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V-Mann Tino Brandt gibt Falschaussage zu – Das Medienlog vom Mittwoch, 18. März 2015

 

Dass der Thüringer Neonazi und V-Mann Tino Brandt im NSU-Prozess nur die halbe Wahrheit gesagt hatte, vermuteten Prozessbeobachter seit Langem. Jetzt liegt dafür offenbar eine Bestätigung vor: Brandt erzählte einem Mithäftling im Münchner Gefängnis Stadelheim, er habe dem Gericht Aussagen vorenthalten, wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet. Der Gefangene schrieb in einem Vermerk, Brandt habe gesagt, er habe mehr Fragen beantworten können, aber nicht wollen. Er will bestätigt haben, was die Prozessbeteiligten ohnehin schon aus den Akten wussten.

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Brandt sagte dem Mitinsassen zufolge, die NSU-Terrorgruppe habe nach ihrem Untertauchen „ernsthafte Rettungsmaßnahmen“ ergreifen wollen. Die drei hätten sich vorgenommen, „Volk und Heimat zu schützen“. Er sei mit ihnen über Telefonzellen in Kontakt geblieben. Auch hatte Brandt seiner Aussage zufolge Prozesstage torpediert, indem er die Symptome einer Hepatitis-Krankheit vortäuschte. Zudem sagte er, er könne sich nicht vorstellen, „dass meine Freunde damit zu tun haben“.

Der 40-Jährige Brandt aus Rudolstadt gründete in den neunziger Jahren die rechtsextreme Organisation Thüringer Heimatschutz, zu deren Treffen auch Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt kamen. Gleichzeitig arbeitete er als Informant für den Verfassungsschutz. Brandt sitzt wegen Kindesmissbrauchs in Haft.

Das nächste Medienlog erscheint am Donnerstag, 19. März 2015.

4 Kommentare

  1.   Paul

    Nachdem es mit Beweisen aus Fakten oder direkten Quellen und Sekundärquellen nicht so recht klappt, kommt jetzt die Tertiärquelle, das „vom Hörensagen“.

    „Die Drei hätten sich vorgenommen“ .. und das wurde dann in konspirativen Telefonaten haarklein besprechen, so dass es heute zum Tatbeweis gegen Zschäpe genügen soll (wenn es denn ausgesagt und die Aussage bewiesen würde!)… interessante Vorstellung.

    „Zudem sagte er, er könne sich nicht vorstellen, „dass meine Freunde damit zu tun haben“.“ Damit – Womit?


  2. @1
    “Zudem sagte er, er könne sich nicht vorstellen, “dass meine Freunde damit zu tun haben”.” Damit – Womit?

    Mit einer wissentlichen und damit vorsätzlichen unterstützung einer Terrorgruppe namens NSU.

    Manche Zeugen fühlen sich manchmal erst dann sicher wenn sie aus der Öffentlichkeit verschwunden sind, und je sicherer man sich dann wohl fühlt desto mehr fällt einem ein.
    Vielleicht auch ein grund warum soviel Zeugen so große erinnerunglücken haben.

    es ist soviel unklar und ich denke auch das sehr viel zeugen aus Angst schweigen oder geschwiegen haben, das wird sich der NSU sicher zu nutze gemacht haben.
    Das Böhnhardt Waffen gern mochte ist ja inzwischen bekannt.

  3.   Peter

    @ fliegenklatsche
    Womit ? – Ist das jetzt Interpretation (von er es auch andere geben kann) oder woher stammt das?
    Was einer am Stammtisch oder sonstwo erzählt und als Zeuge nicht, ist für den Prozess ganz schlecht verwertbar.

    „Das Böhnhardt Waffen gern mochte ist ja inzwischen bekannt.“
    Dass Böhnhardt Waffen gern mochte, ist ….irrelevant.


  4. @3 das müsste dann ja heißen das der zeuge evt nochmal geladen werden müsste?

    Naja so ganz unrelevant finde ich das nicht, wer waffen mag setzt sie sicher auch mal ein, wofür ist ja was anderes. oder glauben sie das ein Autosammler nur Fahrrad fährt?

 

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