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I = S, was heißt denn des?

 

Immer wieder rauchen die Köpfe, wenn es um die berühmte Formel I = S geht, also darum, dass die gesamtwirtschaftlichen Investitionen (I) gleich den gesamtwirtschaftlichen Ersparnissen (S) sind, so zuletzt auch wieder einmal hier im Herdentrieb. Ganze Weltanschauungen scheiden sich daran, wie dieses Gleichheitszeichen zu interpretieren ist.

Neoklassiker glauben, dass erst einmal gespart werden müsse, damit sich dann die Investitionen in gleichem Umfang einstellen. Keynesianer denken genau anders herum, dass erst die Investitionen zu den entsprechenden Ersparnissen führen würden. Die unterschiedliche Sichtweise ist nicht trivial, denn je nachdem, wie man I = S interpretiert, kommt man zu ganz unterschiedlichen wirtschaftspolitischen Empfehlungen.

So muss nach neoklassischer Lesart mehr gespart werden, damit auch mehr investiert wird – dadurch würde dann die Wirtschaft angekurbelt und die Beschäftigung erhöht. Diese Idee steht beispielsweise hinter der zur Lösung der Eurokrise propagierten Austeritätspolitik. Nach keynesiansischer Lesart müssten genau umgekehrt einfach die Investitionsausgaben erhöht werden und die Ersparnis stelle sich dann ganz von allein ein.

Bei beiden Positionen gibt es allerdings ein Grundproblem: Eine buchhalterische Identität wird als kausaler Zusammenhang zwischen zwei (vermeintlich) unterschiedlichen Größen interpretiert. Das hat zu großer Verwirrung nicht nur unter den Kommentatoren hier im Blog, sondern auch unter vielen Professorinnen und Professoren der Volkswirtschaftslehre geführt. Ein Grund für diese Verwirrung mag sein, dass sich die akademische Volkswirtschaftslehre zu selten mit etwas vermeintlich so trivialem wie buchhalterischen Zusammenhängen befasst – die akademischen Meriten lassen sich eher mit abstrakten und komplizierten Modellen verdienen, die nicht immer viel mit der ökonomischen Realität gemein haben.

Wer die berühmte Formel aber wirklich verstehen will, der muss sich leider in die Niederungen der Buchhaltung begeben. Dabei kommt man leider nicht um ein paar Definitionen und Formalien herum. Die sind aber mit den vier Grundrechenarten leicht zu bewältigen (einen sehr guten Überblich zum Thema gibt übrigens Johannes Schmidt).

Fangen wir damit an, uns klar zu machen, was mit dem „Sparen“, also dem S in I = S eigentlich genau gemeint ist. Dafür müssen wir genau verstehen, wie sich das Vermögen einer bestimmten Wirtschaftseinheit zusammensetzt – denn „Sparen“ ist nichts anderes als die Veränderung dieses Vermögens innerhalb eines bestimmten Zeitraums.

Das Vermögen einer Wirtschaftseinheit lässt sich in Form einer Vermögensbilanz darstellen. Auf der linken Seite der Bilanz, der Aktivseite, stehen das Sachvermögen (SV) und das Geldvermögen (GV). Als Geldvermögen werden alle Forderungen gegenüber anderen Wirtschaftseinheiten bezeichnet. Auf der rechten Seite der Bilanz, der Passivseite, stehen die Schulden, d.h. alle Verbindlichkeiten (VB) gegenüber anderen Wirtschaftseinheiten, und, wie wir gleich sehen werden, das Reinvermögen.

Der Vermögensstatus unserer Wirtschaftseinheit ergibt sich nun dadurch, dass man von der Summe der Aktiva die Schulden abzieht. Man erhält so das Reinvermögen (RV) einer Wirtschaftseinheit (Formal: RV = SV + GV – VB; wobei der Saldo aus Geldvermögen und Verbindlichkeiten auch als Nettogeldvermögen (NGV) bezeichnet wird, so dass RV = SV + NGV).

Grafuik: Beispiel einer Vermögensbilanz mit positivem NGV

Jetzt können wir genau definieren, was unter „Sparen“ zu verstehen ist: Sparen ist die Veränderung des Reinvermögens in einem bestimmten Zeitraum. Ist das Reinvermögen einer Wirtschaftseinheit, etwa eines Unternehmens oder eines Haushaltes, zwischen dem ersten und dem letzten eines Monats um einen bestimmten Betrag angestiegen, dann hat diese Wirtschaftseinheit in diesem Monat genau diesen Betrag gespart.

Aus der Definition des Reinvermögens ergibt sich, dass Sparen rein buchhalterisch gleich der Veränderung des Nettogeldvermögens (ΔNGV) plus der Veränderung des Sachvermögens (ΔSV) ist, wobei die Veränderung des Sachvermögens auch als Investition (I) (präziser: als Nettoinvestition) bezeichnet wird. Als Formel ausgedrückt ergibt sich also:

S = ΔNGV + I

Und jetzt kommt die Pointe: Die Investitionen (I) sind rein definitorisch eine der zwei Formen des Sparens. Wer Sachvermögen bildet, der spart. Wenn jetzt jemand sagt: Die Ersparnis führt zu einer Investition, sagt er nichts anderes, als dass eine Ersparnis zu einer Ersparnis führt; wer sagt, eine Investition führt zur Ersparnis, sagt lediglich, dass eine Investition eine Investition ist.

Allerdings steht in unserer aus dem Bilanzzusammenhang abgeleiteten Sparformel neben dem I – dem Sparen in Form der Sachvermögensbildung – noch das ΔNGV, also das Sparen in Form der Bildung von Nettogeldvermögen. Der Unterschied zwischen dieser Formel und der berühmten Formel I = S ist, dass es sich bei letzterer um die Gesamtwirtschaft handelt und nicht um eine beliebig abgegrenzte Wirtschaftseinheit, die nur einen Teil der Gesamtwirtschaft umfasst, wie z.B. ein einzelnes Unternehmen oder der Unternehmenssektor als Ganzes oder die privaten Haushalte oder der Staat etc.

Betrachtet man eine Gesamtwirtschaft, dann verschwindet die Nettogeldvermögensbildung. Um das zu verstehen, müssen wir klären, wie jemand sein Nettogeldvermögen eigentlich ändern, also auf diese Weise sparen kann. Dazu brauchen wir allerdings wieder ein paar Definitionen.

Die in Deutschland gängige Buchhaltung nennt Transaktionen, die das Nettogeldvermögen verändern, Ausgaben und Einnahmen. Ausgaben und Einnahmen sind etwa Löhne und Gehälter, Zinsen und Dividenden, Steuern, Transfers, Kauf und Verkauf von Gütern etc. Wer einen Einnahmenüberschuss erzielt (mehr einnimmt als ausgibt), erhöht sein Nettogeldvermögen, spart also; wer einen Ausgabenüberschuss hat (mehr ausgibt als er einnimmt), verringert sein Nettogeldvermögen, hat also eine negative Ersparnis (Man bezeichnet diese Transaktionen auch als Leistungstransaktionen im Gegensatz zu reinen Finanztransaktionen, die nie das Nettogeldvermögen verändern und von daher für die Höhe der Ersparnis irrelevant sind).

Jetzt ist es aber so, dass die Einnahmen eines Wirtschaftsakteurs immer notwendig die Ausgaben eines anderen Wirtschaftsakteurs sind: Die Lohneinnahmen der Arbeitnehmer sind die Lohnausgaben der Arbeitgeber; der Kauf des Kunden ist der Verkauf des Händlers oder des Produzenten; die Zinseinnahmen des Gläubigers sind die Zinsausgaben des Schuldners etc.

Das heißt dann: Wenn irgendjemand einen Einnahmeüberschuss hat, müssen alle anderen Wirtschaftseinheiten zusammen einen Ausgabenüberschuss in gleicher Höhe haben. Jemand kann also nur dann „Geldsparen“ (sein Nettogeldvermögen erhöhen), wenn alle anderen zusammen – d.h. der Rest der Wirtschaft – sein Nettogeldvermögen um den gleichen Betrag verringert!

Ein Beispiel: Deutschland als eine Wirtschaftseinheit erzielt jedes Jahr einen gigantischen Einnahmenüberschuss, auch Leistungsbilanzüberschuss genannt. Der Rest der Welt hat notwendigerweise ein Leistungsbilanzdefizit – einen Ausgabenüberschuss – in gleicher Höhe.

Wenn wir dann alle Einnahmenüberschüsse von allen Ausgabenüberschüssen abziehen, ergibt sich immer: null. Das heißt, die Welt in ihrer Gänze (oder die jeweils betrachtete Gesamtwirtschaft) kann nie in Form von Nettogeldvermögen sparen. In der Gesamtheit kann man nur in Form von Sachvermögen sparen, also investieren. Genau das heißt die Formel I = S.

Um es klar zu sagen: Diese Zusammenhänge haben nichts mit dem „passenden“ Verhalten der Wirtschaftsakteure zu tun; die Identität von Ausgaben und Einnahmen auf der Ebene der Gesamtwirtschaft ist auch kein Gleichgewicht, das sich erst durch geeignete Veränderungen von Einkommen, Preisen oder Zinsen einstellt. Es ist eine immer gültige Definition. Wenn Sie das nicht glauben, versuchen Sie mal etwas einzunehmen, ohne einen anderen zu einer entsprechenden Ausgabe zu bringen.

Um noch mal zu veranschaulichen, was I = S bedeutet, ist es sinnvoll, genauer zu sagen, was die Formel nicht bedeutet: Sie bedeutet nicht, dass die Ersparnis der Haushalte von den Unternehmen investiert wird. So etwas Ähnliches denken oft die Neoklassiker. Sie heißt auch nicht, dass das, was Unternehmen investieren, dann irgendwie zu einer entsprechenden Ersparnis bei den Haushalten führt. So was denken manche Keynesianer.

Das lässt sich ganz gut an einem Beispiel verdeutlichen: Nehmen wir eine Wirtschaft an, die nur aus zwei Wirtschaftssektoren besteht, einem Unternehmenssektor und einem Haushaltssektor. Die Ausgaben des Haushaltssektors sind dann notwendig die Einnahmen des Unternehmenssektors und umgekehrt.

Am ersten des Monats beschließen die Unternehmen zu investieren, also neue Maschinen zu bauen. Nehmen wir weiter an, die Unternehmen haben genug Geld, um Arbeiter einstellen zu können, die ihnen die Maschinen bauen und anschließend damit Konsumgüter produzieren. Nachdem die Maschinen fertiggestellt und die Konsumgüter produziert sind, zahlen die Unternehmen ihren Arbeitern den vereinbarten Lohn (die Ausgabe der Unternehmen sind die Einnahme der Haushalte).

Die Haushalte können sich jetzt überlegen, was sie mit ihren Einnahmen bis zum letzten des Monats anstellen. Gehen wir drei Möglichkeiten durch: Nehmen wir erstens an, die Haushalte geben weniger aus als sie eingenommen haben. Dann nehmen die Unternehmen notwendig weniger ein als sie ausgegeben haben – die Unternehmensumsätze sind also geringer als die Löhne, die sie gezahlt haben. Die Nettogeldersparnis der Haushalte ist dann positiv, die der Unternehmen um den gleichen Betrag negativ.

Geben die Haushalte aber – zweitens – so viel aus, wie sie an Lohn erhalten haben, sind die Umsätze der Unternehmen natürlich genauso hoch wie das, was sie vorher an Löhnen gezahlt haben. Weder bei den Haushalten noch bei den Unternehmen ändert sich das Nettogeldvermögen. Wenn die Haushalte schließlich – drittens – mehr ausgeben als sie eingenommen haben, verringern sie ihr Nettogeldvermögen, und die Unternehmen erhöhen ihr Nettogeldvermögen um den gleichen Betrag.

Wie hoch ist in jedem der drei Fälle die gesamtwirtschaftliche Ersparnis in dem betrachteten Monat? Ganz einfach: Sie ist jedes Mal genau so hoch wie die Nettoinvestitionen der Unternehmen. Ob die Haushalte ihr Nettogeldvermögen also erhöhen, verringern oder gleich lassen – immer ändert es sich bei den Unternehmen im gleichen Maß (nur mit umgedrehten Vorzeichen). Gesamtwirtschaftlich addieren sich also notwendig alle Änderungen des Nettogeldvermögens zu null und übrig bleiben die neuen Maschinen, also das I (= S).

Im Beispiel führt die Ersparnis der Haushalte also nicht à la Neoklassik irgendwie zu höheren Investitionen – über die bestimmen die Unternehmen ganz allein. Die Investitionen führen aber auch nicht irgendwie zu einer entsprechend hohen Ersparnis der Haushalte wie es sich manche Keynesianer vorstellen. Es gibt schlicht keinen notwendigen buchhalterischen Zusammenhang zwischen der Höhe der Ersparnis der Haushalt und der der Unternehmen. Das S in der Formel ist immer das I. Das ist es auch egal, wer genau investiert. Würden etwa die Haushalte noch Häuser bauen – die ja auch zum Sachvermögen gehören –, würde das zu höherem I und damit zu höherem S führen, vollkommen unabhängig davon, wie sie in der gleichen Periode ihr Nettogeldvermögen verändern.

So weit also zu den rein buchhalterischen Zusammenhängen, die die Identität von Investition und Ersparnis begründen. So richtig spannend wird es natürlich erst, wenn wir auf die Pläne der einzelnen Wirtschaftsakteure schauen, also ihre Investitionsplänen, Ausgabenplänen und Einnahmeplänen, und was passiert, wenn die Pläne nicht aufgehen. Aber für heute war es schon anstrengend genug. Das große Drama der nicht zusammenpassenden Pläne, die zum Auf und Ab der Konjunktur führen, wollen wir ein anderes Mal genauer betrachten. (Wer mag kann auch hier mal nachschauen.)

307 Kommentare

  1.   HKaspar

    Welch seltsames Beispiel. Wenn die Haushalte ihr gesamtes Einkommen ausgeben, bedeutet dies, dass sie saemtliche Konsum- UND Investitionsgueter kaufen, welche die Unternehmen produzierten.

    Welchen Sinn soll es fuer einen Haushalt machen, sich ein Investitionsgut zu kaufen? Die Maschine ins Wohnzimmer stellen? Ist sie dann ueberhaupt noch ein Investitionsgut (–>dient dem Aufbau eines prduktiven Kapitalstocks)?

    Ein Schuh wird so draus:

    – wenn Haushalte saemtliche produzierte Konsumgueter kaufen, dann sparen sie genau soviel, wie die Unternehmen investieren.

    – wenn Haushalte weniger als die gesamte Konsumgueterproduktion kaufen, dann erzielen sie einen noch hoeren Einkommenssaldo –> sparen noch mehr. Das Gegenstueck dazu sind Lagerhaltungsinvestitionen der Unternehmen. Erneut entpricht die Ersparnis der Haushalte notwendig den Investitionen der Unternehmen.

    – der Fall, in dem die Haushalte mehr als die Konsumgueterproduktion kaufen – und damit weniger Sparen als zur Investitionsgueterproduktion vonnoeten ist – ist im Beispiel nicht vorgesehen. Dazu brauchen Unternehmen Lagerbestaende an Konsumguetern, welche sie abbauen. Die Haushaltsersparnis ist dann geringer als die Produktion an Investitionsguetern, was abgeglichen wird ueber negative Lagerhaltungsinvestitionen. Aber natuerlich ein Signal sendet an die Unternehmen, in der naechsten Periode weniger Investitionsgueter zu produzieren, da die erfoerderliche Ersparnisbereitschaft offensichtlich nicht vorhanden ist..

    All dies ist natuerlich wunderbar mit „Neoklassik“ vereinbar: bei Volbeschaeftigung ist Ersparnisbildung von Haushalten Voraussetzung dafuer, dass Unternehmen investieren koennen. Es ist auch mit „Keynesianismus“ vereinbar: wenn die Investitionsgueter von (zuvor) Arbeitslosen gefertigt werden (=Unterbeschaeftigung), dann ermoeglicht die Produktion erst Einkommenserzielung und Ersparnisbildung.

  2.   HKaspar

    Noch zwei Anmerkungen:

    1) Der notwendige Zusammenhang zwischen der Ersparnis der Haushalte und den Investitionen der Unternehmen ergibt sich aus der Definition des Investitionsguts: Gueter um andere Gueter zu produzieren (frei nach Marx). Derart produzieren Unternehmen nur fuer sich selbst, nicht fuer den Haushaltssektor. Woraus dann notwendig folgt dass Investitionsgueter nur dann produziert werden, wenn Haushalte weniger Konsumgueter nachfragen als Einkommen erzielt wird -> sparen.

    2) Unscharf wird das Beispiel wo es annimmt, die Unternehmen „haetten schon das Geld“, um die Prodkutionskosten zu decken. Dies setzt vergangene Transaktionen und das Erzielen von Ueberschuessen aus selbigen voraus. Logisch geschlossen wird das Beisspiel erst wenn Unternehmen und Haushalte mit einem Saldo von null anfangen. Dann wird auch der Zusammenhang zwischen realer und finanzieller Sphaere klar: um die Produktion vorzufinanzieren, muessen sich die Unternehmen Mittel leihen – von den Haushalten. Entweder direkt, in Form von Schuldverschreibungen, welche die Haushalte einoesen koennen um Konsumgueter zu kaufen. Nachdem die Haushalte bei Produktion eines Investitionsguts weniger Konsunmgueter kaufen als sie Einkommen erzielen, bedeutet dies dass sie am Ende der Periode noch Schuldverschreibungen der Unternehmen halten –> sie sparen und die Unternehmen entsparen (bei Lindner entsparen die Unternehmen, indem sie ihre beriets vorhandenen liquiden Assets reduzieren).

    Oder die Unternehmen gehen zu einer Bank, bekommen einen Kredit und das korrespondierende Deposit gutgeschrieben, und transferieren das Deposit an die Haushalte, um deren Loehne zu bezahlen. Die Haushalte transferieren einen Teil der Deposits zurueck, um Konsumgueter zu kaufen. Erneut kaufen sie weniger Konsumgueter als sie Einkommen erzielen, d.h. am Ende der Periode haben die Haushalte noch Deposits uebrig – waehrend die Unternehmen einen negative Banksaldo haben (weniger Deposits als der ausstehende Kredit). Die Haushalte (geld-)sparen in Form von Depositenbildung, die Unternehmen entsparen durch den Aufbau von Netto-Bankverbindlichkeiten, und produzieren Investitionsgueter im gleichen Umfang.

    Und all diese Dinge bedingen einander notwendig. Ohne Ersparnisbidlung der Haushalte keine Investition.

    Besten Gruss,
    HK

  3.   Marlene

    „1) Der notwendige Zusammenhang zwischen der Ersparnis der Haushalte und den Investitionen der Unternehmen ergibt sich aus der Definition des Investitionsguts: Gueter um andere Gueter zu produzieren (frei nach Marx). Derart produzieren Unternehmen nur fuer sich selbst, nicht fuer den Haushaltssektor. Woraus dann notwendig folgt dass Investitionsgueter nur dann produziert werden, wenn Haushalte weniger Konsumgueter nachfragen als Einkommen erzielt wird -> sparen.“

    Vielleicht habe ich das falsch verstanden.

    Auf der Ebene der Verdinglichung.

    Eine Maschine kann entweder Maschinen produzieren mit denen Konsumgüter produziert werden können, oder sie produziert Konsumgüter.

    Warum Verzicht auf Konsumgüter die Unternehmen planen ließ Maschinen herzustellen mit denen mehr Konsumgüter hergestellt werden können, bleibt vollkommen schleierhaft.

    So kann man sich auch nicht vorstellen, dass erzwungener Konsumverzicht durch Lohnsenkung, die Unternehmen nicht zur Planung veranlasst ihre Maschinen die Konsumgüter produzieren zu Maschinen umzurüsten die Maschinen herstellen.

    Und jetzt auf der Ebene der Abstraktion:

    Eine Maschine kann wahlweise Konsumgüter herstellen oder sich selber reproduzieren.

    Und jetzt?

  4.   HKaspar

    Warum Verzicht auf Konsumgüter die Unternehmen planen ließ Maschinen herzustellen mit denen mehr Konsumgüter hergestellt werden können, bleibt vollkommen schleierhaft.

    Das hat auch niemand behauptet. Wenn aber Unternehmen Investitionsgueter produzieren, die Haushalte das Einkommen aus der Produktion beziehen, selbst aber nur Konsumgueter konsumieren, dann bedeutet dies notwendig, dass die Haushalte sparen, d.h. ihr Einkommen nicht vollstaendig verkonsumieren.

    Eine Maschine kann wahlweise Konsumgüter herstellen oder sich selber reproduzieren. Und jetzt?

    Und jetzt was?

  5.   veblen

    @ Hkaspar, 11

    „– wenn Haushalte weniger als die gesamte Konsumgueterproduktion kaufen, dann erzielen sie einen noch hoeren Einkommenssaldo –> sparen noch mehr. Das Gegenstueck dazu sind Lagerhaltungsinvestitionen der Unternehmen. Erneut entpricht die Ersparnis der Haushalte notwendig den Investitionen der Unternehmen.“

    Nur, wie werden Händler und Produzenten reagieren, wenn sie auf einem Teil der Ware sitzen bleiben und ungeplante Vorräte aufbauen. Dann werden Sie in der Folge wohl kaum mehr Waren ordern, die Produktion ausweiten und die Produktionskapazitäten durch Nettoinvestitionen erhöhen. Es dürfte wohl entsprechend des Akzelerationsprinzips das Gegenteil der Fall sein.

    „– der Fall, in dem die Haushalte mehr als die Konsumgueterproduktion kaufen – und damit weniger Sparen als zur Investitionsgueterproduktion vonnoeten ist – ist im Beispiel nicht vorgesehen. Dazu brauchen Unternehmen Lagerbestaende an Konsumguetern, welche sie abbauen. Die Haushaltsersparnis ist dann geringer als die Produktion an Investitionsguetern, was abgeglichen wird ueber negative Lagerhaltungsinvestitionen.“

    So weit, so gut.

    „Aber natuerlich ein Signal sendet an die Unternehmen, in der naechsten Periode weniger Investitionsgueter zu produzieren, da die erfoerderliche Ersparnisbereitschaft offensichtlich nicht vorhanden ist.“

    Das kann man einfach nicht so stehen lassen. Wenn die Lagerbestände von Händler und Produzenten aufgrund einer höher als erwarteten Konumnnachfrage unter ein „optimales“ Level sinken, werden sie versuchen, diese wieder entsprechend aufzufüllen. Dies bedingt in der Folge eine höhere Produktion und – soweit die Kapazitäten nicht (deutlich) unter Normalniveau ausgelastet sind – größere Produktionskapazitäten durch entsprechende Nettoinvestitionen (Multiplikator-Akzelelerator-Modelle von Samuelson und Hicks). Bei voll ausgelasteten Kapazitäten wird eine erhöhte Konsumnachfrage kurzfristig zu Preissteigerungen führen, so dass die Haushalte ihre Konsumpläne aufgrund sinkender Realeinkommen nicht vollständig realisieren können. Der Ausgleich von I und S erfolgt über unfreiwilliges (Zwangs-)Sparen.

    LG veblen

  6.   Marlene

    @14

    „Economics is helplessly behind the times“

    T. Veblen

    Oder rings = dings.

    Die Maschine sei mit einem künstlichen Gehirn ausgestattet.

    Sie kann autonom planen, ob sie sich selbst reproduziert oder Konsumgüter produziert.

    Gibt es ein Naturgesetz, dass eine Prognose ihrer Planung zuließe?

  7.   Hermann Keske

    Wunderbar – der ökonomische Sprachklamauk in voller Blüte. Sie – viele Ökonomen – reden mit allgemeinverständlichen Vokabeln in der Modellwelt, die mit der Wirklichkeit wenig bis gar nicht übereinstimmt – und sie sagen es nicht.

    „– wenn Haushalte saemtliche produzierte Konsumgueter kaufen, dann sparen sie genau soviel, wie die Unternehmen investieren.“

    Haushalte sparen, wenn sie weniger ausgeben, als sie einnehmen. Das Geld, das die Unternehmen investieren, gehört nicht zu den Einnahmen der Haushalte, kann also auch von den Haushalten nicht gespart werden.

    Der Satz ist auch sonst – für den normalen Sprachgebrauch – unlogisch. Ob und was die Haushalte sparen, wenn sie alle produzierten Konsumgüter kaufen, hängt von den Einnahmen ab, aus denen sie ihre Ausgaben finanzieren, nicht von den Investitionen der Unternehmer.

    Und schließlich kann auch ein Unternehmen noch sparen, ohne zu investieren – indem es, wie der Haushalt, weniger Geld ausgibt als es eingenommen hat. Investitionen sind bekanntlich auch Ausgaben.

    Mir erschließt sich nicht, welchen Nutzen die Gleichung I=S praktisch haben soll. Da sie nur zutreffen kann, wenn man entsprechende Definitionen erfindet, sind wir bei Tautologien angekommen. Wem helfen Tautologien?

    Stützels Saldenmechanik ist auch eine solche Schleife – sie setzt voraus, daß die Geldmenge konstant ist. Bei sich ständig verändernden Geldmengen – das ist die Wirklichkeit – folgt nicht zwingend aus dem Geldvermögenszuwachs des einen eine gleichhohe Vermögensminderung beim anderen. Bei „gegebener“ Geldmenge handelt es sich dann bei Stützels Erkenntnis um eine Banalität.


  8. @11 HK
    „– der Fall, in dem die Haushalte mehr als die Konsumgueterproduktion kaufen … Dazu brauchen Unternehmen Lagerbestaende an Konsumguetern, welche sie abbauen…. ein Signal sendet an die Unternehmen, in der naechsten Periode weniger Investitionsgueter zu produzieren …“

    Die Haushalte kaufen die Lager leer und das Unternehmen zieht den Schluß weniger zu investieren …

    Ist das so?


  9. @11 ff

    veblen #15 beat me to it

  10.   veblen

    @ HKaspar, 12

    „1) Der notwendige Zusammenhang zwischen der Ersparnis der Haushalte und den Investitionen der Unternehmen ergibt sich aus der Definition des Investitionsguts: Gueter um andere Gueter zu produzieren (frei nach Marx). Derart produzieren Unternehmen nur fuer sich selbst, nicht fuer den Haushaltssektor.“

    Wenn man wie F. Lindner Sparen als Erhöhung des Reinvermögens definiert, dann müssen Investitionen von privaten Haushalten in neu errichtete Wohnbauten zu den gesamtwirtschaftlichen Investitionen gezählt werden. Und genau so wird es in der VGR auch gehandhabt.

    „Woraus dann notwendig folgt dass Investitionsgueter nur dann produziert werden, wenn Haushalte weniger Konsumgueter nachfragen als Einkommen erzielt wird -> sparen.“

    Nur dass die Einkommen ex ante nicht determiniert sind. Das gilt insbesondere für die Einkommen der Unternehmerhaushalte, also die Gewinne. Ein erhöhtes Geldsparen der Haushalte durch Konsumzurückhaltung würde zu sinkenden Umsätzen und Gewinnen der Konsumgüterproduzenten führen. Wenn man nun annimmt, dass mit den Unternehmereinkommen auch die Ersparnisse der Unternehmerhaushalte zurückgehen (was m. E. keine unrealistische Anname ist), dann würden sich die Ersparnisse den Investitionen anpassen, nicht umgekehrt.

    „Ohne Ersparnisbidlung der Haushalte keine Investition.“

    Wie gesagt, man kann das auch genau umgekehrt sehen.

    LG veblen

 

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