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Martin Blessing und die Umschuldung

 

Der Chef der Commerzbank hat bekanntlich einen Vorschlag zur Umschuldung in Griechenland gemacht, der hohe Wellen schlug. Die Privatgläubiger würden richtig bluten, heißt es. Die Essenz:

Die Gläubiger könnten ihre Bonds mit einem 30-Prozent-Abschlag in 30 Jahre laufende Papiere mit einem Zinssatz von 3,5 Prozent tauschen, die mit einer gemeinschaftlichen Garantie der Euroländer versehen sind. Die Gläubiger müssten also auf 30 Prozent ihrer Forderungen verzichten.

Der durchschnittliche Abschlag auf griechische Staatsanleihen liegt bei ungefähr 50 Prozent. Die Banken würden gegenüber einem Szenario ohne Umschuldung 30 Prozent verlieren, gegenüber der aktuellen Marktbewertung würden sie aber 20 Prozent gewinnen.

Dazu kommt nun das Griechenland auf 30 Jahre Geld geliehen bekommt. Hier hören sich 3,5 Prozent sehr niedrig an, doch es handelt sich ja nicht um eine Griechenlandanleihe, sondern um ein gemeinschaftlich garantiertes, also wohl ein AAA Papier. Wie zum Beispiel 30-jährige deutsche Bundesanleihen – und die liegen aktuell bei  3,4 Prozent. Die Banken bekommen also einen marktüblichen Zins. Das Risiko tragen die europäischen Steuerzahler.

Es bleiben also im Sinne einer Gewinn und Verlustrechnung nur die 30 Prozent Abschlag. Mit anderen Worten: Gemessen am Szenario Zahlungsfähigkeit zahlen sie drauf. Gemessen am Szenario Default aber ist Blessings Vorschlag für die Banken recht attraktiv – und alle Institute, die ihren Anleihebestand zu Marktpreisen bewerten, würden dabei sogar einen Gewinn machen.

Honi soit qui mal y pense.

8 Kommentare

  1.   matt_us

    Das Banken irgendetwas anderes vorschlagen wuerden ausser was Ihnen hilft, ist nicht zu vermuten. Und das ist ja auch richtig so.

    Wir, die Buerger, haben aber die Nase voll uns von Banken ausnehmen zu lassen.

    Nochmal, mit kleinen Aenderungen ist Blessings Vorschlag gut. So zum Beispiel:

    Wenn Griechenlandanleihen auslaufen, und Griechenland muss sich neu refinanzieren gibt es demnaechst folgende Anleihen. 30 Jahre, amortisierend (also abzustottern ueber die Laufzeit), zu einem Zinssatz von 3%.

    Wenn die Banken eine EU Buergschaft wollen, gibt es nur einen Zinssatz zu 2,5%. (Greichenland zahlt dann 0,5% an die EU, um fuer die Buergschaft zu zahlen.)

    Die Banken machen immer noch einen Reingewinn von 1% auf EU verbuergte Anleihe, denn sie koennen sich ja bei der EZB zu 1,5% refinanzieren. Die Eigenkapitalrendite ist unendlich hoch, denn sie brauchen ja kein Eigenkaptial (nach Basel Regelung) fuer Staatsanleihen hinterlegen!

    Warum man einen 30% Abschlag fordert, erschliesst sich mir nicht. (Geld der Griechen in der Schweiz) Hat das vielleicht was mit Credit Default Swaps zu tun – die sonst nicht auszahlen wuerden? Koennte uns der Herr Blessing vielleicht mal mitteilen, wieviel seine Bank in CDS fuer Griechenland investiert hat?


  2. Die EZB kann das Problem einfach lösen – Geld erschaffen und Griechenland Bonds kaufen.

    Das könnte -muss aber nicht- zu einer höheren Inflation führen.

    Wobei – siehe weiter unten bei Herdentrieb – die Inflation wohl weltweit auf niedrigem Level verhart.


  3. Die mit allen Tricks der Schuldnerländer seit Jahrzehnten erfahrenen Ratingagenturen haben bereits vorausschauend annonciert, dass jegliche Beeinträchtigung der Gläubiger, wie auch immer maskiert, als totaler Staatsbankrott und Default bewertet wird.

  4.   f.luebberding

    Honi soit qui mal y pense.

    Ich nicht. Aber um einmal mit Willy Brandt aus dem Bundestagswahlkampf von 1987 zu paraphrasieren, wo doch der gestrige Leitartikel von Helmut Schmidt in aller Munde ist: Eine solche Rendite wäre doch auch ein schönes Ergebnis. Und das beste daran: Wir können uns in diesem Fall sogar den Wahlgang sparen. Die Urteile der Rating Agenturen übrigens auch. Wenn das nicht effizient ist.


  5. Dies zeigt nur erneut, wie recht die Ratingagenturen hatten, wenn sie die Investoren rechtszeitig vor der bevorstehenden Katastrophe warnten. Wer ihre Warnungen ignorierte, ist selbst schuld.

  6.   Michael

    Die Griechen sind mit jedem Zins pleite. Mit einem, wie auch immer gearteten, haircut stünden sie spätestens in fünf Jahren wieder vor dem Friseur. Im Gegensatz zu Iren und Portugiesen sind griechische Staatsanleihen ein entschiedener Verkauf, die kriegen bei ihrer “Wirtschaftskultur” und konstanten Eurorahmenbedingungen vom Markt generell kein Geld mehr.

    Eine Euroreform zum Europabond muß zwingend eine automatisch in Kraft tretende Ausschlußklausel für Bankrotteure enthalten, da die no-bailout-klauseln nicht eingehalten wurden. Die Politik hat damit das Vertrauen der Bürger in den Euro entgültig verspielt. Das zeigen Goldpreise und Wechselkurse.

  7.   Michael

    @Logik-Ratio
    Natürlich führt der Ausfall von Staatsanleihen, die von anderen Ländern “garantiert” wurden, zu Inflation. Die Haushalte der “Garanten” geraten durcheinander, sie werden die Steuern anheben und der Bürger hat – Inflation. Gerade die SPD ist DIE Inflationistenpartei schlechthin. Deutschland hat vor der “Krise” seit 2002 jedes einzelne Jahr 6 Mrd. an die Griechen überwiesen. 1% Mehrwertsteuer, direkt aus deinem Geldbeutel, bei jedem Einkauf.


  8. Ich sagte nicht, dass die STAATEN, für die Kredite bürgen sollen – ich sagte: Die EZB soll das Geld einfach drucken.

    Damit erhöht Sie die Geldmenge, was THEORETISCH zu einer Inflation führt. Das müsste erstmal niemand bezahlen und später vielleicht alle Menschen mit liquiden Vermögen + Gläubiger mit festen Zinsen in ihren Verträgen.

    Die EZB kann das Problem per Knopfdruck an einem EZB PC lösen….

    Natürlich hat Griechenland dann immer noch ein strukturelles Problem – genau so wie viele andere europ. Länder. Damit diese Probleme innenpolitisch “Gelöst” werden können braucht man Druck von Außen – die Schuldenkrise und der Zusammenbruch des Euro muss es schon sein, damit die alten Pfründe aufgegeben werden.