Franz Kafka (1883–1924): Ein Rätsel, das immer modern bleibt

Kafka Interpretation
Interpretation einer Szene aus Kafkas Der Prozess. © ZEIT ONLINE/Jonathan Sterz

Kafkas Werk steht für sich: Es ragt aus dem Fundus moderner Literatur heraus wie kein anderes. Was macht gerade die Texte Franz Kafkas so unverwechselbar?

 

Kafkas Protagonisten haben es schwer. Sie erwachen aus unruhigen Träumen und finden sich im Bett zu einem Ungeziefer verwandelt. Sie werden angeklagt und aufs Schaffott geführt, ohne dass sie wüssten warum. Ein Mann verendet nach lebenslangem Warten auf Einlass am Tor. Ein anderer ertränkt sich im Fluss, weil sein Vater es ihm befiehlt.

Alptraumhafte Szenarien kennzeichnen Kafkas Werk. Er beschreibt sie mit derselben kühlen Distanz eines Bürokraten, die oft auch seine Figuren beseelt. Gerade dieser Stil, das Zurückgenommene gegenüber dem Unerhörten, macht Kafkas Erzählungen auf eine einzigartige Weise unergründlich. So unergründlich sogar, dass es dafür ein eigenes Adjektiv gibt.

Sehr wohl können wir aber ergründen, was das Kafkaeske ausmacht. Wie kann man Kafka interpretieren? Was sind seine wichtigsten Werke? Und woher kommt Kafka überhaupt? Was ist er für ein Mensch? Mit diesen und weiteren Fragen, die für die Unterrichtsvorbereitung oder das Lernen vor den Klausuren relevant sein können, beschäftigen wir uns in diesem Text.

Zur Einordnung: Was kennzeichnet die Moderne?

Kafkas Literatur zählt zur Epoche der literarischen Moderne. Die bricht zur Schaffenszeit Kafkas gerade erst an. Die Moderne als Literaturepoche zeichnet sich durch eine fragmentierte Weltsicht, Subjektivität und ihre Offenheit für Experimente aus, sie schließt verschiedenste Schreibstile ein. Dass Kafkas ganz eigene Sicht auf die Welt in seinem eigenwilligen Stil so deutlich zutage tritt, kann man daher als ein typisches Epochenmerkmal betrachten.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entsteht ein neues Lebensgefühl. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse lassen die Welt zunehmend komplexer erscheinen. Albert Einsteins Relativitätstheorie stürzt die Physik in eine Sinnkrise. Sigmund Freud begründet die Psychoanalyse als eigene Wissenschaft. Das Ich, das Seelenleben, rückt in den Fokus der Anschauung. Freud zeigt, dass der Mensch sein Denken und Handeln nicht uneingeschränkt kontrolliert. Seine Arbeiten üben auf viele Schriftsteller großen Einfluss aus.

Während der Mensch auf geistiger Ebene verunsichert ist, findet er sich auf gesellschaftlicher Ebene von einem makellos funktionierenden Staat regiert. Nie zuvor war die Arbeitsteilung effizienter als jetzt. Das zieht jedoch gleichsam eine überdimensionierte Bürokratie nach sich. Der Einzelne steht dem bürokratischen System oftmals entfremdet gegenüber. Es entsteht ein neues Bewusstsein: Die Welt ist so unüberschaubar, dass der Mensch sie nur noch bruchstückweise versteht.

Zusammen mit dem Lebensgefühl verändert sich auch die Literatur. Sie richtet ihr Augenmerk nun oftmals auf einen einzelnen Menschen und beschränkt sich auf dessen ganz bestimmte Sicht auf die Welt. Viele Geschichten werden aus der Perspektive ihrer Hauptfiguren erzählt. Deren innere Monologe und Bewusstseinsströme sind typische Erkennungszeichen für Texte der literarischen Moderne. Außerdem entsteht die erlebte Rede, bei der oft nicht klar wird, wer gerade spricht: die Figur oder der Erzähler. Der allwissende Erzähler hingegen, der schon im Naturalismus nur noch selten erscheint, verschwindet zunehnemd.

Anders als andere Literaturepochen ist die Moderne weder stilistisch noch zeitlich klar abgrenzbar. Sie beginnt um die Jahrhundertwende, um 1900, und wird erst durch die Postmoderne ab den 1950er Jahren abgelöst. Obwohl die Epoche der literarischen Moderne als abgeschlossen gilt, gibt es moderne Schreibweisen noch heute.

Kafka 1906
Franz Kafka (Fotografie aus dem Atelier Jacobi, 1906). Quelle: Wikimedia

Zur Person Franz Kafka

Gerade die Bürokratie bereitet Kafka viel Sorge: Ein lähmender Bürokratieapparat begleitet viele der Figuren aus seinen Geschichten. Oft kreisen Kafkas Erzählungen um das Thema Justiz. Ein Blick auf Kafkas Biografie erklärt, warum das Thema ihn so sehr beschäftigt.

1883 wird Kafka in eine jüdische Kaufmannsfamilie in Prag geboren. Kafka wächst in einer großen deutschsprachigen Enklave mitten in Prag auf, seine Familie spricht Deutsch. Deutsche Schulen, Universitäten, Theater und Zeitungen prägen seine kulturelle Umgebung. Die Kulturstadt Prag wird zeitlebens Kafkas Lebensmittelpunkt darstellen.

Schon zu Schulzeiten interessiert sich Kafka für Literatur. Trotzdem kann er sich nicht dazu durchringen, ein literaturwissenschaftliches Studium aufzunehmen. Sein autoritärer und geschäftstüchtiger Vater, Hermann Kafka, drängt ihn dazu, Jura zu studieren. Unterschiedlicher könnten Vater und Sohn kaum sein: Hermann Kafka hat sich aus armen Verhältnissen hochgearbeitet und es zu beruflichem Erfolg gebracht. Er führt ein bürgerliches Leben. Franz interessieren solch lebensweltliche Dinge nur wenig. Verständnis dafür sucht er bei seinem Vater vergeblich.

Franz Kafkas Sensibilität und Feingeist legt ihm der Vater als Schwäche aus. Gegenüber dem Sohn verhält sich Hermann Kafka despotisch, grob und selbstgerecht. Der Vater-Sohn-Konflikt wird Franz Kafka zeitlebens verfolgen und zieht sich leitmotivisch durch sein gesamtes literarisches Werk. Dem Wunsch nach Anerkennung vom jähzornigen Vater folgend, schließt Franz Kafka das Jurastudium ab und promoviert. Anschließend arbeitet er erfolgreich als Jurist in einem Versicherungsunternehmen.

Seiner Leidenschaft – der Literatur – geht er im Privaten aber weiterhin nach. Er schließt sich Autorenzirkeln in Kaffeehäusern an, bei denen sich Prager Literaten treffen und über ihre Texte diskutieren. Hier macht Kafka Bekanntschaft mit dem Schriftsteller Max Brod, der sein engster Freund und Vertrauter wird. Die beiden unterscheiden sich stark. Doch Brod wird Kafka sein Leben lang unterstützen und beraten.

Brod ist es auch, der Kafka zum weiteren Schreiben und zur Veröffentlichung seiner Texte drängt. Damit ist der von Selbstzweifeln geplagte Kafka jedoch sehr vorsichtig. Nur ein Bruchteil seiner Texte erscheint zu seinen Lebzeiten. Nach Kafkas Tod an Tuberkulose 1924 trifft Brod eine schwerwiegende Entscheidung: Kafka wollte all seine unveröffentlichten Manuskripte verbrannt wissen. Doch entgegen seiner an Max Brod adressierten Verfügung entschließt sich sein bester Freund dazu, Kafkas Texte posthum zu veröffentlichen. Keine leichte Entscheidung. Aber hätte Max Brod Kafkas Willen befolgt, gäbe es heute einige Meisterwerke der Weltliteratur weniger.

Kafkas Schreiben: Präzise Sprache, verwirrte Handlung, angepasste Charaktere

Um Kafkas ganz spezifischen Stil zu verstehen, sollte man einige seiner wichtigsten Werke genauer betrachten. In den Jahren 1912 und 1913 hat Kafka eine äußerst produktive Schaffensphase. Mit seiner Novelle Das Urteil erreicht der Schriftsteller einen Durchbruch. Sie gehört zu den wenigen Texten, die Kafka zu Lebzeiten veröffentlicht. Mit ihr beginnt außerdem die Herausbildung von Kafkas ganz persönlichem Stil.

Das Urteil

Die Erzählung entsteht in nur einer einzigen Nacht – Kafka schreibt bis tief in den Morgen. Diese für ihn ideale Schreibbedingung strebt er auch später an. Zwangsläufig zieht ihm das Berufsleben dabei immer wieder einen Strich durch die Rechnung.

Das Urteil handelt von einem Vater-Sohn-Konflikt, der lange schwelt, bis er endlich eskaliert, weil der Sohn heiraten will. Als der Protagonist Georg Bendemann erfährt, dass sein Vater dem gemeinsamen Brieffreund Details über den beruflichen und privaten Erfolg Georgs verrät, ist er zutiefst gekränkt. Weder beachtet sein Vater Georgs Privatsphäre, noch berücksichtigt er, dass die Schilderungen den weniger erfolgreichen Brieffreund verletzen könnten. An diesen zwei eklatant unterschiedlichen Charakteren entzündet sich ein Konflikt. Im Streit wirft der Vater dem Sohn vor, das Familiengeschäft an sich gerissen und eine für ihn unwürdige Verlobte ausgewählt zu haben. Schließlich verurteilt der Vater den Sohn zum Ertrinken. Daraufhin stürzt Georg Bendemann zum Fluss und vollstreckt in vorauseilendem Gehorsam das grausame Urteil des Vaters selbst – mit den Worten: „Liebe Eltern, ich habe euch doch immer geliebt.“

Franz Kafka: Das Urteil, gelesen von Hans-Jörg Große

Autobiografische Bezüge sind hier schwer zu verleugnen. Kafkas Vater hat sich tatsächlich gegen dessen Heiratswünsche gestellt. Abgesehen von den Parallelen auf handlungs- und figurenpsychologischer Ebene ist auch der präzise Stil der Erzählung interessant: Die Sprache Kafkas ist schlicht und knapp, schnörkelfrei. Adjektive sind rar. Alle Details beziehen sich aufeinander. Außerdem zeigt sich in Das Urteil Kafkas charakteristische Erzählstrategie: Der Text zieht den Leser in seinen Bann, indem er die Perspektive des Protagonisten wählt. Dessen Selbsttäuschungen erlebt der Leser aus erster Hand. 1912 bedeutet diese Erzählform, die den Leser verstört, einen radikalen Bruch mit der Konvention. Der Erzähler als allwissende Instanz existiert hier nicht, und plötzlich geschehen groteske, unerklärliche Dinge, die der Leser alleine deuten muss.

Die Verwandlung

Noch potenziert tritt das Groteske in Kafkas Erzählung Die Verwandlung zutage, seiner womöglich bekanntesten. Die Verwandlung, entstanden 1912, veröffentlicht 1916, handelt von einem Mann, der über Nacht zu einem mannsgroßen Käfer mutiert ist. Die Novelle beginnt mit einem der bekanntesten ersten Sätze der Weltliteratur: „Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheuren Ungeziefer verwandelt.“ Seiner Verwandlung messen weder der Protagonist noch dessen Familie große Bedeutung bei. Gregor glaubt zunächst an eine vorübergehende Situation. Die Sorgen der Samsas kreisen darum, wie sich ihre Probleme verheimlichen und Einschnitte vermeiden lassen. Doch lange ist dieser Zustand nicht haltbar. Vor seiner Verwandlung hat Gregor den Lebensunterhalt der Familie alleine verdient. Nun, da er nicht mehr arbeiten kann, müssen Eltern und Schwester arbeiten gehen. Dem in seinem Zimmer fortan eingesperrten Gregor Samsa wird nach und nach bewusst, dass er in dieser Form seiner Familie nur mehr eine Last ist. Man demütigt ihn. Kommunikation ist unmöglich, da er nicht sprechen kann. Mutter und Schwester meiden ihn, sein Zimmer wird zur Abstellkammer. Als der autoritäre Vater ihn in einem Wutanfall mit Äpfeln bewirft, erleidet Gregor eine schwere Verletzung. Geschwächt, schuldbewusst und bereitwillig erwartet er seinen Tod. Die Familienmitglieder atmen auf und blicken einem Neuanfang entgegen.

Wem oder wozu dient Gregors Verwandlung? Steht sie zu Beginn für eine Revolte gegen den Vater und den Beruf? Am Ende jedenfalls scheint Gregor selbst der Verlierer zu sein. Sein ekelerregendes Äußeres wird zum Spiegel seiner innerlichen Befindlichkeit.

Wie schon in Das Urteil verwendet auch Die Verwandlung Erzählstimme und -perspektive so, dass das Geschehen skurril wirken muss: Beinahe durchgängig erzählt Kafka in der dritten Person, dabei aber stets aus der Perspektive Gregor Samsas. Lediglich nach Gregors Tod muss die Erzählperspektive notgedrungen in eine übergeordnete übergehen. Die ungeheuerliche Handlung und der unaufgeregte, fast teilnahmslose Erzählton entfremden den Leser vom Geschehen. Darum gelingt ihm, was dem Protagonisten misslingt: Er wird in kritische Distanz zum Geschehen gerückt. Kafka lässt den Leser allein. Weder liefert er Erklärungen noch empört er sich – in Gestalt seiner Protagonisten – über unrealistische Begebenheiten. Trotz der geschaffenen Distanz wird das Leidensgefühl des Protagonisten greifbar.

Der Prozess

Der Roman Der Prozess, entstanden 1914, klingt ähnlich albtraumhaft an: Aus der Perspektive des Protagonisten Josef K. wird die Geschichte seiner mysteriösen Verhaftung sowie der anschließenden Verurteilung erzählt. Die Handlung setzt am Morgen seines 30. Geburtstags mit Josef K.s Verhaftung ein und endet am Vorabend seines 31. Geburtstags mit seiner Hinrichtung mit dem Fleischermesser. Wieder zeigt sich Kafkas ganz eigene Erzähltechnik, die beim Lesen so beengend wirkt: Unbeeindruckt versucht der verhaftete Josef K., sein Leben möglichst ohne Änderungen weiterzuleben, und stellt sich auf die unnormale Situation ein. Er ist zwar verhaftet, sitzt jedoch nicht im Gefängnis. Er kann tagsüber seinem Beruf nachgehen, wird aber rund um die Uhr bewacht. Ab und an wohnt er einem undurchsichtigen Prozess bei, dessen labyrinthische Wirrungen er mit stoischem Gleichmut erträgt. Zu keinem Zeitpunkt erfahren Josef K. oder der Leser den Grund für die Verhaftung. Welches Verbrechen soll Josef K. begangen haben? Welche Art von Schuld trifft ihn? Es wird nicht einmal klar, wer die verurteilende Instanz ist. Der Protagonist spricht von Unschuld, verhält sich jedoch von Beginn an wie ein Schuldiger. Anstandslos fügt er sich in sein Schicksal.

Zentral für diese Erzählung ist die Atmosphäre des Ausgeliefertseins an eine namenlose Obrigkeit. Im gewissenhaften Bestreben, nichts falsch zu machen, zeigt sich Josef K.s Beamtenmentalität. Diese hindert ihn zunehmend daran, die Prozesse des lebensfeindlichen, unumgehbaren Bürokratieapparats zu durchschauen oder zu hinterfragen. Neben der kafkaesken Erzählsituation macht vor allem die Thematik den Text zu einem ausgesprochen modernen: Es entsteht das Bild der Selbstentfremdung eines Menschen, der zu einer bloßen Akte degradiert wird und vor einem übermächtigen System steht, das keinen externen Sinn mehr erkennen lässt. Unterstrichen wird dieses Gefühl durch die detailgenauen Schilderungen des Geschehens, die den Gesamtsinn jedoch völlig unbehelligt lassen.

Und wie soll man Kafka nun verstehen?

In der Literaturwissenschaft wurde bei der Interpretation von Kafkas Texten häufig nach Parallelen zu seiner Biografie gesucht. Für eine biografische Lesart sprechen nicht nur Thematik und Figurenkonstellationen. Die Namen der Figuren selbst schreien förmlich nach einer solchen Interpretation: So heißen sie Gregor Samsa, Josef K. oder lediglich K.; die Frauenfigur in Das Urteil trägt den Namen Frieda Brandenfeld – mit den gleichen Initialen wie Kafkas Verlobte Felice Bauer. Da Kafka zudem viele seiner Manuskripte in seinen Tagebüchern notiert hat, verschwimmen bisweilen die Grenzen zwischen Literarischem und Privatem.

Ein besonders umstrittener Text Kafkas ist der etwa 100 Seiten umfassende Brief an den Vater, der vermutlich tatsächlich einmal für seinen Vater bestimmt war. Kafka hat sich jedoch nie dazu durchgerungen, ihm den Brief zu überreichen. Der 1919 entstandene Brief stellt zugleich Abrechnung, Analyse und Rechtfertigung dar. Kafka skizziert eindringlich die aufbrausende, fleißige und selbstgerechte Persönlichkeit des Vaters und stellt sie derjenigen des Sohnes gegenüber. Dem Vater, der sein eigenes Handeln nie hinterfragt und sich allein aufgrund seiner Autorität immer im Recht sieht, sind die eigenen Widersprüchlichkeiten herzlich egal. In seinem Jähzorn kann es passieren, dass er heute das Gegenteil von gestern behauptet. Er erscheint als eine sehr viel einfachere, aber auch lebenstüchtigere Person als der Sohn, welcher dahingegen viel grübelt, sich nie entscheiden kann und realitätsfernen Träumen anhängt. Kafkas Sensibilität und sein Gespür für Feines legt ihm der Vater als Schwäche und unnötige Befindlichkeit aus. Der Zusammenprall dieser zwei Persönlichkeiten, so Kafkas Quintessenz, sei schlichtweg fatal.

Franz Kafka: Brief an den Vater, gelesen von Hans-Jörg Große

Der Brief an den Vater hat bei Kritikern große Debatten ausgelöst: Streng genommen ist dieser Brief ja gar kein Brief, weil er seinen Adressaten nie erreicht hat. Außerdem ist er sehr literarisch geschrieben. Lassen sich die darin geschilderten Tatsachen für bare Münze nehmen? Wie viel Biografie steckt in dem Brief und wie viel Fiktion? Und wo soll man ihn veröffentlichen? Zusammen mit Kafkas Gesamtwerk oder mit seinen Tagebüchern und seinem Briefwechsel?

Hieran schließt eine andere literaturwissenschaftlich relevante Fragestellung an: Wie viel Gewicht soll bei der Interpretation von Texten überhaupt dem Autor gegeben werden? Sollte man Texte nicht lieber losgelöst von ihrem Verfasser betrachten? Es gibt Literaturwissenschaftler, die davon ausgehen, dass der Autor zunehmend hinter dem Text verschwinden sollte. Sie fragen nicht mehr nach der Intention des Autors. Stattdessen rückt der Leser in den Vordergrund. Wenn man der Biografie und der Psychologie des Autors weniger Beachtung schenke, hätten die Leser mehr Raum für eigene und neue Interpretationen. In diesem Zusammenhang spricht man auch vom „Tod des Autors“ sowie der „Geburt des Lesers“.

Diese Betrachtungsweise ist als Appell an alle Leserinnen und Leser zu verstehen, Kafkas rätselhafte Bilder stets aufs Neue zu interpretieren. Aus ihnen lässt sich weitaus mehr herauslesen als biografische Bezüge. Ein eingrenzendes und lebensfeindliches System mit Irrwegen, eine fatale Verwandlung, ein so deplatziertes wie folgenschweres Urteil – all dies sind Bilder, die sich stets mit neuen Bedeutungen aufladen lassen.

Wichtigste Werke von Franz Kafka

Der Verschollene / Amerika
Das Urteil
Die Verwandlung
In der Strafkolonie
Der Prozess
Brief an den Vater
Ein Landarzt (Erzählband)
Das Schloß
Ein Hungerkünstler (Erzählband)

Weiterführende Quellen

Zur Entstehung des Begriffs der Moderne (docupedia.de)
Den Begriff von der Modernen Literatur prägt 1886 eine Schriftstellergruppe in Berlin. Er soll das absolut Neue, das Vorblidlose, den vollständigen Verzicht auf ästhetische Traditionen bezeichnen.

Franz Kafka (S. Fischer Verlag)
Aufschlussreiche Informationen über Kafkas Biografie, seine einzelnen Werke, seine Beziehungen. Samt Bonus: 99 Fundstücke sowie Dinge, die man schon immer über Kafka wissen wollte. Erarbeitet vom S. Fischer Verlag in Frankfurt.

Kafkaesk (Alexander Schlegel)
Zum Stöbern über Kafka und die Prager Kulturwelt.

Kafka im Projekt Gutenberg (Spiegel Online)
Das Projekt Gutenberg bietet neben Informationen zu Kafka und seinem Werk viele seiner Schriften kosten- und lückenlos im Internet.

Ehemaligenverein: Franz Kafka (ZEIT Campus Nr. 06/2014)
Ein Porträt von Kafkas Leben. Wie kam er zu seinem Studium, seinem besten Freund, zu seinem Wunsch nach Einsamkeit?

Literarisches Erbe: Wem gehört Kafka? (DIE ZEIT Nr. 48/2009)
Ein Streit um das Erbgut: Wem gehören heute die Handschriften des bedeutendsten jüdischen Schriftstellers deutscher Sprache? Den Erbinnen von Max Brod oder dem Staat Israel?

Wie Kafka unsere Facebook-Existenz voraussah (DIE WELT Feuilleton, 31.01.2014)
Was hat Kafka mit Facebook zu tun? Ein Beispiel dafür, wie man Kafka heute interpretieren kann.

Franz Kafka im Archiv Klaus Wagenbach (Klaus Wagenbach)
Der Berliner Verleger Klaus Wagenbach ist leidenschaftlicher Kafka-Experte und hat seit 1951 Bilder aus Kafkas Leben gesammelt und mit Kommentaren versehen veröffentlicht.

Kafkas Welt in einem Kästchen (Frankfurter Allgemeine Feuilleton, 19.04.2008)
Hier erzählt der Verleger Klaus Wagenbach der FAZ, wie er sich in die Texte Franz Kafkas verliebte und sich auf eine langjährige Spurensuche machte.


Kafka. Ein Spielfilm von Steven Soderbergh (YouTube)
Ein Film über Kafka, der biografische und literarische Elemente des Schriftstellers ineinanderlaufen lässt.

Klassiker der Weltliteratur: Franz Kafka (BR Mediathek)
Tilman Spengler erklärt in dieser Sendung, warum das Wort „kafkaesk“ durch seinen überproportionalen Gebrauch an Bedeutung verliert. Und warum man Kafka damit keinen Gefallen tut.

Druckfrisch. Denis Scheck empfiehlt: Reiner Stach „Kafka. Die frühen Jahre“ (Druckfrisch, Das Erste)
Reiner Stach hat eine Biografie mit außergewöhnlichen Details über Kafka herausgegeben. Ein Bericht darüber, was am Leben eines berühmten Schriftstellers so faszinierend sein kann.

Des Dichters Schatten (Tagesspiegel, 21.09.2014)
Über Reiner Stachs 2027 Seiten umfassende Kafka-Biografie.

Biograf Reiner Stach: Was für ein Kind war Franz Kafka? (Frankfurter Allgemeine, 10.10.2014)
Was für ein Kind war Kafka? Ein Interview mit Kafkas Monumental-Biografen Reiner Stach.

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Die Literatur des Realismus (1848 – 1880/90)

Carl Spitzweg Bürgertum Realismus
„Der Sonntagsspaziergang“: Das Ölgemälde des Künstlers Carl Spitzweg aus dem Jahr 1841 ist eine überspitzte Darstellung des Bürgertums des 19. Jahrhunderts. © Publik Domain/Wikimedia

Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts stellt die Lebensrealität vieler Menschen in Europa auf den Kopf: Es ist eine Zeit gravierender Veränderungen. Die Industrialisierung führt zu erheblichen Fortschritten in Wirtschaft und Wissenschaft, Technik und Medizin. Damit gehen einerseits ungekannte Vereinfachungen für Alltag und Arbeit einher. Andererseits verändert sich die Arbeitswelt für viele zum Schlechten. Auf dem Land treiben die technischen Verbesserungen sowie das Bevölkerungswachstum Kleinbauern und besitzlose Tagelöhner in einen existenziellen Überlebenskampf. Auf der Suche nach einer Möglichkeit, in dieser neuen, modernen Welt zu existieren, ziehen daher Unzählige vom Land in die Städte.

Diese können den immensen Zulauf kaum auffangen. Das in der Stadt etablierte wohlhabende Bürgertum muss sich damit arrangieren, dass neben ihm eine breite Schicht prekär lebender Fabrikarbeiter entsteht, auch Proletariat genannt. Soziale Spannungen zwischen den Schichten sind vorprogrammiert. Auch in ideeller Hinsicht verändert sich die Gesellschaft: Neue Erkenntnisse in den Naturwissenschaften stellen das christliche Weltbild infrage. Traditionelle Werte und Institutionen wie die Ständegesellschaft oder die Großfamilie verlieren zunehmend an Allgemeingültigkeit.

Als 1848 die Märzrevolution scheitert und damit die Aussicht auf eine breite politische Mitgestaltung in weite Ferne rückt, scheinen alle Hoffnungen und Ideale der Bürgerlichen infrage gestellt. Das bürgerliche Selbstverständnis ist endgültig angeschlagen. Aus der ideellen Haltlosigkeit geht eine Sehnsucht nach neuer Verankerung hervor. Das Bürgertum muss sich in der Welt neu verorten.

Kunst – aus dem Leben gegriffen

Die Philosophie von Karl Marx trifft den Nerv der Zeit: Seinem Historischen Materialismus zufolge bestimmen die materiellen Lebensumstände einer Epoche grundlegend, was gedacht werden kann. Veränderte Lebensbedingungen bewirken demnach stets ein Umdenken in der Gesellschaft. Wenn man diesen Gedanken weiterverfolgt, reagieren Kunst und Literatur also zwangsläufig mit einer veränderten künstlerischen Bezugnahme auf neue materielle Lebensbedingungen. Was bedeutet dies zu jener Zeit für das literarische Schaffen im deutschsprachigen Raum? In welcher Form reagieren Schriftsteller auf die neuen Lebensverhältnisse?

Beides, die Lebensrealität des Menschen und die naturwissenschaftliche Betrachtung der Welt, avanciert zum literarischen Motiv der Epoche. Gleichzeitig distanzieren sich Schriftsteller von den klassizistischen oder romantischen Anschauungen früherer Generationen, welche eine ästhetische Erziehung zur Harmonie zwischen Geist und Welt oder auch eine zeitlose Universalpoesie anstrebten. Im Realismus gilt das Ideal der Authentizität. Kunst und Leben sollen nicht mehr voneinander getrennt werden. Als gelungen gilt in dieser Zeit ein Werk, wenn seine Erzählung das Kriterium der Wahrscheinlichkeit einhält: Ist es denkbar, dass sich die Geschichte so in der realen Welt abspielen könnte? Berücksichtigt sie die Regeln der Welt da draußen?

Poetischer Realismus – Das nackte Leben schön gestaltet

Obwohl die Kunstauffassung des Realismus Erfahrungswirklichkeiten ins Zentrum rückt, geht es ihr nicht allein um die Abbildung der Realität – erst der radikalere Naturalismus wird genau das von den Schriftstellern fordern. Besonders im deutschsprachigen Raum setzt sich vorerst der sogenannte poetische Realismus durch. Der Schriftsteller Otto Ludwig prägt den Begriff. Der poetische Realismus fordert zwar die Auseinandersetzung mit der nüchternen Realität, verzichtet aber weder auf Kunstgriffe noch auf Poetik. Vielmehr streben seine Vertreter nach einer dichterischen Ausgestaltung und Überhöhung der Wirklichkeit – erst der Künstler bringt das Schöne hervor und formt es. Kritiker sprechen diesbezüglich auch von einer „Verklärung“ der Wirklichkeit.

Otto Ludwig selbst charakterisiert in diesem Zusammenhang realistische Dichtung als eine „Poesie der Wirklichkeit, die nackten Stellen des Lebens überblumend […] durch Ausmalung der Stimmung und Beleuchtung des Gewöhnlichsten im Leben mit dem Lichte der Idee“. Der Künstler soll in der Banalität des Alltäglichen das Besondere ausmachen, es hervorheben und überzeichnen. Unschwer finden sich in realistischen Romanen bestimmte Techniken der Ästhetisierung. So spielen die Realisten in Ortsbeschreibungen oft symbolisch auf das Innenleben der Figuren an. Ein vielzitiertes Beispiel hierfür ist das Schaukelmotiv in Theodor Fontanes Roman Effi Briest. Gleich auf der ersten Seite des Romans führt Fontane in den detaillierten Beschreibungen des herrschaftlichen Schauplatzes Effis alte Kinderschaukel ein:

„Fronthaus, Seitenflügel und Kirchhofsmauer bildeten ein einen kleinen Ziergarten umschließendes Hufeisen, an dessen offener Seite man eines Teiches mit Wassersteg und angekettetem Boot und dicht daneben einer Schaukel gewahr wurde, deren horizontal gelegtes Brett zu Häupten und Füßen an je zwei Stricken hing – die Pfosten der Balkenlage schon etwas schief stehend. Zwischen Teich und Rondell aber und die Schaukel halb versteckend standen ein paar mächtige alte Platanen.“

Gerade im Kontrast zum ansonsten wohl geordneten und bodenständigen Herrenhaus symbolisiert die Schaukel mit dem schiefen Balken vorausdeutend die abenteuerlustige, kindliche und leichtsinnige Persönlichkeit der Protagonistin. In einem Brief vom 18. August 1880 schreibt Theodor Fontane: „Das erste Kapitel ist immer die Hauptsache und in dem ersten Kapitel die erste Seite, beinahe die erste Zeile […]. Bei richtigem Aufbau muss in der ersten Seite der Keim des Ganzen stecken.“ In dieser Aussage Fontanes schwingt also die Aufforderung an die Leserschaft mit, einen besonders intensiven Blick auf die Romananfänge zu werfen: Dort könnten Vorausdeutungen in Bezug auf Handlung und Figurencharaktere versteckt sein.

Der Einzelne im Fokus

Die Protagonisten müssen nicht immer, wie bei Effi Briest, dem Großbürgertum entspringen. Auch die Sorgen des kleinbürgerlichen Alltags finden Eingang in die realistische Literatur. Bisweilen sprechen Kritiker auch vom „bürgerlichem Realismus“. In den Fokus rücken alltägliche menschliche Probleme von Einzelnen, die in einen möglichst konkreten gesellschaftlichen und historischen Kontext eingebettet werden. Auf diese Weise ist die Handlung meist lokal und zeitlich eindeutig zu verorten. Da die Sachverhalte der zeitgenössischen Leserschaft glaubwürdig erscheinen sollen, ist die Handlung meist in der Gegenwart und tatsächlichen Umgebung der jeweiligen Dichter angelegt. Eine starke Beziehung zur Heimat zeichnet die meisten realistischen Erzählungen aus. Schließlich sind Realisten der Überzeugung, dass das unmittelbare Umfeld das glaubhafteste Setting für realistische Erzählungen darstellt. So erfährt auch die Erzählform der Dorfgeschichte, die noch aus der Zeit des Biedermeier stammt und in der das dörfliche und bäuerliche Leben zum Thema gemacht werden, im Realismus einen weiteren Höhepunkt.

Ebenso wie die Erzählhandlung durch ortsgenaue Schauplätze auf dingfesten Boden gestellt wird, werden auch die Protagonisten greifbarer: Sie sollen keine entrückten Luftgestalten mehr sein. Die psychologische Komponente gewinnt an Bedeutung. So finden sich klar strukturierte Einblicke in das Innenleben der Figuren, und die Handlungsabläufe lassen sich kausal begründen. Eines der großen Konfliktthemen des Realismus sind die Spannungen zwischen Individuum und Gesellschaft, wobei nicht die Masse, sondern die Persönlichkeit des Einzelnen ins Zentrum der Betrachtung rückt. Mit dieser Hinwendung zum Alltäglichen und Privaten formiert sich der Realismus darüber hinaus als Gegenbewegung zur Literatur des Vormärz, welche sich den öffentlichen politischen Kampf auf die Fahne geschrieben hat.

Unparteiisches Beobachten

Obwohl die Schriftsteller dieser Epoche Wert darauf legen, die Gefühlswelt der Figuren hinlänglich zu beleuchten, bleibt das Ideal realistischen Erzählens eine größtmögliche Objektivität. Diese wird häufig durch auktoriales Erzählverhalten umgesetzt. Das Selbstbild eines realistischen Dichters kommt einem illusionslosen Beobachter gleich, der seine Erfahrungen im Detail und ohne Parteinahme schildert. Gefühle und Meinungen des Autors bleiben außen vor. Darüber hinaus schaffen humorvolle Einschübe und ironische Zwischentöne bisweilen eine Distanz zum Erzählten. Der Realismus bedient sich daher mit Vorliebe einfacher, erzählender Gattungen, vor allem des Romans und der Novelle. Drama und Lyrik spielen in der Epoche des Realismus nur marginale Rollen.

Charakteristisch für viele Novellen jener Zeit sind distanzierende Rahmentechniken. Eine solche findet man etwa bei Theodor Storms Schimmelreiter. Hier gibt es drei Erzählebenen, welche uns anschaulich vorführen, wie die Spukgeschichte über den Schatten eines mysteriösen Reiters von Mund zu Mund geht. Die mehrfache Überlieferung nimmt der Geschichte jedoch ihr geheimnisvolles Pathos. Im Endeffekt hat keine der Erzählstimmen die eigentliche Geschichte selbst erlebt – der gespenstische Schimmelreiter lebt von der Wiedergabe der Sage. Mithilfe von Einblicken in das Innenleben der Figuren lassen sich die gruselig anmutenden Geschehnisse psychologisch deuten. In der unaufgeregten und nüchternen Darstellung des Aberglaubens der nordfriesischen Bevölkerung, welche mit einem Bein noch in der Schauerromantik steht, führt Storm einer heutigen Leserschaft spielerisch und plastisch die Gegensätze zweier Literaturepochen vor Augen: der vor der Ratio davongaloppierenden Romantik sowie des Chimären jagenden Realismus.

Wichtige Autoren und Werke des Realismus

Theodor StormDer Schimmelreiter; Immensee; Hans und Heinz Kirch

Theodor FontaneEffi Briest; Irrungen, Wirrungen; Frau Jenny Treibel; Der Stechlin

Gustav FreytagSoll und Haben

Gottfried Keller – Novellenzyklus Die Leute von Seldwyla; darunter: Romeo und Julia auf dem Dorfe; Kleider machen Leute

Wilhelm RaabeDer Hungerpastor; Zum wilden Mann

Adalbert StifterBergkristall; Der Nachsommer; Bunte Steine

Otto LudwigZwischen Himmel und Erde

Friedrich HebbelMaria Magdalene (Drama)

Jeremias GotthelfDie schwarze Spinne

Conrad Ferdinand MeyerDas Amulett; Gustav Adolfs Page

Ausgewählte Artikel und Materialien zur Literatur des Realismus

Literaturwissenschaftliche Grundbegriffe Online (LiGo.de)
LiGo ist ein Selbstlernkurs zu literaturwissenschaftlichen Grundbegriffen. Die Analyseformen für Erzähltexte (z.B. Romane) und Lyrik werden im Detail erläutert und die Kunst der Rhetorik erklärt. Was ist ein Akt, was eine Szene? Welche Erzählformen gibt es und was ist die Erzählstimme? Was ist die semantische Ebene eines Gedichts und was die narrative Struktur? Was bedeuten Alliteration, Anapher, Parallelismus und Klimax in Texten?

Epochenüberblick Realismus (digitale-schule.de)
Dieser Epochenüberblick beschreibt die verschiedenen Romanarten des Realismus, nennt berühmte Autoren und Werke und erklärt, wie Lyrik, Epik und Drama im Realismus aussahen.

Der Realismus-Begriff (Universität Bielefeld)
Zur Entstehung des Realismus-Begriffs, zur Bedeutung der Kategorien Wahrscheinlichkeit und Wesentlichkeit für den Realismus. Dieser digitalisierte akademische Aufsatz erzählt euch mehr über die Herkunft und die Bedeutung des Begriffs Realismus.

Theodor Fontane

Lauter Innstettens, überall (DIE ZEIT Nr. 07/2003)
Warum die Figuren aus Effi Briest auch heute noch von bestürzender Gegenwärtigkeit sind. Warum sind wir immer noch unglücklich und leben doch noch nicht anders?

Fontanes Effi: Heute ein Missbrauchsopfer (DIE ZEIT Nr. 15/2013)
Welche Relevanz hat Effi Briest noch über 100 Jahre später? Was können wir heute, in einer Zeit viel freierer Liebe, aus dem Roman ziehen? Was wäre der heutige Skandal?

Lob des Eigensinns: Theodor Fontane (DIE ZEIT Nr. 47/2009)
Inwiefern kann uns die Person Theodor Fontane als Vorbild dienen? Ein Beispiel dafür, dass man als Individuum immer auch anders kann als die Konventionen es von einem verlangen.

Fontane zwischen Freigeist und Seriosität (BR Klassiker der Weltliteratur, 06.11.2012)
Fontane lebte im Widerspruch: Einerseits sehnte er sich danach, seine Meinung frei und ironisch äußern zu dürfen. Andererseits schrieb er für die reaktionäre Kreuz-Zeitung, die Otto von Bismarck mitgegründet hatte. Als Romanautor trat er erst sehr spät im Leben auf, dafür aber mit Erfolg.

Theodor Fontane: Das Poetische hat immer Recht (BR RadioWissen, 23.08.2011)
Wie können Sicherheitsbedürfnis und künstlerisches Schaffen verbunden werden? Wie Fontane zu einem bürgerlichen Schriftsteller wurde.

Theodor Storm

Theodor Storm Gesellschaft
Hier kann man Theodor Storm und sein Werk kennenlernen. Es gibt Informationen zu Gesamtwerk und Biografie, vertiefende Materialien und detaillierte Interpretationen einiger seiner Werke.

Der Schimmelreiter – oder: Der Fluch über der Aufklärung (Humboldt Gesellschaft)
Theodor Storms Schimmelreiter ist stark von Landschaft und Gesellschaft in Norddeutschland, vor allem der Gegend um Husum, geprägt. Der Autor gibt Einblick in Theodor Storms Gedankenwelt und interpretiert einige Gedichte Storms so wie den Schimmelreiter.

Theodor Storm: Die Stadt
Auch wenn Lyrik im Realismus nur eine untergeordnete Rolle spielt, ist das Gedicht Die Stadt von Theodor Storm ein Klassiker, welches die emotionale Verbundenheit des lyrischen Ichs mit der tristen, grauen Stadt aufzeigt. Hier gelesen von Fritz Stavenhagen (YouTube).

Theodor Storms Immensee  (BR RadioTexte, 29.06.2013)
Gelesen von Joachim Höppner.

Gottfried Keller

Gottfried Keller: Romeo und Julia auf dem Dorfe (BR RadioWissen, 27.01.2012)
Gottfried Kellers “Romeo und Julia auf dem Dorfe” ist eine Novelle des poetischen Realismus. Keller erzählt die altbekannte Geschichte einer Liebe, die nicht sein darf, weil gesellschaftliche Werte und Normen ihr im Wege stehen. Im Radiobeitrag erzählen die Sprecher, warum seine Erzählung nicht einfach eine Nacherzählung von Shakespeares Original ist.

Gottfried Keller: Der grüne Heinrich (DIE ZEIT Nr. 13/1979)
Kein großer Roman deutscher Sprache hat eine im Sinn bürgerlicher Disziplin so bemühende Entstehungsgeschichte.

Bürger, Poet und Egozentriker (DIE ZEIT Nr. 39/1970)
Das oft verharmloste, doppelbödige Werk Gottfried Kellers.

Weitere Autoren des Realismus

Ein Klassiker der Weltliteratur von Fjodor Dostojewski  (BR alpha, 29.11.2010)
Obwohl der Titel richtiger übersetzt „Verbrechen und Strafe“ lautet, hat sich „Schuld und Sühne“ eingebrannt. Genau wie die Geschichte des Jurastudenten Raskolnikow, die Dostojewski in seinem vielleicht berühmtesten Roman erzählt – die Geschichte eines fast perfekten Mordes. Moderiert von Tilman Spengler.

Schickt er Jesus auf den Scheiterhaufen? Dostojewskijs “Großinquisitor” (BR RadioWissen, 29.10.2013)
Fjodor Dostojewskis letzter Roman war Die Brüder Karamasow. Die drei Brüder personifizieren im Roman drei verschiedene Reifestufen des Menschen. Das berühmte Kapitel “Der Großinquisitor” ist ein Plädoyer für das Recht auf Selbstbestimmung. Im Radiobeitrag stellen die Sprecher den Autor und das Werk vor.

Honoré de Balzac – Vater Goriot (BR alpha, 14.06.2010)
Balzac kann ohne Übertreibung als Schreibwütiger gelten – obgleich er von den geplanten 137 Büchern der Comédie humaine (Die menschliche Komödie) am Ende dann doch nur 88 schrieb. Aus diesem Beitrag erfährt man mehr über seine Zeit und die Werke.

Hebbel Lebenschronik (Hebbel Gesellschaft e.V.)
Im 19. Jahrhundert haben viele Menschen ausführlich Tagebuch geschrieben und einen regen Briefkontakt mit Familie und Freunden gepflegt. So auch der Dramatiker Friedrich Hebbel, dessen Biographie hier nachvollzogen werden kann. Illustriert sind die Stationen und Erlebnisse seines Lebens anhand von Tagebuchauszügen, Briefen und Biografien.

Der Waldgänger (DIE ZEIT Nr. 43/2005)
Oberösterreich feiert den zweihundertsten Geburtstag von Adalbert Stifter, einem großen Dichter der Natur. Eine Wanderung durch das Mühlviertel auf seinen Spuren.

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