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Investment Outlook: Niedrige Zinsen, überbewertete Aktien, schwache Rohstoffmärkte

 

Ohne Zweifel ist das heutige Zinsniveau niedriger als es nach objektiven Maßstäben sein sollte. Am langen Ende liegt es am deutschen Markt etwa drei Prozentpunkte unter „normal“, am kurzen um zweieinhalb. Das heißt aber nicht, dass eine Zinswende nah ist. Hauptgrund ist, dass die EZB mindestens bis September 2016 bei ihrer Expansionspolitik bleiben wird.

Da es ihr angesichts der privaten und öffentlichen Schuldenberge nicht gelingt, Wirtschaftswachstum und Inflation zu stimulieren, wandern die zusätzlichen Mittel, die sie ins Bankensystem pumpt, in die Märkte für Aktien, Bonds, Immobilien und Rohstoffe. An den Devisenmärkten kommt es zudem zu einem Überangebot und damit zu einer Schwäche des Euro. Über den Umweg „Wechselkurs“ kommen die expansive Effekte wenigstens teilweise in der Realwirtschaft an.

Am wichtigsten ist aber, dass sich Vermögensblasen bilden. Sie werden eines Tages platzen und eine neue Welle des deleveraging auslösen, was wiederum die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen schwächt und die Inflationsraten senkt. Da die EZB dies als eine Ausweitung der Outputlücke interpretieren dürfte, tritt sie erneut auf’s Gas. Auf diese Weise haben im gegenwärtigen Umfeld niedrige Zinsen noch niedrigere Zinsen zur Folge – so argumentiert jedenfalls die Basler Bank für internationalen Zahlungsausgleich in ihrem neuen Jahresbericht.

In China hat sich das Wachstum deutlich verlangsamt. Die Einfuhren brechen seit einigen Monaten ein, was der vielleicht wichtigste Grund für die Schwäche der Rohstoffmärkte ist. Nun sind auch die chinesischen Aktienmärkte unter Druck, nachdem zuvor eine Blase entstanden war. Ich gehe davon aus, dass ein großer Teil der Unternehmen und Haushalte finanziell ins Schleudern gerät, so dass die Reduktion der Schulden auf der Prioritätenliste nach oben rutscht – was das Wirtschaftswachstum weiter dämpft. Von China gehen auf die Weltmärkte, insbesondere die Rohstoffmärkte, voraussichtlich restriktive Wirkungen aus.

Ausführliches zu den jüngsten wirtschaftlichen Entwicklungen in Europa und China, sowie den Aussichten und Risiken für Aktien, Bonds, Wechselkurse und Rohstoffe finden Sie in meinem neusten Investment Outlook:

Wermuth’s Investment Outlook – Low interest rates are here to stay, July 2015*) (pdf, 578 KB)

*) Der Investment Outlook von Dieter Wermuth ist in englischer Sprache verfasst und wird im Herdentrieb in loser Folge zum Herunterladen bereitgestellt. (UR)

3 Kommentare

  1.   rjmaris

    Wenn man die Entwicklungen in China mit betrachtet, sieht das alles ziemlich düster aus. Summers lässt grüßen.

    Steve Keen stellt sich am 9.7. die Frage, ob wir demnächst wieder crashen werden. China wird seiner Einschätzung nach in spätestens 1-2 Jahren in einer („unvermeidbaren“) Krise geraten.

    debtdeflation.com/blogs/2015/07/09/will-we-crash-again-ftalphaville-presentation/

  2.   ergo sum

    Der chinesische Börsencrash wird sich von jetzt ab zweifellos negativ auf die Kaufkraft und damit auf die europäischen Importe auswirken. Wie in jeder kommunistischen Wirtschaft sucht man natürlich nach Schuldigen. Doch der allergrößte Schock für Chinas Regierung dürfte gewesen sein, dass keine der staatlichen Maßnahmen, den Crash to stoppen, funktioniert hat. China musste hier lernen, dass die Märkte ein eigenes Momentum entwickeln können, wogegen alle Planwirtschaft machtlos bleibt.


  3. Aus aktuellem Anlass 3 heiße Investment Tipps

    1. Aktien von Druckereien die Banknoten herstellen

    2. Aktien für Hersteller von Computerspielen, die kleine digitale Ökonomien darstellen. Diese Firmen haben das know-how und die Infrastruktur eine digitale Währung auf die Beine zu stellen. Valve (für die Varoufakis als Berater für digitale Ökonomien gearbeitet hat) ist privately owned, sonst hätte ich davon schon Aktien gekauft.

    3. Bunds haben seit heute Nacht wieder größere Phantasie nach oben, zumindest wenn man sich außerhalb des künftigen Nordeuroraums befindet.

 

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