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Verdächtige Schmauchspur belastet Verfassungsschützer – Das Medienlog vom Montag, 8. Juni 2015

 

Der ehemalige hessische Verfassungsschützer Andreas T. muss in der übernächsten Woche erneut vor Gericht aussagen. Grund dafür ist eine Schmauchspur, die die Polizei an T.s Handschuhen fand, jedoch nicht weiter untersuchte, wie Jens Eumann von der Chemnitzer Freien Presse berichtet. T. hatte sich 2006 beim Mord an Halit Yozgat in dessen Internetcafé in Kassel aufgehalten und galt zeitweilig als Tatverdächtiger.

Die hessische Polizei interessierte sich demnach für das Indiz, wurde jedoch vom BKA gestoppt – mit dem Argument, dass T. als Sportschütze üblicherweise mit Schmauch in Kontakt komme. „Allerdings ließ man außer Acht, dass besagte Schmauchspur eine unübliche chemische Zusammensetzung aufwies“, heißt es. Sie passte zu der Munition, die die NSU-Täter mit der Pistole vom Typ Ceska verwendeten.

An jedem Werktag sichten wir für das NSU-Prozess-Blog die Medien und stellen wichtige Berichte, Blogs, Videos und Tweets zusammen. Wir freuen uns über Hinweise via Twitter mit dem Hashtag #nsublog – oder per E-Mail an nsublog@zeit.de.

Das nächste Medienlog erscheint am Dienstag, 9. Juni 2015.

23 Kommentare

  1.   tacheles

    @ 18
    Eine Aufklärung des gesammten Komplexes ist nicht in Sicht!
    Wir wissen also nicht ob eine Aufklärung auf die in Deutschland lebenden Türken ein positives oder negatives Licht werfen würde?

  2.   Optimist

    @Pessimistin#21
    Dass die Bundesanwaltschaft und andere Behörden lügen und mauern, glaube ich Ihnen gern. Allerdings sehe ich auch ganz andere Möglichkeiten für Richtung und Zweck ihrer Lügen. Was die alles auf zwei Haufen gefunden haben wollen, nachdem sie über 10 Jahre lang an zahllosen Tatorten gar keine Spur von den beiden mutmaßlichen Tätern gefunden haben, ist doch auch zu großartig!

    @Bubumann#19
    „In einem funktionierenden Rechtsstaat wäre der Mann schon lange in Beugehaft.“
    In einem funktionierenden Rechtsstaat müssen Sie sich entscheiden, ob jemand Tatverdächtiger ist oder sie ihn mit Beugehaft zu einer Aussage zwingen wollen. Beides geht nun einmal nicht.

  3.   Pessimistin

    @optimist

    In Zschäpes Wohnung wurde ein Stadtplan von Kassel gefunden, siehe zum Beispiel ein Artikel in der Welt vom 1.12. 2013

    http://www.welt.de/politik/deutschland/article122428498/Neue-Zweifel-an-Verfassungsschuetzer-Andreas-T.html

    bzw.:

    „Bei der Beantwortung dieser Frage hilft möglicherweise ein Fundstück aus dem Zwickauer Wohnhaus, das Beate Zschäpe in Brand steckte, bevor sie floh. Das Fundstück, das Asservat mit der Nummer 2.7.30., ist ein stark verkohlter Falk-Stadtplan von Kassel, 10. Auflage von 2002 bis 2006, mit handschriftlichen Markierungen und Notizen.

    Der Kripo-Beamte Roman G. schrieb in einem Vermerk vom 25. Juni 2012, dass zehn Orte auf dem Plan markiert wurden. Manchmal erhielten die Kreise eine Nummer, manchmal einen Stern oder die handschriftliche Notiz „Ali“.

    Der Nebenkläger-Anwalt Kienzle hat herausgefunden, dass alle Markierungen, bis auf eine, auf den täglichen Fahrtrouten von T. zu finden sind. T. nämlich hatte in zwei Vernehmungen 2006 mitgeteilt, welche Strecken er üblicherweise täglich abfährt.

    „Von neun auf dem Kartenmaterial markierten möglichen Tatorten liegen fünf unmittelbar an der Fahrtstrecke zwischen Wohnort und Arbeitsstelle“, sagt Kienzle. Hierzu wird Richter Götzl den Zeugen T. am Dienstag befragen. Wieder nur ein Zufall?

    Bundesanwaltschaft gibt Akten nicht raus

    Ja, sagt die Bundesanwaltschaft, die immer noch auf 37 geheim gehaltenen Aktenordnern zum „Komplex T.“ sitzt. „Alles ausermittelt, er hat nichts damit zu tun“, sagt ihr Sprecher Markus Köhler. Doch dies kann nicht überprüft werden: Die Behörde weigert sich, die vollständigen Akten den Prozessbeteiligten zur Verfügung zu stellen.“


  4. @7
    „Schmauchspuren beweisen leider gar nichts. Das FBI wertet solche seit 2006 nicht mehr aus, da auch Menschen kontaminiert werden, die nachweislich keine Waffe abgefeuert haben“
    Es geht hier ja auch nicht um die Schmauspuren alleine. Es gibt ja noch weitere Indizien, die man vielleicht nicht außer Acht lassen sollte (siehe auch verlinkter Artikel zur Chemnitzer Freien Presse):
    – T. verfügte über Täterwissen (er kannte den Typ der Mordwaffe bevor dieser offiziell durch die Polizei bekanntgegeben wurde)
    – in einem durch die Polizei abgehörten Telefonat mit dem Geheimschutzbeauftragten des Hessischen Verfassungsschutzes tätigt dieser gegenüber T. Aussagen, die darauf hindeuten, dass T. nicht zufällig am Tatort war (des weiteren wird T. von diesem aufgefordet gegenüber der Polizei möglichst nah an der Warheit zu bleiben —> T. hat wahrscheinlich gegenüber der Polizei Falschaussagen getätigt)
    – die gesamte von T. präsentierte Version seines Internetcafebesuches am Tagtag in Kassel ist hahnebüchend und im Prinzip unglaubwürdig (das ist auch noch einmal ganz gut im Artikel der Chemnitzer Freien Presse wiedergegeben)
    Und jetzt kommen noch die Schmauchspuren dazu. Da müsste eigentlich selbst die Bundesanwaltschaft hellhörig werden und so etwas wie einen Anfangsverdacht sehen, aber wahrscheinlich wird diese alles als Zufälle abtun…

  5.   Bubumann

    Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie einen öffentlichen Mordfall verfolgt, in dem so eindeutig war, wer der Täter ist. Sorry. In einem funktionierenden Rechtsstaat wäre der Mann schon lange in Beugehaft.

    Stattdessen kassiert er bis an sein Lebensende weiter Bezüge.

  6.   Bubumann

    Was für eine Verschwörungstheorie?

    T. ist als einziger vom Tatort abgehauen. Er will als 1,90m Mann den tot hinterm Tresen liegenden und ausblutenden Yozgat nicht gesehen haben, als er zahlte und ging. Er hatte nachweislich eine Plastiktüte in der Hand, als er den Laden betrat, wie sie zum Auffangen der Patronenhülse benutzt worden ist. Er wußte als erster vom Waffentyp. Er hat kurz vor dem Mord mit mehreren V-Leuten aus der Szene telefoniert. Man fand bei ihm rechtsradikales Propagandamaterial, er gab zu, eine einschlägige VErgangenheit gehabt zu haben. Man fand im abgebrannten Haus des NSU-Trios eine Karte, auf der Dönerläden etc entlang der von Temme nach eigener Aussage täglich befahreren Radroute lagen. T. hat sich zigmal in Falschaussagen vestrickt. Er hat mehrfach bei Vernehmungen geweint.

    Und das ist nur das, was mir so spontan einfällt und nur ein Bruchteil an belastenden Fakten, die gegen T. öffentlich bekannt sind.

    und es ist doch merkwürdig, dass jede Ermmittlung gegen diesen Mann gestoppt wird.

    Eines Tages kommt die Wahrheit ans Licht und dann hoffe ich, dass 4 Millionen Türken in DEutschland entsprechend reagieren, falls offiziell bekannt wird, dass ein Verfassungsschützer, ob nun aus geschäftlichen oder ideologischen Motiven, einen von ihnen umgebracht hat und vom gesamten Apparat dafür gedeckt worden ist.
    ___________________________
    Editiert. Schreiben Sie bitte keine Namen aus, die im Artikel abgekürzt sind.

  7.   bekir_fr

    „Bekiffter Zeuge sah Andreas T. mit Tüte“, lauteten noch Anfang 2014 die Schlagzeilen, als das Unglaubliche noch unvorstellbar schien:
    http://www.hna.de/kassel/bekiffter-zeuge-tuete-3312398.html

    Denn „T. selbst bestritt in allen Vernehmungen, eine solche Plastiktüte mit ins Internetcafé getragen zu haben.“
    http://www.welt.de/politik/deutschland/article137918258/Wie-nah-war-der-Verfassungsschutz-den-NSU-Moerdern.html

    Anfang 2015 (o.g. Welt-Artikel), nach Bekanntwerden der Abhör-Protokolle mit Aussagen von T.s Frau, sah das mit der geleugneten Plastiktüte schon deutlich anders aus.

    Allerdings hatte bereits der „bekiffte Zeuge“ nicht nur eine „Tüte gesehen“ wie die HNA in ihrem Artikel noch wortspielerisch gespöttelt hatte, sondern er war derjenige, der die Polizei 2006 überhaupt erst auf die Spur des einzigen (ethnischen) Deutschen im Internet-Café gebracht hatte. Und derjenige, der bezeugte, dass die „Plastiktüte mit einem schweren Gegenstand“ gefüllt war („…was Eckiges gesehen, denn der Gegenstand zeichnete sich in der Tüte ab…“).


  8. Nun sollen es irgendwelche Schmauchspuren richten?
    Wer mit diesen dubiosen Vermutungen glaubt, dass hierbei etwas Sinnvolles herauskommt glaubt dann wohl doch noch an den Weihnachtsmann!
    In der Beweisführung, dass mit der im Zwickauer Brandschutt aufgetauchten verschmorten Pistole tatsächlich die 10 Morde begangen wurden, wird wohl auch diese abenteuerliche Spur nicht weiterhelfen können.

  9.   Paul

    @ 7
    Das erspart aber nicht eine Antwort auf die Frage, wo er sich das wohl etwas unübliche Zeug eingefangen hat.
    Es gibt sicher jede Menge einzeln wenig beweiskräftige Zufälle, die aber doch irgendwann stutzig machen dürfen, wegen einer sehr unüblichen Häufung.
    Er hat nix gesehen, nix gehört

  10.   bekir_fr

    @7:
    Die deutschen Ermittlungsbehörden sind der Entscheidung des FBI bisher aber nicht gefolgt, hier bei Ermittlungen 2013:
    http://www.morgenpost.de/printarchiv/berlin/article119532328/Schmauchspuren-aber-keine-Spur.html

    Bei uns gelten Schmauchspuren zwar als problematisch, aber nicht als wertlos.
    Manchmal sind sie sogar Basis, um in Indizienprozessen eine lebenslange Haftstrafe zu fordern, wie 2011 beim „Babenhausener Doppelmord“:
    „Die Anklage sieht den 41-Jährigen auch durch Schmauchspuren überführt, die an seiner Hose gefunden wurden.“
    http://www.abendblatt.de/vermischtes/article108050146/Babenhausener-Doppelmord-Anklage-fordert-lebenslange-Haft.html

    Die Verurteilung stützte sich dann auf dieses Indiz sowie ein zweites in Form von Surfspuren (Suche nach Schalldämpfern) am Firmen-PC, zu dem allerdings auch andere Personen Zugang gehabt haben sollen:
    http://www.doppelmord-babenhausen.de/

    Beim dortigen Angeklagten griff kein BKA „relativierend“ ein, obwohl er die (Bundeswehr-)Hose „bei seiner letzten Reserveübung bei der Bundeswehr“ getragen haben soll und die Partikel anscheinend „nicht eindeutig der bei dem Mord verwendeten Munition zugeordnet werden“ konnten.

    Wenn beim Ex-Verfassungsschützer T. dagegen „besagte Schmauchspur eine unübliche chemische Zusammensetzung aufwies“, passend zur „Munition, die die NSU-Täter mit der Pistole vom Typ Ceska verwendeten“, dann dürfte ja einer Anklage des bisher nur als „merkwürdiger Zeuge“ Betrachteten nichts mehr im Wege stehen.

 

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