‹ Alle Einträge

Mario, so haben wir uns das mit der EZB nicht vorgestellt!

 

In der jüngsten Sonntagsausgabe der Frankfurter Allgemeinen stellt Rainer Hank die Frage, wer Mario Draghi stoppen kann. Wenn es nach Hank geht, möchten das hierzulande offenbar alle, jedenfalls alle, die wir aus den Talkshows kennen, angefangen mit Hans-Werner Sinn, über Carsten Linnemann von der CDU-Mittelstandsvereinigung, Peter Bofinger, Bert Rürup, Marcel Fratzscher und die Juristen Dietrich Murswieck und Udo Di Fabio. Jens Weidmann würde gerne, könne aber nicht, weil seine Stimme im EZB-Rat kein Gewicht habe, während Sabine Lautenschläger, seine deutsche Kollegin, unter „Konformitätserwartung“ stehe. Auch Zitate des britischen Ökonomen Charles Goodhard und sogar des liberalen Säulenheiligen Walter Eucken legen für Hank nahe, dass es so nicht weitergehen könne, dass die Unabhängigkeit der EZB und ihre Machtfülle, die er anscheinend bei Draghi konzentriert sieht, vielleicht doch keine so gute Idee war. Nikolaus von Bomhard, der Chef der Münchner Rück spricht sogar von einer Erosion des Rechts, ist verständnislos und sogar entsetzt über das, was die EZB zurzeit anrichtet. Nur der Franzose Benoît Cœuré vom Frankfurter EZB-Direktorium stehe dem Italiener Draghi zur Seite, und zwar auf schnippische Art. Otmar Issing, immerhin, ruft um Gottes Willen, nein, „wer die Unabhängigkeit der EZB aufgibt, besiegelt damit das Ende des stabilen Euros“!

Ein langer Artikel, aber die entscheidenden Fragen werden gar nicht gestellt: Warum soll Draghi überhaupt gestoppt werden, wo ist das Problem, was macht die EZB falsch, und wie könnte eine Lösung aussehen?

In einer Hinsicht ist Hank immerhin konkret: Zustimmend zitiert er Bomhard, dass die jetzige Geldpolitik eine massive Umverteilung zu Lasten der Ärmeren betreibe. Da ist was dran, wenn auch nur für bestimmte Gruppen und unter bestimmten Annahmen. Wenn es der EZB trotz der vielen Liquidität, die sie ins Bankensystem pumpt, nicht gelingt, die europäische Wirtschaft anzukurbeln – weil Schuldenabbau für Haushalte, Banken und Staat weiterhin Priorität hat und sie keine neuen Schulden machen wollen –, bahnt sich das Geld seinen Weg in die Märkte für inländische und ausländische Wertpapiere und Immobilien und treibt dort Kurse und Preise. Auf diese Weise steigt der Nominalwert der Vermögen. Die, die was haben, werden reicher (zumindest auf dem Papier), die die nichts haben, haben so wenig wie vorher. Die Vermögensverteilung verschiebt sich zugunsten der Reichen. So weit so gut, oder so schlecht.

Und sonst? Sehen wir uns die Effekte der jetzigen Geldpolitik etwas näher an! Wer beispielsweise ein kleines Sparguthaben besitzt, bekommt als Folge der Nullzinspolitik auf seinem Konto keine Gutschriften mehr, aber verliert auch nichts, weil die Verbraucherpreise nicht steigen, es also keine Geldentwertung gibt. Sollte das Preisniveau sinken, würde der Wert der Ersparnisse real sogar zunehmen (vgl. Bundesbank: Negative reale Verzinsung von Einlagen kein neues Phänomen, 27. 6. 2014). Ähnliches gilt für Lebensversicherungen: Die Garantiezinsen tendieren gegen Null, aber die Kaufkraft des später einmal ausgezahlten Kapitals ist tendenziell stabil, wenn es hierzulande von nun an so weitergehen sollte wie einst in Japan, wo die Preisindices schon seit fast 20 Jahren unverändert sind. Ein interessanter Nebeneffekt: Bei positiven nominalen Sparzinsen muss ab einer bestimmten Grenze Einkommensteuer bezahlt werden – bei Nullzinsen ist das kein Thema. Wenn die Realzinsen durch fallende Verbraucherpreise steigen, bleibt der Ertrag voll beim Sparer, der Staat bekommt nichts.

Rentner dürften zu den Gewinnern zählen, da die Renten in Deutschland an die Einkommenssteigerungen der Beschäftigten gekoppelt sind. Im Sommer werden sie um mehr als vier Prozent zunehmen, was angesichts nahezu stabiler Preise real einer kräftigen Zunahme entspricht. Empfänger von Arbeitslosengeld und Sozialhilfe können sich ebenfalls nicht beklagen, ebenso wenig wie solche Arbeiter und Angestellten, die keine Kürzung ihrer Einkommen befürchten müssen. Das dürfte für die meisten von ihnen gelten; im Augenblick nimmt die Zahl der Beschäftigten im Vorjahresvergleich um beachtliche 1,3 Prozent zu, so dass das Jobrisiko relativ gering ist. Laut Bundesbank übertrafen die Löhne und Gehälter je Arbeitnehmer zuletzt ihren Vorjahreswert um 3,0 Prozent; das war nominal – real waren es 2,7 Prozent.

Es fällt schwer, der EZB auf der Basis solcher Zahlen den Vorwurf zu machen, sie treibe mit ihrer Politik die Menschen in die Armut. Für Deutschland jedenfalls ist das Gegenteil der Fall.

Eins macht die EZB seit Jahren richtig gut: Sie hält die Kaufkraft des Geldes stabil. Hank hält das allerdings nicht für erwähnenswert. In den drei Jahren seit 2013 lag die Geldentwertung im Durchschnitt bei 0,9 Prozent und damit weit unter der Zielmarke von knapp unter zwei Prozent, unterhalb derer nach allgemeinem Verständnis Preisstabilität herrscht. Seit Einführung des Euro im Januar 1999 sind die Verbraucherpreise in Deutschland im Jahresdurchschnitt um 1,4 Prozent gestiegen, in den Jahren 1960 bis 1998, als die Bundesbank noch das Sagen hatte, betrug die durchschnittliche Inflationsrate 3,2 Prozent.

Grafik: Deutsche Inflationsraten seit 1960

Einen Vorwurf kann man der EZB allerdings machen, nämlich dass es ihr nicht gelingt, die Inflationsrate auf 1,8 oder 1,9 Prozent anzuheben, so wie sie es sich zum Ziel gesetzt hat. Auch das ist für Hank kein Thema. Die Inflationsrate der Währungsunion lag im März bei -0,1 Prozent (Deutschland +0,1 Prozent), die Kernrate immerhin bei 1,0 Prozent. Am Markt wird damit gerechnet, dass die durchschnittliche deutsche und französische Inflation in den nächsten zehn Jahren 1,0 Prozent betragen wird (abgeleitet aus inflationsgeschützten Staatsanleihen). Die EZB betreibt daher ungewollt, de facto aber durchaus eine Politik zugunsten der Gläubiger und zulasten der Schuldner, vor allem der Unternehmen und Häuslebauer, und bremst damit ungewollt das Wirtschaftswachstum. Da es keine Inflation gibt, bleibt die reale Last der Schulden gleich – bei „normaler“ Inflation würde sie dagegen ständig geringer.

Leider hat Hank trotz der vielen Kontakte, die er erwähnt, niemanden gefunden, der einen brauchbaren Vorschlag hatte, was die EZB denn nun anders machen solle. Alle waren sich anscheinend nur in Einem einig: die EZB überdehne ihr Mandat. Für mich heißt das im Klartext, dass die Ankäufe von staatlichen und neuerdings privaten Anleihen ein gefährliches Volumen erreicht hätten. Gefährlich wofür? Vermutlich für die Stabilität des Euro in der langen Frist. Es wird offenbar befürchtet, dass der Hexenmeister die Liquiditätsflut am Ende, wenn die Inflation schließlich doch ins Laufen gekommen ist, nicht mehr eindämmen kann. Hyperinflation könnte die Folge sein. Ich selbst sehe das nicht so, weil die Notenbanker im Kampf gegen die Inflation über genügend Instrumente verfügen und in der Schule gelernt haben, wie sie einzusetzen sind. Mit der Deflation ist das eine ganz andere Sache. Darauf waren sie intellektuell nicht vorbereitet.

Vielleicht ist den deutschen Kritikern auch unwohl bei dem Gedanken, dass die EZB zunehmend zu einem Staatsfinanzierer mutiert. Wenn sie von den 80 Mrd Euro, die sie jetzt netto monatlich für Anleihekäufe ausgibt, beispielsweise 70 Mrd für staatliche Anleihen verwendet, macht das auf’s Jahr gerechnet 840 Mrd Euro. Das aggregierte Budgetdefizit aller Euroländer dürfte sich in diesem Jahr aber „nur“ auf rund 220 Mrd Euro belaufen. Anders ausgedrückt, die EZB subventioniert indirekt, dabei aber sehr massiv, die staatlichen Haushalte. Konkret schlägt sich das nieder in einem stark rückläufigen Schuldendienst und niedrigen Bondrenditen. Hardliner werden argumentieren, dass die nationalen Parlamente und Finanzminister dann einen entsprechend geringeren Anreiz haben, ihre Haushalte durch sparsames Wirtschaften in Ordnung zu bringen. Wenn dann die nächste Krise kommt, wären sie entsprechend schlecht darauf vorbereitet.

Eine solche Kritik am „quantitative easing“ ist allerdings nicht nur gegenüber der EZB angebracht – alle anderen wichtigen Notenbanken haben, wenn es die Lage erforderte, ebenfalls massiv staatliche Papiere in ihre Bücher genommen. Man sollte im Übrigen nicht vergessen, dass Notenbanken zum staatlichen Sektor gehören und sich per Saldo in dessen Vermögensposition nichts verändert, wenn der Eine seine Schulden gegenüber der Notenbank erhöht – deren Forderungen (Aktiva) nehmen nämlich im selben Umfang zu.

Grafik: Zentralbankbilanzen, Aktiva insg., Jan.2007=100

Niemand von Hanks Zeugen schlägt übrigens vor, dass endlich mal wieder die Zinsen angehoben werden sollten. Dann würden sich die Besitzer von Sparbüchern zwar freuen, aber wer in eine Immobilie oder ein Unternehmen investieren möchte, hätte eine höhere Hürde zu überwinden. Höhere Zinsen wären Gift für die Konjunktur. Um es klar zu sagen, das Ziel der Geldpolitik besteht im Augenblick darin, Haushalte, Unternehmen und Staat dazu zu bringen, mehr Geld auszugeben und dadurch die Produktion anzukurbeln, die Produktionslücken zu verringern und Spielräume für steigende Preise und Löhne zu schaffen. Das Sparen durch höhere Zinsen zu fördern wäre kontraproduktiv.

Was die Zinspolitik angeht, ist die EZB ebenfalls in guter Gesellschaft. Wie die folgende Grafik zeigt, war die amerikanische Notenbank in dieser Hinsicht sogar weit expansiver.

Grafik: Leitzinsen der Bundesbank, EZB und Fed seit 1960

Auch das Thema Euro-Abwertung kommt in Hanks Artikel nicht vor. Vermutlich sind alle insgeheim erfreut darüber, dass die EZB mit ihrer Politik zur Schwäche des Euros beigetragen hat. Der Außenbeitrag, und mit ihm das Wachstum, wären sonst im vergangenen Jahr noch schwächer ausgefallen.

Insgesamt wird nicht klar, weshalb Draghi denn nun gestoppt werden soll. Richtig was falsch scheint er nicht zu machen. Ärgerlich ist allerdings, dass Hank trotzdem versucht, das Ansehen Draghis in der deutschen Öffentlichkeit mit nebulösen Vorwürfen zu schwächen. Er tut so, als sei der EZB-Chef eine Art Diktator, der quasi autokratisch über ein „Schattenkabinett“ herrscht. Er verschweigt, dass die EZB bereits unter Trichet expansiv war und tut so, als ob die Bezeichnung „unkonventionelle Maßnahmen“ eine Erfindung von Draghi sei. In Wirklichkeit war das schon unter Trichet der offizielle Sprachgebrauch.

Hank zitiert einen Lord Acton mit der Aussage, dass Macht korrumpiert, absolute Macht sogar absolut. Das komme im Falle der EZB daher, dass „auf Aufsicht und Kontrolle gewollt verzichtet und die Gewaltenteilung suspendiert wird“. Die Verführung zum Machtmissbrauch liege nahe. War das zu Bundesbankzeiten anders?

Ich weiß nicht, was der Artikel eigentlich bezwecken soll. Konstruktiv ist er nicht.

121 Kommentare

  1.   Babendiek

    @ Tischer # 50

    Selbstverständlich verfolgt die EZB dieses doppelte Ziel, auch wenn sie das vielleicht nicht offen ausspricht.

    Auf der einen Seite sollen die Zinsen auf absehbare Zeit sehr niedrig bleiben. Dies hat Draghi nun wirklich mehrfach öffentlich geäußert. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass die EZB die Leitzinsen in den kommenden Jahren auch nur annähernd auf, sagen wir, zwei Prozent heraufsetzt. Solange die Leitzinsen aber nicht steigen, werden die Banken auch die kurzfristigen Zinsen schwerlich erhöhen.

    Auf der anderen Seite hat die EZB das selbsterklärte Ziel, dass die Inflationsrate europaweit bei nahe zwei Prozent liegt. Das ist hier in diesem Forum ganz offensichtlich Konsens.

    Zum Glück für die deutschen Sparer klappt das nicht so ganz mit der Doppelstrategie.

    Man wird aber konstatieren dürfen: Die Absicht ist da, auch wenn der Erfolg – derzeit noch – ausbleibt.

  2.   Tiefenwahn

    Kann denn die EZB überhaupt ein Interesse daran haben, dass das Inflationsziel von 2% erreicht wird? Denn dann dürfte sie doch eigentlich kein QE mehr betreiben, und wer soll dann die Anleihen der Krisenstaaten noch kaufen? Die Zinsen für die Krisenstaaten dürften ohne QE weit höher liegen als die Inflationsrate und die Transfers über die EZB würden verschwinden. Würde QE dann weiter betrieben, wäre der Weg in die Hyperinflation doch vorgezeichnet. So gesehen glaube ich nicht, dass die EZB tatsächlich ernsthaft an einer Inflation von 2% interessiert ist. Der Euro wäre doch dann erledigt.

  3.   Michael Stöcker

    @ veblen # 47

    Vielen Dank für Ihre konstruktiven Anmerkungen. Eine Fehlleistung ist es nur insofern, als dass die Herde ein weiteres Mal kurzfristig irritiert die Richtung wechselt, bevor sie dann wieder auf den alten (Abwärts-)Pfad zurückkehrt. Ich stimme mit Ihnen aber völlig überein, dass es nur dann ein bedeutsamer Fehler ist, wenn er das Zinsniveau maßgeblich beeinflusst und daraus negative gesamtwirtschaftliche Folgen resultieren. Das hat es wohl eher nicht, da die Erhöhung hierfür zu niedrig war und man schon ein Anhänger der Homöopathie sein muss, um hiervon reale Wirkungen erwarten zu können. Zudem bin ich der Überzeugung, dass den Leitzinsen zu viel Aufmerksamkeit geschenkt wird und auf diesem Wege den Zentralbanken eine Macht angedichtet wird, die sie in diesem speziellen Bereich realiter gar nicht haben. Auf der anderen Seite ist Wirtschaft aber auch zu 50 % Psychologie.

    Es ist übrigens nicht meine Zinstheorie, sondern vielmehr eine Dekonstruktion unterschiedlicher Theorien, die ich aufgegriffen habe. In diesem Fall bin ich insbesondere Wolfram Engels in seiner Argumentationslogik gefolgt: blog.zeit.de/herdentrieb/2013/05/13/entmachtet-die-bundesbank-2_6036/…. Hier bin ich soeben auf eine Buchkritik von Winfried Berner gestoßen: mwonline.de/db/literatur/…. Braunberger hatte hierzu vor einigen Monaten einen eigenen Beitrag verfasst: faz.net/fazit/2015/07/08/eine-radikale-geldreform-das-aktiengeld-6038/…. Ich hatte mich seinerzeit an der Diskussion beteiligt. Die Buchbesprechung ist vielversprechend. Werde mich in den kommenden Tagen mal einlesen.

    Der wohl gravierendste Einwand Böhms war, dass bei einem Null-Zinssatz der Wert von Renten tragenden Grundstücken oder anderer Güter mit praktisch unendlicher Lebensdauer unendlich hoch sein müsse.

    Ich kenne diese Überlegungen durch diese Diskussion: coll.mpg.de/download/Weizsaecker/DebatteStaatsschulden.pdf. Stefan Homburg weist auf Seite 33 auf diesen Sachverhalt hin. Ich bin hier eindeutig bei von Weizsäcker (S. 59 ff.). Hatten Sie meinen Kommentar von vor einem Monat gelesen? blog.zeit.de/herdentrieb/2016/03/03/minuszinsen-sind-das-falsche-rezept_9386…

    Dass die Existenz eines positiven Zinssatzes in einer stationären Kreislaufwirtschaft zumindest theoretisch möglich ist, hat aber Wicksell schon in seinem Werk “Geldzins und Güterpreise” (1898, S. 124 ff.) saldenmechanisch widerspruchsfrei dargelegt. Voraussetzung dafür ist, wenn ich das richtig verstanden, dass kein Sektor netto (Geld) spart. Genau das ist aber der Knackpunkt. Kann der Markt das sicherstellen?

    Theoretisch ja, praktisch nein (Matthäus-Effekt). Insbesondere deshalb nicht, weil es aus individueller Sicht immer um eine zusätzliche Ersparnis geht. Diese geht in einer stationären Wirtschaft aber immer zu Lasten eines anderen, der sodann seinen Kredit nicht mehr bedienen kann. In diesem Fall müsste er vorhandene Assets veräußern, was wiederum die Realvermögenskonzentration fördert.

    Deshalb beeinflusst die Zentralbank das Zinsniveau zumindest am kurzen Ende ganz maßgeblich.

    D’accord! Hier geht es um ZB-Liquidität; nicht um den natürlichen Zins. Ich hatte von daher auch die Kredit- und Anleihezinsen als Bezugspunkt genannt und die Leitzinsen ausgespart.

    Aber dafür ist ja QE da.

    QE ohne fiskalische Expansion ist ein reiner Asset-Swap ohne reale Wirkungen. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Einschätzung von Larry Summers: youtube.com/watch…. (insbesondere ab 1:00:30; @ Babendiek: Wenn Sie verstehen möchten wie ich ticke, dann schauen Sie sich das gesamte Interview sowie die anschließende Fragerunde an. Ich stimme mit Summers zu 99,9 % überein).

    LG Michael Stöcker

  4.   Michael Stöcker

    @ Babendiek # 48

    Auch in unseren Zeiten ist Barzahlung erheblich stärker verbeitet als sich dies Blogger offenbar vorstellen können.

    Auch in unseren Zeiten entspringt das Bargeld in seinem Ursprung einem Bankkredit. Ich wiederhole mich, weil mancher Mitbürger in diesem Forum sich dies offenbar nicht vorzustellen vermag. Einzige Ausnahme: Das Münzgeld. Das wächst zwar ebenfalls nicht auf den Bäumen (HWS), ist aber in der Bilanz der Bundesbank auf der Aktivseite zu finden. Alles andere ZB-Geld befindet sich auf der Passivseite und erinnert somit daran, dass diesem Zentralbankgeld ein Schuldverhältnis zugrunde liegt.

    Q.E.D. ???

    LG Michael Stöcker

  5.   Michael Stöcker

    @ Dietmar Tischer # 50

    Die Lebensversicherungen und die Pensionsfonds kommen durch die Geldpolitik der EZB in große Schwierigkeiten, weil sie rechtliche Zusagen einer hohen Verzinsung nicht über längere Zeit durchhalten.

    Nicht die Geldpolitik ist hierfür verantwortlich, sondern die Fiskalpolitik (siehe auch mein Link zu Larry Summers).

    LEIDER wird die öffentliche Diskussion um die Geldpolitik der EZB unter dem Stichwort „Enteignung“ geführt werden und vermutlich eine enorm POLARISIERENDE Wirkung erzielen.

    Die Geister, die ich rief…

    Ich hätte dieses Szenario vor ein bis zwei Jahr nicht einmal denken können und reibe mir die Augen, wenn ich es beschreibe.

    Ich leider schon (siehe hierzu mein Beitrag vom 16.05.2014). Wenn man die Funktionsweise eines Kreditgeldsystems einmal verstanden hat, dann war diese Entwicklung leider abzusehen. Jetzt geht es doch nur noch darum, wem man die Schuld in die Schuhe schieben kann. Und dabei bliebt leider mehr als die Wahrheit auf der Strecke.

    LG Michael Stöcker

  6.   Babendiek

    @ Stoecker

    „Auch in unseren Zeiten entspringt das Bargeld in seinem Ursprung einem Bankkredit.“

    Sie werfen doch mal wieder alles durcheinander. Offenbar haben Sie mal irgendwo gelesen, dass Banknoten rein formaljuristisch als Schuldscheine betrachtet werden können. Aber dies ist wirklich nur formaljuristisch so.

    Von einem Bankkredit unterscheiden sich Banknoten auch in der Deutung als Schuldschein in drei ganz zentralen Punkten:

    1. Ein Kredit muss nach einer vereinbarten Frist zurückgezahlt werden. Müssen Geldscheine an die EZB zurückgegeben werden? Nein! Banknoten haben keine Fristen.

    2. Für einen Kredit verlangt die Bank in der Regel Zinsen. Welche Zinsen sind auf Banknoten fällig?

    3. Banknoten werden von der Zentralbank emittiert, nicht von irgendeiner Geschäftsbank.

    Kleine Bitte: Können Sie, bevor Sie posten, einfach mal einen kleinen Blick ins Internet werfen? Wikipedia kann oft weiterhelfen!!!

  7.   Babendiek

    @ Stoecker

    Mit Bezug auf die Erhöhung der Zinsen schreiben Siue:

    „Nicht die Geldpolitik ist hierfür verantwortlich, sondern die Fiskalpolitik.“

    Sie kennen ja wirklich lustige Theorien. Der Staat soll die Ausgaben maßlos steigern, sich hiefür in Schulden sützen und dabei so nebenbei auch die Zinsen in die Höhe treiben?

    Ich empfehle Ihnen ein Blick in Richtung Japan. Kein Industrieland hat in den vergangenen 20 Jahren eine derart expansive Finanzpolitik betrieben. Die Staatsschuldenquote liegt heute bei 245 Prozent – Weltrekord!

    Und die Zinsen? Sind so niedrig wie in kaum einem anderen Land. Bei kurzfristigen Anleihen (Commercial Papers) liegen sie derzeit bei exakt minus 0,65 Prozent.

  8.   i3p3

    Ob investiert wird entscheiden die BANKEN mit ihrer Kreditvergabe und nicht die Unternehmer. Sehen Banken keinen Gewinn bei ihrer Geldvergabe, geben sie keine Kredite aus. So einfach ist das. Banken blicken nicht mit ihren „Finanz-Experten“ bei Innovationen, Ideen und Start-ups auch durch. Deshalb würde eine Idee wie Google (die es ja schon gab bei Yahoo) abgewiesen werden. Hätte die Bank noch dazu Aktien von Yahoo möchte sie auch keinen anderen.
    Dabei ist doch das e-Geld (elektronische Geld) nur eine Zahl im Computer, die Leistungslos und ohne Rohstoffe aus dem Nichts bei jeder Kreditvergabe erst erschaffen wurde. Also, Null Risiko.
    Die EZB sollte Voraussetzungen schaffen, die echten Wohlstand und Fortschritt bringen und nicht alleine Banken und die Finanzwirtschaft unterstützen, die keine Leistungserbringer sind, sondern nur Geldzusteller und Verwalter. Banken und Firmen sollten deshalb für Kredite von der EZB den Wohlstand und Fortschritt nachweisen der aus ihren Handlungen entsteht. Im Netz sollte die Vergabe dokumentiert werden. Das ist eine gute Werbung zugleich.

  9.   Michael Stöcker

    @ Babendiek # 56

    Offenbar haben Sie mal irgendwo gelesen, dass Banknoten rein formaljuristisch als Schuldscheine betrachtet werden können.

    Stimmt, dass ich das schon mal irgendwo gelesen habe. Aber etwas zu lesen und sich zu eigen machen sind doch zwei verschiedene Dinge. In monetären Angelegenheiten wird nun einmal viel Unsinn verbreitet. Das gilt für das Internet im Allgemeinen und für manche Diskutanten hier in diesem Forum im Speziellen.

    Schön, dass Sie diese drei Punkte erwähnen; es sind dieselben, auf die ich nicht nur hier in diesem Forum seit über drei Jahren immer wieder hinweise.

    Wikipedia kann oft weiterhelfen!!!

    Ja, es gibt ausgezeichnete Wikipedia-Beiträge. Aber in monetären Angelegenheiten muss man sich leider oftmals die Mühe machen, selber zu denken: soffisticated.wordpress.com/2013/04/07/das-vergangene-marchen-der-seigniorage/

    LG Michael Stöcker

  10.   Michael Stöcker

    @ Babendiek # 57

    Sie kennen ja wirklich lustige Theorien. Der Staat soll die Ausgaben maßlos steigern, sich hiefür in Schulden sützen und dabei so nebenbei auch die Zinsen in die Höhe treiben?

    Was bei Ihnen so alles mit ‚Theorie‘ bepflastert wird. Zudem fantasieren Sie sich mal wieder etwas zu recht, was ich so nicht geschrieben habe. Der Staat soll seine Ausgaben weder maßlos steigern (was ist für Sie maßlos?), noch sich hierfür in Schulden stürzen. Sie selber haben doch darauf verwiesen, dass man auch die Steuern erhöhen kann. Diese Forderung finden Sie in meinem 10-Punkteplan unter Punkt VIII.

    Ich empfehle Ihnen ein Blick in Richtung Japan.

    Ich auch: japanmarkt.de/2015/07/22/trends/konsum/japans-senioren-krimineller-als-teenager/

    Wir werden die Japaner noch toppen; Agenda 2010 + Riester sind ein wesentlicher Brandbeschleuniger: manager-magazin.de/politik/meinungen/zukunftsprognose-fuer-deutschland-viel-schlimmer-als-in-japan-a-1085088.html.

    LG Michael Stöcker

 

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Anmelden Registrieren