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Weidmann winkt Draghis Anleiheplan durch…

 

… so werden die Zeitungen morgen sicher nicht titeln. Vielmehr werden sie schreiben, dass Weidmann den Konflikt mit Draghi anheizt durch seine Äußerungen im Spiegel diese Woche. Das ist die saftigere Variante der Geschichte. Aber ist es auch die richtige?  André Kühnlenz hat bereits darauf hingewiesen – sehen wir uns die Aussagen im Interview an:

Auf die Frage, ob Draghi das Mandat der Notenbank überschreitet sagt er

Ich möchte jedenfalls vermeiden, dass die Geldpolitik unter die Dominanz der Fiskalpolitik gerät.

Auf die Frage, wie er zu Zinsobergrenzen steht heißt es

Zinssätze für Staatsanleihen im EZB-Rat festzulegen wäre für mich jedenfalls eine heikle Vorstellung.

Auf den Einwand, damit stehe er alleine sagt er

Ich glaube nicht, dass sich der Einzige bin, der dabei Bauchschmerzen bekommt. 

Und auf die Frage, was er generell vom Ankauf von Staatsanleihen hält, sagt er

Eine solche Politik ist für mich zu nah an einer Staatsfinanzierung durch die Notenbank.

„Zu nah“, „Bauchschmerzen“, „heikel“, „möchte jedenfalls vermeiden“ – das sind keine Begriffe, die Widerstand bis aufs letzte Messer nahelegen, sondern ein sich Fügen in das Schicksal. Die Bundesbank wird ihren Unmut äußern, aber sie wird nichts tun. Sie wird nicht klagen, sie wird sich dem Programm nicht entziehen, Weidmann wird auch nicht zurücktreten. Der Aufstand findet nicht statt.

Das kann man je nach ideologischer Haltung gut oder schlecht finden, aber wenn ich Investor wäre, wäre das keine uninteressante Botschaft.

48 Kommentare

  1.   Frankie Bernankie

    @jmq

    „Die Staatsverschuldung ist so schon zu hoch, uneinholbare (Target-)Forderungen kommen noch oben drauf und…“

    Wer erhöbe dann eigentlich diese viel-geraunten Targetforderungen gegen wen? Und wenn ja, in welcher Währung?
    Würde mich mal interessieren.

  2.   JMQ

    @Frankie Bernankie

    Die Targetforderungen hat die Bundesbank gegenüber der EZB. In der Bilanz der BuBa stehen diesen Forderungen natürlich Verbindlichkeiten gegenüber. Verbindlichkeiten gegenüber deutschen Banken, die wiederum Verbindlichkeiten gegenüber Kunden haben: z.B. deutsche Exporteure, aber auch zunehmenden Südeuropäern, die Fluchtgelder in Deutschland parken. Zerbricht die Währungsunion, bekommt die Buba für ihre Targetforderungen besten falls noch Lire und Peseten, die Fluchtgelder müssten aber in D-Mark zurück gezahlt werden.

  3.   alterego

    @10 Frankie Bernankie

    Müssen sie ja nicht. War nur eine Aussage bezüglich dessen, was ich, nicht andere, bevorzugen würde. Wer meint, er sei in der bisherigen EWU besser aufgehoben als in einem Nord-Euro mit Deutschland, möge dort bleiben.

  4.   alterego

    @12 jmq

    Wieso müssen die Fluchtgelder zurück gezahlt werden? In deutscher Währung wäre das Fluchtgeld mutmaßlich deutlich stabiler angelegt als in Drachme oder Lire. Ich gehe davon aus, dass eine starke deutsche Währung als Reservewährung attraktiver wäre als der derzeitige Euro und ein Kapitalexport qua Geldumtausch eher nicht stattfände.

  5.   JMQ

    @14 alterego
    Sie meinen mit ein paar hundert Milliarden beim Ausland in der Kreide zu stehen ist egal, denn die wollen ihr Geld ja sowieso nie zurück und Zinsen wollen sie schon gar nicht?
    Diese Sichtweise halte ich für etwas naiv.

  6.   Alex

    #8

    Also ob Niederlande, Finnland, Österreich, Estland ohne Deutschland im Euro bleiben würden! No way. Die warten bereits jetzt darauf, dass Deutschland den Stecker zieht.

    Wir brauchen einen Nord-Euro als 1. Bundesliga und einen Süd-Euro als 2. Bundesliga. Diese muss so gestaltet sein, dass sogar Frankreich durch die Aussicht auf andauernde Teilnahme am Nord-Euro diszipliniert werden kann.

    Alex

  7.   Alex

    #10

    Da wäre ich doch vorsichtig. Diese Länder können sehr wohl Interesse an einem Währungsverbund mit *Gleichgesinnten* zu tun habe. Der Euro muss und wird sterben, weil er keine Währungsunion von *Gleichgesinnten* ist. Der Euro wurde als Euro-DM konzipiert und wird im Rahmen der Krise nun zur Euro-Lira subvertiert, manche würden auch sagen: pervertiert.

    #15

    Sie übersehen die Möglichkeit der *einmaligen* Finanzierung durch die Notenpresse *im Rahmen einer Währungsreform*.

    Alex

  8.   Dietmar Tischer

    @ JMQ # 9

    Meine Überlegungen gehen in eine andere Richtung als Ihre.

    Zu Weidmann:

    Ich glaube nicht, dass Weidmann eine eigene politische Agenda hat. Er sieht die Geldpolitik der EZB für falsch, das Mandat für überzogen und die Maßnahmen der EZB als kontraproduktiv an auf dem Weg zu mehr Wettbewerbsfähigkeit in der Peripherie. Das will er klarstellen, auch um darauf hinzuweisen, dass die Verantwortlichkeiten zwischen EZB und Politik verwischt sind. DAMIT wirkt er in der Öffentlichkeit. Das weiß er, verbindet aber damit – soweit öffentlich geäußert und erkennbar – keine weiteren Absichten. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass er sich Inflation herbeiwünscht.

    Wenn die Eurozone auseinander brechen würde, dann käme es in Deutschland vermutlich zu dem von Ihnen beschriebene Szenario einer extrem hochschnellenden Inflation und schlimmen Rezession.

    Ein solcher Zustand wäre hierzulande nicht mehr kalkulierbar und politisch und sozial, wenn überhaupt, nur schwer beherrschbar.

    Die politisch Verantwortlichen fürchten sich davor – zurecht (es ist das einzige wirklich starke und daher ernst zu nehmende Argument der „Euro-Retter“, auch wenn es kein hinreichendes ist, diese Politik fortzuführen).

    Ein Auseinanderbrechen der Eurozone zu vermeiden, ist daher das alles bestimmende Motiv der deutschen und europäischen Politik.

    Ist das richtig, dann wird sie auch kein Scheitern der Eurozone durch Inflation zulassen oder gar erreichen wollen. Selbst dann nicht, wenn unbestreitbar ist, dass eine höhere Inflation im Kern die Anpassungsleistungen in der Peripherie erleichtert.

    Inflation in Deutschland schafft hierzulande zwei Probleme:

    Erstens steigert Inflation die politische Aversion gegen den Euro in der Bevölkerung (Euro = Teuro). Das erschwert das politische Geschäft, die Beschaffung von Mehrheiten und damit den Machterhalt.

    Zweitens steigen die Kosten für Neuverschuldung der eh schon hoch verschuldeten öffentlichen Haushalte, weil die Gläubiger einen Inflationsausgleich fordern werden. Das engt die verteilungspolitischen Spielräume nochmals ein und führt tendenziell zu Destabilisierung, was eine Horrorvorstellung für Politiker ist.

    Die Politik wird aus diesen Gründen Inflation zu vermeiden suchen.

    Aber – und damit bin ich ein Stück bei Ihnen:

    Es kann durchaus zu einem starken Wertverlust des Euro kommen, auch wenn der nicht gewollt ist. Ich habe das Gefühl, dass wir bereits in einem Abwertungswettlauf sind. Der Euro bewegt sich jedenfalls in einem Abwärtskanal gegenüber dem Dollar, wohl auch weil es bei anhaltender Unsicherheit eine Flucht aus dem Euro gibt.

    Hält das an, werden die Importe teurer, insbesondere die Rohstoffe. Die höheren Erzeugerkosten werden auf die Verbraucher übergewälzt – und dann haben wir das Inflationsszenario, das keiner haben will.

    Die damit verbundene Entschuldung könnte dann noch eines der kleinsten Probleme sein.

  9.   alterego

    @15 jmq
    „wollen ihr Geld nie zurück“ habe ich nicht geschrieben.

    Außerdem, sie haben es ja nicht weg gegeben. Es wurde lediglich von einem Bankkonto im Ausland auf ein Bankkonto in Deutschland transferiert. Und im Wege einer Geldanlage womöglich in andere Geld- oder Sachvermögenswerte getauscht. In diesem Fall sollte es auch Zinsen bringen.

  10.   alterego

    @18 Dietmar Tischer

    „Wenn die Eurozone auseinander brechen würde, dann käme es in Deutschland vermutlich zu dem von Ihnen beschriebene Szenario einer extrem hochschnellenden Inflation und schlimmen Rezession.“

    Sehe ich nicht so.

    Entscheidend wäre der Umtauschkurs Euro gegen neue Währung. Er bestimmt die Relation von Geld- zu Gütermenge. Er ist so festzulegen, dass weder Inflation, noch Deflation drohen. Anschließend könnte die nationale Zentralbank derartigen Gefahren mit dem bekannten geldpolitischen Instrumenten, so wie bisher, begegnen.

    Die Target2-Salden sind Verrechnungsposten zwischen den NZB des Eurossystems. Sie wären m.E. bei einer Rückabwicklung des Eurosystems auf Ebene der EZB zum Ausgleich zu bringen; sie heben sich dort auf. Die EZB müsste den ausscheidenden Ländern, nachdem bei ihr alle Erträge und Aufwendungen final erfasst und das Eigenkapital bestimmt ist, deren Anteil an ihrem Kapital zurück erstatten.

 

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