationalen Finanzmarkt und damit den besonders den deutschen Arbeitnehmer um die Früchte der Arbeit gebracht. Dieses ist seit 1971 zu beobachten und insbesondere ab 2001 und die Eurokrise wird wiederum der deutsche Arbeitnehmer bezahlen. Deutschland ist leider mit einer guten und fleißigen Realwirtschaft aber leider mit einer rottenschlechten Finanzwirtschaft zu der neben deutsche Bankmanager, auch die Politik, deutsche Wirtschaftswissenschaftler und Wirtschaftsjournalisten beitragen.

  2.   Thomas Pittner

    Nun gab es ja im Zeitraum eine drastische Senkung der Unternehmenssteuern und der Spitzensteuern.

    Es sind ja immer noch die Freunde des Herrn Laffer und seiner Kurve unterwegs, die von Selbstfinanzierung von Steuersenkungen durch Investitionsanstieg sprechen.
    Danach hätten ja die Investitionen steigen müssen. Offenbar nicht.

    Dafür fehlt dem Staat natürlich entscheidend das Geld für Investitionen, auf allen Ebenen.

    Ansonsten möchte ich anmerken, dass Wohnungsbau als Wert an sich, flächenversiegelnd und ressourcenverbrauchend, gerade als Neubau in Suburbia nicht besonders wohlstandsfördernd sein muss; zumindest bei deutlich schrumpfender Bevölkerung nach allen Prognosen.

  3.   khr

    Zumindest in Großstädten (z.B.hier in Hamburg) besteht durchaus Bedarf an mehr Wohnungen.

    Aber auch die bessere Wärmeisolierung von Wohngebäuden ist ja im Zuge der Energiewende ein Thema, das erhebliche Investitionen erfordert.

    Gruß
    KHR

  4.   dunnhaupt

    Offensichtlich war die Zinsspanne (spread) zwischen den schwachen und den starken Ländern Europas vor der Krise nicht hoch genug, so dass die PIIGS Schulden zu fast denselben günstigen Raten aufnehmen konnten wie die Bundesrepublik. Als Resultat wuchsen die Schulden der schwachen Länder proportional viel schneller an.

    Die gemeinsame Währung für starke und schwache Volkswirtschaften ist also die Basis der Schuldenkrise.

  5.   Michael

    Die Bauinvestitionen krachten ein, auch, weil Rot – Grün die Eigenheimförderung nullte. Zusammen mit der Streichung der Entfernungspauschale. Dazu kam die „Ökosteuer“ zur Rentenfinanzierung. Womit Deutschland ungefähr doppelt so hohe Strompreise im Vergleich zu den Franzosen hat. Jetzt noch der Atomausstieg, das wird die Preise weiter treiben. Nicht aber die Investitionen. Bei den Franzosen gibt es auch einen Energie- Monopolisten, den Staat. Hier waren die Monopolisten z.B. bei ENBW das Land, bei RWE die Kommunen. Den gehen nicht nur Einnahmen verloren, da kommen Kosten. Nun werden die „Finanzinvestoren“ das Zepter in ihre schmierigen Griffel kriegen. Mit der Billiglöhnerei wurde ihnen das Rentensystem zum Fraß vorgeworfen. Die Folgen sollten für jeden leicht absehbar sein. Der Sozialstaat wird weiter geschliffen werden. Egal, welche „Mitte“ gerade „regiert“.

    Unternehmenssteuersenkungen machen den Standort nicht attraktiver. Die Rahmenbedingungen stimmen nicht. Den „Nutzen“ einer Finanzindustrie, die unter dem Strich nichts als uneinbringbare Schulden zu bieten hat, können gerade die Engländer und Amerikaner an ihren Spareinlagen genau dokumentieren. Da sieht es zappenduster aus.

    Agenda 2020 kommt sowieso als zwingende Folge der „Rettungen“. Das Kapital befindet sich bei den Aussichten auf der Flucht in die Schweiz, nach Skandinavien und / oder in Gold. Das Vertrauen in die €uropäische Politik und Wirtschaft ist mehr denn je zuvor angeschlagen. Der €uro eint nicht, er macht zunehmend aus den Völkern (nicht ihren „Regierungen“) Feinde. Es hätte kein Weg daran vorbeigeführt, die „Finanzindustrie“ quasi zu zerschlagen, es hat nicht sollen sein. Schade.

  6.   Art Vanderley

    Ist ja klar , daß für gute Entwicklungen immer die Reformen herhalten müssen , für schlechte sind sie natürlich nicht verantwortlich.

    In gewisser Weise stimmts ja auch: Hartz 4 fürht zu Lohnsenkungen , was wiederum den Export stärkt.
    Nur wer profitiert davon ? Bizarr außerdem , das ausgerechnet Deutschland am aggressivsten auf Sparprogramme drängt und sich damit die Basis für den eigenen Export entzieht.

  7.   gojko

    @Michael: „Die Bauinvestitionen krachten ein, auch, weil Rot – Grün die Eigenheimförderung nullte“

    Die Eigenheimförderung war ja nun wirklich Unfug. Was passiert, wenn man in einer Marktwirtschaft allen Immobilienkäufern 20k EUR schenkt? Richtig, die Preise steigen um 20k EUR. Das Geld landet directamente bei Grundbesitzern und Baufirmen.

    Gruß, Gojko.

  8.   hkeske

    Es macht mich ganz krank:

    „Die zentrale These von Hans-Werner Sinn und vielen seiner Kollegen (inklusive Henry Kaspar in diesem Blog) ist bekanntlich, dass die deutschen Investitionen in den vergangenen Jahren schwächelten, weil der Arbeitsmarkt zu starr war und das Kapital nach Griechenland und in die USA floh.“

    Woher wissen die Vertreter dieser These, daß es so gewesen ist? Haben sie die Kapitaleigner gefragt, und die haben weit überwiegend geantwortet, sie brächten ihr Kapital ins sichere Griechenland und in die noch sicheren USA gebracht, weil bei uns in Deutschland der „Arbeitsmarkt zu starr“ war?

    Oder handelt es sich um theoretische Überlegungen, die Anwendung von Modellen aus dem Baukasten „Der kleine Mechaniker“, mit dem sie herausgefunden haben, daß es so gewesen sein muß, wie sie behaupten?

    Vielleicht ist mir ja etwas entgangen, vielleicht hat eines der reichlich vorhandenen Forschungsinstitute ausnahmsweise Tatsachen festzustellen versucht, die die Starrheit des Arbeitsmarktes als Ursache für die Teilnahme unserer Kapitaleigner am US-Casino schlüssig belegen.

    Gibt´s da vielleicht eine passende Studie, die man nachlesen könnte?

    Sonst würde ich eher zu der Auffassung neigen, daß die deutschen Kapitaleigner deswegen im Ausland investieren, weil unser Binnenmarkt wegen der seit zwei Jahrzehnten andauernden Lohndrückerei nichts mehr hergeben kann – wie sollen die Leute mehr kaufen, wenn sie weniger verdienen? Warum soll man in einen Markt investieren, der gar nicht wirklich wachsen kann?

  9.   Tobias Fuentes

    Diesen vermeintlichen Befund sage dann bitte auch mal jemand Herrn Heusinger: https://blog.zeit.de/herdentrieb/2011/03/06/wie-viel-wollt-ihr-noch-verdienen_2845 Schon damals hat sich sein Artikel mit dem Stupid-Germans-Artikel von Herrn Schieritz gebissen.

 

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