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Energiewende darf nicht auf der Strecke bleiben

 

Unter den zehn zentralen Themen, über die die Sozialdemokraten in den nächsten Wochen mit der Union verhandeln wollten, fehlte zunächst die Energiepolitik. Auch die Umwelt kam nicht vor, ebenso wenig wie die Zukunft des Euro und die Bankenunion. Ich dachte daher, dass sich die Parteien auf diesen Feldern wohl weitgehend einig seien und keinen Handlungsbedarf sahen. Das hat sich seit gestern geändert – es gibt neuerdings zwölf Arbeitsgruppen, und alle drei Themen sind jetzt abgedeckt. Gut so.

Bei der Energiepolitik sind die Verhandlungsführer der Umweltminister Peter Altmaier von der CDU und Hannelore Kraft, die sozialdemokratische Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen und voraussichtliche Spitzenkandidatin der SPD im Wahlkampf 2017. Sie steht der Energiewende hin zu Erneuerbaren skeptisch gegenüber, jedenfalls was die Beschleunigung des Prozesses betrifft, weil nicht nur E.on und RWE, die größten deutschen Stromversorger in ihrem Bundesland beheimatet sind, sondern weil die Industrie von NRW im Allgemeinen energieintensiver ist und eine größere Rolle spielt als in der übrigen Bundesrepublik. Sie muss an die Arbeitsplätze denken, die durch einen zu schnellen Ausstieg aus der fossilen Stromproduktion verloren gehen könnten. Die Arbeitslosenquote liegt vor allem in den Städten des Ruhrgebiets deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Sie wird daher tendenziell auf die Bremse treten. Sie dürfte bei Peter Altmaier auf keinen großen Widerstand treffen. In der kommenden großen Koalition könnte es eine Mehrheit derer geben, denen die Energiewende überhaupt nicht schmeckt: Ihnen geht alles viel zu schnell. Sie bremsen lieber als sich noch ehrgeizigere Ziele zu setzen als die alte Bundesregierung.

Vor allem die vier großen und bislang sehr profitablen Unternehmen des Stromoligopols dürften ein Interesse daran haben, den Strukturwandel zu verlangsamen. Sie – und ihre Eigentümer – haben etwas dagegen, zu einem Auslaufmodell zu degenerieren. Von Anfang 2008 bis heute ist der Aktienkurs von E.on um 73,9 Prozent, der von RWE um 73,5 Prozent eingebrochen (man beachte den Gleichlauf!). Im Sommer dieses Jahres hatten die Verluste sogar fast 80 Prozent erreicht. Seit der Bundestagswahl vom 22. September hatten die Kurse aber wieder kräftig zugelegt, sind aber nach wie vor sehr niedrig. Die Abstrafung der Grünen hat bei den Versorgern an den Börsen ein kleines Kursfeuerwerk ausgelöst. Trotzdem haben E.on und RWE in den vergangenen knapp sechs Jahren zusammen 152 Milliarden Euro an Marktwert verloren. EnBW und Vattenfall, die beiden anderen Oligopolisten, dürften kaum besser abgeschnitten haben. Für diese Unternehmen ist die Aufnahme von Eigenkapital sehr teuer geworden und sie werden nicht mehr in der Lage sein, die hohen Dividenden zu zahlen, die sie zu den Lieblingen der konservativen Anleger gemacht hatten. Die Aktien waren bislang eine Alternative zu Bundesanleihen, nur mit viel höheren Ausschüttungen. Das ist vorbei.

Wenn die Expansion der erneuerbaren Energien so weitergeht wie bisher, ist es nur eine Frage der Zeit, bis die traditionellen Kraftwerke nur noch eine Rolle als Puffer spielen. Sie kommen in nicht allzu ferner Zukunft nur dann zum Einsatz, wenn weder der Wind weht noch die Sonne scheint, wenn alle Stromspeicher leer sind und kein Strom aus dem Ausland importiert werden kann. Es liegt auf der Hand, dass so etwas nur sehr selten passieren wird. Da inzwischen etwa ein Viertel des Stromverbrauchs aus erneuerbaren Quellen stammt, gibt es ein Überangebot an Strom.

Grafik: Anteil der Erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung 1990-2012
Anteil der Erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung 1990-2012 (in Prozent)

Ein Indiz für das Überangebot ist, dass sich Unternehmen an der Leipziger Strombörse gelegentlich per Termin eine Kilowattstunde für 5 Cent oder weniger kaufen können, ein anderes, dass sich die Abschaltung der Atomkraftwerke bei der Versorgungssicherheit überhaupt nicht bemerkbar gemacht hat. Nicht nur das: Der deutsche Großhandelspreis für Strom ist seit dem Frühjahr 2011 um etwa ein Drittel gesunken.

Grafik: Grosshandelreis für Strom in Deutschland (Quelle: Economist, , Oct 12th 2013 )
Grosshandelspreis für Strom in Deutschland (Quelle: Economist, Oct 12th 2013)

Die Kombination von langfristig garantierten Abnahmepreisen für die Lieferanten von „grünem“ Strom, der Verpflichtung der Netzbetreiber, diesen Strom stets vorrangig einzuspeisen sowie dem Verfall der Investitionskosten in der Photovoltaik hat die Installation von Solarpaneelen auf Hausdächern und Feldern zu einer attraktiven Geldanlage für (fast) Jedermann gemacht. Die Energiegenossenschaften sprießen nur so aus dem Boden und die Banken freuen sich über ein profitables Geschäftsfeld, vor allem die Volksbanken. Letztlich garantiert ja der Staat die Zins- und Tilgungsleistungen der Schuldner. Die Sache würde sich inzwischen auch dann rechnen, wenn die Einspeisevergütungen niedriger wären. Hauptgrund: Die Überschwemmung des Marktes mit immer billigeren Solaranlagen aus China. Da machen sich der technische Fortschritt und die sinkenden Kosten bei Massenproduktion bemerkbar. Manche nennen das Dumping, aber für die Stromverbraucher, die Installateure und die Umwelt sind das eher gute Nachrichten.

Im Economist vom 12. Oktober findet sich auf Seite 24 ein Schaubild, aus dem hervorgeht, dass die Installation von einem Kilowatt Spitzenleistung von Anfang 2007 bis zum Frühjahr 2013 von 4,7 Euro auf 1,7 Euro gesunken ist. Das ist ein Rückgang von 64 Prozent!

Grafik: Installationskosten für Solaranlagen und Subventionen für Erneuerbare Energien (Quelle: Economist, Oct 12th 2013)
Installationskosten für Solaranlagen und Subventionen für Erneuerbare Energien (Quelle: Economist, Oct 12th 2013)

Bei Windrädern gibt es ein ähnliches Phänomen: Durch den Einbau neuer Generatoren, Getriebe und Rotoren lässt sich die Stromerzeugung nachhaltig steigern, ohne dass die Anzahl der Windräder groß vermehrt werden müsste. Darauf weist etwa Matthias Willenbacher hin, der Mitbegründer von Juwi, einem führenden Projektentwickler für Anlagen der Energieversorgung aus erneuerbaren Quellen. Sein Buch „Mein unmoralisches Angebot an die Kanzlerin“ ist ein Playdoyer für den rapiden Ausbau der alternativen und dezentralen Stromproduktion, ohne Abstriche bei der Sicherheit der Versorgung. Es hat sich zu einem Bestseller gemausert. Willenbacher will seine Anteile am Unternehmen an Energiegenossenschaften verschenken, wenn bis 2020 der gesamte Strom des Landes aus erneuerbaren Quellen kommt. Zurzeit liegt das Ziel der Regierung bei (mindestens) 35 Prozent. Vor allem im Vergleich zu den früher üblichen Subventionen für Kohle und Atomstrom würde der Umstieg nicht übermäßig viel kosten.

Ich zitiere mal aus dem Buch: „Der Wechsel im System wird dazu führen, dass wir ohne eine nennenswerte Erhöhung der Anlagenzahl (also der Windräder) in der Lage sind, rund 60 Prozent des deutschen Strombedarfs durch Windenergie zu decken. Und das, ohne gleichzeitig bei starken Windgeschwindigkeiten die Gesamtleistung über den Bedarf hinaus deutlich zu erhöhen. Wir erhalten so etwa sechsmal so viel Strom bei nahezu gleicher Anlagenzahl. Auch im Hinblick auf das Landschaftsbild und den Naturschutz ist das eine wichtige Nachricht. Es ist genügend Potenzial und Platz da, um den entscheidenden Beitrag zur Energiewende zu leisten.“ (Seite 129)

Der vorigen Graphik aus dem Economist ist übrigens zu entnehmen, dass erneuerbare Energien 2013 mit etwa 17 Milliarden Euro subventioniert werden dürften. Das entspricht 0,62 Prozent des diesjährigen BIP. Da gibt es also noch Luft nach oben, wenn man nur wollte. Vor allem müsste man versuchen, die etablierten Produzenten und Verteiler von Strom mit ins Boot zu nehmen. Am besten sollten sie an der Energiewende mitverdienen, und zwar durch Gebühren für das Vorhalten von Reservekapazitäten und Netzen, durch Einnahmen aus der Energieberatung, durch Beteiligungen an lokalen Stromanbietern und natürlich durch den (rückläufigen) Verkauf von Strom. Auf Dauer aber würden Hausbesitzer und Bauern im Nebenerwerb die wichtigsten Anbieter von Strom werden. Jedes Oligopol hat sich einmal überlebt.

Wenn nahezu der gesamte Strom eines Tages aus erneuerbaren Quellen stammt und bei der Elektromobilität der Durchbruch gelänge, würde das Wunder für die Umwelt bewirken. Wichtig ist, dass in den benachbarten Ländern eine ähnliche Strategie verfolgt würde. Die Sache hat nämlich einen Haken: Die rückläufige Nachfrage nach Öl, Kohle oder Gas reduziert die Preise dieser Energieträger, was den Umstieg auf Erneuerbare finanziell weniger attraktiv macht. Vermutlich ist das jedoch kein kriegsentscheidender Einwand, denn auf Dauer sind Sonne und Wind nicht zu schlagen – ihre Grenzkosten liegen bei Null. Im Übrigen ist die deutsche Energiepolitik zunehmend ein Rollenmodell, das die meisten Länder der EU übernehmen dürften.

Die Energiewende ist bisher eine Erfolgsstory. Eine ganz neue Industrie ist entstanden, die sich auf den Weltmärkten ausgezeichnet schlägt und in der immer mehr moderne Arbeitsplätze entstehen. Insgesamt gab es bereits 2012 „brutto“ knapp 370.000 Arbeitsplätze im Bereich Erneuerbare Energien. Vor allem in den neuen Bundesländern ist die Branche zu einem Jobmotor geworden.

Grafik: Beschäftigungseffekte durch Erneuerbare Energie (Quelle: www.unendlich-viel-energie.de)
Beschäftigungseffekte durch Erneuerbare Energie (Quelle: www.unendlich-viel-energie.de)

Zudem ist die neue Industrie, gemessen an den Patentanmeldungen, äußerst innovativ. Die Anzahl der Patente ist von 2005 bis 2012 von rund 400 auf 2.200 gestiegen.

Grafik: Patentanmeldungen im Bereiche Erneuerbare Energien (Quelle: www.unendlich-viel-energie.de)
Patentanmeldungen im Bereiche Erneuerbare Energien (Quelle: www.unendlich-viel-energie.de)

Es konnte allerdings nicht ausbleiben, dass der Wettbewerb durch die selektiven finanziellen Anreize des Staates vielfach verzerrt worden ist. Die neue Regierung sollte noch einmal einen großen Schritt wagen, damit der Umstieg auf erneuerbare Energien nicht auf den Sankt Nimmerleinstag verschoben wird, sich dann aber langsam zurückziehen, Übergangsfristen einräumen und das Feld den marktwirtschaftlichen Kräften überlassen, allerdings innerhalb eines regulatorischen Rahmens, der die übrigen Prioritäten der Gesellschaft berücksichtigt. Warum sind ausgerechnet energieintensive Unternehmen von der Umlage befreit, warum profitieren nicht auch Haushalte von den stark gesunkenen Großhandelspreisen für Strom, warum brauchen wir gigantische Offshore-Anlagen und Stromautobahnen, wenn es dezentrale Systeme auch tun würden? Die Liste ließe sich beliebig verlängern. Zurzeit ist die sogenannte Allokation der Ressourcen nicht optimal. Ich hoffe, dass Peter Altmaier und Hannelore Kraft das auch so sehen und die richtigen Weichen stellen.

25 Kommentare

  1.   also123

    Ein schöner Traum

    lasset uns nie aus diesem Traum erwachen.Der einzige Störfaktor ist die Realität : ein Blick auf eex inzwischen ausgebaute EE auf über 65GW ( bei ca.400 Milliarden Kosten ) bringt z.B heute abend 18:00 Wind 2 GW, Solar NULL
    Gebraucht werden aber 60 GW .Und jetzt ein einfacher Dreisatz : selbst wenn wir die WKA verzehnfachen fehlen immer noch 40 GW, auf PV spielt sich zwischen 15:00 Uhr und 11:00 Uhr des folgenden Tages eh nichts ab: also müßten wir die jetzige Anzahl der Windräder mit 30 multiplizieren, um die Grundlast zu decken.Das arme Deutschland wird nicht mehr wiederzuerkennen sein, nur endlose Maisfelder und WKA-Wälder.Biogasanlagen, die ja auch ein Standbein der „Energiewende“ darstellen sollen, werden das Grundwasser soweit vergiften, dass sich das Bevölkerungsproblem irgendwann von selbst löst.Macht aber nichts.Die „Energiewende “ darf nicht stoppen.


  2. Danke für den Beitrag, der den Blick auf etwas wichtiges richtet, das aber z.Zt. nicht so im Fokus ist.

    Ich würde gerne den Blick ein wenig weiten: Energiewende ist nicht nur Strom oder Strompreis. Am Endenergieverbrauch hat Strom einen Anteil von unter 25% (www.umweltbundesamt.de/daten/energiebereitstellung-verbrauch/energieverbrauch-nach-energietraegern-sektoren), der Verbrauch von Mineralöl und Gas ist drastisch höher, wobei 2 große Verbrauchsektoren die Heizung von Gebäuden und der Personen- und Gütertransport sind.
    Diese Bereiche sind nicht nur ein viel größerer Kostenblock im Budget der privaten Haushalte als Strom, es gibt auch keine vernünftige Strategie der Bundesregierung, wie man diesen Bereich zukunftssicher, umweltverträglich und erschwinglich gestalten könnte. Und es ist völlig illusorisch diese beiden Bereiche weitgehend auf Strom als Energiequelle umzustellen, selbst wenn es bald vernünftige Elektro-PKW geben wird, Elektro-LKW wird es wegen des hohen Batteriegewichts, der Kosten und der mangelnden Reichweite noch lange nicht geben, wenn überhaupt.

    Zum anderen: Selbst, wenn man die Kosten der Energiewende im Strombereich durch Änderung des EEG und Reduktion der Ausnahmen in den Griff bekommt, das Problem Speicherung und Transport der Energie ist auch völlig ungelöst.

    Interessanterweise gibt es eine Möglichkeit mit der man beide Problemkreise angehen könnte: gasförmige Energieträger:

    Methan kann aus Strom über Elektrolyse von Wasser und Methanisierung gewonnen werden. Das deutsche Gasnetz ist gut ausgebaut (www.gasnetzkarte.de/) und Deutschland hat Gasnetzspeicher für 20% des gesamte JAHRESverbrauchs. Damit ließe sich Energie sehr gut zwischenspeichern und von einer Ecke der Republik (oder Europas) zur anderen transportieren. Und über Gaskraftwerke die nötige Regelkapazität für die Stromnetze zu Verfügung gestellt werden.
    Zum anderen ist Erdgas/Methan ein etablierter Treibstoff für Kraftfahrzeuge und zwar nicht nur PKW. Die viele Erdgasbusse im ÖPNV zeigen, dass man auch große Fahrzeuge die sonst Diesel benötigen mit Gas zu betreiben sind und zwar nicht nur alternativ sondern bivalent (z.B. Volvo FM Methane-Diesel).
    Selbst wenn anfangs fast nur fossiles Erdgas verbrannt wird, wäre das schon eine deutliche Reduktion der CO2 Ausstoßes gegenüber Benzin und Diesel.

    Und zurecht wird oft angemerkt, daß der Energiemarkt viel zu wenig ein echter Markt ist.

    Hier gibt es Möglichkeiten für die Politik sinnvoll zu gestalten:

    1. Die Emission von CO2 verursacht klassische externe Kosten, die internalisiert werden müssen, damit die Marktkräfte dieses Problem am besten lösen können. Kurz, der Preis für CO2 Emissionszertifikate muß den Kosten entsprechen, die die Emission von CO2 verursacht. Das ist nicht anderes als klassische Entsorgungskosten (=Müllgebühren), die jedes Unternehmen ja auch für seinen anderen Müll zahlt. Nicht einmal die FDP hat die Abschaffung der Müllgebühren gefordert. Damit werden u.a. die benötigten Gaskraftwerke wieder attraktiv.

    2. Der Staat könnte die Forschung zum großtechnischen Einsatz von Power-to-gas fördern

    3. Der Staat könnte die Steuern auf Benzin, Diesel, Erdgas und Powergas so nach CO2 Bilanz anpassen, dass Gas betriebene Motoren attraktiver werden.

    4. Bei der Berechnung der CO2 Grenzwerte für den Flottenverbrauch von PKW könnte Powergas positiv angerechnet werden um ein Nachahmen von Audis Strategie (de.wikipedia.org/wiki/Power-to-Gas#Audi-Power-to-Gas-Anlage_in_Werlte) anzuregen.

    5. Betreiber von EEG-Anlagen haben keinerlei Möglichkeit auf Schwankungen des Energieangebots und der Preise zu reagieren, weil ihnen die Echtzeit-Information fehlt. Viele EEG Anlagen haben bereits eine Rundsteuerempfänger mit dem der Netzbetreiber bei Bedarf die Leistung der Anlage runterregeln kann. Wenn z.B. über diesen Weg in Echtzeit Marktpreise für Strom übermittelt werden würden, dann könnte jeder Betreiber marktwirtschaftlich entscheiden, ob er Strom einspeist und variable Verbraucher abschaltet oder umgekehrt. Damit würde sich auch ein Markt für kleine und mittlere Zwischenspeicherlösungen oder eben die großtechnische Erzeugung von Powergas entwickeln. Der Staat könnte hierfür die Rahmenbedingungen schaffen über eine Standardisierung und eine Pflicht zum Einbau solcher Anlagen (wie es sie heute eben schon für Rundsteuerempfänger gibt).

    6. Und schlußendlich könnte der Staat noch viel tun um die Sanierung von Bestandsgebäuden zur Energieeinsparung zu fördern.

    tl;dr
    Das EEG für Strom ist nur eine kleine Baustelle, der Ersatz von Benzin, Diesel und Heizöl ist eine viel größere Aufgabe.

    Alles an der Energiewende ist ein Rätsel, und fast Alles an der Energiewende hat Eine Lösung: sie heißt Gas. (frei nach Friedrich Nietzsche)

  3.   also123

    Das vorhandene Gasnetz zu nutzen

    zusammen mit Fernwärme-Verbundnetzen ist sicher ein Weg, die Energieversorgung von Wohnungen zu sichern.Wo ich aber meine Bedenken habe, ist die Power to Gas Umwandlung.Wir alle sind uns doch (hoffentlich ) einig, dass ein Perpetuum mobile in dieser Welt nicht existiert.Die Umwandlung (groß-oder Kleintechnisch ) wird immer ein kostenträchtiges Vorhaben sein.Seriöse Berechnungen nennen Zahlen von ca 1 Euro/kWh.Welchen Sinn macht es dann, wenn Gas auf dem Weltmarkt (USA-Fracking !) für 10 Cent erhältlich ist und wir Gas für den zehnfachen Preis künstlich herstellen? Und zudem : es wird immer über die Endlichkeit und den Mehrverbrauch fossiler Energieträger gesprochen.Sicher ist das so, aber wer kann schon 100 Jahre in die Zukunft blicken und wer kann voraussagen, welche bahnbrechenden energetischen Erfindungen bis dahin stattfinden ? Nur der global isolierte deutsche Weg, die Zeit um 150 Jahre zurückzudrehen und mit jeder Menge Windmühlen die Landschaft zu verschandeln (genannt „Energiewende“) und dafür noch 1,5 Billionen Euro auszugeben, kann es wirklich nicht sein.

  4.   dunnhaupt

    Deutschland schließt die sauberen Atomkraftwerke und baut umweltverpestende Braunkohlekraftwerke. So hatte ich mir die „Energiewende“ eigentlich nicht vorgestellt.


  5. @3 Mein Punkt zu power-to-gas ist folgender:

    Selbst wenn wir überhaupt kein power-to-gas machen, dann hilft eine Umstellung von Benzin / Diesel auf Erdgas schon enorm den CO2 Ausstoß zu senken. Und die Technik liegt praktisch fertig in den Regalen und ist billg. Vergleichen Sie einfach mal den Preis des nagelneuen CNG-Eco-Up! von VW mit dem Elektro-Up!

    Für den Gaskunden stellt sich natürlich die Frage, ob er teures E-Gas kaufen soll.

    Für den Betreiber eines Solar- oder Windparks, der die Wahl hat ob er überhaupt keinen Strom einspeisen kann oder er lieber doch ein paar cent verdient, wenn er aus dem Strom Gas macht stellt sich die Frage u.U. ganz anders.
    Damit diese Frage gutbeantwortet werden kann, müssen die Preise die externen und internen Kosten wiederspiegeln, den Rest soll der Markt machen.

    Außerdem sollte man durchaus mal durchrechen, ob es nicht vielleicht sogar billiger ist, Methanisierungsanlagen im Norden und Gaskraftwerke im Süden zu bauen als der massive Stromnetzausbau, der jetzt geplant ist.

  6.   also123

    @5 Aber genau das ist ja die Krux

    der „Betreiber “ wird nicht vor die Frage gestellt, ob er ein Paar Cent verdienen kann.Vertraglich zugesichert bekommt er ob er liefert oder nicht und ob der Strom gebraucht wird oder nicht und das die nächsten zwanzig Jahre lang bis zu 56 Cent/kWh.das ganze ist die Basis der „Energiewende „.


  7. @6
    Ich seh das Problem der Altlasten. Nur ist es jetzt müsig darüber zu diskutieren, was man hätte anders machen sollen. Die Altverträge sind da und müssen erfüllt werden.
    Aber man kann die Regeln ab jetzt der Situation anpassen. Da bin ich zum einen überzeugt, dass langfristig Erneuerbare Energien die Zukunft sind, zum anderen man die Marktkräfte möglichst gut ihre Arbeit machen lassen sollte um den besten Weg dorthin zu finden.

    Leider bin ich wie skeptisch, dass das so laufen wird, weil sowohl die Energieriesen als auch die kleinen Einspeiser als auch Die Grünen „Angst“ vor einem richtigen Markt haben.

  8.   Dietmar Tischer

    @ Dieter Wermuth

    Es gibt gute Gründe für die Energiewende und sie muss nicht auf der Strecke bleiben.

    Auf der Strecke bleiben sollte aber auch nicht, wie sie betrieben wird.

    Hier einige Hinweise:

    >Sie (die Unternehmen des Stromoligopols) – und ihre Eigentümer – haben etwas dagegen, zu einem Auslaufmodell zu degenerieren.>

    Sie haben nichts gegen die Energiewende, vor allem dann nicht, wenn sich mit ihr etwas verdienen lässt.

    Sie haben aber – zu Recht in einer Marktwirtschaft – ganz sicher etwas dagegen, dass ihre getätigten Investitionen per Federstrich oder durch administrierte, von ihnen nicht zu verantwortende Systemänderungen ENTWERTET werden.

    >Wenn die Expansion der erneuerbaren Energien so weitergeht wie bisher, ist es nur eine Frage der Zeit, bis die traditionellen Kraftwerke nur noch eine Rolle als Puffer spielen. Sie kommen in nicht allzu ferner Zukunft nur dann zum Einsatz, wenn weder der Wind weht noch die Sonne scheint, wenn alle Stromspeicher leer sind und kein Strom aus dem Ausland importiert werden kann.>

    Das ist Laienverständnis.

    Die Kraftwerksbetreiber liefern nicht nur Energie, sondern sorgen mit Systemdienstleistungen auch dafür, dass diese Energie in GLEICHBLEIBENDER Qualität beim Verbraucher ankommt, z. B. an der heimischen Steckdose mit 230 V und 50 Hz. Die Produzenten von erneuerbarer Energie können dies, so wie sie aufgestellt sind, nicht.

    .

    „für fast Jedermann“ ist Phantasterei – oder hat fast Jedermann ein Hausdach oder ein Feld?

    Solarpaneele sind die größte UMVERTEILUNG von Stromverbrauchern zu Immobilien- und Grundeigentümern mit Investitionen in die ineffizienteste und teuerste Art, hierzulande erneuerbare Energie zu produzieren. Und das inszeniert und vorangetrieben durch die Gerechtigkeitsapostel von Grün/Rot.

    >… erneuerbare Energien 2013 mit etwa 17 Milliarden Euro subventioniert werden dürften. Das entspricht 0,62 Prozent des diesjährigen BIP. Da gibt es also noch Luft nach oben, wenn man nur wollte.Vor allem in den neuen Bundesländern ist die Branche zu einem Jobmotor geworden.>

    Es ist nicht die Branche, die zum Jobmotor geworden ist.

    Es ist der Steuerzahler, der Investitionen vor allem in die Solarindustrie subventioniert hat, um so Arbeitsplätze zu schaffen. Die sind in großer Zahl nicht gerade gut bezahlte und sie sind bei weitem auch nicht alle nachhaltig. Insofern sind sie durchaus „modern“. Für eine Branche, die durch marktbewerteten Nutzen wachsen würde, gehen zu viele Unternehmen Pleite.

    >Es konnte allerdings nicht ausbleiben, dass der Wettbewerb durch die selektiven finanziellen Anreize des Staates vielfach verzerrt worden ist. Die neue Regierung sollte noch einmal einen großen Schritt wagen, damit der Umstieg auf erneuerbare Energien nicht auf den Sankt Nimmerleinstag verschoben wird.>

    Weiter so – was macht da schon ein wenig mehr Verzerrung aus, zumal es ja nur der Wettbewerb ist, der verzerrt ist. Wen es wie kostenmäßig trifft, ist nicht so wichtig.

    >Die Energiewende ist bisher eine Erfolgsstory.>

    Das ist Schönrednerei, wenn man NUR die steigenden Anteilswerte von erneuerbaren Energien an der gesamten Energieproduktion im Blick hat. Die KOSTEN dafür müssen auch auf den Tisch.

    >Im Übrigen ist die deutsche Energiepolitik zunehmend ein Rollenmodell, das die meisten Länder der EU übernehmen dürften.>

    Ja, sie werden es sehr gern übernehmen, wenn ihnen jemand anderes dieses Rollenmodell finanziert – vorzugsweise aus EU-Töpfen.

    Fazit:

    Wenn man eine Energiewende so zielorientiert will, wie wir sie wollen, dann muss man sie GEGEN den Markt machen. Dagegen ist an sich nichts zu sagen – wenn man sie denn so will.

    Aber man sollte dann auch eine EHRLICHE Rechnung aufmachen, statt mit verklärtem Blick noch mehr zu fordern.

  9.   Frankie Bernankie

    @Dietmar Tischer

    „Die Kraftwerksbetreiber liefern nicht nur Energie, sondern sorgen mit Systemdienstleistungen auch dafür, dass diese Energie in GLEICHBLEIBENDER Qualität beim Verbraucher ankommt,…“

    Äh, ich glaube , das war mal so. Leisten diese Arbeit heute nicht die Netzbetreiber ( Tennet, 50Hz ezc. )?
    Ausserdem: es ist nicht der Steuerzahler, der den Umbau mit subventioniert, sondern der Stromverbraucher. Insofern verursachergerecht, wenn man so will.

  10.   Dietmar Tischer

    @ Frankie Bernankie

    Die Netzbetreiber leisten sicher schon etwas und werden vermutlich mehr leisten müssen. Sie sind in der Regel jedoch nicht die Erzeuger erneuerbarer Energie, sondern die Transporteure und Logistiker.

    Die Stromversorgung ist in einer so fundamentalen Umgestaltung, dass z. Z. überhaupt nicht zu entscheiden ist, wer letztendlich mit welcher Technologie für was verantwortlich sein wird.

    Es ist jedenfalls naiv zu glauben, dass man nur hinreichend Kapazitäten – vergleichsweise auch Überkapazitäten wegen der „Willkür“ der Wetterverhältnisse – für die ERZEUGUNG von erneuerbaren Energie aufbauen müsse, um damit über eine Stromversorgung zu verfügen, die so SICHER wie die mit dem Betrieb konventioneller Kraftwerke bereitgestellte ist.

    Hier ein Überblick von der Deutschen Energie Agentur, um was es geht – und das nur zum Stichwort „Energiespeicherung“, also zu einem Teilaspekt:

    http://www.effiziente-energiesysteme.de/themen/energiespeicher/systemdienstleistungen.html

    Es ist auch der Steuerzahler, der den Umbau mit finanziert.

    Investitionen für die Herstellung von Photovoltaikanlagen sind vom Steuerzahler in großem Umfang subventioniert worden. Gerade in Ostdeutschland haben sich die Länder angesichts der Arbeitslosigkeit darum gerissen, Standorte zu gewinnen. Die Grafik im Artikel zeigt, dass der Beschäftigungseffekt im Ostens und speziell in den „armen Ländern“ Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern am größten ist. Die Verteilung der Investitionen ist nicht nur mit den geringeren Löhnen im Osten zu erklären. Die dürften auch eine Rolle gespielt haben, aber eben nur eine.

 

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