‹ Alle Einträge

Germany’s defeat?

 

Die Aufgabenverteilung im Direktorium der EZB ist interessant. Benoit Coeure hat mit International and European Relations sowie Market Operations einen guten Schnitt gemacht. Er wird neben Draghi der wichtige Mann in der EZB sein. Gut dabei ist mit Research und Financial Stability auch Vitor Constancio. Praet darf weiter Economics machen (hat aber nicht die Bedeutung früherer Chefökonomen, weil Draghi selbst ein Volkswirt mit strong views ist), Yves Mersch ist Chefjurist und Risikomanager.

Damit sind wir bei Sabine Lautenschläger. Sie erhält wie erwartet die Bankenaufsicht und sitzt damit an zentraler Stelle, was dieses wichtige neue Aufgabenfeld angeht (muss sich aber mit der überaus ehrgeizigen Aufsichtschefin Daniel Nouy und dem äußerst selbstbewussten Abteilungsleiter Ignazio Angeloni arrangieren). Das war es dann aber auch (sieht man einmal von Statistik ab).

Das bedeutet: Aus den großen makro-ökonomischen und geldpolitischen Debatten ist sie raus.Vielleicht ist das auch so gewollt, schließlich soll es eine gewisse Trennung zwischen Geldpolitik und Bankenaufsicht geben. Doch zugespitzt kann man formulieren, dass die Bundesregierung einen Posten in einer Aufsicht ergattert hat, deren Kompetenzen sie gerade stutzt, dafür aber in der Makropolitik keine Rolle mehr spielt.

Wenn man dann auch noch bedenkt, dass sich die Bundesbank – sagen wir einmal – schwer tut, mit ihren Positionen in der EZB durchzudringen, dann erscheint der deutsche Einfluss auf die Geldpolitik in Europa noch geringer.

Nun könnte man argumentieren, die Nationalität spielt in der EZB keine Rolle. Ich halte das aber für Wunschdenken. Am Ende gibt es immer eine gewisse Loyalität gegenüber dem Heimatland und den Leuten, die einen in den Job gebracht haben.

Es geht mir hier wohlgemerkt nicht darum, den eben beschriebenen Sachverhalt zu beklagen – man kann schließlich über die deutsche geldpolitische Tradition lange streiten. Ich stelle erst einmal nur fest, dass es hier ein Defizit gibt und frage mich, ob es aus Sicht der Bundesregierung eine sinnvolle Politik ist, die Makroseite so zu vernachlässigen.

7 Kommentare

  1.   alterego

    „Ich stelle erst einmal nur fest, dass es hier ein Defizit gibt und frage mich, ob es aus Sicht der Bundesregierung eine sinnvolle Politik ist, die Makroseite so zu vernachlässigen.“

    Das frage ich mich auch! Wir sind das politisch und ökonomisch bedeutendste Land in der EU und der Zone, haben uns die Hoheit über unsere Währung abpressen lassen und in die Hände der Vertreter des Südens gelegt (das allein ist schon verrückt genug) und ziehen jetzt auch noch unsere Leute von den Positionen zurück, welche die Geldpolitik machen. Vielleicht ist das ja nur die Folge der Einsicht, dass wir darauf ohnehin keinen Einfluss haben, selbst wenn ein Deutscher in der Runde derer sitzt, welche die Geldpolitik machen. Viel wahrscheinlicher jedoch ist, so wie ich unsere Politik einschätze, dass die neue Figur im Direktorium unbedingt eine Frau sein musste und keine andere zur Verfügung stand. Tja, so läuft das bei uns.


  2. Es stellt sich wohl die Frage, wer für die Stimmenverteilung im EZB-Direktorium bei Gründung auf deutscher Seite die Verantwortung trug?

  3.   Ismail

    Also, das ist doch gar keine schlechte Sache wenn man die Deutschen und ihre steinzeitliche Vorstellung von Makroökonomie neutralisiert. Dann steht einer weiteren Lockerung der Geldpolitik ja nichts mehr im Wege.

  4.   K Bledowski

    Wichtig ist ob die Mehrheit im Direktorium die Mehrheit der Meinungen binnen der Volkswirtschaftslehre und Politik des Euroraumes wiederspiegeln. Was denken Sie darüber?

  5.   tom

    Seit wann kennt die Bundesregierung so was wie Makroökonomie. Merkel möchte doch den (Mikro-) „Menschen wieder mehr ins Zentrum rücken“.

  6.   Alex

    #3

    Komisch – wie die eigenen Ansichten immer modern und die gegenteiligen Ansichten immer steinalt sind. Solche Bezeichnungen muss man nicht ernst nehmen, denke ich.

    Alex

  7.   dunnhaupt

    Wer das noch nicht gemerkt hat, dem ist nicht zu helfen. Egal um welche Schlüsselpositionen es sich handelt, egal ob die Leute Van Rompoy, Barroso, Trichet oder Draghi heißen — Hauptsache, dass es nie ein Deutscher wird.

 

Kommentare sind geschlossen.