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Danke, FDP!

 

Private Sector Involvement is killing us (via ftd.de):

Vom neuerlichen Kursrutsch an den Börsen sind die europäischen Banken besonders stark betroffen. In Frankfurt verlor die Aktie der Deutsche Bank bis zu neun Prozent. Bei der Commerzbank  summierten sich die Abschläge auf zeitweise 8,6 Prozent. Noch schlimmer erwischte es die französische  Société Générale, die bis zu 20 Prozent einbrach. Hintergrund sind wohl neue Sorgen um das Geriechen-Engagement der Geldhäuser: Der Athener Finanzminister Evangelios Venizelos hatte zuvor angedeutet, weitere Anleihen seines Landes könnten in das „freiwillige“ Umtauschprogramm aufgenommen werden, durch das private Gläubiger auf Teile ihrer Forderungen gegen das Euro-Mitglied verzichten sollen


9 Kommentare

  1.   jmg

    Ich persönlich halte diese Kurseinbrüche für eine höchst erfreuliche Entwicklung. Bei der anstehenden Verstaatlichung dieser Zockerbanken muss der Steuerzahler dann weniger an die Altaktionäre bezahlen. Anschliessend entlässt man die führenden Nieten in Nadelstreifen ohne Abfindung und bereinigt die Bilanzen von den Schrottpapieren. Eine solche Sanierungslösung für die Banken ist wesentlich billiger als die ständig neu aufgelegten sogenannten Rettungsprogramme.

  2.   HKaspar

    Wenn Banken unter Druck geraten weil sie gezwungen werden die Papiere in ihrer Bilanz korrekt zu bewerten dann sollen sie unter Druck geraten.

    Wer die Geschichte der Finanzkrisen ein wenig kennt wird feststellen dass vor der Umschuldung sich immer alle in die Hose machten – hinterher aber sich stets herausstellte dass Umschuldung die notwendige Vorassetzung fuer das Ende der Krise war. Je laenger man sich der Logik zu entziehen sucht dass Ueberschuldung nur durch Schuldenreduktion zu loesen ist – und stattdessen versucht ihr durch probleminadeqaute Finanzierugnspakete plus vollkommen unrealistischer Anpassungsversuche Herr zu werden – desto schlimmer wird die Krise. Wir sehen gerade Klappe die X-te davon.

    Dabei sollten wir gerade in Deutschland das eigentlich wissen. Schilesslich versuchte Bruening anfang der 30er Jahre genau das was Griechenland und Portugal jetzt versuchen, damals wie heute ein ebenso heroischer wie zum Scheitern verurteilter Versuch. Als die Reparationen endlich gestrichen waren, Deutschland den Schuldendienst einstellte und Devisenbewirtschaftung einfuehrte (de-facto Ende des Goldstandards) gab es keine Demokratie und keinen Rechtstaat mehr.

  3.   Bernd Klehn

    Frankreich steht zu Recht unter Druck. Seine Leistungsfähigkeit ist dramatisch abgesackt, die EZB sollte dieses, wie auch bei den anderen Staaten nicht prolongieren oder gar ermöglichen. Der Griff in die Gemeinschaftskasse via Traget2 ist ein gefährliches Konstrukt.

  4.   Thomas Ernst

    Für alle, die es noch nicht verstanden haben, hat Citibank die Sachlage am 9.8. nochmals zusammengefasst:
    (ir.citi.com/…)

    (1) Alle G7 Länder werden ihr AAA Rating verlieren.

    (2) In der Schönen Neuen Welt gibt es KEINE sicheren Anlagen mehr.

    Und Gärtner (blog.markusgaertner.com) kommt zum Schluss:

    „Es wird Zeit, dass diesem Wahnsinn jemand ein Ende bereitet. Die letzte Chance für uns alle wäre, wenn jemand den entfesselten Märkten das zur Waffe gewordene Spielzeug entreißt. Wir brauchen einen Kahlschlag. Dieser muss kurz die Uhr anhalten, den Horror beenden, einen Neuanfang erlauben.

    Kurzum: Was wir brauchen, ist eine Verstaatlichung aller Banken und eine Erneuerungs-Bewegung für unsere Demokratien.“

    Noch Fragen?

  5.   Christian Wagner

    Was wir brauchen ist ein sofortiges Verbot von CDS, wenn keine entspr. Anleihen gehalten werden.
    Die Taktik der Spekulanten ist doch klar: CDS kaufen und anschließend Gerüchte streuen!
    Wenn irgendein Staat pleite gehen sollte, dann wäre eine Sekunde später der Stillhalter pleite, also was sollen CDS bringen???

  6.   hkeske

    „Kurzum: Was wir brauchen, ist eine Verstaatlichung aller Banken und eine Erneuerungs-Bewegung für unsere Demokratien.”

    Genau – aber man muß es geschickt machen. Am besten, man sorgt erst einmal für die Insolvenz der Privatbanken. Das mindert die Kosten erheblich, die sonst bei einer Enteignung anfallen können.

    Wenn man sie auf den Staat übernommen hat, wird man auch gleich eine ordentliche Portion Staatsschulden los – Schuldner und Gläubiger fallen zusammen und die Forderungen erlöschen.

    Der Investmentbanken-Teil wird ausgelagert und den Vorschriften unterworfen, die auch für andere Institute aus dem Bereich Spiel und Wette gelten. Spielen und Wetten darf danach nur noch, wer nachweisen kann, daß er den Verlust seines Spielgeldes verkraften kann, ohne deswegen in Not zu geraten. Zugleich erfährt man auf diese Weise, wieviel Vermögen sich sinnlos in Privathand gesammelt hat. Die Information kann für steuerliche Zwecke nützlich sein :-)).

    Danach steuert der Staat, in den wir nur noch qualifizierte Vertreter entsenden wollen, das Geldmengenwachstum direkt und nicht durch das längst untaugliche Mittel irgendwelcher Zinsschritte.

    Der „Markt“ hat sich nun einmal als völlig untauglich und hochgradig irrational erwiesen. Ihm können wir beim besten Willen keine unsere Existenz berührenden Entscheidungen mehr überlassen.

    Und die Demokratie erneuern wir auch – beginnend mit der Inhaftierung aller Lobbyisten, die zusammen mit einigen Bankern und Analysten auch in einem eigenen Gefängnisblock untergebracht werden sollten, wie bei eine Quarantäne.

  7.   Stefan L. Eichner

    @hkeske

    Der Markt ist keineswegs völlig untauglich. Untauglich sind nur die Erklärungen der Ökonomen, unter welchen Voraussetzungen er seine Macht regulierende Aufgabe erfüllt und die Wirtschaft prosperieren lässt!

    Um es noch deutlicher zu sagen: „Freiheit“ ist als Maß und alleinige Voraussetzung ungeeignet. Die verbreitete alternative Vorstellung, oligopolistische Markstrukturen seien eine geeignete Voraussetzung, ist falsch – sie hat uns unter anderem das „Too big to fail“-Problem eingebrockt.

    Es ist nicht angemessen, das Kind mit dem Bade auszuschütten, nur weil man nicht in der Lage ist es zu verstehen und so anmaßend zu glauben, auch niemand sonst könne es verstehen.

    Gruß
    SLE

  8.   hkeske

    Den Markt habe ich in Anführungszeichen gesetzt, weil ich damit den Markt der reinen Lehre mit seiner segenbringenden, unsichtbaren Hand ansprechen wollte. Den Markt als den echten oder virtuellen Ort, an dem Waren oder Dienstlesitungen gegen Geld ausgetauscht werden, braucht man nicht anzusprechen – Orte regeln nichts, können also mit Bezug auf Austauschvorgänge und ihre Besonderheiten auch nicht versagen. Natürlich sind Orte tauglich für Handelsvorgänge.

    Aber das ist ja nicht das Thema, denke ich. Auch wenn man die Banken verstaatlicht, gibt es einen Finanzmarkt – nur ist dann ein sehr starker Marktteilnehmer dabei, nämlich der Staat, der aber im Idealfall nicht seinen eigenen Gewinn, sondern einen über Partikularinteressen hinausgehenden Zweck verfolgt. Nachdem, was wir gerade erleben, scheint eine solche Konstellation weitaus weniger schadenträchtig als der aktuelle Zustand.

    Wer aber meint, der Staat solche sich, aus welchem vernünftigen Grund auch immer, aus den Märkten fernhalten, der spricht gewöhnlich davon, daß den Märkten Rahmenbedingungen gesetzt werden müßten, weil sie wohl doch nicht soviel klüger sind als der mißachtete Staat. Das ist eine hehre Absicht, nur habe ich noch niemanden sagen hören, wie diese Rahmenbedingungen denn aussehen müßten.

    Rahmenbedingungen sind Freiheitsbeschränkungen für die Marktteilnehmer. Wenn es jemandem gelingen sollte, diese Rahmenbedingungen so zu setzen, daß der dem „Markt“ immanente Hang zu schädlichem Verhalten tatsächlich ausgebremst wird, bin ich gleich dabei.

  9.   Stefan L. Eichner

    @ hkeske

    Das ist es ja gerade: Die Marktverhältnisse sind so, dass sie keine geeigneten Rahmenbedingungen mehr finden können, um die Märkte wieder zu einer stabilen Funktionsweise zurückzuführen.

    Wenn Sie sich einmal anschauen, wie die Entwicklung der Aktienindices, der Fusionen & Übernahmen und der Einkommens- sowie Vermögensdisparitäten über die letzten 110 Jahre verlief, beispielsweise in den USA, und wenn Sie diese Kurven übereinander legen, dann werden Sie in etwa folgendes feststellen:

    In Phasen vor einem Crash, steigen Kurse sowie die Zahl der M&A – wenn man die mal grob als Indikator für Unternehmenskonzentration nimmt – immer steiler an, während zugleich die Einkommens- und Vermögensdisparitäten immer stärker auseinander klaffen.

    Das haben wir aktuell wieder.

    Und das Problem mit den Rahmenbedingungen ist, dass es erstens kein für alle Zeit richtiges Set gibt.

    Wer das annimmt, der hat eine statische Marktsicht. Märkte entwickeln sich aber und leider immer in dieselbe Richtung, nämlich zu Verhältnissen, wie ich sie oben skizziert habe.

    Zweitens werden Rahmenbedingungen – u. a. bedingt durch die statische Marktsicht – für die Gewinner von Marktprozessen gemacht womit ewige Gewinner produziert werden und der oben beschriebene Entwicklungsverlauf letztlich sogar beschleunigt wird.

    Nehmen Sie nur mal die Geschichte mit den spezifischen Regeln für systemrelevante Institute. Das ist Humbug, weil das bestenfalls den Versuch der Schaffung einer Art „Als ob“ richtig funtkionierender Märkte darstellt und schlimmstenfalls eine Bestandgarantie für Quasi-Monopolisten ist.

    Es kommt also darauf an, wie die aktuellen Marktverhältnisse interpretiert werden. Für mich sieht das nach Marktbeherrschung entweder durch Quasi-Monopole oder flexible Kartellbildung aus. Mit funktionierenden Märkten hat das nicht mehr viel zu tun. Ich vermute deswegen stark, dass man hier nicht mehr mit schärferen Regeln, sondern nur noch mit einer Veränderung der Marktverhältnisse weiter kommen kann.

 

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