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The Donald bringt den Zins zurück

 

Es vergeht kaum ein Tag, an dem sich nicht irgendwo in Deutschland irgendjemand über die niedrigen Zinsen beschweren würde. Hier kommt eine gute Nachricht für die armen enteigneten Sparer dieses Landes: Donald Trump dürfte den Zins bald zurückbringen – und diese Rückkehr dürfte einige Mythen der wirtschaftspolitischen Debatte in Deutschland entkräften.

Was Donald Trump mit dem Zins zu tun hat? Ganz einfach: Der neue Präsident plant Steuersenkungen und will zugleich die Staatsausgaben erhöhen. Das geht nur, wenn er neue Schulden aufnimmt, und die Geschichte zeigt, dass republikanische Präsidenten kein Problem mit höheren Defiziten haben, obwohl sie im Wahlkampf fiskalische Enthaltsamkeit predigen.

Eine solche Politik hätte zwei Folgen: Erstens würde durch die höheren Ausgaben die Nachfrage stimuliert, was zu höheren Löhnen und damit einer höheren Inflation führt, die wiederum zur Konsequenz hat, dass Investoren eine Kompensation für den Kaufkraftverlust geboten werden muss, damit sie ihr Geld überhaupt noch verleihen. Und zweitens treibt die zusätzliche Nachfrage nach Kapital den Preis desselben nach oben.

Beide Effekte führen dazu, dass die Zinsen steigen – und genau das ist am Kapitalmarkt zu beobachten, wie diese Kurve der Rendite zehnjähriger amerikanischer Staatsanleihen zeigt, die so etwas wie ein Taktgeber des Zinsniveaus sind.

Donald Trump bringt den Zins zurück

Und weil der amerikanische Kapitalmarkt den Ton angibt, lassen sich die Folgen auch in Deutschland beobachten.

Donald Trump bringt den Zins zurück

Aus diesem Grund übrigens spielt Mario Draghi derzeit auch den Ball ins Feld der Finanzminister zurück, wenn diese sich über die niedrigen Zinsen beschweren. Die Zentralbank kann mit ihrer Geldpolitik nur auf die wirtschaftliche Lage reagieren. Würde sie versuchen, die Zinsen künstlich in die Höhe zu treiben, würde sie eine Rezession riskieren. Der Weg zu höheren Zinsen führt über eine Änderung der wirtschaftlichen Verhältnisse.

Das ist natürlich nicht ohne Risiken. Es ist ein Szenario denkbar, in dem die Anleihemärkte aus Angst vor steigenden Schulden verrückt spielen und die Zinsen nach oben schießen. Dann hätten hoch verschuldete Immobilienbesitzer und Länder wie Italien ein Problem, und eine neue Finanzkrise wäre denkbar. Ich glaube zwar nicht, dass das wahrscheinlich ist – es ist aber nicht ausgeschlossen.

Insofern kann Wolfgang Schäuble etwas von Donald Trump lernen: Wer höhere Zinsen will, der muss mehr Geld ausgeben.

50 Kommentare

  1.   robert wegner

    > Das ist natürlich nicht ohne Risiken
    > Es ist […] denkbar, [das] die Anleihemärkte […] verrückt spielen
    > eine neue Finanzkrise wäre denkbar.
    .
    Achso, na wenns weiter nix ist. Das ist ja überschaubar.
    Riskieren wir es doch, oder?

    > Insofern kann Wolfgang Schäuble etwas von Donald Trump lernen

    Was denn? Zocken mit der Weltwirtschaft und Millionen Schicksalen?

  2.   Infamia

    OK, schon klar. Aber höhere Zinsen bedeuten eben auch höhere Inflation. Insofern bin ich immer etwas zwiegespalten, wenn ich das Klagelied über den niedrigen Zins höre. Es kommt halt drauf an, auf wessen Seite man steht, bzw. wie die persönliche Situation ist. Als Sparer ärgere ich mich über niedrige Zinsen, als Anleger freue ich mich. Einen Tod muss ich sterben. Es mag zwar zum Wohlfühlfaktor des deutschen Sparbuchsparers gehören, wenn am Ende des Jahres ein paar Kröten mehr auf dem Sparbuch landen, aber wenn diese durch die höhere Inflation aufgefressen werden, was sie ja in der Vergangenheit oft genug taten, wird ein Schuh daraus.

    Insofern empfiehlt es sich, je nach Lage der Dinge sein Anlageverhalten auch entsprechend anzupassen. Mag ja sein, dass es das Comeback der Zinsen gibt, aber Sparbuch allein war noch nie ein guter Anlageberater.

  3.   sirjonathanlynn

    Über eine Zinserhöhung entscheidet die FED, nicht der Präsident.

  4.   Lotech

    Ein gesundes Maß an Zinsniveau wird kommen. Die meisten wollen keinen Kredit zum konsumieren. Die sitzen auf einen großen Haufen Bargeld und haben schon alles. Die ängstlichen Sparer werden immer die Dummen sein. Die meckern über die Aktionäre, Investoren und alle Unternehmer. Dabei könnten sehr viele Sparer Miteigentümer unserer erfolgreichen Volkswirtschaft sein.

  5.   MitInteresse

    “ Es ist ein Szenario denkbar, in dem die Anleihemärkte aus Angst vor steigenden Schulden verrückt spielen und die Zinsen nach oben schießen. Dann hätten hoch verschuldete Immobilienbesitzer und Länder wie Italien ein Problem, und eine neue Finanzkrise wäre denkbar.“

    Und wie soll das funktionieren? Solange die EZB Anleihen in so großem Stil aufkauft, wie aktuell, können die Zinsen nicht in die Höhe gehen. Würde Draghi das Aufkaufprogramm stoppen, hätten Länder wie Italien sofort ein großes Problem, oder besser: ein noch größeres Problem.

  6.   hairy

    „Hier kommt eine gute Nachricht… “ – naja, wenn das so einfach wäre. Der Autor nennt (einige) Risiken etwas zu sehr weit hinten im Artikel.

  7.   Marie Noelle Chan hin

    Trotz allem sollen wir uns alle ueber die Zinserloese Gedanken machen. Und mit Verantwortung die Armut bekaempfen.

  8.   Zivilisationswächter

    Warum sollte Donald Trump plötzlich die Zinsen steigen lassen?
    Und warum sollten steigende Zinsen unter Donald Trump das bißchen Pseudo-Wachstum nicht wieder erwürgen, wie es unter jeder anderen Regierung auch passieren würde?

    Ich nehme an, unter Donald Trump fallen Steine auch nach oben?

    Unsere Weltwirtschaft braucht unter anderem billige Energie, um Wirtschafts“wachstum“ zu erzeugen. Die gibt es aber nicht mehr.
    Dann wären da noch die anderen Grenzen des Wachstums.

    An nichts von alldem wird Donald Trump etwas ändern. Hätte Clinton auch nicht. Ich habe im Januar schon gesagt, daß die Fed allerhöchstens einen Mini-Zinsschritt machen wird in diesem Jahr. Da liege ich bisher besser als das Gros aller Wirtschaftsexperten.

  9.   Gaucho Honorario

    „… Eine solche Politik hätte zwei Folgen: Erstens würde durch die höheren Ausgaben die Nachfrage stimuliert, was zu höheren Löhnen und damit einer höheren Inflation führt, die wiederum zur Konsequenz hat, dass Investoren eine Kompensation für den Kaufkraftverlust geboten werden muss, damit sie ihr Geld überhaupt noch verleihen. Und zweitens treibt die zusätzliche Nachfrage nach Kapital den Preis desselben nach oben. …“

    Da komme ich jetzt nicht mehr mit. hat Draghi nicht die Zinsen gesenkt um die Inflation anzuheizen?

  10.   Ein kleiner Idiot

    „Wer höhere Zinsen will, der muss mehr Geld ausgeben.“

    Ist ja in Ordnung und bekommt eine höhere Inflation. Für Deutschland keine Thema, aber in den USA schon. Die Abgehängten, die dort ohnehin schon (hoch) verschuldet am Rad drehen und deshalb Trump wählten, werden sich darüber sehr freuen, wenn die Zinsen steigen (die sie zahlen müssen) und gleichzeitig das wenige Geld, das sie haben, weniger wert wird.

    Das die Löhne angemessen steigen werden darf als Wunschdenken bezeichnet werden. Es müssen erstmal wieder die Jobs geschaffen werden, die wegen zu teuer nach Mexiko oder China gingen.

    Glauben Sie, dass sich besonders China nicht wehren wird, falls man ihnen erfolgreich die Jobs wieder weg nehmen will?

 

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