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Feste Aktien, Deflationsgefahr und übermäßig expansive Geldpolitik

 

Die globalen Finanzmärkte werden weiterhin durch die extrem expansive Geldpolitik der Fed, der EZB, der Bank von Japan und anderer Zentralbanken getrieben. Die Zinsen sind so niedrig wie noch nie, aber die Kreditnachfrage des privaten Sektors lässt zu wünschen übrig. Im Euroland ist sie nach wie vor rückläufig, weil vor allem die Haushalte in den Krisenländern bestrebt sind, ihre Hypothekenschulden abzubauen. Die USA sind in dem Prozess weiter, sodass sich der Immobiliensektor inzwischen deutlich erholt hat und die Inlandskonjunktur insgesamt Fahrt aufgenommen hat. Das Wirtschaftswachstum hat sich im gesamten OECD-Raum etwas beschleunigt, aber die Outputlücken sind nach wie vor groß; die Arbeitslosigkeit bleibt das Hauptproblem.

Das gilt vor allem für den Euroraum, wo es inzwischen fast 20 Millionen Arbeitslose gibt. Während die USA auf dem Weg zu einem sich selbst tragenden Aufschwung sind, kann davon auf dieser Seite des Atlantiks keine Rede sein. Deflation bleibt ein ernst zu nehmendes Risiko, zumal der feste Euro und die Schwäche der meisten Rohstoffmärkte dazu führen, dass die Importpreise kräftig sinken. Die EZB kann die Zinsen kaum noch senken und ist daher nicht mehr in der Lage, die Wirtschaft zusätzlich zu stimulieren. Zinserhöhungen sind auf lange Zeit nicht zu erwarten. Es hilft, dass die europäische Finanzpolitik von nun an weniger restriktiv sein wird als in den vergangenen Jahren.

Trotz des schwachen Wirtschaftswachstums – die OECD rechnet 2014 beim realen BIP Eurolands mit einer Zuwachsrate von 1,0 Prozent – haben die deutschen Aktien Rekordwerte erreicht. Die Bondrenditen sind seit einiger Zeit deutlich niedriger als die Dividendenrenditen, so dass die Anleger gar nicht anders konnten, als auf Aktien umzusteigen. Ähnliches gilt für die USA und Japan. Die Gewinne haben aber mit den Kursgewinnen nicht Schritt halten können, sodass eine längere Korrektur wahrscheinlich geworden ist. Es empfiehlt sich, auf Märkte auszuweichen, die in diesem Jahr vernachlässigt worden sind, also auf die der europäischen Krisenländer und der Schwellenländer.

Im Übrigen tun konservative Anleger gut daran, den Anteil flüssiger Mittel in ihren Portefeuilles zu erhöhen. Bei den Zinsen wird der nächste Schritt ein Anstieg sein, auch wenn es dazu erst im Jahr 2015 oder später kommen wird, und bei den Aktien ist die Luft auf den „soliden“ deutschen, schweizerischen, skandinavischen, amerikanischen und japanischen Märkten inzwischen dünn geworden. Dividendenpapiere sind immer noch erste Wahl.

Der Rückgang der Rohstoffpreise wird vermutlich anhalten, weil das vormals hohe Niveau die Nachfrage gedämpft und die Produktion stimuliert hat. Dass sich der Ölpreis angesichts des eher moderaten Wachstums der Weltwirtschaft, der niedrigen Gaspreise und des Produktionsbooms in den USA so gut hält, ist für mich ein Rätsel.

Bei den Wechselkursen gehe ich von einer weiteren Schwäche des Yen aus – die japanische Notenbank hat sich zum Ziel gesetzt, die Inflation mit allen Mitteln in Richtung zwei Prozent und mehr zu treiben. Dazu gehört eine schwache Währung. Der Euro wird dagegen vermutlich fest bleiben, weil die Bankenunion kommt und Fundamentaldaten wie der Leistungsbilanzüberschuss und das (aggregiert) niedrige Staatsdefizit dafür sprechen. Irgendwann wird die Aufwertung die Realwirtschaft gefährden. Ich vermute daher, dass es bei etwa 1,50 Dollar und 155 Yen zum Euro zu Absprachen der betroffenen Notenbanken kommen wird.

Ausführliches zur wirtschaftlichen Lage in den Industrie- und Schwellenländern mit einem Schwerpunkt zur momentanen Deflationsgefahr, sowie zu den Aussichten und Risiken für Aktien, Bonds, Rohstoffe und Wechselkurse finden Sie in meinem neusten Investment Outlook:

Wermuth’s Investment Outlook – December 2013*) (pdf, 338 KB)

*) Der Investment Outlook von Dieter Wermuth ist in englischer Sprache verfasst und wird im Herdentrieb in loser Folge zum Herunterladen bereitgestellt. (UR)

14 Kommentare

  1.   Dietmar Tischer

    Hier wird ausgesprochen, was ich in # 2 angedeutet hatte:

    handelsblatt.com/politik/konjunktur/geldpolitik/quantitative-easing-deutsche-bank-erwartet-massive-anleihekaeufe-der-ezb/9208276.html

    Mal sehen, welche Wellen das schlägt.

    Ist schließlich nicht nur irgendeine Meinung, sondern die ERWARTUNG der größten deutschen Bank.

  2.   alterego

    @3
    Die Geldpolitik ist meines Erachetns nicht restriktiv, denn sie stellt keinerlei Hürden auf, welche die Kreditaufnahme behinderten. Im Gegenteil. Sie hat sie massiv abgebaut.

    Dass nicht mehr Geld geschöpft wird, ist nicht die Folge eines zu hohen Zinssatzes. Es ist die Folge von Krisenstimmung und Sicherheitsdenken.

    @4
    Wenn die Menschen wieder Vertrauen in das Geld und ihre eigene Zukunft fassen, wird auch wieder investiert werden. Genau an der Stelle sind die politischen Institutionen und auch die Finanzwirtschaft gefordert. Staatliche Ausgabenprogramme werden die Stimmung nicht verbessern können, weil die Menschen erlebt haben, wohin staatliche Schuldenexpansion führt. Ihr Misstrauen wird eher steigen. Die Deutschen (vielleicht die Europäer generell) suhlen sich ja auch in Negativszenarien aller Art: Wachstum ist schlecht, alles außer grüner Energie ist schlecht, grüne Energie aber mächtig teuer, Geldverdienen ist schlecht, bestimmte Produkte und Branchen sind schlecht, exportieren ist schlecht, Armutszuwanderung zu begrenzen ist schlecht usw. usf.. So wird das nichts.

  3.   Hartmut B.

    Wenn man Wermuth liest, wird einem schon recht schwindlig. Da gibt es erste Anzeichen, dass die USA das Gelddrucken einstellt und Herr Wermuth zeigt recht schlüssig, dass sich Europa an die Seite Japans stellen muss, und notgedrungen weiterhin eine massiv expansive Geldpolitk betreiben muss.

    In der FT hat Guilian Tett einen kleinen Aufsatz zum Thema: Was passiert, sollte die japanische Notenbank irgendwann mit dem Tapering beginnen. Da wird einem für die kommenden Generationen echt schwindlig. Tett entlarft die Geldpolitik der Industriestaaten als echte »Anleihen an die Zukunft«, mit der die Probleme der Gegenwart in multiplizierter Form an die kommenden Generationen zur Lösung übereignet werden.

    Der Arktikel kann hier nachgelesen werden: http://www.euro2day.gr/ftcom_en/article-ft-en/1164931/forget-the-fed-watch-out-for-a-tokyo-taper.html.

  4.   Michael

    onvista.de/index/charts.html…

    Das sieht in der Tat recht ambitioniert aus, Grund zur Unruhe ist noch nicht zu erkennen. In ein paar Monaten vielleicht.

 

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