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Financial Non-Repression

 

Big Ben sagt es wie es ist – wenn die Zentralbank zu früh die Zügel anzieht, bleiben die Zinsen im Endeffekt länger niedrig, weil die Konjunktur sich nicht erholt. Darüber sollten all jene nachdenken, die sich über die vermeintliche Enteignung der Sparer beklagen.

A premature tightening of monetary policy could lead interest rates to rise temporarily but would also carry a substantial risk of slowing or ending the economic recovery and causing inflation to fall further. Such outcomes tend to be associated with extended periods of lower, not higher, interest rates, as well as poor returns on other assets. 

45 Kommentare

  1.   Alex

    Lower interest rates because inflation has dropped?

    Wo ist der Nachteil für den Sparer? Die Inflationsrate ist niedrig und soll durch niedrige Zinsen bekämpft werden. Das ist für den Sparer erst einmal positiv.

    Alex

  2.   Dietmar Tischer

    Die Argumentation ist nicht schlüssig.

    Wenn aufgrund einer strikteren Geldpolitik auf länger Zeit die Inflation weiter fällt und die Zinsen sowie sonstige Kapitalerträge fallen, kommt es – aus Sicht der Sparer – darauf an, WIE die Inflation im VERHÄLTNIS zu den Zinsen und Kapitalerträgen fällt. Fällt sie stärker als die Zinsen und Erträge ist das positiv für die Sparer.

    Wenn dazu nichts gesagt wird, kann man aus obiger Aussage keine Vorteils- oder Nachteils-Schlüsse für die Sparer ziehen.

    B. hätte einfach sagen sollen:

    „A premature tightening of monetary policy could lead interest rates to rise temporarily but would also carry a substantial risk of slowing or ending the economic recovery”.

    und hinzufügen müssen:

    This is not what we want to occur and for that reason we don’t intend tightening monetary policy right now.

    Ende der Durchsage.

  3.   Henry Kaspar

    @ Tischer

    mag sein. Bernanke’s Kernpunkt aber ist richtig: wer die Volkswirtschaft zwingt, in Unterbeschaeftigung zu verharren, tut Sparern keinen Gefallen.

    Bernanke bietet einen spezifischen Transmissionsmechanismus an, aber es kommt alles zurueck darauf dass Sparertraege notwendig aus dem kueftigen Einkommen der Volkswirtschaft stammen – wie Schieritz in seinem verdientsvollen Artikel anschaulich erlaeutert hat.

    Gruss,
    HK

  4.   Dietmar Tischer

    @ Henry Kaspar

    Sehe ich durchaus und habe nicht dagegen argumentiert.

    Neben der formalen Schlüssigkeit geht es um die Beachtung des folgenden Aspekts:

    Die Beschäftigung ist das vorrangige und damit WICHTIGSTE Kriterium, an dem sich die Geldpolitik ausrichten sollte, weil Unterbeschäftigung ein HEUTE-Defizit ist, das NIE MEHR kompensiert werden kann. Denn ein defizitäres Heute wird morgen nicht besser, wenn das Morgen nicht defizitär ist. Die Sparer-Situation ist damit verglichen zweitrangig, weil sie auf gestaltbare Zukunft gerichtet ist. Die Sparerträge werden zwar auch durch das Heute mitgestaltet, aber eben nicht nur durch das Heute, sondern auch durch jedes folgende Heute.

    Deshalb habe ich geschrieben „Ende der Durchsage“.

    Wenn man die Sparer-Situation für die Geldpolitik instrumentalisiert und dies sogar soweit, dass man die Geldpolitik daran aufhängt, wird man in eine ARGUMENTATIV schwierige Situation kommen. Denn kann man nicht ausschließen, dass die Sparer durch Geldpolitik in der Sparphase schlechter gestellt sind (weniger HEUTIGE Kaufkraft/Spareinheit), dann werden die Sparer diesen Aspekt gegen den Beschäftigungsaspekt ausspielen wollen – auch dann, wenn DIESE Schlechterstellung nicht relevant für ihren Sparertrag ist.

    Das ist erkennbar kontraproduktiv mit Blick auf obigen Beschäftigungsaspekt.

    Und es ist auch nicht zu verhindern, dass diese kontraproduktive Argumentation aufkommt, weil die Sparerträge in der Zukunft liegen und das zukünftige Einkommen der Volkswirtschaft, aus dem die Sparer bedient werden, UNGEWISS ist.

    Deshalb würde ich von mir aus die ganze Sparer-Situation von der Beschäftigungssituation ARGUMENTATIV trennen.

    Wenn das nicht zu vermeiden ist, dann sollt man m. A. n. so argumentieren:

    Die Beschäftigung ist der Schlüssel für Ertrag des Sparens. Mehr Beschäftigung vergrößert das Einkommen der Volkswirtschaft und damit auch den Sparertrag. Also sollten wir VOR ALLEM dafür sorgen, dass wir keine Unterbeschäftigung haben.

    Das ist die zielführende Argumentation gegenüber den Sparern, auch wenn sie aus meiner Sicht nachrangig ist mit Blick auf die Unterbeschäftigung.

  5.   Henry Kaspar

    @ Tischer

    Ganz meine Meinung.

    Gruss,
    HK

  6.   Bhab

    Das trifft zu auf die USA und andere Defizitstaaten.

    Da leben „wir“ aber nicht.

  7.   Dietmar Tischer

    @ Bhab

    Schon richtig, dass Bernanke NUR für die USA spricht und wir nicht die USA sind.

    Unter welchen rechtlichen und wirtschaftlichen Bedingungen, hier speziell den Arbeitsmarkt und die Liquidität betreffend, er welche Auffassungen zur gegenwärtigen Geldpolitik, die immer auch eine Geldpolitik für die GESAMTE Währungsunion mit unterschiedlicher nationaler Situation ist, haben sollte, ist daher eine offene Frage.

    Es ist auch eine offene Frage, ob und inwieweit die Geldpolitik in der gegenwärtigen Situation in USA und/oder der Eurozone etwas gegen die Unterbeschäftigung leisten kann.

    Weiter ist es eine offene Frage, ob die Geldpolitik, auch wenn sie etwas gegen die Unterbeschäftigung tun kann, damit nicht auch Risiken anderer Art für die betreffenden Wirtschaften schafft.

    Die Geldpolitik MUSS also in einem breiterem Blickfeld als nur Beschäftigung/Sparen gesehen werden.

    Wird sie aber – abstrahierend von SPEZIELLEN Bedingungen – in diesem engen Blickfeld gesehen, dann ist die Geldpolitik zumindest so begründbar, wie ich sie begründe.

  8.   Bernd Klehn

    @ Dietmar Tischer

    „Die (nachhaltige und produktive) Beschäftigung ist das vorrangige und damit WICHTIGSTE Kriterium, an dem sich die Geldpolitik ausrichten sollte………“

    Die Förderung von kurzfristiger Beschäftigung durch Kapitalfehlallokation ist aber, bei Strukturproblemen, langfristig der falsche Weg. Diesen Weg beschreiten sowohl die FED, als auch die anderen Zentralbanken. In den USA werden wieder verstärkt zu große benzinschluckende Autos gekauft und in großen, schlecht isolierten Häusen weit ab von der Arbeit gewohnt. Damit werden nur die Fixkosten erhöht und manifestiert. Die Fehlallokation des Kapitals sich ausdrückend in einer permaenten Fortschreibung des Leitungsbilanzdefizits wird ununterbrochen fortgeschreiben. Damit drohen langfristig Solvenzprobleme, die zwangsläufig zu einem brutalen Beschäftigungseinbruch führen.

  9.   Barthel Berand

    @ 4 – Dietmar Tischer

    „Die Beschäftigung ist der Schlüssel für Ertrag des Sparens. Mehr Beschäftigung vergrößert das Einkommen der Volkswirtschaft und damit auch den Sparertrag. Also sollten wir VOR ALLEM dafür sorgen, dass wir keine Unterbeschäftigung haben.“

    Herr Tischer, bitte. Wir waren schon mal weiter.

    Vielleicht sollten Sie meinen kleinen historischen Abriss nebenan noch einmal genauer lesen. (Ich komme darauf später noch zurück.)

    Nicht die Beschäftigung ist der Schlüssel für den Ertrag des Sparens; GÜTER sind es; Güter, die NICHT konsumiert werden = Überschüsse. NUR diese sind der Mehrwert, auf dem man alles weitere aufbauen kann; hier: mit dem man mehr Beschäftigung/Arbeit erzeugen kann. Beim Sparen tauschen Sie GegenwartsGÜTER gegen ZukunftsGÜTER, um mal das Geld außen vor zu lassen und es realwirtschaftlich zu formulieren.

    Wenn Sie mit obigem Satz recht hätten, ginge es den Griechen nicht schlecht. Beschäftigt waren die alle. Es waren nur zu viele Beamte und zu viele Soldaten dabei, die alle auf Pump bezahlt wurden. Löhne für Beamte und Soldaten sind KONSUMTIVE Ausgaben. Sie produzieren nichts. Eine Volkswirtschaft wächst NICHT durch Ausgaben, sie wächst durch Produktion. Wir MESSEN das Wachstum nur anhand von Ausgaben. Das Gehalt eines Betriebsprüfers erhöht das BIP. Man fasst sich an den Kopf.

    Die Wirtschaft wächst NICHT, WEIL mehr konsumiert wird. Man kann mehr konsumieren, WEIL die Wirtschaft wächst, i.e. weil mehr ÜBERSCHÜSSE produziert werden. Deshalb müssen Sie unterscheiden, was die Leute tun, die Sie beschäftigen. (Deshalb unterscheide ich auch zwischen Beschäftigung (unproduktiv) und Arbeit (produktiv)).

    Und wenn Sie ein Beamtenheer auf Pump finanzieren und nicht aus Überschüssen, dann freut das zunächst die Beamten und das gesamte Umfeld dieser Beamten, das sich natürlich darauf einrichtet, dass diese Beamten auch weiterhin bei ihnen einkaufen (Wir erinnern uns: die Beamten kaufen/konsumieren auf Pump, weil der Staat sie auf Pump bezahlt). Und DIESER Mechanismus führt dann zu einer Wirtschaftsstruktur, die nicht aufrecht zu erhalten ist (s. Griechenland). Die ganze Struktur bricht zusammen. Zwangsläufig und unabänderbar. Das steht uns noch bevor, denn auch unsere Verschuldung steigt. D.h. wir machen es genauso falsch wie die Griechen, nur in kleinerem Umfang. Deshalb sind wir noch VERGLEICHSWEISE (keine Bewertung OHNE Vergleich) stark. Der Unterschied zwischen einem wirtschaftlich Starken und einem Schwachen ist aber nur der, dass sich der Starke den falschen Weg LÄNGER leisten kann. Das Ende der Geschichte ist identisch.

    Ihr Satz lautet also richtig: Die PRODUKTION ist der Schlüssel für den Ertrag des Sparens. Aber das haben Sie sicher auch so gemeint. Soviel habe ich schon mitbekommen. Auch @ Henry Kaspar hat in @ 5 sicherlich meiner Formulierung zugestimmt, nicht Ihrer.

    Wenn Sie nun diese ARBEIT vorfinanzieren möchten, so benötigen Sie dafür ERSPARNISSE. Da Sie die nicht in ausreichendem Maße haben – Sie wollen ja die derzeitige Struktur (= Verhältnis Konsum/Ersparnis) aufrecht erhalten – benötigen Sie fiat-money, das so wirkt, wie Ersparnisse, die es so nicht gibt. Mit den Überschüssen, die Sie produzieren, führen Sie dieses fiat-money zurück. Sie müssen also NACHSPAREN. Das würde evtl. funktionieren, wenn man es in der Realität nicht übertreiben würde. (Die Umverteilungseffekte, die das mit sich bringt, thematisieren wir hier nicht.) Notwendig ist es dennoch nicht. Aber das verschieben wir auf später.

  10.   hkeske

    Ich kann dem Zitat nichts wirklich Brauchbares entnehmen. Was sagt er denn? Zu frühe Verschärfung der Geldpolitik könnte zum zeitweiligen Anstieg der Zinsen führen – schön, aber wann ist „zu früh“ ? Wie stellt man denn den richtigen Zeitpunkt fest? Dazu sagt er nichts.

    Diese „zu früh“ könnte dann nachteilige Wirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung haben. Ja sicher, könnte, muß aber nicht. Vielleicht wäre es sogar wichtiger, welches Ausmaß die Verschärfung annimmt. Auch dazu sagt er nichts. Dieser Teil der Formulierung ist noch beliebiger als der erste Teil.

    Und abschließend erfahren wir dann von einer möglichen Tendenz eines höchst unpräzise benannten Szenarios.

    Die Aussage ist wohl mehr „politisch“. Der Erkenntniswert entspricht ungefähr dem einer Mitteilung, daß wie morgen auch ein Wetter haben werden.

 

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