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Verteidigerin kratzt am Bild der eiskalten Zschäpe – Das Medienlog vom Donnerstag, 14. Juni 2018

 

Letzter Abschnitt des Plädoyers für die Hauptangeklagte Beate Zschäpe: Am Mittwoch begann Verteidigerin Anja Sturm ihren Schlussvortrag. Darin bestritt sie, dass Zschäpe Teil der Terrorgruppe NSU gewesen sei, zudem sei sie vielfach Opfer von Vorverurteilungen geworden. Sie sei kein Fall für die Sicherungsverwahrung.

Dabei ging die Anwältin auch auf den Lebenslauf ihrer Mandantin ein. Der engagierte Vortrag stand in Kontrast zum Verhalten von Beate Zschäpe in der Vergangenheit: Die Mandantin hatte mehrfach versucht, Sturm loszuwerden. „Sturm nahm es souverän“, merkt Julia Jüttner von Spiegel Online an.

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Die Verteidigerin habe Aussagen von Zeugen in Erinnerung gerufen, „um an dem Bild von Zschäpe zu kratzen, das sich in der Öffentlichkeit fest verankert habe: eiskalt, berechnend, durchsetzungsfähig und willensstark“, schreibt Jüttner.

Gänzlich neu waren die Argumente nicht. „Wie heißt es so schön: Es wurde bereits alles gesagt, nur noch nicht von jedem“, heißt es bei Christoph Arnowski vom Bayerischen Rundfunk. Sie habe sich auf Tatsachen gestützt, die bereits ihr Kollege Wolfgang Heer vorgebracht hatte.

„Wer ist Beate Zschäpe? Auch Sturm gibt an diesem ersten Tag ihres Plädoyers keine abschließende Antwort“, fasst Wiebke Ramm in der Süddeutschen Zeitung das Plädoyer zusammen.

Sturm brach den Vortrag am frühen Nachmittag ab, weil sie erkältet war. Der heutige Prozesstag entfällt deshalb.

Das nächste Medienlog erscheint am Freitag, 15. Juni 2018.

3 Kommentare

  1.   parrot0815

    Wahrscheinlich müssen alle möglichen Argumente von der Verteidigung vorgebracht werden. Auch um einer möglichen langwierigen Revision entgegenzuwirken und offensichtliche Verfahrens- und Argumentationsfehler zu vermeiden. Trotzdem klingen solche Darstellungen für mich wie Hohn und respektlos den Opfern gegenüber.

  2.   bildschirmleser

    Kann man in einem Trio an der Ermordung von so vielen Menschen mitgewirkt haben, ohne „eiskalt“ zu sein?

    Mit auch nur einer Unze Mitgefühl für die Opfer oder die Angehörigen wäre das Trio nach dem ersten Fall auseinander gebrochen, weil Frau Zschäpe die Behörden verständigt hätte.

    Nur in einem solchen Fall hätte man die Anklage für den ersten Mord auf „Beihilfe“ beschränken können. Aber so?

  3.   Ben Goldstein

    Man hätte viel Steuergeld gespart, wenn man der Frau einfach ne Decke in die Zelle gelegt hätte als ihr danach war.

 

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