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Überfall in Chemnitz: Zeuge beschreibt dritten Täter – Das Medienlog vom Mittwoch, 24. Juni 2015

 

Der 212. Prozesstag war kurz: Nach anderthalb Stunden beendete Richter Manfred Götzl die Sitzung, weil die Hauptangeklagte Beate Zschäpe an Zahnschmerzen litt. Zuvor sagte der Zeuge Falco K. aus, der 1998 Zeuge des ersten NSU-Überfalls auf einen Chemnitzer Supermarkt geworden war. Einer der Täter schoss mehrmals auf den damals 16-Jährigen, verfehlte ihn jedoch.

Vor Ort waren laut Anklage damals Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt – nun brachte K. jedoch einen weiteren Täter ins Spiel: Drei Menschen seien aus dem Geschäft gerannt, berichtete der Zeuge. Damit erscheine es auch möglich, „dass Beate Zschäpe selbst an einem Tatort ins Geschehen eingriff“, schreibt Frank Jansen vom Tagesspiegel.

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Die Beschreibung, die K. von der dritten Person abgab, blieb schemenhaft. Er konnte nicht sagen, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelte. Bei einer Befragung durch das Bundeskriminalamt Ende April sagte er allerdings aus, der Schütze habe eine hohe männliche Stimme gehabt, wie unter anderem bei Spiegel Online und der Süddeutschen Zeitung nachzulesen ist. Er ist allerdings der erste Überfallzeuge, der sich zur Tat von 1998 an drei Menschen erinnert.

„Seine Aussage macht hellhörig, vor allem auch die Nebenkläger“, merkt Kai Mudra von der Thüringer Allgemeinen an. Eine mögliche Beteiligung von Zschäpe könne jedoch nur die Hauptangeklagte selbst aufklären – und die schweigt weiterhin.

Weiterhin sichtbar war der Disput zwischen Zschäpe und ihren Anwälten als Folge des Misstrauensantrags der Mandantin gegen ihre Verteidigerin Anja Sturm: Beide Konfliktparteien ignorierten sich geflissentlich. „Nun ist es unübersehbar; sie haben sich nichts mehr zu sagen“, beobachtet Nina Gut vom Münchner Merkur. Neue Hoffnung auf ein Ende des Schweigens macht ihr Brief an das Gericht, in dem sie ihre Aussagebereitschaft andeutete: „Nun wird wohl jeden Prozesstag darauf gewartet werden, ob sie doch noch etwas sagt.“

Das nächste Medienlog erscheint am Donnerstag, 25. Juni 2015.

3 Kommentare

  1.   Paul

    ja, man wird tatsächlich hellhörig, wenn jahre später einzelerinnerungen zu solchen punkten autauchen, die sich aber mit den erinnerungen anderer zeugen so gar nicht decken .
    das hatten wir in der anfangszeit des prozesses auch schon, als da der oder die den oder jenen gaaaanz sicher da und dort gesehen haben wollten und nichts davon blieb … außer passenden schlagzeilen.

  2.   Karl Müller

    Ja genaus so wie die Rolle der „Verena Becker“, wo bis Heute nicht geklärt werden konne on Mann oder Frau mitgefahren ist!

  3.   Karl Müller

    Ein Zeuge kann auch nur „verfehlt“ worden sein, wenn auf den Zeugen ein Projektil abgeschossen worden ist. Wie wird dieser Vorwurf dennn belegt?

    Bisher ja wohl eine reine Behauptung der StA?

 

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