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Zentralbanken wollen mehr Inflation – aber die Disinflation geht weiter

 

Die Notenbanken der USA und Japans drucken in großem Stil Geld, indem sie staatliche Anleihen aufkaufen. Die EZB plant offenbar eine noch expansivere Politik als bisher, weil die Wirtschaft Eurolands nach wie vor am Boden liegt und es am Arbeitsmarkt schlimm aussieht; zudem bewegt sich die Inflationsrate weiterhin in Richtung Null und Deflation.

Manche fürchten inzwischen, dass die extrem lockere Geldpolitik irgendwann in die Hyperinflation führt. Augenblicklich sieht es eher danach aus, dass die Disinflationsprozesse noch nichtabgeschlossen sind. Die Transmission zwischen Geldpolitik und Realwirtschaft bleibt gestört, weil zu viele Haushalte, Banken und Regierungen versuchen, ihre Schulden abzubauen – sie lassen sich nicht durch noch so günstige Konditionen dazu verführen, neue Schulden zu machen und Geld auszugeben. Daran wird sich für’s Erste nichts ändern.

Auf der Kostenseite gibt es keine Anzeichen, dass es in den drei großen Volkswirtschaften des OECD-Raums, in den USA, in Euroland und Japan, auf die ich mich dieses Mal in meinem Investment Outlook konzentriere, Inflationsprobleme geben wird. Die Arbeitnehmer haben überall nur eine schwache Verhandlungsposition, so dass die Löhne real kaum steigen – oder sogar fallen. Ohne Lohninflation gibt es erfahrungsgemäß aber keine allgemeine Inflation.

Die Kapitalkosten dürften insgesamt etwas anziehen, vor allem die Kosten für Eigenkapital: Ich erwarte, dass die Aktienkurse in den großen Ländern in diesem Jahr nicht weiter steigen, vermutlich sogar eher fallen werden. Sie haben ein sehr hohes Niveau erreicht. Was die Kosten für Fremdkapital angeht, wird sich bei den kurzen Fristen wenig tun, bei den längeren rechne ich in Japan mit einem kräftigen Anstieg, in den USA eher mit einer Seitwärtsbewegung, in Euroland dagegen wegen der institutionellen Stabilisierung des Euro mit einem Rückgang.

Bei den Einfuhrkosten, der dritten volkswirtschaftlichen Kostenkomponente, kommt es in den Industrieländern zu weiteren Rückgängen: das Niveau der Rohstoffpreise ist nach wie vor hoch und die Weltwirtschaft expandiert nicht mehr so rasch. Der Euro wird angesichts der sehr guten Fundamentaldaten aufwerten. Nirgendwo sinken die Einfuhrkosten so stark wie in der europäischen Währungsunion.

Insgesamt spricht die Kostendynamik dafür, dass es zunächst bei Disinflation bleiben wird. Aus Anlegersicht sollte man es mit dem Inflationsschutz deshalb nicht übertreiben. Unternehmensanleihen, Pfandbriefe, Aktien solider Unternehmen mit hoher Dividendenrendite und nicht zuletzt Liquidität sind die bevorzugten Anlagevehikel.

Ausführliches zur wirtschaftlichen Lage in den USA, in Euroland und Japan mit einem Schwerpunkt auf den Inflations-Deflationsrisiken, sowie zu den Aussichten und Risiken für Aktien, Bonds und Wechselkurse finden Sie in meinem neusten Investment Outlook:

Wermuth’s Investment Outlook – Central banks want higher inflation – but disinflation continues, February 2014*) (pdf, 509 KB)

*) Der Investment Outlook von Dieter Wermuth ist in englischer Sprache verfasst und wird im Herdentrieb in loser Folge zum Herunterladen bereitgestellt. (UR)

251 Kommentare


  1. @128
    „Haben Sie schon mal etwas, das Sie jemandem schulden (Passivum), verliehen?“

    Die Passivseite [der Bilanz] zeigt die Mittelherkunft auf, die Aktivseite zeigt die Mittelverwendung.

  2.   veblen

    @ Hermann Keske, 129

    „Ja sicher – ich habe Geld, das ich bei meiner Bank aus einem Kredit bekommen habe, an meine Schwester weiterverliehen.“

    Dann haben Sie ein Aktivum (das Geld) verliehen, und das Passivum (die Schuld bei der Bank) haben Sie behalten.

    „Das ist doch das alltägliche Geschäft der Sparkassen.“

    Wenn es nur so einfach wäre. Sie haben sicher schon von Giralgeldschöpfung durch die Geschäftsbanken oder „fiat money“ gehört.

  3.   veblen

    @ bmmayr, 131

    So what?

  4.   Hermann Keske

    @ veblen # 132

    „Dann haben Sie ein Aktivum (das Geld) verliehen, und das Passivum (die Schuld bei der Bank) haben Sie behalten.“

    Das sagte ich doch schon – die Einlage des Bankkunden ist doch auch ein Aktivum, nämlich z.B. ein Kassenbestand, der natürlich verliehen oder, genauer, als Kredit ausgegeben wird oder jedenfalls werden kann.

    Ich wiederhole mich: Sie vergessen einfach die Gegenbuchung zur Erfasssung der Einlage als Passivposten – die notwendig dazugehörende Aktivbuchung.

    „Wenn es nur so einfach wäre. Sie haben sicher schon von Giralgeldschöpfung durch die Geschäftsbanken oder “fiat money” gehört.“

    Ja sicher – aber das ändert doch nichts daran, daß die Kundeneinlagen bei einer Bank sowohl auf der Aktivseite als auch unter den Passiva erscheinen müssen. Ohne die Entgegennahme der Aktiva würde doch gar kein Passivum entstehen.

    fiat money fängt doch erst dort an, wo über die vorhandenen, verfügbaren Geldmittel der kreditgewährenden Bank hinaus Kredite vergeben werden. Erst dann schafft die Bank Geld aus dem Nichts.

  5.   christian Wagner

    @128

    „Haben Sie schon mal etwas, das Sie jemandem schulden (Passivum), verliehen“

    Das ist das klassische Geschäftsmodell einer Bank 🙂

    Wenn eine Bank eigenes Geld (also Eigenkapital) nur verleihen würde, kämen die niemals auf 25% Rendite.

  6.   veblen

    @ Michael Stöcker, 130

    Vielen Dank für die Klarstellung!

  7.   christian Wagner

    Ergänzung zu #128.

    Wie schaut eine Bilanz aus?
    1. Auf der Aktivseite stehen die Vermögenswerte, .i.W. Sach- und Geldwerte sowie Forderungen.
    2. Auf der Passivseite wird die Finanzierung der Werte nach 1. dargestellt, d.h. inwieweit werden diese über Eigen- oder Fremdkapital finanziert.

    -> Verleihen von Vermögenswerte welcher Art auch immer geschieht immer nur über Posten der Aktivseite, Passivseite hat ja keine Vermögenswerte.

    Wenn ein Kunde eine Bareinzahlung vornimmt oder Geld überweist, ist dieses Guthaben seitens des Kunden bei der Bank sowohl ein Vermögenswert (nämlich Kasse oder Bankguthaben) als auch Schuld (Verbindlichkeit). Und daher kann natürlich die Bank diesen Vermögenswert wieder verleihen (und genau das ist ihr originäres Geschäftsmodell seit Fuggers Zeiten). Darüber hinaus (und nun kommen wir zur Geldschöpfung), kann sie nicht nur dieses Geld verleihen, sondern noch viel mehr, nämlich über Zentralbankgeld. Und erst über diesen Schritt wird es langsam interessant oder gefährlich.

  8.   Hermann Keske

    @ michaelstoecker # 130

    Bevor wir hier eine weitere, meist sinnlose Diskussion über Schuldgeld und fiat money veranstalten, komme ich noch einmal auf das eine, ganz kleine Thema zurück:

    Veblen fragt in # 110, wie man denn wohl Passiva (Einlagen sind in der Bilanz der Bank natürlich Passiva) verleihen wolle. Dazu habe ich darauf hingewiesen, daß die Kundeneinlagen bei einer Bank selbstverständlich nicht nur Passiva sind, sondern auch auf der Aktivseite erscheinen müssen.

    Sind wir uns bisher einig? Oder will jemand ernsthaft die Auffassung vertreten, die Einzahlung eines Geldbetrages bei einer Bank erhöhe lediglich deren Verbindlichkeiten, habe aber keinerlei Auswirkung auf die Aktiva der Bank?

    Und sind wir uns dann auch noch einig, daß Aktiva natürlich vermietet, verliehen oder als Kredit vergeben werden können?

    Dann hätten wir dieses erstaunliche Problem gelöst: Kundeneinlagen erweitern auch die Aktivseite einer Bank und können von ihr zur Kreditgewährung verwendet werden.

  9.   alterego

    @137
    Erlaube mir, mich mal kurz einzuschalten, in der Hoffnung zur Klärung beitragen zu können. Hier geht es nämlich um Fakten, nicht um Meinung:

    Keine Bank kann das Geld ihrer Kunden verleihen, weil es ihr nicht gehört.

    Alles Geld, das eine Bank verleiht, ist neu geschöpftes (zusätzliches) Geld.

    Jede Bank braucht ein Mindestguthaben an Zentralbankgeld (Mindestreserve) in Höhe eines bestimmten, von der Zentralbank festgelegten Prozentsatzes (Mindestreservesatz) zu den Sichteinlagen (Kundenguthaben, zugleich Bankverbindlichkeiten) steht.

    Wenn eine Bank ihr Kreditvolumen ausweitet, muss sie sich zusätzliches Zentralbankgeld beschaffen. Das Zentralbankgeld (in der Bilanz als Barreserve bezeichnet) bestimmt zugleich ihre Liquidität.

    Eine Bank bekommt Zentralbankgeld
    – als Kredit von der Zentralbank,
    – als Kredit von anderen Banken,
    – durch Bareinzahlung ihrer Kunden,
    – durch Geldüberweisung von Kundenkonten anderer Banken auf ihre Kontenkonten. Derartige Überweisungen erfolgen über Target2, d.h. es wird parallel zu der Veränderung der Kundenguthaben in gleicher Höhe Zentralbankgeld von der überweisenden zu der empfangenden Bank transferiert.

    Ein Bank verliert Zentralbankgeld durch
    – Barabhebungen ihrer Kunden,
    – Überweisungen von Kundenkonten auf Kundenkonten anderer Banken, weil dadurch qua Target2 zugleich Zenralbankgeld abfließt.

    Die Sichteinlagen einer Bank sind aus Sicht der Bankkunden Forderungen gegenüber der Bank.

    Zentralbankgeld (alles Bargeld und die unbaren Guthaben der Banken auf ihren Konten bei der Zenralbank) sind Forderungen gegenüber der Zentralbank.

    Das Ausreichen von Krediten verändert die Vermögensposition der Bank nicht (macht sie nicht reicher und nicht ärmer). Schafft aber ein Risiko eines Vermögensverlustes. Zum Beispiel dadurch, dass nicht sicher ist, dass der Kreditnehmer seine Zahlungsverpflichtungen vertragsgemäß erfüllt. Und dadurch, dass nicht sicher ist, ob und zu welchen Konditionen sie einen durch den Kreditnehmer verfügten Geldabfluss refinanzieren kann. Geldverleiht ist daher dem Wesen nach ein riskantes Geschäft, das zudem nur wenig rentabel ist.

  10.   christian Wagner

    @139

    „Keine Bank kann das Geld ihrer Kunden verleihen, weil es ihr nicht gehört.“

    So so. Und wie kann es dann zu einer Pleite bei einem Bank-Run kommen?

    Nennen Sie mir mal den Paragrafen, in dem steht, dass das, was mir nicht gehört nicht verliehen werden kann?
    Wie funktionieren Genossenschaftsbanken?

 

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