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Pluralismus in der Ökonomik: Lehre und Forschung auf dem Prüfstand

 

Logo: Wirtschaftsdienst - Zeitschrift für WirtschaftspolitikExklusiv aus dem Wirtschaftsdienst: Sind Lehre und Forschung in den Wirtschaftswissenschaften breit genug angelegt? Oder gibt es eine Dominanz des sogenannten Mainstreams, die den Blickwinkel der ökonomischen Disziplin derart verengt, dass sie ihrem Forschungsgegenstand weder methodisch noch in seiner ganzen Vielfalt hinreichend gerecht wird, was sich dann auch in der Praxis und der Art der wirtschaftspolitischen Beratung widerspiegelt? Tatsächlich gehört die Debatte über Pluralität seit Jahren zum Grundrauschen des ökonomischen Diskurses und im Gefolge der Finanzkrise wurde sie auch für eine breitere Öffentlichkeit hörbar geführt. Nach wie vor wird der Zustand dieser Wissenschaft höchst unterschiedlich beurteilt. In der Dezember-Ausgabe des Wirtschaftsdienst geben die Autorinnen und Autoren des aktuellen Zeitgesprächs ihre jeweilige Sicht der Dinge wieder.

Johannes Becker, Finanzwissenschaftler der Universität Münster, nennt als Grundsatz: „Eine plurale, multiperspektivische Ökonomik ist nicht nur bessere Wissenschaft, sie ist auch interessanter und attraktiver für die Besten eines Jahrgangs.“ Er weist darauf hin, dass in den englischsprachigen Top-Journals und auf internationalen Fachkonferenzen schon jetzt methodische Pluralität stattfindet. Vor allem jüngere Ökonomen seien besonderes begierig auf neue Methoden und neue Datenquellen. Zwar ähnele sich die in Deutschland praktizierte Lehre in Bezug auf die vermittelten Grundlagen stark, aber das sei auch nötig, weil Masterabsolventen dazu fähig sein müssten, Fachliteratur zu verstehen und die gängigen Methoden anzuwenden. Daher hält Becker die Maxime „je pluraler, desto besser“ für ungeeignet und stellt stattdessen fest, dass Pluralität nur eine von vielen Anforderungen ist, unter denen es abzuwägen gilt, um „ein optimales, ‚gutes‘ Maß an Pluralität“ zu finden. Den Kritikern vom „Netzwerk Plurale Ökonomik“ hält Becker entgegen, dass sie die Rolle, die sie in diesem Prozess als Anwalt der Pluralität spielen könnten, „denkbar schlecht“ erfüllen. Er bemängelt, dass sie sich zunehmend nicht mehr nur als wissenschaftsverändernde, sondern auch als gesellschaftsverändernde Kraft verstehen und sich so Stück für Stück aus dem Dialog mit etablierten Ökonomen zurückzögen.

Für Sebastian Dullien von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin steht die Frage nach dem Warum von Pluralität in der Lehre unmittelbar im Zusammenhang mit der Frage danach, „… welche Lernziele bzw. welcher Kompetenzerwerb eigentlich mit dem Studium der Volkswirtschaftslehre erreicht werden soll.“ Falls es darum geht, Volkswirte so auszubilden, dass diese möglichst einfach einen Lehrstuhl an einer deutschen Universität bekommen können, dann sei das jetzige Maß an Pluralismus vermutlich tatsächlich ausreichend. Falls es jedoch darum gehen sollte, Studenten zur Analyse komplexer Probleme in real existierenden Institutionen zu befähigen, ihnen also „kritisches Denken in volkswirtschaftlichen Zusammenhängen“ beizubringen, dann müssen vermehrt alternative Paradigmen in die Lehre einfließen. Dullien fordert folglich: „Um also wirklich die Begrenzungen und Schwächen der Modelle zu verstehen, sollten die Studierenden möglichst alternative Theorien auch von deren Vertretern unterrichtet bekommen.“ Trotz dieser Kritik an der Lehre erkennt Dullien gewisse Fortschritte an: „Die VWL ist wesentlich offener und vielfältiger als sie es noch vor zehn Jahren war.“ Anders als die Verteidiger des Status quo behaupten, reichen diese Veränderungen aber bei weitem noch nicht aus, argumentiert Dullien und schließt, „… die deutschen wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten [haben] noch einiges zu tun haben, bis ein ausreichendes Maß an Pluralität erreicht ist.“

Als wohlwollenden Pluralismusskeptiker bezeichnet sich Rüdiger Bachmann, der an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Notre Dame in den USA lehrt. Für ihn ist das, was als akademischer Mainstream gilt, jedenfalls extrem vielschichtig, sodass er die pauschale Kritik, die Ökonomik sei ein „monolithisches und starr-statisches Gebilde“ ins Leere laufen sieht. Bachmann verteidigt den Mainstream außerdem gegen den häufig vorgebrachten Vorwurf, die Finanzkrise ab 2007 nicht prognostiziert zu haben: „Die wohlfeile Kritik […] ist Unsinn, denn der Mainstream begründet ja auch theoretisch, warum Finanzkrisen grundsätzlich nicht vorhersehbar sind.“ Der Beobachtung von Mainstream-Kritikern, dass Ökonomen als Gruppe wenig Methoden- und Paradigmenreflexion betreiben, stimmt Bachmann zu. Allerdings zieht er daraus einen anderen Schluss als die Kritiker: „Für mich ist das eine Stärke der Ökonomik, weil sie so eben auch zu Sachfragen kommt und damit an gesellschaftlicher Relevanz gewinnt.“ In Bezug auf den Zustand der Lehre lässt Bachmann Sympathie für deren Kritiker erkennen: „Ich persönlich denke mit Schrecken an meine Studienzeit zurück, als ich ISLM-Gleichgewichte mit Zahlen ausrechnen musste, statt die Ökonomik hinter dem Modell beigebracht zu bekommen.“ Er hält dennoch fest, „dass die jungen Ökonomen zuerst einen einheitlichen disziplinären Kern vermittelt bekommen“ müssen, wenn das Lehrangebot durch mehr Diversität und Fungibilität erweitert werden soll. Den Ruf nach einer besseren und vielfältigeren Lehre hält er aber für sehr berechtigt.

Es handelte sich „grundsätzlich“ um „ein Versagen der kollektiven Vorstellungskraft […] vieler kluger Menschen […], die Risiken für das System im Ganzen zu verstehen“, war die Antwort der British Academy auf die legendäre Frage der englischen Königin, wie es passieren konnte, dass niemand die Krise vorhergesehen hat. Silja Graupe, Professorin für Ökonomie und Philosophie an der Cusanus Hochschule, greift in ihrem Beitrag die nicht minder legendäre Antwort der Akademie auf und stellt ihrerseits die Frage, was diese Vorstellungskraft bestimmt und worin das Versagen der kollektiven Vorstellungskraft der Ökonomen begründet liegen mag. Zur Beantwortung dieser Frage bedient sie sich der Methoden und Erkenntnisse der Kognitionswissenschaft. Demnach wird ein Großteil des menschlichen Denkens und Handelns von weitestgehend unreflektierten Vorstellungen bestimmt, die durch gedankliche Deutungsrahmen, sogenannte Frames, strukturiert werden. Anhand einer Untersuchung ökonomischer Standardlehrbücher zeigt die Autorin unter anderem, wie es durch mathematische Abstraktion und sprachlich vermittelte abstrakte Konzeptionen zu bestimmten selektiven Framings kommt. „Je weniger Hintergrundsituationen durch die sprachliche Vermittlung abstrakter Konzepte aktiviert werden, desto eingeschränkter wird der Spielraum möglicher Interpretationen. […] Der interpretative Rahmen für die Deutung realer Phänomene droht drastisch reduziert zu werden, sodass es zu einem Verlust kognitiver Pluralität kommen kann,“ stellt Silja Graupe fest. Die Ausgangsfrage nach der kollektiven Vorstellungskraft der Ökonomen beantwortet sie folgendermaßen: „Sie [die Veränderungen des Denkens über Wirtschaft] können zu einer maßgeblichen Verarmung jenes kognitiven Bodens führen, auf dem Ökonomen und jene Menschen, die durch sie geschult werden, ihre ‚kollektive Vorstellungskraft‘ begründen, sodass auf ihm nur noch eine unreflektierte Monokultur des Denkens zu wachsen vermag. Ein zentraler Ort dies zu ändern ist die ökonomische Bildung.“

Arne Heise von der Universität Hamburg betrachtet die Frage nach der Pluralität in der ökonomischen Disziplin vor dem Hintergrund der wirtschaftspolitischen Beratung in Deutschland. Dabei zeigt schon „die Praxis der Beratungsarbeit des Sachverständigenrats für Wirtschaft, dass die Wirtschaftswissenschaft dazu neigt, mit einander im Wettstreit stehende wirtschaftspolitische Empfehlungen zu produzieren … .“ Dies ist nicht zuletzt dem Wesensmerkmal des Untersuchungsobjekts der Wirtschaftswissenschaft geschuldet, „ein offenes, niemals vollständig analysierbares System zu sein … .“ Umso mehr bemängelt der Autor den öffentlichen Umgang mit Minderheitsvoten in den Jahresgutachten: „Diese Praxis wird kritisiert, weil die Minderheitsvoten fast ausschließlich von jenen Ratsmitgliedern verfasst werden, die von den Gewerkschaften vorgeschlagen wurden. Damit wird insinuiert, dass die Minderheitsvoten nicht das Ergebnis von Theorievariation oder Paradigmenpluralismus sind, sondern eine die Neutralität verletzende Wert- oder Ideologiebehaftetheit widerspiegeln, die ‚Kokolores‘ oder ‚wirres Zeug‘ hervorbringt, welches mit viel Aufwand wieder zurechtgerückt werden müsse.“ Für Arne Heise steht fest, dass die Wirtschaftswissenschaft keine monistische Disziplin ist, die gesichertes Erklärungs- und Handlungswissen schafft, sondern als plurale Disziplin konstruiert und betrieben werden muss. Aus diesem Grund plädiert Heise für mehr Pluralismus: „Plurale Gesellschaften benötigen alternative politische, vor allem auch wirtschaftspolitische Angebote, die den unterschiedlichen materiellen Anforderungen und Präferenzen an gesellschaftliche Zielsetzungen entsprechen.“

Lesen Sie hier exklusiv vorab ausführlich das aktuelle Zeitgespräch zur Pluralismusdebatte in den Wirtschaftswissenschaften aus der Dezember-Ausgabe des Wirtschaftsdienst:

Wirtschaftswissenschaften: zu wenig Pluralität der Methoden und Forschungsrichtungen?, in: Wirtschaftsdienst 12/2017 (mit folgenden fünf Beitragen: „Das’richtige‘ Maß an Pluralität und das Problem des fehlenden Adressaten“ von Johannes Becker; „Lippenbekenntnisse sind nicht genug“ von Sebastian Dullien; „Zur aktuellen Pluralismusdebatte in der Ökonomik: Ansichten eines wohlwollenden Pluralismusskeptikers“ von Rüdiger Bachmann; „ ‚Wie konnte es passieren?‘ – ökonomische Bildung als Boden einer geistigen Monokultur“ von Silja Graupe; „Fünf Weise und nur eine Weisheit?“ von Arne Heise)

62 Kommentare

  1.   NIKYTOELE

    genau zu diesem Thema gab es eine Podiumsdiskussion von 4 Profs:
    Flassbeck, Schnitzer, Hüther und Horn
    10 Jahre IMK, hat die Makroökonomie versagt `auf you tube
    für mich ein wichtiges und interessantes Thema, weil die mainstream- Ökonomen direkt Handlungsempfehlungen an die Politik geben, etwa an Schäuble, der selbst zugibt, von Volkswirtschaft keine Ahnung zu haben, anders gesagt auf der Stufe der schwäbischen Hausfrau (betriebswirtschaftlich) stehengeblieben ist…. in diesem kleinbetrieblichen Milieu gelten unumstössliche Wahrheiten wie: der Staat frisst zuviel Geld, kann damit nicht umgehen und die Steuerbelastung ist zu hoch
    die heutige Volkswirtschaft mit einer Dominanz mathematischer Modelle suggeriert eine Objektivität, die es so nicht gibt und dazu die Grundannahmen zuwenig reflektiert, historische Entwicklungen und Vergleiche nicht behandelt und die empirische Überprüfung missachtet
    Nach meinem Wissen bezog sich Popper (Positivismusstreit mit Adorno) auf empirische Wissenschaften, mit dem Widerlegungsversuch Thesen zu verwerfen und zu vorläufigen Wahrheiten zu kommen… und dafür braucht man als Vorraussetzung verschiedene Ansätze (Pluralität), die in einem (herrschaftfreien) Wettstreit und Diskussionen stehen
    eine Wissenschaft (VWL) mit derartig starken Praxisbezug muß sich auch empirisch – kritisch hinterfragen lassen
    Und gegen dieses Falsifikationsprinzip verstösst die neoklassische Theorie massiv:
    ein zentrales Beispiel: entgegen der Prognose brachten die flächendeckenden Lohnkürzungen nicht nur in Griechenland mehr Arbeitslose und eine höhere Verschuldung…. aber Fehlanzeige, die eigene Theorie zu korrigieren
    – der homo ökonomicus spiegelt nur unzureichend menschliches Verhalten wider
    – „Kapital sucht sich stets die beste Verwendungsmöglichkeit“ hier wird die Möglichkeit, ökonomische Krisen durch Spekulationen etwa mit Währungen methodisch ausgeblendet, derartige Krisen können danit weder vorrausgesagt noch erklärt werden und müssen dann umgedeutet werden und zwar in eine Staatsschuldenkrise
    Wird eine falsche Analyse wie hier ständig wiederholt wird sie geglaubt und gilt im Volk als Wahrheit – ein wichtiges Element für Meinungsmanipulation
    Das neoklassische Modell freier und unabhängiger Vertragspartner, da vom Staat unbeeinflusst ignoriert wirtschaftliche Macht und ökonomische Abhängigkeit
    …..

    so stimme ich der Aussage zu: ein akademisch verbrämter Lobbyismus, um die Umverteilung von unten nach oben zu rechtfertigen. eine solche „Wissenschaft“ mutiert zur Religion, wo man nichts mehr verstehen, sondern nur noch glauben muß

  2.   Die Freiheit liebender

    @#9 veblen

    Nein, der bin ich nicht.

  3.   Die Freiheit liebender

    @#10 Pacifist

    Von welchem Gift sprechen Sie?

    Das stärkste Gift (eine Droge), welches von den Mainstream-Ökonomen verabreicht wird, ist das beliebig aus dem Nichts vermehrte Papiergeld. Davon wurde die Wirtschaft durch die Geldpolitik der vom Staat installierten Zentralbank abhängig gemacht. Und dieses Gift gibt es von den Ökonomen der Österreichischen Schule nicht. Näheres dazu können Sie hier thorsten-polleit.com/TPMvPNov10-II.pdf nachlesen.

    Was sich aus der Logik des Denkens ergibt, braucht nicht falsifiziert zu werden. Dass der Mensch handelt braucht nicht falsifiziert werden. Gleiches gilt für die sich aus dem menschlichen Handeln von Mises abgeleiteten logischen Schlussfolgerungen.

    Dass auf einem freien Markt die Konsumenten die Macht haben, lässt sich ebenfalls logisch begründen. Denn der freie Markt – den wir heute nicht haben – gründet auf freiwilligen Übereinkünften. Selbst der reichste Mensch kann niemanden dazu zwingen, nur von ihm Güter zu beziehen, weil auf einem freien Markt immer dann, wenn Angebote zu teuer oder schlecht sind, ein Wettbewerber kommt, der es besser macht, weil das für ihn dann ein lukratives Geschäft ist. Es kann also keine schädlichen Monopole auf einem freien Markt geben. Somit sollte klar sein, dass die Konsumenten die Macht über das haben, was produziert wird. Denn wenn sie die Güter nicht genügend nachfragen, verliert selbst der reichte Mensch sein Vermögen, weil dieses ja überwiegend in Produktionsgütern investiert ist, um Erträge zu generieren.

    Heute verhindert leider der Staat, der ein Zwangsmonopolist ist, mit bürokratischen Hürden, dass genügend Wettbewerb entstehen kann. Das ist eine Folge davon, dass es aufgrund des Gewaltmonopol des Staates Plutokraten gibt.

    Plutokraten sind – frei nach Hans Hermann Hoppe – diejenigen Großbankiers und Großindustriellen, die das ungeheure Potential erkannt haben, dass der Staat – auch und gerade der demokratische Staat – als Institution mit dem Recht zur Besteuerung und zur Gesetzgebung, zum Zweck der eigenen Bereicherung dienen kann, und die sich deshalb in die Politik einschleichen. Sie haben die gesellschaftliche Stellung und das Geld, um die weit weniger hellen und weniger wohlhabenden Politiker zu kaufen, sei es direkt durch Schmier- und Bestechungsgelder oder indirekt, indem man ihnen nach Ablauf ihrer politischen Karriere hoch dotierte Posten als Berater und Lobbyisten zusichert. – Frei nach Hans Hermann Hoppe

    Leider haben wir derzeit einen “staatsverkrüppelten Rumpfkapitalismus” (Roland Baader), und der ist für derzeitigen Probleme verantwortlich.

    Der Kapitalismus ist die „Wirtschaftsform des Gebens“. Warum? Lesen Sie hier: austrian-institute.org/christliche-sozialethik-und-kapitalismus/

  4.   mister-ede

    @ DFL [#13]
    Das Gift ist der Laissez-faire-Neoliberalismus mit seinen Dogmen. Dieses Gift hat Millionen Menschen in Armut gestürzt, ist für die Klimakatastrophe verantwortlich, für Umweltschäden und die Ausbeutung von Milliarden Menschen.

    Das Schuldgeld ist hingegen kein Problem, zumindest solange es das staatliche Monopol gibt, es also der Gesamtheit der Bürger gehört.

  5.   NIKYTOELE

    *13 die Freiheit liebender
    selten einen solchen Unsinn zum Thema freier Markt gelesen:
    freie Märkte heute sind durch die Deregulierungen (Hans Eichel, Agenda 2010) entstanden, wo das Finanzkapital seitdem frei fliessen kann. in den 50er und 60iger jahren gab es starke staatliche Bestimmungen , z. B. der Zinssatz für Kredite -und keine Plutokratenwirtschaft, also genau das Gegenteil Ihrer Behauptungen:

    eine völlig freie, also unregulierte Marktwirtschaft zerstört sich selbst:
    sowohl durch die Entstehung von Monopolen, die den Preis und über Geld und Lobbyarbeit die Politik und entsprechende Gesetze bestimmen als auch
    durch Herdenverhalten vieler „Anleger“ (besser Spekulanten) entstehen Blasen mit systematisch falschen Preisen – irgendwann platzt das alles, keiner weiss aber wann genau. Dies gilt besonders bei Währungsspekulationen, auf dem Immobilienmarkt , bei Rohstoffen und Nahrungsamitteln, auch der Ölpreis wird in hohem Maß von Spekulationen bestimmt. das produziert viele Verlierer und Krisen

    zum Beispiel führten Währungsspekulationen des brasilianischen Real wegen der dort höheren Zinsen zu einer Aufwertung, die die brasilianische Volkswirtschaft die Wettbewerbsfähigkeit kosteten – die gesamte Wirtschaft ging in den Keller

  6.   BMMMayr

    @8
    Sie reden wortreich am Thema vorbei.

    Es ist ganz einfach:
    Eine Disziplin, die Vorhersagen macht, insbesondere wenn diese Vorhersagen wichtige politische Entscheidungen beeinflussen, muß sich daran messen lassen ob diese Vorhersagen in der Realität eintreten oder nicht.

    Die Köpfe im Sachverständigenrat ziehen z.B. keine Konsequenzen, wenn die Vorhersagen zum Mindestlohn nicht eintreffen.

    Wer e an wissenschftlicher Redlichkeit vermissen lässt (da gibt es aber durchaus löbliche Ausnahmen), ist auf einer Ebene mit Aluhüten und Astrologen und dessen Protagonisten sollten ihre Meinungen nicht in den Tagesthemen verkünden dürfen, sondern nur im nächtliche Privatfernsehen zwischen Teleshopping und Telefonsex.

    Die Oberschicht hält sich VWLer ein bestimmten Ausrichtung zur Produktion einer gut klingenden Rechtfertigungsideologie, so wie sich früher Kaiser und Könige ihre Pläne von der Kurie im wahrsten Sinne des Wortes absegnen ließen: Opium fürs Volk.

  7.   veblen

    @ 16

    „Die Oberschicht hält sich VWLer ein bestimmten Ausrichtung zur Produktion einer gut klingenden Rechtfertigungsideologie, …“

    So sieht’s leider aus. Selbst Deutschlands eifrigster von-Mises-Jünger, Thorsten Polleit, der Chefökonom der Degussa Goldhandel, verdient so sein Geld:

    „Es schien so einfach wie überzeugend: Man heuert einen Ökonomen an, der schon seit Jahren den geldpolitischen Untergang der westlichen Welt prophezeit, und man kauft sich dazu einen alten deutschen Markennamen, den jeder mit Edelmetallen verbindet – und schon hat man die perfekte Marketing-Maschine, um vom Gold-Irrsinn der Deutschen maximal profitieren zu können.

    Genau das tat Milliarden-Erbe August von Finck, indem er 2010 eine Goldhandelsfirma gründete. Dazu ließ er den notorischen Schwarzseher Thorsten Polleit fortan für sein Haus die ökonomischen Grundlagen formulieren, die für die Goldanlage sprechen.“

    welt.de/finanzen/article123538808/Gericht-stoppt-Gold-Schwindel-unter-falschem-Namen.html

  8.   Die Freiheit liebender

    @16 BMMMayr

    Das Modell der „Allgemeinen Gleichgewichtstheorie der Neoklassik“ entspricht nicht der realen Welt. Menschen haben nur begrenztes Wissen. Und die Realität ist nicht „statisch“ wie im Modell der „Allgemeinen Gleichgewichtstheorie der Neoklassik“ – die reale Welt kennt die Zeit und ist somit eine „dynamische“ Welt.
    Und Mises argumentierte vor dem Hintergrund einer dynamischen Welt, so dass für Mises irgendwelche „Gleichgewichtsannahmen“ nur Hilfsmittel zur Analyse einer sich durch menschliches Handeln stetig und ständig verändernden menschlichen Umwelt darstellen können.

    In den mathematischen Naturwissenschaften arbeitet man bei Experimenten immer mit Konstanten, solche Konstanten gibt es bei menschlichem Handeln nicht. Die mathematische Ökonomie, wie sie heute tonangebend ist, muss daher zu falschen Ergebnissen kommen. Ludwig von Mises hat das treffend so begründet: „Wie Marx und allen Sozialisten fehlt den mathematischen Nationalökonomen die Erkenntnis, dass menschliches Handeln mit künftigen Verhältnissen zu tun hat, über die nichts Sicheres bekannt ist. Wenn man von der Unbestimmtheit der künftigen Dinge absieht, kann man freilich großartige mathematische Kartenhäuser bauen.“

    Und genau diese Kartenhäuser bauen die Mainstream-Ökonomen, die mit der „Allgemeinen Gleichgewichtstheorie der Neoklassik“ arbeiten.

  9.   Die Freiheit liebender

    @ #11 NIKYTOELE

    „der homo ökonomicus spiegelt nur unzureichend menschliches Verhalten wider“

    Genau aus diesem Grund postulierte Ludwig von Mises den homo agens als Gegenbegriff zum homo oeconomicus. Mises versucht alle ökonomischen Phänomene auf der Grundlage menschlichen Handelns zu verstehen. Es geht Mises eben nicht um den homo oeconomicus, einen ausschließlich wirtschaftlich denkender Mensch.

    Homo oeconomicus, ein ausschließlich wirtschaftlich denkender Mensch, liegt den Analysen der klassischen und neoklassischen Wirtschaftstheorie zugrunde aber eben nicht den Lehren der “Austrians”.

    Es gibt ökonomische Prinzipien, die logisch zu beweisen sind. Dazu benötigt man eben nicht die Methoden des Positivismus oder des Empirismus oder Falsifikationismus. Hören Sie sich dazu den Vortrag “‘Praxeologie’ – Prof. Dr. Hans-Hermann Hoppe (Ludwig von Mises Seminar 2015)”: youtube.com/…

    Wer die Ökonomie als Erfahrungswissenschaft begreift hat keine Bedenken gegen das Experimentieren. Das erlebt man zur Zeit in Bezug auf die Geldpolitik der EZB. Da scheint es so zu sein, dass in der Öffentlichkeit, die Akzeptanz besteht, dass das Ausweiten der Geldmenge zur Rettung des Euro dient, und das diese Politik auch neutral – also ohne dass sie Eigentums- und Vermögensverhältnisse veränderte – vollzogen werden kann… Jede noch so irrsinnige ökonomische Theorie hat damit aus der Sicht der Nationalökonomie der Hauptstromökonomen, gewissermaßen das Recht in die Tat umgesetzt zu werden. Eine Nationalökonomie, die dem Positivismus, Empirismus oder Falsifikationismus folgt hat hier keine Einwände… Dass die meisten einflussreichen, meinungsführenden Ökonomen, im staatlichen Sold stehen, und gleichzeitig unter dem Einfluss des Positivismus, Empirismus oder Falsifikationismus stehen, ist vermutlich kein Zufall. – Gekürzte Mitschrift von mir aus: youtube.com/…

  10.   Die Freiheit liebender

    @#17 veblen

    Thorsten Polleit ist Honorarprofessor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Bayreuth, Adjunct Scholar am Ludwig von Mises Institute, Auburn, US Alabama, Mitglied im Forschungsnetzwerk „Research On money In The Economy“ (ROME) und Präsident des Ludwig von Mises Institut Deutschland. Er verdient sein Geld als bei sehr verschiedenen Einrichtungen.

    Und was ist so verwerflich daran, sein Geld auch in einem Wirtschaftsunternehmen zu verdienen? Das macht ihn jedenfalls unabhängiger von staatlichem Einkommen.

    Thorsten Polleit ist nach meinem Eindruck auch kein Schwarzseher, sondern realitätsbezogen. Dazu ein Beispiel:

    „Die künstlich niedrig gehaltenen Euro-Zinsen sorgen zwar für eine positive konjunkturelle Erholung im Euroraum, gleichzeitig stellen sich jedoch durch sie Fehlentwicklungen ein.

    Dazu gehören beispielsweise ein „Boom“ in der Bauindustrie, das Aufblähen der Immobilienpreise und eine wachsende Abhängigkeit der Schuldner von extrem niedrigen Zinsen.

    Die fortgesetzte Niedrig- und Negativzinspolitik befördert – und das sollte man nicht übersehen – die Entwicklungen, die aus einem Boom früher oder später einen „Bust“ werden lassen.

    Das Festhalten der EZB an ihrer Niedrig- und Negativzinspolitik erklärt sich vermutlich durch das Bestreben, Staaten und Banken subventionieren und insbesondere deren reale Schulden (mittels negativem Realzins) entwerten zu wollen.

    Abschließend sei gesagt, dass das Gold sich für langfristig orientierte Anleger aus dem Euroraum zur Wertaufbewahrung bewährt hat – und angesichts des aktuellen Preises eine attraktive Versicherung für das Vermögensportfolio bleibt: denn mit Wertverlust des Euro nach innen und außen ist zu rechnen.“ – goldseiten.de/artikel/357965–EZB-Leitzins-unveraendert—Euro-Entwertung-geht-weiter.html

    Die von Polleit hier beschriebenen Folgen solcher Geldpolitik waren z.B. in den USA die Immobilienkrise von 2008. In Spanien gab es nach der Einführung der Euro mit seinen für Spanien viel zu niedrigen Zinsen der EZB ebenfalls zu einem Boom, der im Bust endete. Sehr zu empfehlen ist auch sein Artikel „Der Inflations-Boom“ hier: goldseiten.de/artikel/357214–Der-Inflations-Boom.html

    Haben Sie Argumente, die seine Einschätzungen widerlegen?

 

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