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Urlaubsfoto setzt Zschäpe unter Druck – Das Medienlog vom Donnerstag, 28. Juli 2016

 

Eine Erkenntnis vom 303. Verhandlungstag im NSU-Prozess könnte den Mitangeklagten Holger G. überrascht haben: Eine Beamtin des Bundeskriminalamts identifizierte ihn auf einem Urlaubsfoto von 2006, auf dem auch Mitglieder des NSU-Trios zu sehen sind.

Das Treffen hatte G. in seiner Aussage zu Prozessbeginn nicht eingeräumt – Kontakte mit Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt hätten demnach hauptsächlich in seiner neuen Heimat Hannover stattgefunden. Das Foto-Gutachten sei „eine Lehrstunde über die Leistungen der Wissenschaft für Kriminalisten“, kommentiert Tanjev Schultz von der Süddeutschen Zeitung. Die Expertise belaste sowohl G. als auch Zschäpe.

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Die Hauptangeklagte hatte in ihrer Aussage mitgeteilt, dass sich zwischen 2005 und 2009 ausschließlich Mundlos und Böhnhardt mit G. getroffen hätten. Gemeinsame Urlaube habe es nicht mehr gegeben. Diese Behauptung erscheint nun in einem anderen Licht: Der Beitrag der Kriminalistin stützte sich auf 26 Merkmale in G.s Gesicht. Im Anschluss „wagte es niemand der Verfahrensbeteiligten, die geballte Expertise in Zweifel zu ziehen“, schreibt Schultz.

Dem Angeklagten G. werde „es wohl nicht mehr gelingen, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen“, meint Gisela Friedrichsen auf Spiegel Online. Sie beschreibt, wie gelöst Zschäpe auf den Urlaubsbildern aussieht – wiewohl diese ausgesagt hatte, sie habe in der Zeit in Angst vor einer langen Haftstrafe gelebt. „Auch solche Momente tragen zu dem Eindruck von Absurdität bei, die diesem Prozess zunehmend anhaftet.“ Die Wahrheitssuche des Strafsenats um den Vorsitzenden Richter Manfred Götzl habe mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet.

An dem Prozesstag wies das Gericht abermals mehrere Beweisanträge der Nebenklage-Anwälte ab. Davon berichtet Tim Aßmann vom Bayerischen Rundfunk.

Das nächste Medienlog erscheint am Freitag, 29. Juli 2016.

2 Kommentare

  1.   papa21

    Zschäpe sieht auf den Fotos gelöst aus!
    Ist das jetzt der grosse Durchbruch? Nach 303 Verhandlungstagen?

  2.   Lignite

    Sagen Sie mal, ist das noch Ihr Ernst?

    Auf einem verwaschenem Bild ist im Hintergrund ein Gesicht zu sehen, das mit viel Mühe 28 Merkmalen zugeordnet wurde?

    In welchem Zusammenhang steht das das denn mit welcher Straftat? Noch ist es keine Straftat, im Urlaub zu sein und sich nicht an Urlaubsfreunde von vor 10 Jahren zu erinnern.

    Daraus eine Straftat zu konstruieren ist doch lächerlich. Hat die „Kirmesnalistin“ nichts besseres zu tun? Vielleicht nachträglich auf Fotos die Sandkörner nachzählen und aus der Verminderung um 20 daraus schliessen, dass Frau Zschäpe, die an diesem Tag am Strand war, die als Anhaftung mitgenommen hat, ergo sich eines Diebstahls an Allgemeingut schuldig machte.

    Hier soll mit aller Gewalt was gefummelt werden. Was zu dem bereits feststehenden Urteil passt. Mit viel Expertise.

 

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