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Schwaches Wachstum der Produktivität verteuert Finanzaktiva

 

Nach traditionellen Analyseverfahren sind die heutigen Aktienkurse schon wieder sehr hoch. Die Notenbanken in den OECD-Ländern fluten die Banken mit Liquidität, da aber sowohl Haushalte als auch Firmen wenig Lust auf zusätzliche Schulden haben, wandern die Anlage suchenden Mittel in die Aktienmärkte und treiben dort die Kurse. Das sieht auf den ersten Blick nicht gesund aus. Es besteht die Gefahr neuer Vermögensblasen.

Das gilt auch für Bonds. Die nominalen Renditen von Anleihen guter Schuldner liegen in der Nähe von Null, real sind sie vielfach negativ. Wer Sicherheit will, muss dafür zahlen. Im Augenblick liegen die Renditen von 35 Prozent der OECD-Staatsanleihen im negativen Bereich. Vor allem in einigen Ländern der Währungsunion, in Japan und in der Schweiz liegen die Zinskurven bei Laufzeiten von bis zu zehn Jahren und mehr unterhalb der Nulllinie. Sollte die US-Notenbank Fed demnächst die Zinsen erhöhen, dürften die anderen Notenbanken nach einiger Zeit nachziehen. Dieses Risiko wird am Markt unterschätzt.

Auf längere Sicht könnte sich allerdings herausstellen, dass die relativ hohen Kurse auf den Wertpapiermärkten nicht unbedingt bedeuten, dass sie auch zu hoch sind. Wenn sich nämlich das Produktivitätswachstum auf Dauer bei einem aus historischer Sicht äußerst niedrigen Wert von ein Prozent (oder weniger) einpendelt, werden die inflationsbereinigten Zuwachsraten des Finanzvermögens entsprechend zurückgehen und niemals die früher üblichen Werte erreichen. Insofern könnten die auf den ersten Blick überteuerten Wertpapiere nur ein Indiz dafür sein, dass die künftigen Erträge gering sein werden. Für Anleger bedeutet das, dass sie mehr Risiko eingehen müssen. Insbesondere müssen sie auf ausländische Wachstumsmärkte ausweichen, oder auf Aktien von Unternehmen, die dort erfolgreich sind.

Ich übernehme damit die Thesen und historischen Erkenntnisse von Robert Gordon, der Koryphäe für Produktivitätsanalysen schlechthin. Er glaubt nicht, dass die digitale Revolution – er nennt sie industrial revolution #3 – in den USA, anders als ihren beiden Vorgängerinnen, einen Wachstumsschub auslösen wird. Seine Argumente dürften auch für den Rest der OECD-Länder gelten.

Eine ausführliche Analyse der mittelfristigen Aussichten für Aktien, Bonds und den Euro- und Dollar-Wechselkurs sowie der längerfristigen Effekte eines verlangsamten Produktivitätszuwachses finden Sie in meinem neusten Investment Outlook:

Wermuth’s Investment Outlook – Weak productivity boosts asset markets, September 2016*) (pdf, 683 KB)

*) Der Investment Outlook von Dieter Wermuth ist in englischer Sprache verfasst und wird im Herdentrieb in loser Folge zum Herunterladen bereitgestellt. (UR)

2 Kommentare

  1.   Monetärkeynesianer

    Ich übernehme damit die Thesen und historischen Erkenntnisse von Robert Gordon, der Koryphäe für Produktivitätsanalysen schlechthin.

    Ich auch. Wir hatten Robert Gordon vor kurzem bei Daniel Stelter: think-beyondtheobvious.com/stelters-lektuere/geschichten-vom-zins/

    LG Michael Stöcker

  2.   smukster

    Gut erkannt. In einer Nullzinsumgebung ist ein PE von 20 nicht hoch, sondern extrem niedrig – zu erwarten wäre bei größeren, stabilen Unternehmen eher 40-50. Kaum Investitionen, kaum Produktivitätszuwächste, kaum Wachstum. Und das ist auch gut so.

 

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