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Zschäpe-Plädoyer: Keine Trotzreaktion der Anwälte – Das Medienlog vom Donnerstag, 7. Juni 2018

 

Verteidiger Wolfgang Heer setzte am Mittwoch sein Plädoyer für die Hauptangeklagte Beate Zschäpe fort – und sorgte dabei mit außergewöhnlicher Akribie für Furore: bei Prozessbeobachtern, aber auch bei der Mandantin selbst, die ihre drei Altverteidiger ja eigentlich am liebsten geschasst hätte.

„Zschäpes Verteidiger schöpft aus dem Vollen der Hauptverhandlung, eine Fleißarbeit“, bilanziert Wiebke Ramm von der Süddeutschen Zeitung. Damit tat er das, „was Zschäpes Vertrauensanwälte Hermann Borchert und Mathias Grasel in ihrem Plädoyer nicht tun konnten“.

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Genauestens setzte der Anwalt sich mit den Umständen der Brandlegung auseinander. „Es kommt auf die Details an, und die seziert Heer in seinem Plädoyer in aller Ausführlichkeit“, schreiben Christoph Trost und Christoph Lemmer in einem Bericht der Deutschen Presse-Agentur (dpa). So wollte er nachweisen, dass Zschäpe nicht den möglichen Tod von Menschen in Kauf nahm und dass eine im Haus befindliche alte Dame keiner ernsthaften Gefahr ausgesetzt war. Heer schließe daraus, Zschäpe deshalb wegen einfacher Brandstiftung und nicht wegen versuchten Mordes zu verurteilen.

Während des Vortrags „wendet sich Zschäpe ihm überraschend zu: Sie blickt ihn an, konzentriert, aufmerksam, fast andächtig“, notiert Julia Jüttner auf Spiegel Online. Ganz anders dagegen das Plädoyer ihrer neuen Anwälte Hermann Borchert und Mathias Grasel: „Wenig authentisch, wenig glaubwürdig, reichlich konstruiert.“

Während des Vortrags „läuft Heer in seiner eigenen Art zur Hochform auf“, beobachten wir auf ZEIT ONLINE. Demnach fiel auch Zschäpe auf, wie die Qualitäten zum Prozessende in ihrer Verteidigung verteilt sind: „Wer das stärkere Plädoyer liefert, ist schon jetzt klar.“

Der Verteidiger habe damit „den ungebrochenen Willen zu Professionalität und Selbstbehauptung“ demonstriert, meint Frank Jansen vom Tagesspiegel. Dass die von Zschäpe ungeliebten Altanwälte keine „Trotzreaktion“ zeigten, sei einer der „herausragenden Momente“ des Verfahrens. Jansens Beobachtung nach zeigte seine Mandantin „aber nur mäßiges Interesse“.

Das nächste Medienlog erscheint am Freitag, 8. Juni 2018.

 

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