‹ Alle Einträge

Zschäpe scheitert schon wieder – Das Medienlog vom Montag, 3. August 2015

 

Beate Zschäpe und ihre Pflichtverteidiger bleiben einander weiter verbunden – zwangsweise: Die Richter im NSU-Prozess lehnten Zschäpes Antrag auf Entlassung ihrer Anwälte Anja Sturm, Wolfgang Stahl und Wolfgang Heer ab, wie die Nachrichtenagentur dpa am Freitag erfuhr. Damit sind alle Mittel gegen die ungeliebten Altverteidiger gescheitert, inklusive einer Strafanzeige. Wie schon bei den beiden vorherigen Anträgen der gleichen Art schrieben die Richter, die Hauptangeklagte habe ihr Gesuch nicht ausreichend begründet. Zudem müsse der Fortgang des Verfahrens gesichert werden.

Damit sei eine der härtesten Krisen des Prozesses weitgehend ausgestanden, kommentiert Frank Jansen im Tagesspiegel. In der Rückschau sei „zu erkennen, dass es im erbitterten Streit zwischen Beate Zschäpe und drei ihrer vier Verteidiger nur einen Gewinner gibt. Von den Konfliktparteien ist es niemand.“ Profiliert habe sich hingegen Richter Manfred Götzl, der mit Nervenstärke und Erfahrung als „Dominator“ aufgetreten sei. Zschäpe hingegen habe sich mit ihren Anträgen überschätzt.

Bei diesen bekam sie Hilfe von ihrem neuen Pflichtverteidiger Mathias Grasel. Bei den Zeugenvernehmungen im Prozess hielt der Anwalt sich hingegen zurück – wahrscheinlich, weil er in den Verfahrensstoff kaum eingearbeitet ist. Womöglich mache sich Zschäpe die geringe Erfahrung des 31-Jährigen zunutze, um ihn zu steuern, mutmaßt Martin Debes von der Thüringer Allgemeinen. Daher sei das morgendliche Warten auf seine Mandantin im Saal so zu deuten: „Der Diener wartet auf seine neue Herrin.“ Diese verhalte sich nun so, wie sie die Bundesanwaltschaft in der Anklage schildert: „Sie präsentiert sich dominant, manipulierend und ja, skrupellos.“

An jedem Werktag sichten wir für das NSU-Prozess-Blog die Medien und stellen wichtige Berichte, Blogs, Videos und Tweets zusammen. Wir freuen uns über Hinweise via Twitter mit dem Hashtag #nsublog – oder per E-Mail an nsublog@zeit.de.

Das nächste Medienlog erscheint am Dienstag, 4. August 2015.

23 Kommentare


  1. Bei Zschäpe geht es um alles. Egal, zu welchem Rundumschlag sie ausholt, sie hofft halt, irgendeiner trifft und das Verfahren muss wieder aufgerollt werden.

    Sie hofft halt, es geht ewig so weiter, und die Leut vergessen, was ihr und ihren Kumpanen zur Last gelegt wird.

  2.   karl_ritter

    „Daher sei das morgendliche Warten auf seine Mandantin im Saal so zu deuten: „Der Diener wartet auf seine neue Herrin.““

    Der Anwalt ist natürlich der Diener seines Mandanten. Das ist seine Aufgabe. Er dient den Interessen seiner Mandantin.

    Dann möchte ich endlich mal wissen, wieso das Verfahren nicht fortgesetzt werden kann, wenn sich die Angeklagte einen neuen Verteidiger hat!? Wo steht in der Strafprozessordnung, dass damit der Prozess scheitern muss?

    „Profiliert habe sich hingegen Richter Manfred Götzl, der mit Nervenstärke und Erfahrung als „Dominator“ aufgetreten sei.“

    Ist es die Aufgabe des Richters Dominanz auszustrahlen oder soll er ein faires Verfahren ermöglichen? Wieso wird die Angeklagte gezwungen, mehrere Rechtsanwälte als Verteidiger zu beschäftigen, wenn sie von keinem dieser Anwälte vertreten werden will und einen zugelassenen Anwalt hat, der Sie vertritt? Wieso zwingt der Richter die Angeklagte zu diesen Verteidigern? Sie spricht nicht mit Ihnen und sie können daher auch nicht Ihre Interessen vertreten? Was soll das?

  3.   tillupp

    Was ich nicht verstehe ist, warum man hier so einen Mammutprozess hochzieht, statt jede Tat einzeln zu verhandeln. Man hätte Zschäpe schon mal vorab wegen gefährlicher Brandstiftung und herbeiführen einer Explosion bis zu 15 Jahren Haft verurteilen können, .. und die Tat ist ja wohl unbestritten. Danach ebenso unbestritten noch die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Für die Verurteilung wegen der Morde hätte man sich dann locker 15 Jahre Zeit lassen können, selbst wenn es dann doch „nur“ unterlassene Hilfeleistung oder Totschlag durch unterlassen wird. Die Frau wäre sehr lange im echten Frauen-Gefängnis, statt nur in U-Haft.

  4.   Bloomen

    Welchen Sinn machen die drei Pflichtverteidiger, wenn Zschäpe nicht mit ihnen spricht und klar aussagt, dass sie ihnen nicht vertraut? Sie hat doch einen Verteidiger – wieso müssen es denn ganze vier sein? Wirklich rechtsstaatlich mutet das alles nicht an.

    Die Andeutung der Reporters, dass Zschäpes neuer Anwalt möglicherweise psychisch labil ist, und die allgemeine Dämonisierung der Beschuldigten, deren Schuld bisher nicht bewiesen wurde, empfinde ich nicht als objektiv oder gar unvoreingenommen – sondern als Stimmungsmache.


  5. Unseren täglichen Klatsch gib uns heute.


  6. Gewinner…
    Hier gibt es keine Gewinner.
    All das lenkt nur davon ab hieb- und stichfest herauszufinden, was wirklich passiert ist.

    Punkt


  7. Gut so. sie versucht nur, den Prozess in die Länge zu ziehen

    Abgesehen von den Kosten ist für sie nicht wirklich hilfreich, weil sie vermutlich lebenslänglich kriegen wird


  8. Also, ich möchte auch, dass dieser NSU-Prozess voran kommt und dass die feigen Morde des Trios, ihrer Nazi-Zuarbeiter, die Unterstützung/Finanzierung durch den Verfassungsschutz und die seltsamen Versäumnisse der polizeilichen Ermittlungsbehörden aufgearbeitet werden.

    Aber wenn ich lese »mutmaßt Martin Debes von der Thüringer Allgemeinen. Daher sei das morgendliche Warten auf seine Mandantin im Saal so zu deuten: „Der Diener wartet auf seine neue Herrin.“ Diese verhalte sich nun so, wie sie die Bundesanwaltschaft in der Anklage schildert: „Sie präsentiert sich dominant, manipulierend und ja, skrupellos.“«

    Dann sehe ich mich vor meinem geistigen Augen in einer anderen Zeit in einer anderen Welt auf einen Artikel starren in dem berichtet wird, ein Zeuge mit einwandfreien Leumund habe behauptet, er vermeinte um Sonnwend zu frühmorgentlicher Stund nach Schwefel riechende Rauchwölkchen aus Tschäpes Haaren aufsteigen gesehen zu haben, als diese vom Blocksberg mit irrem Gekicher und ramponiertem Gewande nach Hause zurückkam.

    Wenn ein Richter oder ein Prozess-Offizieller solche psychologischen Einschätzungen zum Besten gibt, darf man das schreiben, finde ich. Ich würde vielleicht auch noch zugestehen, wenn ein Artikelschreiber das auf seine eigene Kappe nimmt, aber dieses „Ich sag‘ ja nur, was ein anderer gesagt hat“ ist übelste Mobbing-Methode. Das möchte ich bei einem mir wichtigen Prozess eigentlich nicht haben – und mir ist wirklich schleierhaft, was(!!!) den Artikelschreiber geritten hat.

  9.   Peter

    wahrscheinlich … womöglich …mutmaßt

    Auf dem gleichen Niveau kann man auch mutmaßen, dass Zschäpe womöglich mit diesen Aktionen für die Revision der wahrscheinlichen erstinstanzlichen Verurteilung vorsorgt.

    „Daher sei das morgendliche Warten auf seine Mandantin im Saal so zu deuten: „Der Diener wartet auf seine neue Herrin.“ “
    Sowas wird nun aber nicht richtiger weil ein Martin Debes das mal eben so dahinschreibt.
    „Sie präsentiert sich dominant, manipulierend und ja, skrupellos.“
    Klingt toll, aber so wie ich das verstehe, dürfte diese vermutete „Präsentation“ recht schwer zu belegen – zumal Zschäpe unverändert schweigt.

  10.   Karl Müller

    @ 3,

    wohl kaum nach der Beweislage. Mehr als dünne Indizien hat der GBA-Vertreter nicht zu bieten. Sachbeweise gibts nicht, im Brandgutachten wird den am TO (nach 3 Tagen!) sichergestellten „Brandbeschleuniger“ und den Anhaftungen an den Socken der Z. eine Ähnlichkeit, aber keineswegs Identität der Substanzen zugeschrieben.

 

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Anmelden Registrieren