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Geldpolitik gut für Aktien und Bonds – die sind aber nicht mehr billig

 

Nach ihrem weltweiten Ausverkauf im vierten Quartal 2018 haben sich die Aktienmärkte in diesem Jahr kräftig erholt und vielfach fast wieder die alten Höchststände erreicht. Vielleicht wegen nicht sehr attraktiver Alternativen fanden Anleger, dass Aktien eigentlich ganz billig waren. Es kam zu einem kleinen Boom, obwohl die Nachrichten aus der Wirtschaft zunehmend schlechter ausfielen und alle Wachstums- und Inflationsprognosen nach unten revidiert wurden, teilweise drastisch. Am schlimmsten traf es Euroland, aber auch in den USA und in China mehrten sich die Anzeichen, dass der konjunkturelle Wendepunkt erreicht ist.

Anleger erwarten inzwischen, dass die Geldpolitik in allen drei großen Wirtschaftsregionen von restriktiv auf expansiv umschalten wird. Löhne und Inflation dürften aus Sicht der Zentralbanker kein Problem mehr sein. Eher sollten sie sich Sorgen darüber machen, dass sich die Inflationsraten in die falsche Richtung bewegen, nämlich nach unten. Insgesamt sind das gute Nachrichten für Bonds, und zwar nicht nur für solche von Emittenten mit gutem Rating, sondern mehr oder weniger für alle. Es sieht nicht danach aus, dass sich daran auf absehbare Zeit etwas ändern wird. Ich frage mich, ob wir im Euroland nicht sogar auf japanische Verhältnisse zusteuern, also auf dauerhaft niedrige Inflationsraten – zwischen 0,5 und 1,5 Prozent –, geringes Wirtschaftswachstum – ebenfalls in dieser Spanne – und AAA-Bondrenditen von null Prozent. Da das auch zu sehr niedriger Volatilität der Kurse führt und das absolute Niveau sich kaum von null unterscheidet, lässt sich lediglich mit der Inkaufnahme von höheren Risiken Geld verdienen.

Dass die Aktien trotzdem so gut laufen, hat allein mit der Geldpolitik zu tun. In einem Wirtschaftsabschwung gehen die Unternehmensgewinne überproportional stark zurück. An den Märkten wird das aber nicht so gesehen. Für dieses Jahr wird für das durchschnittliche Unternehmen im S&P 500, im Euro Stoxx 50 und im chinesischen CSI 300 im Vorjahresvergleich ein Anstieg der Gewinne von 10 Prozent, 23 Prozent und 19 Prozent erwartet. Das ist nicht nur sehr optimistisch, es ist auch viel mehr als das voraussichtliche Wachstum des jeweiligen nominalen Sozialprodukts. Danach verschieben sich die Einkommensverteilungen weiter in Richtung Kapital.

Eigentlich sind Aktien, die auf der Basis solcher Prognosen bewertet werden, zu teuer. Ein Grund ist, dass Bonds so unattraktiv sind. Vielleicht setzen die Anleger auch darauf, dass sich die Konjunktur gut halten wird. Nach wie vor expandiert die Beschäftigung sehr stark: in den USA waren es zuletzt im Vorjahresvergleich 1,9 Prozent, im Euroraum immerhin auch 1,3 Prozent. Und wenn es nach den Prognosen der OECD vom Januar geht, wird das reale BIP der Welt 2019 um nicht weniger als 3,5 Prozent höher sein als im Vorjahr, das Volumen des Welthandels um 4,0 Prozent. Beides liegt in der Nähe der längerfristigen Durchschnittswerte. Von einer Rezession kann jedenfalls keine Rede sein.

Wenn die Optimisten recht bekommen, dürften die Gewinne tatsächlich steigen und gewissermaßen in die ambitionierten Bewertungen hineinwachsen. Aktien sind teuer, aber nur, wenn sich die Konjunktur tatsächlich weiterhin abschwächt. Die beste Strategie für Anleger mit langer Perspektive besteht ohnehin darin, unbeeindruckt vom Auf und Ab der Märkte die Aktienbestände aufzustocken und sich nicht von der täglichen Hysterie anstecken zu lassen.

Eine ausführliche Analyse der Lage und den Aussichten in den drei großen Wirtschaftsräumen China, USA und Europa finden Sie in meinem neusten Investment Outlook:

Wermuth’s Investment Outlook – Stocks and bonds are well supported, but increasingly expensive, March 2019*) (pdf, 842 KB)

*) Der Investment Outlook von Dieter Wermuth ist in englischer Sprache verfasst und wird im Herdentrieb in loser Folge zum Herunterladen bereitgestellt. (UR)

 

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