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Investment Outlook: starker Gegenwind

 

Noch expandiert die Weltwirtschaft kräftig, aber die Risiken haben zugenommen – durch die Zinserhöhungen der Fed, die in Argentinien, der Türkei und anderen Schwellenländern eine Schuldenkrise ausgelöst haben, sowie durch den eskalierenden Handelskrieg, der auf die Stimmung von Verbrauchern und Unternehmen schlägt und eine globale Rezession auslösen könnte.

Inflationsprobleme gibt es bislang keine. Obwohl in wichtigen Industrieländern wie den USA, Japan oder Deutschland nahezu Vollbeschäftigung herrscht, steigen die Löhne real nur wenig oder gar nicht. Sie bestimmen, wie es mit der Inflation weitergeht. Zum Einen entwickelt sich zusehends global ein einheitlicher Arbeitsmarkt, auf dem die schlecht bezahlten Arbeiter Asiens den Ton angeben, zum Anderen scheinen die Kapazitätsreserven so groß zu sein, dass sich keine nennenswerten Lohnsteigerungen durchsetzen lassen.

Die EZB, die Bank von Japan und die Notenbank Chinas können deshalb bei ihrer sehr expansiven Politik bleiben. Dabei sieht es immer wieder danach aus, als gebe es demnächst die Wende bei den langen Zinsen, aber da weder die Inflationsraten noch die Leitzinsen nachhaltig steigen, folgt immer wieder schon bald die Entwarnung. Der 30-jährige Boom an den Rentenmärkten will nicht enden.

Die Ausnahme bei der Geldpolitik sind die USA. Die amerikanische Fed zieht seit Dezember 2015 vorsichtig die Zügel an. Sie hat signalisiert, dass sie die Leitzinsen bis in die zweite Jahreshälfte 2019 um weitere 125 Basispunkte auf dann 3 – 3,25 Prozent anheben wird. Die Konjunktur brummt und die Kerninflation scheint sich nachhaltig bei zwei Prozent einzupendeln. Auch die sehr expansive Finanzpolitik der amerikanischen Regierung spricht für eine zunehmend restriktivere Geldpolitik.

Für den Rest der Welt ist das ein Problem. Es geht für hochverschuldete Schwellenländer nicht nur um höhere Zinsen auf ihre Dollarschulden, sondern vor allem um die Abwertung ihrer Währungen gegenüber dem Dollar. das erschwert die Bedienung ihrer Dollarschulden, teilweise auch ihrer Euroschulden. Wegen der über lange Zeit sehr niedrigen amerikanischen und europäischen Zinsen war es in den vergangenen Jahren verlockend, in diesen Währungen Kredite aufzunehmen.

Jetzt drohen Konkurse. Es kommt zu Umschuldungen, zu einem Rückgang der Importe, einem Anstieg der Exporte, zu geringerem Wirtschaftswachstum, einem Einbruch der Aktienmärkte und teilweise zu Kapitalverkehrskontrollen.

Das andere große Risiko für die Weltwirtschaft ist die Handelspolitik der USA. In dem Maße, wie die Handelsschranken hochgehen, verschlechtert sich das Geschäftsklima, was insbesondere die Investitionen und damit das langfristige Wachstum beeinträchtigt, und zwar sowohl in Amerika als auch im Rest der Welt. Wenn der Handelskrieg weiter eskaliert und immer mehr Länder betroffen sind, wird eine globale Rezession nicht zu vermeiden sein.

Anleger müssen sich darauf gefasst machen, dass die Kurse an den Aktienmärkten nicht zu halten sind, wenn es am Ende durch Krisen in den Schwellenländern (und damit bei den Banken in den OECD-Ländern) und den Einbruch des Welthandels zu einer Rezession kommt. Sie sollten auf defensivere Werte umsteigen, oder die Liquiditätspuffer vergrößern.

Eine ausführliche Analyse der aktuellen Risiken für die Weltwirtschaft und die globalen Finanzmärkte finden Sie in meinem neusten Investment Outlook:

Wermuth’s Investment Outlook – Strong headwinds, August 2018*) (pdf, 735 KB)

*) Der Investment Outlook von Dieter Wermuth ist in englischer Sprache verfasst und wird im Herdentrieb in loser Folge zum Herunterladen bereitgestellt. (UR)

1 Kommentar

  1.   NIKYTOELE

    die zaghafte Erhöhung des Leitzins der FED ist weniger dramatisch als etwa der Kursverfall der türkischen Lira, Der Grund ist nicht „kluge Finanzmärkte bestrafen wildgewordenen Despoten“ – Anlagekapital kümmert sich nicht um Diktatoren , zum Beispiel Chile unter Pinochet (Chicago boys), oft gilt das Gegenteil, solange diese Stabilität versprechen.
    Der Grund liegt in Währungsspekulationen, bei freien Devisenmärkten eine Einladung zur Spekulation: Bei höherer Inflation und damit höheren Anlagezinsen fliesst viel Kapital dorthin. Entgegen der volkswirtschaftlichen Notwenigkeit (höhere Inflation) wertet die Währung auf – ein doppelter Gewinn für Spekulanten
    Dann gibt es ein vielleicht falsches Gerücht, ein undedeutendes Ereignis oder auch eine Ankündigung zum Handelskrieg (Trump) als Auslöser!!! (das ist nicht die Ursache): einige Spekulanten ziehen ihr Kapital ab, andere folgen, dann ein breites Herdenverhalten, viel Kapital wird plötzlich abgezogen, die Währung (Lira) fällt ins Bodenlose
    die bisher billigeren Auslandskredite werden plötzlich viel teurer: vielen Firmen und auch Haushalten (Hauskredite) droht die Insolvenz
    Gleichzeitig schauen viele Spekulanten auch kritisch auf ihr Anlagekapital in anderen Ländern und können dadurch auch dort eine Kapitalflucht und Währungsabwertung auslösen
    So hatte allein mein englischer Nachbar hier in Bulgarien vermutlich um die 50000€ in der Türkei angelegt und jetzt abgezogen… einer von vielen…
    das alles wiederholt sich, besonders Entwicklungs- und Schwellenländer leiden unter einem solchen Währungskrieg (Aussage des brasilianischen UN Vertreters) – auch Ungarn war davon betroffen
    es bedeutet ein ständiges wiederkehrendes Krisenszenario, das ganze Volkswirtschaften ohne eigenes Verschulden in die Knie zwingt
    warum das nicht geändert wird und auch kein Thema in Leitmedien ist ?: die Wall Street verdient daran zu gut, auch die deutsche Bank (richtiger deutsche Spielbank) will ihren Anlegern eine ordentliche Rendite bieten
    einem weiteren Punkt möchte ich widersprechen: Billiglohn in Asien, gemeint sind wohl China, Korea, Singapur
    das ist nicht richtig: China hat etwa durch Erhöhung des Mindestlohns breite Bevölkerungsschichten am wachsenden Wohlstand teilhaben lassen, Korea ebenfalls – genau deshalb befinden sich beide entgegen dem weltweiten Trend auf Wachstumspfad. die Lohnhöhe muß dem Stand der Produktivität entsprechen und möglichst stabilem Wechselkurs
    so hat China den Exportüberschuss gedämpft zu Gunsten des heimischen Marktes … wäre doch mal ein gutes Konzept für Deutschland!…
    aber es gilt: „Kapital sucht sich stets die bestmöglichste Verwendung!“
    an den Ausführungen wird deutlich, wie falsch der Satz sein kann

 

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