Bayern München-FC Barcelona 1:1

20:19 Moin, moin. Willkommen zur Wiederauferstehung Jürgen Klinsmanns formerly known as Viertelfinalrückspiel Champions League!

Bei der Live-Lektüre zum Aktualisieren bitte „F5“ oder „Neu laden“ drücken und nach unten scrollen. Einen kurzen Vorbericht gibts es ganz unten. Ich freue mich natürlich wie immer auf Ihre Kommentare, auch nach dem Spiel. Empfehlung: den Ticker in einem zweiten Tab öffnen, der meldet die wichtigsten Ereignisse vom Spiel Chelsea gegen Liverpool.

Marcel Reif sieht heute ein bisschen aus wie Yves Saint-Laurent. Er analysiert die Lage der Bayern klar und treffend: Rensing kann Kahn nicht ersetzen, den Backup für Lahm, Jansen, ließ man nach Hamburg ziehen, Oddo ein Flop. Nicht alles sei Klinsmanns Schuld, den Kader haben andere zusammengestellt. Was nicht ganz stimmt, denn den Jansen hat er vergrault.

Wer noch schnell mit nem Tipp auf Bayern Millionen machen will, lies hier. Angeblich ist im Europapokal noch nie ein 0:4 im Rückspiel gedreht worden.

Die Aufstellung der Bayern:

Butt – Lahm, Lúcio, Demichelis, Lell – Ottl, Bommel, Sosa, Zé Roberto – Ribéry, Toni. Schweinsteiger verletzt, Oddo, Altintop, Rensing auf der Bank.

Die Elf von Barcelona:

Valdes – Abidal, Piqué, Puyol, Alves – Touré, Keita, Xavi – Messi, Iniesta, Eto’o. Es fallen aus: Henry (Fieber), Marquez (Sperre).

Messi spielt. Auf der Seite von Lahm, das dürfte ein hochinteressantes Duell werden.

Ich hab aufgehört zu zählen, wie oft Franz Beckenbauer nun gesagt hat, dass der FC Bayern das Spiel gewinnen könne. „Aber doch nicht mit vier oder fünf Toren.“ Oder war das immer eine Wiederholung?

6′ Daraus könnte der FCB Mut schöpfen. Sosa klaut Abidal am rechten Flügel den Ball, seine Flanke kommt perfekt zu Toni, dem der Ball über das Pony rutscht. So was nennt man eine Hundertprozentige. Kurz später setzt sich Ribéry auf links gut durch. Nach einer Ecke trifft Toni, allerdings aus klarem Abseits. Überhaupt machen die Bayern einen sehr aufgeweckten Eindruck, selbst Ribéry hat eben den Ball erkämpft.

13′ Lell scheint keinen Kredit bei den Fans zu haben (wen wunderts?). Zweiter Fehlpass = Pfiffe. Doch das Publikum macht sich bemerkbar, is halt Champions League, nicht Bundesliga. Im Gegenzug kommt Ribéry aus 15 Metern mit links zum Schuss. Knapp über das Ziel.

19‚ In London geht Liverpool durch Fabio Aurelio (welch ein Name!) in Führung. Es ist zu hoffen, dass es Liverpool noch schafft. Allein, um Franz Beckenbauer, den Premiere-Anti-Experten, zu korrigieren, für den Liverpool „keine besonders gute Mannschaft“ hat.

28′ Xabi Alonso erhöht für Liverpool auf 2:0. Jetzt sind wir dort fast wieder auf Null. Ich schalt trotzdem nicht um. Erst ab der Verlängerung.

30′ Barcelona hat es mit Kurzpass-Staffetten geschafft, sich vom Bayern-Druck zu befreien, ohne aber selbst gefährlich zu werden. Das ist Verteidigen Modell Barca: den Ball in den eigenen Reihen halten und ihn vor dem Gegner verstecken. Mich interessiert die Ballbesitzstatistik.

Halbzeit 0:0 Luca Toni hatte es auf dem Kopf, Pfeffer ins Spiel zu bringen. Hätte er nach fünf Minuten das 1:0 gemacht … wer weiß? Aber wie sagt Stromberg? Hätte, hätte, Fahrradkette. Jedenfalls sind die Bayern gleichwertig, anfangs waren sie gar besser. Bis Barcelona es schaffte, durch Ballbesitz im Mittelfeld die Angriffsluft des Gegners zu ersticken. Beiden Teams ist der Respekt vor dem Kontrahenten daran anzumerken, dass sie sehr intensiv decken und die Zweikämpfe bestreiten. Messi ist bei Lahm in guten Händen, wobei man in jeder Aktion seine Klasse sieht. Die Partie hat Rasanz. Aber die Spannung weicht von Minute zu Minute.

Die gibts stattdessen in London, wo Liverpool in Chelsea 2:0 führt: ein tricky Freistoß und ein Elfer.

47′ Tor für Bayern 1:0 Franck Ribéry Zé Roberto schickt Ribéry in den Strafraum. Der wackelt den Torhüter Valdes perfekt aus, schickt ihn zu Boden, und der Weg ins Netz ist frei. Klinsmann winkt seine Mannen nach vorne.

51′ Didier Drogba verkürzt zum 1:2 für Chelsea. Das Tor ändert nicht viel.

55′ Schön zu sehen gerade: Toni beteiligt sich nicht an der Balleroberung. Bleibt stehen und gestikuliert. Macht ihn sympathisch. Aber nicht wertvoller.

57′ Alex gleicht für Chelsea zum 2:2 aus. Das sieht dann wieder nach klaren Verhältnissen aus.

60′ Wer dachte, das Gegentor würde Barcelona verunsichern, sieht sich getäuscht. Sie bleiben ihrer Linie treu, greifen früh an und erhöhen sogar das Tempo. Der FC Bayern kommt nicht dazu, Druck aufzubauen.

73′ Tor für Barcelona 1:1 Keita Ein Kunstwerk von Tor. Mehrere Direktpässe im, am und um den Münchner Strafraum herum beendet Keita mit einem 18-Meter-Linksschuss ins Tor. Bayern-Fans schreien „Klinsmann raus!“ Wird Pressechef Hörwick dagegen vorgehen?

76′ Lampard mit dem 3:2 das Duell für Chelsea.

78′ Drei Wechsel: Borowski und Altintop für Sosa und Zé Roberto. Pfiffe. Aliaksandr Hleb für Iniesta. Macht sich bekannt mit der Fröttmaninger Arena, der Ex-Stuttgarter (und künftige Bayer?).

81′ Eigentlich war ein Match mit wenigen Toren erwartet worden, aber in Chelsea ist das sechste gefallen: Lucas (Liverpool) zum 3:3. Damit steht es 6:4 für Chelsea.

84′ Was ist denn da los? Jetzt fällt das 3:4 durch de Kuyt. Liverpool fehlt plötzlich wieder nur ein Tor. #umschalten

Klinsmann-raus-Rufe werden lauter. Aber das hat nicht nur mit seiner sportlichen Bilanz zu tun. Sie mögen ihn nicht. Jetzt rufen sie nach Ottmar Hitzfeld.

89′ Frank Lampard macht das 4:4 für Chelsea: rechter Pfosten, linker Pfosten, rein. Im Gegenzug fällt fast das 4:5, doch Essien rettet per Flugkopfball.

90′ Jetzt sind die Bayern-Ultras in ihren Song „Kernkraft 400“ übergegangen.

Endstand 1:1 Bayern schlägt sich achtbar, besonders die Verteidigung hat sich zusammengerissen. Messi, das Schreckgespenst,  bekam wenig Raum zur Entfaltung, weil Lahm ihm auf den Fersen stand und weil auch Ribéry mitverteidigte. Lúcio und Demichelis stark. Doch nach vorne reicht ein Ribéry nicht. Ottl, Bommel, Sosa, Lell – zu viel Mittelmaß für die Offensive. Und Toni sah in der 5. Minute kläglich aus, als er dem Spiel einen neuen Impuls geben konnte.

Barca demonstrierte jedoch ohnehin, dass es sich nicht durch einen Rückstand von seinem Weg abbringen lässt. Das wurde nach Ribérys coolem Tor deutlich. Wer mit einem Push für die Bayern rechnete, sah sich getäuscht. Denn Barcelona zog die Zügel seines Kombinationsspiels an, wollte auf keinen Fall verlieren. Bayern hingegen war nicht mit allen Mitteln auf weitere Tore aus, brachte zwar immer viele Spieler hinter den Ball, um nicht wieder die Hütte vollzukriegen. Für einen Sieg war das aber zu wenig. Allerdings hatte Klinsmann auch keine Trümpfe mehr: Klose, Podolski, Schweinsteiger, selbst Nachwuchsstürmer Müller verletzt oder krank. Und Donovan in den USA.

Fazit: Barca war im Hinspiel, vornehm gesagt, zwei Klassen besser. Im Rückspiel hatte Guardiolas Elf alles im Griff und hat letztlich seine Überlegenheit gegenüber den Bayern bestätigt. Ein Favorit auf den Titel.

Die Bayern-Fans rufen derweil nach Hitzfeld, Matthäus, Gerland und Scholl.

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Vorbericht

Jürgen Klinsmann ist im Moment einer der am meisten beobachteten Menschen in Deutschland. Ist er ein Novize, ist er schon gescheitert? Gestehen ihm die Bayern ein Übergangsjahr zu? Oder wird die Saison am Ende als Erfolg bewertet? Die Meisterschaft ist ja noch locker drin. Und gibt es nicht doch ein paar aus den Bayern-Reihen, die heimlich hoffen? Die offizielle Sprachregelung für heute: mit Anstand aus der Champions League verabschieden, Barcelona knapp schlagen. Aber wenn doch ein frühes Tor fällt … Barca-Coach Pep Guardiola hat seine Mannschaft vor den „Germanen“ gewarnt. Wenn sie gereizt sind, sei alles möglich. Wer die Bilder vom vorigen Mittwoch im Kopf hat, mag an ein Wunder jedoch nicht glauben. Eher an eine weitere Lektion für die Bayern. Doch der Ball ist rund.

Wie geht es weiter mit Jürgen Klinsmann? Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge haben mit seiner Verpflichtung jedenfalls Mut bewiesen. Und sie würden diesen Beweis erneuern, wenn sie an ihm festhalten. Mut deswegen, weil sie einen Mann beschäftigen (und gut belohnen), den sie einst, als er Nationaltrainer war, bekämpft hatten und der aus verschiedenen Gründen den Bayern-Fans schwer zu vermitteln ist. Etwa weil er Oliver Kahn in der Deutschen Elf degradierte. Mut aber vor allem, weil sie sich damit selbst in Frage stellen, gilt Klinsmann doch als Radikalreformer.

Im anderen Spiel geht Chelsea nach dem sensationell klaren 3:1-Auswärtssieg als Favorit in das Rückspiel gegen Liverpool. Die Prognosen scheinen nicht zuzutreffen, wonach Roman Abramowitsch die Lust an seinem blauen Spielzeug verloren habe und es bergab gehe mit seinem Klub. Auch in der Meisterschaft hat Chelsea wieder Chancen. Guus Hiddink sei Dank, dieser Kerl macht wirklich aus Zuckersteinen Gold.

Aber das war nicht immer so. Wer weiß, an welcher historischen Europapokalpleite Hiddink beteiligt war?

 

VfB rückt mit Sieg in letzter Sekuden an den HSV heran

Die Sonntagsspiele des 27. Spieltags in der Analyse

VfB Stuttgart-Hamburger SV 1:0 (0:0) Es war kein gutes Spiel, und es war ein glückhafter Sieg für den VfB. Zwar war er gerade gegen Ende das aktivere Team, doch ihm fehlt Kombinationssicherheit und Passgenauigkeit. In erster Linie waren es Dribblings und Schüsse, richtig gute Chancen hat er nicht herausgespielt. Das reicht für die Bundesliga, doch auf internationaler Bühne muss sich Babbel etwas überlegen, da braucht er ein stimmigeres Konzept. Und so wie es aussieht, wird sich der VfB wohl mindestens für den Uefa-Pokal qualifizieren. Serdar Tasci und Matthieu Delpierre bilden zusammen mit Jens Lehmann jedoch eine sehr stabile Mitte. Tasci unterliefen zwar in der ersten Halbzeit zwei Fehler, doch sein Zweikampfgeschick hat ihn ins Notizbuch des AC Milan gebracht. Mario Gomez hat seine Nationalmannschaftsform in den Klub hinüber“gerettet“. Viele Stolperer, kaum den Ball gehalten. Und dann entscheidet er das Spiel und schiebt den VfB bis auf drei Punkte an Rang 2 heran.

Der HSV hat heute dafür gezahlt, dass er in drei Wettbewerben dabei ist. Die letzten 25 Minuten war der Tank leer, und er verließ sich noch mehr als vorher auf Olic (später Petric) und auf lange Bälle. Dennoch hätte er fast gewonnen, da Aogo in der Schlussminute die Latte traf. Die Innenverteidigung Mathijsen und Gravgaard steht sicher, Rost gibt dem Team Ruhe. Aber spielerisch war es ohne Jarolim zu wenig.

Wenn man bedenkt, dass eine der beiden Mannschaften Meister werden könnte oder nächstes Jahr in der Champions League ran darf (muss), war es ein enttäuschendes Spiel. Auch wenn immerhin die Schlussphase eine Steigerung und Dramatik bot.

Bayer Leverkusen-Werder Bremen 1:1 (1:1) Zum siebten Mal nacheinander verpasst Leverkusen einen Heimsieg, im Düsseldorfer Exil holte es aus fünf Spielen drei Punkte. Chancen gab es reichlich, gerade in der zweiten Halbzeit, doch die größte versiebte Kießling in er ersten Halbzeit: Vor dem leeren Tor schob er den Ball gegen den Pfosten. Ein Unentschieden ist wohl zu wenig, um das Ziel Uefa-Pokal-Qualifikation weiter zu verfolgen. Ein enttäuschendes Ergebnis, gerade weil Bayer früh durch einen famosen Fernschuss Barnettas in Führung ging. Für Bremen hat dieses Spiel einen recht hohen Egal-Faktor, Werder dürfte die Bundesliga derzeit als Trainingsprogramm für die zwei Pokalwettbewerbe betrachten.

Hier alles über die Samstagsspiele

Das Live-Protokoll vom Sonntag

Endstand Stuttgart-Hamburg 1:0, Leverkusen-Bremen 1:1

91′ Tor für Stuttgart 1:0 Mario Gomez Mit seiner ersten guten Tat entscheidet Gomez das Spiel  zugunsten des VfB, zuvor hatte Rost einen Volley von Hitzlsperger abgewehrt.

90′ Dennis Aogo wuchtet aus 25 Metern an die Latte, es war die einzige Offensivaktion des HSV in den letzten zwanzig Minuten. Und hätte fast den Sieg gebracht.

87′ Kuriose Aktion: Schieber schließt fast von der Grundlinie aufs Lattenkreuz. Niemand im Stadion hatte damit gerechnet, Rost wäre fast übertölpelt worden.

81′ Eine Flanke von Hilbert landet auf der Hamburger Latte. VfB sucht den Sieg, doch es sind Einzelaktionen. Die müden Hamburger sind auf ein Remis aus.

70′ Stuttgart erarbeitet sich nun ein Übergewicht, aber von Kombinationsspiel nicht viel zu sehen. Dribblings und Schüsse, das wirkt alles eher wie Zufall.

65′ Nach wie vor sehr verteiltes Spiel, Stuttgart macht eher das Spiel, Hamburg kontert. Echte klare Torchancen gibt es nicht, dafür sind die Abwehrspieler zu konzentriert. Die Frage ist nun: Lässt der HSV in der Schlussphase nach, weil er vor drei Tagen im Uefa-Pokal tätig war?

Jetzt hat Hitzlsperger mal eine Schusschance aus 20 Metern.

58′ Großes Fairyplay von Olic: spielt den Ball absichtlich ins Seitenaus, weil Roberto Hilbert verletzt am Boden liegt. Und das in aussichtsreicher Position.

55′ Der HSV versucht es fast nur mit hohen Steilpässen. Ob das daran liegt, dass ihr Balltreiber Jarolim nicht dabei ist? Dem VfB gelingt es öfter, an und in den Strafraum zu kombinieren, doch dort scheitert er an einer Überzahl an Abwehrspielern. Oder an seiner Ungenauigkeit.

Thomas Hitzlsperger knallt einen Freistoß aus 26 Metern direkt aufs Tor, und Frank Rost baggert den Ball Richtung Außenlinine

Markus Babbel bringt den 20-jährigen Julian Schieber für Ciprian Marica, der zu den schwächsten Bundesliga-Stürmern zählt.

Halbzeit 0:0 Die ersten 15 Minuten haben beide Mannschaften stürmisch losgelegt, doch dann gewannen die Abwehrspieler die Oberhand. Ausgeglichenes Spiel mit verteilten Chancen, die beste für Olic kurz vor der Pause. Der VfB hingegen hätte (vielleicht) einen Handelfmeter bekommen können. Aber ich halte Boatengs Handspiel für unabsichtlich.

Leverkusen gegen Bremen 1:1. Stefan Kießling vergab eben eine Riesenchance, als er Tim Wiese ausspielt – und gegen den Pfosten schießt.

45′ Doppelchance für Ivica Olic nach zwei Tasci-Fehlern. Einen langen Ball, auf den sich Tasci schlecht vorbereitet hat, zieht Olic aus spitzen Winkel Richtung Eckfahne. Eine schwache Kopfballabwehr Tascis legt Guererro auf Olic, der gegen die Latte schießt.

41′ Der HSV kommt bereits zur fünften Ecke, oft aus harmlosen Situationen. Doch der VfB hat bislang bei Standards alles im Griff.

33′ Pizarro gleicht für Bremen zum 1:1 aus.

32′ Chance für Serdar Tasci aus vier Metern, doch er entscheidet sich für den falschen Fuß. Mit links hätts was werden können.

25′ Das Tempo und die Zielstrebigkeit sind nun aus der Partie. Das Hamburger defensive Mittelfeld arbeitet gut, und die Stuttgarter Viererkette ahnt die langen Pässe nun besser. Lehmann pflückt eben eine Ecke am Fünfer Höhe des langen Pfostens. Das können nicht viele Keeper der Bundesliga. Jedoch frage ich mich, ob seine Comeback-Ambitionen in der Nationalelf ein Aprilscherz waren.

13′ Der Ball war gerade ungefähr eine halbe Minute im Hamburger Strafraum, doch Timo Gebhart und Mario Gomez bleiben an der Hamburger Überzahl hängen.

12′ Leverkusen ist durch Tranquillo Barnetta mit 1:0 in Führung gegangen. Vorlage Toni Kroos.

10′ Nach dieser Anfangsphase leg ich mich fest: Es geht nicht 0:0 aus. Denn es sind bereits einige interessante Näherungen an des Gegners Tor zu registrieren: Piotr Trochowski weiß, dass Jens Lehmann gerne auf Flanken spekuliert (siehe Gegentor am vorigen Samstag in Bochum) und zieht vom Flügel direkt aufs Tor – Lehmann kommt gerade noch ins kurze Eck. Auf der Gegenseite verhindert Jerome Boateng mit der Hand (wohl) ein Tor durch Timo Gebhart. Marcel Reif hält es für einen Elfmeter, ich denke aber keine Absicht.

Außerdem versucht es der HSV auffällig oft mit langen Bällen, da hat man wohl eine Schwäche des VfB ausgemacht. Bislang jedoch endeten die Versuche immer knapp Abseits.

16:58 Moin, moin. Mladen Petric beim HSV auf der Bank, was angesichts seiner schwachen Leistung gegen Man City wenig überrascht. Für ihn ist Paolo Guerrero dabei, am Donnerstag Joker-Torschütze. Für den gelbgesperrten David Jarolim ist Tavares als 6er am Start. Für Stuttgart stürmt Marica für den gesperrten Cacau. Diego nicht im Aufgebot, vermutlich wird er für das Rückspiel in Udine geschont.

Ich werde auch Tore vom Spiel Leverkusen-Bremen melden.

Andere Live-Blogs:

allesaussersport: VfB-HSV

catenaccio: Bayer-Werder

Vorberichte

Der HSV macht zurzeit sehr viel aus seinen Möglichkeiten, der Ball läuft sicher und ansehnlich durch die Reihen, die Spitzen lösen sich gut. Gegen Manchester City am Donnerstag begeisterte das Team mit einer starken spielerischen und kämpferischen Leistung, besonders Piotr Trochowski spielte groß auf und war an allen Toren beteiligt. Gegen Hoffenheim am vorigen Samstag konnte sich der HSV auf seine Fans verlassen, die den 1:0-Sieg mitverteidigten.

Die FAZ schreibt: „Der HSV hat das Momentum auf seiner Seite.“ Zu einem von drei möglichen Titeln sollte es in dieser Saison reichen. Ob es mehr wird? Hängt auch von den Reserven ab, die das Team hat. Es wäre schade, wenn es ihm wie den Leverkusenern 2002 ergehen würde, die auf dem Zahnfleisch ins Finish gingen. Oft zu hören ist vom guten Zusammenhalt in der Mannschaft, und die Neuen Gravgaard und Rincon scheinen gut integriert. Das spricht alles für Trainer Martin Jol, gegen den auch Mladen Petric und Trochowski nicht laut mucken, wenn sie mal auf der Bank sitzen.

Heute steht allerdings eine hohe Hürde vor dem HSV: das Auswärtsspiel beim VfB Stuttgart. Unter Trainer Markus Babbel rückte der VfB Stück für Stück nach vorne und käme bei einem Sieg Platz 2 bis auf drei Punkte nahe. Babbel ist seit November im Amt und hat erst ein Mal verloren: das aber deftig, 0:4 in Bremen. Wenn der HSV heute gewinnen sollte, ist er meiner Meinung nach Titelfavorit. In Stuttgart kann man sein Meisterstück machen.

Für mich natürlich ein besonderes Spiel: VfB-Fan, der seit einem halben Jahr in Hamburg lebt, und ab und an zum HSV geht. Ab 16.45 blogge ich das Spiel hier live.

Das zweite Match könnte etwas für Ästheten werden, obwohl hier der 9. gegen den 10. spielt, nämlich Bayer Leverkusen gegen Werder Bremen. Beide gelten als Anhänger des offensiven, schnellen Spiels. Doch die einen (Bayer) haben Konstanz- , die anderen (Werder) haben Abwehr- und Motivationsprobleme. Außerdem hört man aus Bremen immer mal wieder „Anti-Diego-Äußerungen“ aus der Mannschaft, auch wenn er zwei Tore schießt, so wie am Donnerstag gegen Udinese.

Herauskommen könnte heute ein flottes Spielchen. Für Leverkusen geht es immerhin noch um eine Chance auf die Qualifikation zu den Uefa- oder UI-Cup-Plätzen. Bremen wird sich diese Saison wohl auf DFB- und Uefa-Pokal konzentrieren. Vielleicht ist das heute auch nur die Generalprobe für das Berliner Pokalfinale am 30. Mai.

 

Frankfurt ist nicht Barcelona

Die Samstagsspiele des 27. Spieltags

Bayern München-VfL Wolfsburg 4:0 (3:0) Die Bayern haben es schnell geschafft, die Stimmung nicht kippen zu lassen. Ein sehr frühes 1:0 von Ribéry und das feine 2:0 Tonis haben klar die Richtung des Spiels vorgegeben und der Eintracht den letzten Mumm genommen. Das biedere Frankfurt war der richtige Therapiegegner. Es wären noch weitere Tore drin gewesen. Immerhin haben die Bayern nun Hertha überholt, und Jürgen Klinsmann hat ne Schippe Sand unterm Hintern. Doch letztlich entsprangen die ersten drei Tore zwei Standardsituationen und einem Distanzschuss. Das war sicher auch eine glückliche Fügung. Dennoch große Erleichterung.

Klinsmann rechtfertigt die Aufstellung Butts: „Er war der einzige, der in Barcelona seinen Kopf hingehalten hat. Im wahrsten Sinne des Wortes, bei einem schlimmen Foul von Henry. Und die Mannschaft hat ihn nicht gerächt. Wenn das vor zwanzig Jahren passiert wäre, hätte ich ihn über die Bande getreten.“ Am Mikrofon wirkt er souverän: „Ich werde es schaffen, den Meistertitel zu holen, und dann kann ich auch das eine oder andere Ding hier ändern.“ Zum Rückspiel gegen Barcelona sagt er: „Wir wollen gewinnen. 4:0 wird gegen die beste Mannschaft der Welt natürlich nicht gehen.“

Bommel, auf Barcelona angesprochen: „Keine Einstellung?! Fehlendes Herz?! Ich kanns nicht mehr hören. Ich wollte sie ja wegtreten, aber ich kam nicht ran.“

Borussia Mönchengladbach-VfL Wolfsburg 1:2 (0:1) Wolfsburg deutlich schwächer als in der Vorwoche beim 5:1 gegen Bayern. Aber es sind zwei gute Zeichen, dass der VfL erstens nach einem Ausgleich in der Schlussphase noch mal zurückschlägt, Stichwort Winner-Mentalität. Zweitens kann er auch schwächere Leistungen mit drei Punkten vollenden. Felix Magath hat jedenfalls getob am Spielfeldrand. Zvejzdan Misimovic mit seiner achtzehnten Torvorbereitung im 27. Spiel, das lässt sich sehen. Gladbach ist nicht wie ein Absteiger aufgetreten, spielerisch stark, mit vielen Chancen. Ein Punkt wäre verdient gewesen.

Hannover 96-Hertha BSC Berlin 2:0 (1:0) Fußball kann komisch sein, viele Wochen lang gewann Hertha Spiel um Spiel nach dem Muster: kaum Chancen, knappe Siege. Nun hat sie drei Mal nacheinander verloren, bei den beiden jüngsten Niederlagen vergab sie viele Chancen. Nun fällt (neben Arne Friedrich) auch noch Andrej Woronin aus, Herthas Bester, weil er sich zu einem Tritt hinreißen ließ. Hertha könnte nun wirklich durchgereicht werden. Vor acht Tagen noch Erster, jetzt Vierter. Hannover kann auf seine Heimstärke vertrauen und sich etwas von den Abstiegsrängen absetzen. Jetzt sollte 96 auch mal auswärts punkten. Berlins Coach Lucien Favre enttäuscht, aber gefasst. Er hatte ja nie behauptet, dass sein Team ein Meisterkandidat ist.

TSG Hoffenheim-VfL Bochum 0:3 (0:1) Das Ergebnis ist hart für Hoffenheim, und die Tabelle ist es inzwischen auch für den Herbstmeister. Sie scheinen nicht mehr gewinnen zu können (der neunte vergebliche Versuch) – und holen sich zudem Rote Karten ab. Die gegen Keeper Haas kann passieren, doch Eduardos Hieb setzt die Reihe der Undisziplinertheiten fort. Da er Wiederholungstäter ist, wird er in dieser Saison nicht mehr oft spielen. Bitter für den Höhenflieger der Hinrunde, zumal er auch heute wieder überlegen war und Chancen hatte. Bochums Rückrunde ist eine Sensation, der VfL war ja im Dezember fast abgeschrieben. Jetzt ist er fast geretettet. Stanislav Sestak mit drei Toren, obwohl er nicht gut gespielt hat.

Borussia Dortmund-1.FC Köln 3:1 (1:1) Dritter Sieg für Jürgen Klopps Dortmunder in Serie. Dabei haben die Kölner stark begonnen und hätten die Dortmunder nicht so leicht zum Ausgleich kommen lassen müssen. Gehts für die Kölner noch mal in den Abstiegskampf? Spieler und Trainer zufolge schon. Und Dortmund schielt nach den Uefa-Pokal-Rängen.

Energie Cottbus-Arminia Bielefeld 2:1 (1:0) Dank großem Willen und kerniger Haltung kommt Cottbus wieder ran und zieht Bielefeld näher zu sich. Sollte das Energie-Kollektiv erneut die Klasse halten, kann man das kaum hoch genug schätzen. Denn gegen Cottbus ist selbst Bielefeld ein Krösus. Arminias Chris Katongo mit dem Fehlschuss des Tages: aus sechs Metern Distanz zwölf Meter drüber. Amateurhaft.

Schalke 04-Karlsruher SC 2:0 (1:0) Gegen den KSC genügt ja ein Tor zum Sieg. Auch diesmal hatte er wieder gute Möglichkeiten, aber wieder nix: zum achten Mal ohne Tor. Klare Abstiegstendenz. Schalkes Team siegt für das Trainertrio Büskens/Mulder/Reck. Jermaine Jones drückt seinen Wunsch offen aus: „Wenn wir Spieler das wollen, kommt man an uns nicht vorbei.“

Das Live-Protokoll

Endstände Gladbach-Wolfsburg 1:2, Hoffenheim-Bochum 0:3, Cottbus-Bielefeld 2:1, Schalke-KSC 2:0, Dortmund-Köln 3:1, Bayern-Frankfurt 4:0, Hannover-Hertha 2:0.

17:15 Rote Karte Andrej Woronin (Hertha) Oh, wie dämlich! Woronin tritt ohne Ball und Grund nach, klarer kann eine Rote Karte nicht sein. Ist es die Hitze? Ist es die dritte Niederlage in Serie?

17:11 Tor für Wolfsburg 1:2 Sascha Riether Ein Schuss wird geblockt und bleibt am Elfmeterpunkt liegen. Riether, der zuvor eine Muss-Chance ausgelassen hatte, legt ein. Magath redet wütend auf seine Spieler ein.

17:08 Tor für Schalke 2:0 Jeffeson Farfan KSC-Goalie Miller irrt durch den Strafraum, rutscht aus, und Farfan dreht den Ball mit links fast von der Grundline ins Tor.

17:07 Tor für Dortmund 3:1 Eigentor Pedro Geromel Aua! Geromel will zur Ecke klären und schiebt den Ball unbedrängt platziert neben den Pfosten.

17:05 … und Mönchengladbach gleicht zum 1:1 durch Dante aus Kopfballtreffer nach Freistoßvorlage Marko Marins. Wolfsburgs Tormann Diego Benaglio mit Orientierungsproblemen. Gladbach war anfangs besser, Wolfsburg ab der 60. Minute. Jubel sicher in München.

17:02 Wolfsburg ist auf das 2:0 in Gladbach aus.

16:56 Tor für Bochum Stanislav Sestak 0:3 Zufälliger kann kein Tor vorbereitet werden, denn das Dribbling Paul Freiers blieb zwei Mal hängen. Doch am Ende rollt der Ball Sestak vor die Füße. Hoffenheim scheint auch mit acht Feldspielern nur den Vorwärtsgang zu kennen.

16:47 Tor für Hannover 2:0 Arnold Bruggink Hertha versäumt die Tore, Hannover macht sie. Hanke bereitet diesmal vor, Bruggink schiebt ein. Jubel in München.

16:47 Rote Karte Daniel Haas (Hoffenheim) Wie dick kann es noch kommen? Der Hoffenheimer Torwart hebelt Sestak so aus, dass der einen Überschlag hinlegt. Zuvor gabs ein Missverständnis mit einem Abwehrspieler. Rochtige Entscheidung Rafatis. Nun im Tor: Ramazan Öczan.

16:47 Tor für Cottbus Stanislav Angelov 2:1 Rebound-Tor, nachdem Arminen-Keeper Dennis Eilhoff pariert hat.

16:46 Rote Karte Carlos Eduardo (Hoffenheim) Korrekte Strafe durch Babak Rafati für einen Unterarmschlag Eduardos. Hoffenheim hat die Nerven nicht im Griff, solche Szenen häufen sich.

16:42 Tor für Bochum 0:2 Stanislav Sestak Klasse Aktion von Sestak,der Salihovic im Strafraum narrt und sein zweites Tor macht. Heuer war er auswärts noch ohne Tor war. Pfiffe in Sinsheim gegen die Heimmannschaft, so weit ist es mit dem Herbstmeister gekommen.

16:36 Tor für Dortmund 2:1 Tamas Hajnal Einen abgewehrten Ball nimmt Hajnal aus 25 Metern volley. Kölns Torsteher Faryd Mondragon hat die Finger noch dran, kann ihn nur an den Innenpfosten lenken. Darf man halten.

16:36 Tor für Bayern Bastian Schweinsteiger 4:0 Abstauber, nachdem Nikolov einen Toni-Schuss nur bremsen, aber nicht halten kann.

16:35 Tor für Bielefeld 1:1 Vlad Munteanu Ein „Ausgerechnet“-Tor werden die Lokalzeitungen sicher schreiben, denn Munteanu hat lange für Cottbus gespielt. Am langen Pfosten verwertet er eine Flanke volley per Aufsetzer. Kurz zuvor hätte Cottbus fast auf 2:0 erhöht.

16:32 Gladbach macht da weiter, wo es aufgehört hat: mit Angriffen auf das Tor des Tabellenführers. Doch Colauttis köpft bloß an den Pfosten. Und mit Marins Tempo und Wendungen scheint die VfL-Abwehr nicht klarzukommen.

Halbzeitstände Bayern-Eintracht 3:0, Hannover-Hertha 1:0, Gladbach-Wolfsburg 0:1, Hoffenheim-Bochum 0:1, Bielefeld-Cottbus 0:1, Dortmund-Köln 1:1, Schalke-KSC 1:0

16:14 Tor für Cottbus Dimitar Rangelov Weiche Flanke von Timo Rost, und der Bulgare Rangelov lässt sich am Elfmeterpunkt seitlich in den Ball fallen. Beim Gegenangriff zielt Thorben Marx knapp daneben und verpasst den Ausgleich.

16:12 Tor für Bochum 0:1 Stanislav Sestak Hoffenheim hat keinen Vertrag mit der Glücksgöttin. Bessere Mannschaft, mehr Chancen, doch das Tor machen die Gegner. Abstauber nach abgewehrter Ecke. Im Gegenzug kommt Salihovic dem Ausgleich nahe. Halt nur nahe.

16:09 Hertha greift weiter an, man sieht Andrej Woronin mehrfach sich den Zopf raufen. (Oder was macht man mit Zöpfen? Zupfen?)

16:06 Tor für Bayern 3:0 Lúcio Ecke (Schweinsteiger), Kopfballtor Lúcio, der sich sogar leicht ducken muss. Frankfurt leistet wichtige Aufbaudienste für die Fußballnation. Uli Hoeneßens Gesicht ist ein Spielball seiner Emotionen.

15:59 Tor für Dortmund 1:1 Neven Subotic Noch ein Kopfballtreffer, hier nach einer Ecke Alexander Freis. Dortmund wieder auf Remis-Kurs, es wäre das 14. im 27. Spiel.

15:59 Tor für Hannover 1:0 Mike Hanke Technisch feiner Kopfball von Hanke am langen Pfosten. Hertha nach Monaten des Glücks nun im Pech, denn bis dahin waren sie sehr aktiv.

15:54 Tor für Schalke 1:0 Kevin Kuranyi Jermaine Jones flankt mit links, das alleine ist schon eine Nachricht. Und der Kevin kanns am besten mit dem Kopf. Hier könnte man gar von einem Flugkopfball sprechen, der Keeper Markus Miller auf dem falschen Fuß erwischt. Angesichts der Karlsruher Schussschwäche dürfte das schon die Entscheidung sein.

15:49 Tor für Wolfsburg Edin Dzeko 0:1 Wieder bereitet Zvejzdan Misimovic vor, seine Flanke verwertet wieder Dzeko per Kopf freistehend. Gladbach war bislang besser. Wolfsburg auf dem Bayernweg?

dogfood bloggt nach überstandener Gallenoperation auch wieder. Gottseidank.

15:47 Tor für Bayern 2:0 Luca Toni Ribéry lupft einen Freistoß gefühlig über die Mauer, Toni dreht den Ball volley rein. Zweite Chance – zweites Tor.

15:45 Tabellenführer Wolfsburg gerät in Mönchengladbach unter Druck, musste den Gegner schon drei Mal mit Ball in den Strafraum passieren lassen. 1:0 liegt in der Luft.

15:41 Tor für Köln 0:1 Nemanja Vucicevic Auswärts sind sind sie stärker, die Kölner Aufsteiger. Vucicevic leitet sein erstes Tor selbst ein, das mit dem rechten Außenrist fein vollendet.

15:36 Dortmunds Tormann Roman Weidenfeller verhindert mit dem linken Standbein das Kölner Führungstor durch Milivoje Novakovic.

15:33 Tor für Bayern 1:0 Franck Ribéry Ein harter Schuss aus 20 Metern überfordert Frankfurts Keeper Oka Nikolov, das dürfte dem Spiel die Brisanz nehmen. Mit geduldigen sollte Klinsmann besser nicht rechnen. Jubel ist nicht zu hören.

15:22 Thurn und Taxis rechnet mit einer Ablösung Klinsmanns um 17.20 Uhr durch Paul Breitner. Oder durch Ottmar Hitzfeld, der im Premiere-Studio Krokodilstränen vergießt. Selten sah man ihn so gut gelaunt in den letzten Jahren. Spricht indirekt von falscher Taktik in Barcelona.

15:15 Moin, moin. Heute bloggen wir ausnahmsweise mal die Konferenz (außerdem die aktuellen Beiträge nach oben, ganz unten sind die Vorberichte). Von der Tabelle aus betrachtet gibt es kein Spiel von herausragender Bedeutung. Das Bayern-Spiel hat natürliche besondere Brisanz #Klinsmann

Klinsmann setzt Michael Rensing wieder auf die Bank. Angeblich soll Klinsmann ihm seinen Einsatz versprochen haben. Im Stadion sollen „Klinsmann-raus“- und „Rensing“-Rufe zu hören sein. Fritz von Thurn und Taxis rechnet mit schwachen Bayern, das hat seine Recherche mit dem Busfahrer gegeben, die er ohne Augenzwinkern zum Besten gibt: „So eine Stille war noch nie auf der Fahrt ins Stadion.“ #Fußballjournalismus in Deutschland

Vorberichte auf den Samstagsspieltag

Der 27. Spieltag kennt zunächst nur ein Thema: Wie ergeht es dem 1. FC Köln? Kriegen Jürgen Klinsmann und Bayern München noch die Kurve? Es ist erstaunlich, dass Klinsmann nach dem Opfergang nach Barcelona noch auf der Bayern-Bank sitzt. So wehrlos hat man die Bayern noch nie gesehen. Doch vielleicht kann Klinsmann auf die Laurenz-Meyer-Lehre vertrauen, die er bei seinem Amtsantritt als CDU-Generalsekretär verkündete: „Einen zweiten Fehlgriff kann sich Frau Merkel nicht erlauben.“ Die Experten waren sich bis heute nicht sicher, ob sie Meyers Selbstgarantie besonders dumm oder besonders dreist finden sollten. Jedenfalls könnte ein frühzeitiges Scheitern Klinsmanns auch die Tektonik der Bayern-Führung durcheinanderbringen. Hängt das Schicksal Karl-Heinz Rummenigges, der schon den Mathematiklehrer Ottmar Hitzfeld vergrault hat, an Klinsmann? Uli Hoeneß hat einen nahezu unerschöpflichen Kredit im Verein, und Franz Beckenbauer ist ohnehin von keinem Amt abhängig, um dieses Land zu regieren.

Spannend wird vor allem sein, wie die Bayern-Fans Klinsmann empfangen; in der Abendzeitung gibts einen Vorgeschmack. So spannend ist das auch wieder nicht, denn er war bei ihnen nie wohlgelitten. Fans vergessen nicht, wie er sich 97 als Spieler verabschiedet hatte: „Nie mehr Bayern!“. Fans vergessen auch nicht, dass er Oliver Kahn 2006 auf die Bank setzte. Bislang konnte Klinsmann wenigstens auf die makellose Bilanz in der Champions League verweisen. Bislang, wie gesagt. Andererseits ist die Münchner Arena durch rigide Fan-Politik ruhiggestellt. Blöcke wurden getrennt, zu vorlaute Fan-Klubs mit Stadionverbot bedacht. Die Bibliothek der Liga.

Ach ja, einen Gegner haben die Bayern auch noch: Eintracht Frankfurt, die Biedermänner, sagen die Lästerer. Solides Fußwerk würdigen die Sachlichen. Die Eintracht folgt einem Schema: gegen die Kleineren gewinnen, gegen die Großen klein beigeben. So wird man am Ende 13. Was nicht schlecht ist, vielen Frankfurtern aber auf Dauer zu bescheiden. In den 90ern wurde in Frankfurt der schönste Fußball in Deutschland gespielt. Damals standen Namen wie Uwe Bein und Andy Möller für Eintracht. Heute sind es Friedhelm Funkel und Heribert Bruchhagen.

Sollte sich der Reformer des deutschen Fußballs also ausgerechnet nach einem Spiel gegen das Mittelmaß der Bundesliga verabschieden müssen? Denn wenn Klinsmann heute nicht gewinnt, ists wohl aus.

Der VfL Wolfsburg verteidigt seine frische Tabellenführungin Mönchengladbach. Tradition gegen Retorte, werden Nostalgiker zetern. Doch den Wolfsburgern wird man damit nicht mehr gerecht. Zu stürmisch treten sie auf, wer Bayern 5:1 schlägt, der sammelt automatisch Sympathien. Außerdem hat Wolfsburg einen Traditionalisten auf der Bank sitzen: Felix Magath. Magath könnte zum Über-Sieger der Saison werden. Galt er vor zwei Jahren als Auslaufmodell, könnte er als Erster mit Wolfsburg Meister werden – und das mit Fanfarenfußball. Dagegen scheint sein (kulturelles) Pendant Klinsmann mit seinem Latein am Ende. Als Magath vorige Woche den Torhüter wechselte, weil man sich gegen Bayern ja erlauben kann, wollte er das hinterher als Dankessignal an Ersatzmann Lentz verkaufen. Von wegen, das war die Rache des Stoikers! Denn Magath hat sich noch nie abwertend über Bayern geäußert, obwohl ihn die Entlassung nach zwei Double-Gewinnen gewurmt haben muss.

Mönchengladbach hat in der Rückrunde seine Abwehr stabilisiert und ist längst wieder ein aussichtsreicher Kandidat für den Klassenerhalt. Ob Trainer Hans Meyer gegen die Wolfsburger Torjäger Edin Dzeko und Grafite wieder mit Libero spielen lässt?

Zwei Teams könnten heute bereits den Anschluss an den rettenden Platz 15 verlieren: Der „impotente“ Karlsruher SC, der seit Wochen, Monaten, eigentlich während der ganzen Saison, große Not beim Einlochen hat, muss in Schalke ran. Es dürfte schwer werden, dort den letzten Rang zu verlassen, denn erstens war Schalke auch zu krisenhaften Zeiten abwehrstark. Zweitens hat sich die Lage nach dem Auswärtssieg in Bielefeld fürs Erste beruhigt. Da sich kein anderer zu finden scheint, der sich Schalke antun will, bleibts bis auf weiteres beim Trainertrio Büskens/Mulder/Reck. Dass Kevin Kuranyi ab Juli sein Bärtchen in Bremen ziselieren wird, dürfte eine Ente sein, die, wie man hört, darauf zurückgeht, dass sich seine zwei Berater gegeneinander ausspielen wollten.

Zu einem reinen Abstiegsduell treffen sich Energie Cottbus und Arminia Bielefeld. Für Cottbus wird es wieder mal Zeit für einen Sieg. Bei einer Niederlage dürfte es zum direkten Klassenerhalt nicht mehr reichen, allenfalls noch zum Relegationsrang 16. Andererseits ist Cottbus daran gewohnt, abgeschrieben zu werden. Gleiches gilt für die Bielefelder. Die es diesmal vielleicht deswegen erwischen könnte, weil sie weniger Experten als sonst auf ihrem Zettel haben.

Zwischen Borussia Dortmund und dem 1. FC Köln ist mit einem knappen Ergebnis zu rechnen. Dortmund spielt meist Unentschieden (und hat die wenigsten Niederlagen der Liga: 4), Köln ist auswärtsstark. Mit seinem Sieg würde sich die Borussia an die Uefa-Pokal-Plätze ranschleichen. Aufsteiger Köln, eine der Überraschungen der Saison, braucht nur noch wenige Punkte, um aller Sorgen ledig zu sein.

Kann die „TSG 1789 Hoffenheim“ (allesaussersport) noch gewinnen? Der letzte Sieg datiert aus dem Januar. Das so vorbildliche Kombinationsspiel ist zurzeit ein Fragment, denn es fehlen viele wichtige Spieler. Aber die Mannschaft wirkt auch unmotiviert. Was einen nicht überrascht, wenn von 1 auf 6 gestürzt ist. Heute geht es gegen den VfL Bochum, eine der besten Rückrundenmannschaften. Vorige Woche verlor sie jedoch das Heimspiel gegen Stuttgart.

Mit der Hertha aus Berlin, bis vor einer Woche Tabellenführer, scheinen die wenigsten im Titelrennen zu rechnen. The trend is not her friend. Denn zwei Niederlagen (Stuttgart, Dortmund) lasten auf ihr. Doch trennt sie nur 2 Punkte von ganz Oben. Das ist keine schlechte Ausgangsposition, zumal Windschatten einem Außenseiter besser liegen dürfte. In Hannover hat sie es heute mit einem Abstiegskandidaten zu tun, der sehr wechselhafte Leistungen zeigt. Und der die meisten Gegentore der Liga zu zählen hat (56), obwohl ein Nationalspieler das Tor bewacht.

Ab 15.15 Uhr wird an dieser Stelle die Premiere-Konfernez live gebloggt. Morgen gehts übrigens weiter mit Leverkusen-Bremen und Stuttgart-Hamburg.

 

FC Barcelona-Bayern München 4:0

20:17 Moin, moin. Herzlich willkommen zum Live-Blog von ZEIT ONLINE. Wie immer empfehle ich, den Ticker in einem zweiten Fenster zu öffnen. Und hier gelegentlich „F5“ oder „Neu laden“ drücken, die aktuellen Einträge erscheinen unten.

Jürgen Klinsmann will wieder das Gesicht zeigen, das wir von ihm aus der Nationalmannschaft kennen. Nach Monaten der Defensive, geht er zum Angriff über. Zur Überraschung aller wechselt er den Torhüter, die Agenturen haben es im Laufe des Tages gemeldet: Statt Michael Rensing steht heute Jörg Butt im Tor. Eine Light-Version der Torwartfrage 2006. Aktionismus? Butt ist 34, ein Neuaufbruch sieht anders aus.

Nach der 1:5-Niederlage in Wolfsburg hatte Klinsmann, laut Eigenauskunft, seiner Mannschaft ein Donnerwetter beschert. Nachdem er bislang immer als ihr Fürsprecher aufgetreten war. Heute hat er ein Interview in seiner Lieblingszeitung SZ platziert, in dem er sich (mehr oder weniger) zwischen den Zeilen gegen Kritiker, auch klubinterne, wehrt. Und seinem Vorgänger Ottmar Hitzfeld, der sich auch gerne spitzzüngig zu Wort meldet, schickt er einen lieben Gruß: „Vergangene Saison hat national alles funktioniert, man wurde Meister und Pokalsieger, hat sich aber blamiert in Europa.“ Blamiert in Europa! Das ist gewagt, wenn man bedenkt, dass der Adressat ein Uefa-Cup-Halbfinalist ist. Solche Töne kennen wir von Klinsmann nicht. Könnte auch ein Wink an Franz Beckenbauer sein, der eine Trainerdiskussion gegen den Willen Uli Hoeneßens angezettelt hat. Kann natürlich auch ein inszenierter Königsmord werden.

Pech natürlich, dass nach Miroslav Klose und Lucío auch Philipp Lahm verletzt ausfällt, neben Franck Ribéry Bayerns Bester. Die Abwehr spielt also mit Lell, Breno, Demichelis, Oddo und Butt; das ist, gelinde gesagt, nicht die erste Reihe. Im Mittelfeld Bommel, Altintop, Zé Roberto, Schweinsteiger und Ribéry, im Sturm Toni. Die Bayern, heißt es, spielen zwei Saisons: eine inder Bundesliga, wo man 1:5 und 2:5 gegen Wolfsburg und Bremen verliert; und eine in der Champions League mit einer makellosen Bilanz. Ich will kein Meckerer sein, aber der 5:0-Sieg in Lissabon im Achtelfinale baute auf einer sehr schwachen ersten Halbzeit auf.

Barca, der Champions-League-Sieger von 2006, hat seine dekadente Phase unter dem neuen Trainer Pep Guardiola überwunden. Die Stars sind Xavi, der Magister des Mittelfelds, und sein Erster Offizier Iniesta, der Kameruner Mittelstürmer Eto’o, Henry, der seine Form gefunden hat, und natürlich Messi. Nicht zu vergessen Alves, der stürmende Rechtsverteidiger. Der Abwehr sagt man hingegen Schwächen nach, allerdings sind Puyol, Piqué und Marquez auch keine Anfänger.

5′ Erste Riesenchance für Barcelona: Pass von Xavi auf Henry, der Butt ausspielt, aber keinen Druck mehr hinter den Ball bekommt. Sodass Demichelis auf der Linie klären kann.

9′ Tor für Barcelona 1:0 Messi Der Ball wandert entlang des Sechzehners von Henry zu Iniesta auf Eto’o, der auch einen Blick für Mitspieler hat. Sein Diagonalpass erreicht den freistehenden Messi, der mit dem linken Innenrist sanft ins linke Eck einschiebt. Hätte Rensing auch nicht gehalten.

12′ Tor für Barcelona 2:0 Eto’o Wieder ein kombiniertes Tor, diesmal in umgekehrter Reihenfolge: Messi dribbelt auf die Abwehr und steckt im letzten Moment auf Eto’o, der Butt tunnelt. Sieht nicht gut aus für den Deutschen Meister, werden schlimmste Befürchtungen wahr?

Zu seiner Verteidigung muss man sagen: Lell spielt normal auf der rechten Seite. Gegen Messi sieht er bislang alt aus. Das Duell Messi/Lahm hätten wir gerne gesehen. Nächste Szene der beiden: Messi kommt gegen Lell im Strafraum zu Fall. Und sieht wegen Schwalbe Gelb. Ist ein wenig arg schnell gefallen. Andere Schiedsrichter hätten Elfmeter gegeben.

20′ Vom Look and Feel sieht es nach einem 6:0 aus. Wenn Barcelona gnädig sein wird. Klinsmann sollte auf Doppellibero umstellen.

Guardiola sitzt wegen übertriebenen Protests gegen Messi-Geld inzwischen auf der Tribüne.

30′ Die minutenlange Verletzungspause (der blutende Butt musste am Kopf getackert werden, nachdem er die Stollen Henrys abbekam) hat den Bayern Zeit zum Luftholen gegeben. Doch das Spiel geht nur in eine Richtung.

38′ Tor für Barcelona 3:0 Messi Henry lässt Oddo auf links stehen, in seinen strammen Flachpass rutscht Messi. Das Tor war längst überfällig. Klinsmanns Gesicht versteinert.

43′ Tor für Barcelona 4:0 Henry Bommel knockt Messi an der Strafraumgrenze um – und legt anschließend mit einem Querpass Henry das Tor auf. Damit ist der Fußballgottesbeweis erbracht.

Halbzeit 4:0 Noch nie gesehen, sowas. Doch, wenn im Sommer Profiklubs gegen Amateurmannschaften zum Test antreten. Eigentlich hätte man nach 25 Minuten wegen technischer Unterlegenheit abbrechen müssen. Barcelona spielt mindestens drei Klassen besser, selbst in deutlichsten Unterzahlsituationen kommen die Bayern nicht an den Ball. Die Abwehr ist ohne Chance und verliert zudem im Aufbau oft den Ball aus Nervosität. Barcelona erreicht ein Niveau, gegen das eine Bundesliga-Mannschaft nicht ankommt. Eigentlich mag ich diesen Spruch nicht – aber Barcelona hätte noch mehr Tore machen können. Bayern-Dusel mal anders: nur 0:4. Beruhigend ist, dass Beckenbauer Klinsmann in der Halbzeit nicht entlassen kann. Er muss ans Premiere-Mikro.

Barcelona schießt aufs Rote Kreuz.

In den Kommentaren finden einige User die Worte, die einem eigentlich fehlen müssten. Moritz Meyer grauts vor der Leistung Lells, Alex fordert den Zwangsabstieg Bayerns in die Amateurliga. Grüße aus meiner Heimat Mittelhessen gibts auch noch. Vielleicht wirds ja geographisch noch konkreter.

Sammer verlangt „deutsche Tugenden“ #do-it-the-udo-lattek-way

46′ Es geht los, ich freue mich auf die zweite Halbzeit. Ist das Gaffertum, Voyeurismus?

Messi tunnelt Bommel #Weihnachten für einen Fußballfreund

Die Tunnelwertung dürfte 25:0 stehen.

57′ Ich war am Sonntag aufm Spielplatz in Ottensen und hab mit zwei Drei- und Vierjährigen gekickt. Warum muss ich gerade daran denken?

59′ Gute Tat von Butt, seine erste: Einen rasanten Flachschuss Messis lenkt er übers Tor. Bei Barcelona ist übrigens auch ein Tormann dabei. Auf Twitter gibts nen Wettkampf um die besten Klinsmann-Flug-nach-LAX-Gags, etwa hier und hier.

67′ Gerade erst kapiert, dass auf Sat1 Marcel Reif kommentiert, der den Klageton sicher besser beherrscht als Fritz von Thurn und Taxis (Premiere) #umschalten

71′ Den darf Zé Roberto machen, doch er braucht zu lange und gewährt Puyol die Chance, mit einem Tackling das 1:4 zu verhindern. Erste Chance für Bayern, erste Ecke für Bayern.

75′ Barcelona will die Bayern nun bloßstellen und lächerlich machen. Gehört im Fußball bestraft. Die Bayern scheinen dazu nicht in der Lage. Dabei wäre mit zwei Toren die Sache wieder halbwegs offen.

83′ Lell gewinnt einen Ball gegen Messi #Weltpremiere

91′ Marquez holt sich eine taktische Gelbe Karte, damit er seine Sperre im Rückspiel absitzen darf.

Endstand 4:0 Barca war den Tick bess… ähm: Pessimisten hatten mit einem überlegenen Gegner und einer klaren Niederlage gerechnet. Dass die Bayern aber so chancenlos sein sollten, das war nicht vorauszusehen. Das Ergbnis drückt nicht aus, wie viel besser Barcelona war. Technisch, taktisch, im Tempo, in der Abwehr. In der zweiten Halbzeit hat die Katze Barcelona mit der Maus München gespielt.

Messi ist der Alptraum Lells (und dem Rest der Bayern-Abwehr).

Klinsmanns Bonus ist verbraucht. Bislang konnte er auf die Ergebnisse (auch die Leistungen?) in der Champions League verweisen. Und hat noch heute vor dem Spiel auf die angebliche Blamage der Bayern im Vorjahr verwiesen: das 0:4 in St. Petersburg. Nun hat er sein eigenes Petersburg erlebt. Schwer vorzustellen, dass er in München eine Zukunft hat. Wenn man Rummenigge und Beckenbauer zuhört, ist Rückendeckung nicht zu erwarten. Die Fans mögen ihn ohnehin nicht. Aber er ist sicher nicht der Alleinschuldige, Bayern wird lernen müssen, das Wort Konzept zu buchstabieren.

Wer war wohl diesmal Schuld daran, dass der deutsche Vereinsfußball dem höchsten Niveau nicht gewachsen ist: Das Kartellamt? Das Bosman-Urteil? Die protestierenden Amateure, die sich gegen den neuen Bundesliga-Spielplan wehren? Diese Ausreden wird man nicht heute hören. Auch nicht morgen oder nächste Woche. Das traut sich keiner angesichts dieser Klatsche für die Bundesliga. Aber bald, wenn wieder mal über Fernsehmillionen diskutiert wird. Und dann werden nicht nur Rummenigge oder Hoeneß ihre alte Leier singen. Sie werden assistiert werden von Michael Meier, Verband und Co.

Doch es ist nicht alleine das Geld.

 

Wales-Deutschland 0:2

20:22 Moin, moin, heute aus Berlin, wo Zeit Online seine neue Dépendance bezogen hat. Kneipe am Prenzlauer Berg, skeptische Blicke unserer Tischnachbarn, die Jungs mit Laptop beim Fußballkucken beäugen. Vorsicht, Event-Fan-Falle! Neben mir: Matthias Bossaller, der neue Kollege, Steffen Dobbert, der Rainer Holzschuh von Zeit Online, sowie Guy Simonow, html-Knecht des indirekten freistosses.

Heute Wales, früher Stolperstein, zu Zeiten von Ryan Giggs oder Ian Rush. Hat diesen Status aber eingebüßt. Wir erwarten nicht weniger als einen Gomez-Hattrick. („F5“ drücken nicht vergessen, um unseren Ergüssen zu folgen!)

20:35 Eigentlich 11-Freunde-Redakteure anwesend? Kucken wahrscheinlich England, die alten Romantiker. Aufstellung: Enke – Lahm, Tasci, Mertesacker, Beck – Hitzlsperger, Ballack, Schweinsteiger, Rolfes – Podolski, Gomez. Jansen verletzt raus, Rolfes dafür rein.

In der ARD heißt es: eine Spitze, nämlich Gomez. Podolski also im linken Mittelfeld. Werden sehen.

20:42 Die Jungs kucken mir über die Schulter. Sehen mir zu, wie ich mein Pointenfeuerwerk zünde. Fühle mich beobachtet. Ist ein bisschen wie beim Austreten. Hoffentlich läufts!

20:45 Hymnen gesungen, Schweigeminute gehalten (wofür eigentlich? weiß das jemand?). Geht los. Kulisse wie beim Frauenfußball. Die dpa wird von einer „gähnenden Leere“ schreiben.

3′ Die Serie Gomez gegen Gomez geht weiter: Erste Flanke zu hoch, er springt untendrunter. Kurz später, sagen wir, mutiger Schussversuch. Leipzig hätte schon gepfiffen, aber hier in Cardiff ist fast keiner da zum Pfeifen.

11′ Tor Deutschland 0:1 Ballack Ein Pfeil aus 28 Metern. Steffen Simon und die Bildregie geben dem Torwart die Mitschuld. Spiel entschieden?

Neue Ansage zur Frage: Wer ist der Boss im Team? Zum zweiten Mal in vier Tagen das 1:0 durch Il Capitano, zum zweiten Mal eine Bewerbung für das Tor des Monats. Die Schuss gewordene Entschlossenheit.

Trainer Baade twittert: „Noch 4 Tore, und Ballack hat Rummenigge eingeholt. Und das als Mittelfeldspieler. Nicht schlecht.“ #ewige Torjägerliste DFB-Elf

21′ Enke verhindert mit dem Ringfinger das 1:1, Deutsche lassen den Walisern viel Platz und Zeit im Mittelfeld.

26′ Podolski hat wohl das Oberseminar „Fehlpass im Hauptstudium“ besucht.

27′ Tasci verursacht zwei halbe Elfmeter in einer Aktion (Hand und Foul), Steffen Simon addiert zu einem frühen, vorzeitlupenhaften „Strafstoß“. Das Pub ist sich einig: war nix!

32′ Gomez knapp vorbei – Mitleid oder Schadenfreude? Kurz später scheitert Podoski (heute Nummer 10), nachdem Ballack klasse aufgelegt hat. Dann Gomez im Abseits, hätte eigentlich gepasst, wenn sein Kopfball ins Tor gegangen wäre. #Pechvogel

35′ Wirkt lahm heute, der Beck. Ganz im Gegenteil zum vorigen Samstag. Hoffenheim ausgepowert?

37′ Podolski besteht das Vordiplom der Christian-Ziege-Flanken-Schule mit „gut“.

Halbzeit 0:1 Nach dem frühen Tor war eigentlich zu erwarten: leichtes Spiel. Denkste! Abwehr unterlegen im Kopfball, viel Raum im Mittelfeld für die Waliser, trotz Hitzlsperger, Rolfes und Ballack im Zentrum. Außenspieler Beck, Schweinsteiger und Podolski mit einfallslosem Spiel ohne Ball. Gomez ohne Fortune. Bleibt Ballack als herausragender Spieler. Und Enke, die grüne Spinne, die erstaunlich viel zu tun hat.

1:0 für England: Crouchy (29′). Jubel in der Schwalbe?

Korrektur: Ballacks Schuss aus 32 Metern, mit 108 km/h Speed. Nach ersten Berechnungen war der Ball also 1 Sekunde unterwegs. Gemessen von Ballacks Fuß bis zum Überschreiten der Torlinie. Nicht eingerechnet den Geschwindigkeitsverlust durch Luftwiderstand und Erdanziehung.

Unsere Umgebung hat sich übrigens an uns gewöhnt, auch wenn wir Fremde bleiben. In Kreuzberg hätten wir mit unseren Laptops schon aufs Maul gekriegt.

48′ Tor für Deutschland Eigentor Williams Die Waliser wollen wohl Gomez weitere Therapiesitzungen ersparen. Krummer ist selten ein Tor gefallen. Fallend, stolpernd, wie eine Marionette, der man die Fäden zerschneidet, sichert Gomez den Ball und schießt den Ball grob Richtung Tor. Williams besorgt den Rest. Den Abwerspieler zu einem Eigentor zwingen: Stürmerqualität.

Kneipe reagiert mit Heiterkeit.

56′ Enke macht weitere Zentimeter im Rennen um die Nummer 1 gut. Rettet die 2:0-Führung mit gutem Reflex und bügelt erneut die Fehler von Tasci und Co aus.

63′ Steffen Simon macht Fußballkabarett: „Das machen sie gut, mit viel Ruhe.“ Und das, während die deutsche Abwehr seit Minuten Blinde Kuh spielt.

Lukas Podolski beweist es: Menschen können unsichtbar sein.

Oh, jetzt betreten Eisern-Union-Fans die Bude. Muss ich mich in meinem weißen Hemd fürchten?

72′ Trochowski für Podolski. ARD zeigt Zeitlupe, in der Podolski mit Ballack aneinander gerät. #Führungsspielerdebatte

73′ Gomez-Spiele gehen weiter. Rutscht aus und schießt sich gegen das Standbein. Es ist vermaledeit.

78′ Einer der wenigen Höhepunkte des Spiels: der eingesprungene Lahm an der Eckfahne. Tiefpunkt: Hinweis auf Waldis WM-Club. #Würgereiz

89′ Noch ein Gomez! Eigentlich gute Bewegung, Mitnahme und Schuss im selben Ansatz. Doch drüber.

Endstand 0:2 Bis zur 60. Minute war Wales gleichgut. Bei Enke darf man sich bedanken, dass die Führung hielt und dass Wales nicht mehr herankam. Deutsche Abwehr, besonders Tasci, mit Flüchtigkeitsfehlern und größeren Problemen bei langen, hohen Bällen als die gegnerischen Pendants. Rolfes fahrig, Hitzlsperger dagegen sehr solide. Ballack stark, gerade in Bedrängnis sieht man seine Klasse. Und dann seine Schusstechnik! Gomez hat seine Tore für den VfB aufgehoben. Man weiß auch nicht, ob „sein“ 0:2 Linderung oder Symptom seiner Melancholie ist? Schweinsteiger sollte man das Attribut Juniorchef absprechen. Das Portugal-System (zwei 6er Rolfes und Hitzlsperger, Ballack vorgezogen, Podolski links, eine Spitze) hat heute nicht gegriffen. Andererseits, WM-Qualifikationsspiele sind keine Catwalks.

Ballack über die Handgreiflichkeit Podolskis: „Er ist ein junger Spieler und hat noch viel zu lernen.“ Würde gerne beim nächsten Training Mäuschen spielen. #Aufmüpfige abgrätschen

23:01 Im Raucherraum mokiert man sich über die müden Aprilscherze von Waldemar Hartmann und Paul „Potato“ Breitner. Darauf haben wir keine Lust mehr – und sagen Tschüs bis zum nächsten Mal.

 

Deutschland – Liechtenstein 4:0

19:46 Moin, Moin und guten Abend aus Berlin (ZEIT ONLINE ist mitten im Umzug),

das kann was werden. Liechtenstein. Die Nationalmannschaft spielt gegen Liechtenstein. Wieso kann ich mir nicht vorstellen, dass uns das Spiel begeistern wird? Gehört Teltow eigentlich zu Berlin?

1′ Oli Kahn durfte sagen, wie sehr es in ihm noch kribbelt. Das Angebot von Schalke kam jedoch zu früh. Aber geht los. Stadion voll. Deutschland mit Enke im Tor, Beck, Mertesacker, Tasci, Lahm, Ballack, Hitze, Schweinsteiger, Jansen, Gomez und Podolski. Ich vermute, dass Podolski ein Tore schießt und Gomez eines vorbereitet. Nicht die F5-Taste oder reload vergessen.

4′ Ballack drischt den Ball mit rechts direkt ins Tor. 1:0 für Deutschland. Zuvor flankte Scheinsteiger mit viel Gefühl. Eine Ecke, zwei Chancen, ein Tor. Und das nach drei Minuten.

9′ Gab es in Deutschland (oder wo war es?) eine Diskussion über Torhüter? Der Torwart von Liechtenstein lässt einen guten Schuss von Podolski abprallen. Jansen trifft zum 2:0. Ich fürchte, ich werde es nicht schaffen, alle Tore richtig zu zählen.

12′ Zweite Chance für Gomez, er fällt aber mehr, als das er schießt. Der Mann hat sich viel vorgenommen. Wenn nicht heute, wann dann? Was mir auffiel: Die Nummer 2 von Liechtenstein sieht aus wie C. Metzelder, sammelt der Spielpraxis?

18′ Was ich mich frage: Welcher Torwart soll ein „Pimpf“ sein, freifuss? Und: Nach einer Viertelstunde rollt die Laola durch das Stadion, ob der Reporter von ZEIT ONLINE auch aufspringt? (Er ist Littbarski-Fan.) Und wieso sitze ich in Teltow und schaue via DVBT? Beck und Lahm spielen stark. Ballack mit guten Pässen.

25′ Béla Réthy spricht von „Seelenruhe“ und „ersten Konzentrationsschwächen“ im deutschen Team. Nicht jeder Pass kommt an, aber wann kommt schon jeder Pass an? Hitzlsperger schießt aus der Distanz – aber der Torhüter kann auch halten.

32′ Der erste Fast-Angriff von Liechtenstein und Uli will lieber etwas trinken gehen. Ist ein Spiel gegen so einen Gegner Pflicht für einen Fußballfan oder darf man da auch mal wegschauen?

36′ Beck spielt den Ball mit der Hacke, erste Pfiffe, weil sie alle noch mehr Tore sehen wollen. #Fußballfest

38′ Schon wieder mit der Hacke: Gomez ganz geschickt auf Podolski: Der schießt aus 16 Metern ganz knapp vorbei. Ich bin mir sicher, dass er noch eines macht.

41′ Freistoß Schweinsteiger, Hitzlsperger volley aus der Luft. Réthy: „Es wäre ein herrlicher Treffer gewesen“.

42′ Podolski ans Außennetz. Er macht noch eines, ganz sicher.

45′ Halbzeitpfiff: Das war bisher ein gutes Spiel. Ballack präsent, Beck aggressiv, Podolski und Gomez mit einigen Chancen. Die spielen alle so, wie man gegen Amateure spielen kann: ganz ansehnlich. Ich brauch ein neues Bier, muss in den Keller in Teltow.

Zwischenruf: Die Uhr wird vorgestellt. Auch gut.

20:59: Oli Kahn sagt: „Zu wenig!“ Er hofft, dass die Mannschaft noch „explodiert“. Ich glaube, Kahn ist verrückt, positiv verrückt. Wenn der mal Trainer oder Manager wird. Weiter geht es.

46′ Tolle Kombination, aber Gomez verpasst. Guter Start. Ob J. Löw Ähnliches in der Pause gesagt hat, wie O. Kahn?

47′ 3:0! Schweinsteiger schubst den Ball nur noch über die Linie. Zuvor hatte Podolski aus Abseitsposition geschossen. Er macht noch eines.

49′ Das war klar: Podolski schießt sein Tor. 4:0, reingeschoben. Flanke kam von Gomez. Eines macht Podolski noch.

53′ Gomez springt quer in die Luft und verpasst im Fünfmeterraum den Ball, schade. Aber was ist das: Tiefensee, der „Aufbau-Ost-und Verkehrs-Minister“ lacht sich ins Fäustchen. (Was macht Herr Mehdorn gerade?)

58′ Jetzt weiß ich es, Freifuss: Wolfgang Tiefensee ist ein Eventfan. So sicher wie Podolski noch ein Tor schießt, schießt Tiefensee Mehdorn in der nächsten Woche aus dem Job. Gleich kommt Helmes. Noch so ein Scharfschütze.

63′ Helmes kommt für Jansen. War eine couragierte Leistung.

67′ Kahn sagt, dass ein Torhüter, auch wenn er nicht gefordert wird, wach sein muss. Der ZDF-Crew muss auch langweilig sein. Ich vermute, Kahn möchte lieber mit Schalke gegen Klinsmann Meister werden, als mit Klinsmann die Champions League gewinnen. Deutschland spielt weiterhin gut nach vorn. Gomez vergibt Chancen und wird ausgepfiffen. #Chancentod

70′ Gomez verpasst zwei Meter vor dem Tor …

73′ Jetzt was Überraschendes: Tasci bekommt Gelb. Dabei hat er bisher unsichtbar gespielt. Wegen dieser Spielweise verfolgen ihn viele Spione.

77′ Podolski mit voller Wucht, gehalten. Marin kommt für Hitzlsperger.

82′ Ich glaube, Deutschland hat den Sieg sicher. Diese Fußballhelden, wieder mal einen Zwergenstaat besiegt!

84′ Marin schickt Gomez, der macht alles richtig, gute Ballannahme, Schuss und auf die Latte …

87′ Rolfes läuft für Schweinsteiger auf das Feld.

Abpfiff: Philipp Lahm sagte am vergangenen Dienstag, das Nationalteam, werde gegen Liechtenstein gut spielen und hoch gewinnen. Vielleicht 4:0, lautete sein Tipp. Der kleine Snooker-Fan lag vollkommen richtig: Es war keine Glanzleistung, aber ein ordentliches Spiel. Béla Réthy nannte Andi Beck zwischenzeitig „Giftzwerg“. Das geht zu weit. Beck hat engagiert gespielt und sich für einen Stammplatz empfohlen. Was bleibt sonst? Die Abwehr war unsichtbar, da es fast keine Herausforderungen gab. Ballack schoss das 1:0, doll wie eine Wuchtbrumme, und zeigte eine gute Partie. Nach den beiden schwachen Spielen gegen England und Norwegen hat das gesamte Team gezeigt, was es kann. Mehr auch nicht. (Und Hartmut Mehdorn wird sich noch eine Woche im Amt halten).

 

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