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Wer höhere Zinsen will, muss die Löhne erhöhen

 

Die Zinsdebatte ist endlich dort angelangt, wo sie hingehört: Bei der Frage nach den Ursachen der niedrigen Zinsen. Mario Draghi hat bekanntlich eine Ersparnisschwemme als Ursache ins Spiel gebracht, zu der Deutschland mit seinen hohen Leistungsbilanzüberschüssen beitrage, was der deutsche Sachverständigenrat empört zurückweist.

Welche Seite man in diesem Streit auch einnimmt, klar ist: Die EZB wird die Zinsen erst wieder erhöhen, wenn auch die Inflation anzieht. Was die Frage aufwirft, warum diese so niedrig ist. Der wichtigste Kostenfaktor für die Unternehmen sind die Löhne, weshalb ein enger Zusammenhang zwischen Lohnentwicklung und Preisentwicklung besteht.

Wer oberflächig die Zeitungen liest, könnte den Eindruck gewinnen, dass die Löhne in Deutschland derzeit heftig steigen – schließlich treten die Gewerkschaften nicht unbedingt bescheiden auf. Aber so einfach ist es nicht, zum Beispiel weil wie auch bei TTIP zwischen Forderung und Abschluss ein erheblicher Unterschied besteht. Hier die Commerzbank:
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Über den letzte Halbsatz kann man lange streiten, aber darum soll es hier nicht gehen. Entscheidend ist: Nimmt man zur Bestimmung des Zielwerts für die erwünschte Lohnsteigerung die gängige Formel Produktivitätssteigerung plus Zielinflationsrate der EZB, so kommt man auf eine Spanne zwischen drei und dreieinhalb Prozent. Gemessen daran ist die deutsche Lohnentwicklung deflationär.

Kein Wunder, dass die Zinsen nicht höher sind. Wenn Wolfgang Schäuble also ein Problem mit den niedrigen Zinsen hat, dann gäbe es einen einfachen Weg: Mehr Geld für kräftige Lohnabschlüsse im öffentlichen Dienst.