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Warum wir nicht in der (Euro-)Falle stecken

 

Lehrbücher der Volkswirtschaftslehre beginnen meist mit Robinson Crusoe und seinen Kokosnüssen. Robinson sitzt auf seiner Insel und kann sich nun überlegen, ob er seine Früchte aufisst oder sie einpflanzt, damit sie sich vermehren. Isst er sie alle auf, hat er morgen nichts mehr zu essen. Pflanzt er sie ein, wird er vielleicht heute nicht statt, dafür verhungert er morgen nicht.

Deutschland hat seit dem Ende des zweiten Weltkriegs ziemlich viel gepflanzt und ziemlich wenig gegessen – und für die von Hans-Werner Sinn und anderen angestoßene Debatte über Risiken aus der Euro-Rettung ist das ein sehr wichtiger Befund.

Auch Länder stehen in gewisser Weise vor der Frage, die Robinson zu beantwortet hatte. Sie können ihre Ersparnisse im eigenen Land bilden, oder sie können in anderen Ländern investieren. Deutschland hat wenn man so will praktisch seit Kriegsende unter seinen Verhältnissen gelebt: Die Deutschen wurden zu einer der größten Gläubigernationen der Welt. Die sogenannte Nettoauslandsposition – die Forderungen an Ausländer abzüglich der Verbindlichkeiten – belaufen sich aktuell auf 877 Milliarden Euro.

Grafik: Nettoauslandsposition Deutschlands seit 1950 (in % des BIP)

Man kann diesen bemerkenswerten Sachverhalt mit deutschen Tugenden erklären, mit der Wirtschaftsstruktur – die entscheidende Frage aber lautet: Ist es sinnvoll?

Für alternde Gesellschaften kann es sich tatsächlich auszahlen. Es ist ja eine Propagandalüge der Finanzindustrie, dass durch privates Vorsorgen gegen den demographischen Wandel anzukommen wäre. Der Wohlstand einer Nation lässt sich nicht speichern und in die Zukunft transferieren. Er muss in jeder Periode erzeugt werden und dafür sind reale Ressourcen nötig. Eine geschlossene Volkswirtschaft insgesamt kann im konventionellen Sinn überhaupt nicht sparen. Wenn morgen auf einen Arbeitnehmer tausend Rentner kommen, dann werden die Rentner in Armut leben – auch wenn sie fleißig geriestert haben. Es wird einfach niemanden geben, der die Waren herstellen kann, die sie so dringend brauchen.

Es sei denn, das Geld wurde im Ausland angelegt und begründet damit Ansprüche auf die künftigen Erträge dort. Denn dann müssten bei Auflösung der Ersparnisse die – hoffentlich produktiveren oder jüngeren – Ausländer die Waren erzeugen, die die deutschen Rentner aufbrauchen. Demographische Arbitrage heißt das und es bedeutet: Der Rollator wird in Indien oder Italien gebaut, aber in Deutschland eingesetzt. Der Konsumverzicht heute bedeutet Mehrkonsum in der Zukunft.

Soweit die Theorie. Das Dumme ist nur, dass eine Forderung auch eingetrieben werden muss. Das ist schon im eigenen Land nicht immer leicht, und im Ausland noch viel schwerer – zumindest, wenn man Krieg als Option ausschließt. Staaten können sich für zahlungsunfähig erklären oder sie können einfach ihre Währung abwerten. In beiden Fällen ist das Geld weg.

Wenn Sinn und andere nun argumentieren, der Zusammenbruch des Euro-Raums bedrohe unsere Renten und Lebensversicherungen, weil dann Italien und Spanien nicht mehr zahlungsfähig seien und dort viel deutsches Kapital angelegt wurde, dann ist das korrekt.

Aber was folgt daraus?

Ein Unternehmen ist pleite, wenn das Vermögen nicht mehr ausreicht, um die Verbindlichkeiten zu decken. Pleite in diesem Sinne sind Länder nur in den seltensten Fällen. Ein großer Teil des Geldes aus dem Norden wurde im Süden verjuxt: Man baute Olympiastadien und betonierte die Costa Brava zu. Jetzt sind die Stadien leer und die Costa Brava ist es auch. Die spanischen Arbeitnehmer aber sind deshalb nicht verschwunden. Es gibt sie immer noch. Sie können viele nützliche Dinge herstellen. Sie würden es auch gerne tun – aber das geht nicht, weil die Wirtschaft noch ganz auf den Bauboom ausgerichtet ist, so wie sich Metallspäne nach einem Magneten ausrichten.

Den Magneten kann man drehen, eine Wirtschaft auch – nur braucht sie etwas länger. Wenn das stimmt, dann wäre es sinnvoll zu helfen, damit die Spanier wieder auf die Beine kommen und ihre Schulden durch den Export von Waren bedienen können. So wie jeder kluge Gläubiger im Ernstfall Aufschub gewährt, weil er im Fall einer Insolvenz viel mehr verliert.

Es bedeutet natürlich, dass zunächst einmal mehr deutsches Geld im Risiko steht – über die Rettungsschirme etwa oder die Refinanzierungsoperationen der Europäischen Zentralbank. Doch man könnte diese Mittel als eine Investition in die Zukunft betrachten, die der Erhaltung der Zahlungsfähigkeit unserer wichtigsten Handelspartner dienen (und übrigens ist die gesamte europäische Integration darauf angelegt, die Vernetzung zwischen den Ländern zu erhöhen. Wenn jetzt gewarnt wird, Deutschland werde durch die Hilfen erpressbar, dann ist das so, als würde man davor warnen, das Alkohol betrunken machen kann. Die „Erpressbarkeit“ ist die logische Folge der Aufhebung der Grenzen in Europa – sie existiert auch ohne Hilfszahlungen und sie verschwindet, wenn Europa und nicht mehr Deutschland als Referenzgröße betrachtet wird).

Es gibt Indizien dafür, dass die Rechnung aufgeht. In fast allen Ländern des Südens werden weniger Ersparnisse aus dem Ausland in Anspruch genommen. „Die Leistungsbilanzungleichgewichte zwischen den verschiedenen Mitgliedsstaaten des Euroraums kommen allmählich wieder ins Lot“, stellt die Deutsche Bank in einer neuen Studie völlig korrekt fest. Wer dagegen jetzt den Moralischen macht und den Südländern die Kredite kappt – und sie damit womöglich aus dem Euro-Raum verbannt –, wie es Hans-Werner Sinn zu fordern scheint, der verantwortet die Auslöschung des deutschen Auslandsvermögen. Sie werden in einem Währungschaos epischer Dimension in Rauch aufgehen, beziehungsweise in Lire und Escudo.

Grafik: Leistungsbilanzsalden - Laendergruppen Quelle DB

Und ist es aus einer engen nationalen Sicht nicht sogar ganz tröstlich, dass wir in der Währungsunion die für die Schuldner angenehmste Form der Schuldenvernichtung – die Währungsabwertung – verhindern können? Denn jede Abwertung ist Betrug am Gläubiger. Anders gesagt: Über den Euro zwingen wir Italiener, Griechen und Spanier dazu, hart zu arbeiten, damit sie uns unser Geld zurückzahlen. Die Amerikaner werden immer bezahlen – aber womöglich in wertlosen Dollars. Die Sicherung des deutschen Auslandsvermögens ist jedenfalls kein gutes Argument gegen die Euro-Rettung.

Ganz egal wie die Entscheidung ausfällt: Sie muss entschlossen umgesetzt werden. Wer erst rettet und dann alle drei Monate mit Hilfeentzug droht, weil irgendwo eine Defizitvorgabe nicht eingehalten wird, der gefährdet den Erfolg der Unternehmung. Niemand wird in Griechenland investieren, solange der Euro-Austritt wie das Schwert des Damokles über dem Land hängt.

Die Unsicherheit lähmt die Finanzmärkte und die gesamte Gesellschaft und jede Drohung mit Insolvenz schwächt das Land und rückt die Rückzahlung der Hilfen noch weiter in die Ferne. Wenn die Unternehmen wie derzeit in Griechenland nicht einmal mehr einen einfachen Bankkredit bekommen, dann werden auch Lohnkürzungen die Wirtschaft nicht voranbringen.

Retten heißt loslassen – und wenn wir das nicht können, dann sollten wir die Sache beenden.

Der zentrale Konstruktionsfehler der Währungsunion war nicht der zahnlose Stabilitätspakt, sondern die Abwesenheit eines Regimes zur Kontrolle der grenzüberschreitenden Kapitalströme. Es wäre für alle besser gewesen, wenn die Deutschen mehr ihrer Ersparnisse im eigenen Land gebildet hätten (idealerweise so, dass die wenigen Arbeitnehmer in der Zukunft produktiver werden und mehr Rentner ernähren können) und die Spanier weniger davon verjubelt hätten.

Sehr wahrscheinlich hat das auch etwas mit dem Euro zu tun, denn die Auslandsforderungen der Deutschen stiegen seit Einführung der gemeinsamen Währung besonders stark. Es ist diskurstheoretisch interessant, dass diejenigen, für die die Stärkung der Binnennachfrage und die Abkehr von der Exportabhängigkeit linkskeynesianisches Teufelszeug ist – wie die Wirtschaftsredaktion der FAZ – nun plötzlich die Konsequenzen eben jener Exportabhängigkeit nicht akzeptieren wollen. Der Schlamassel wäre wesentlich kleiner, wenn wir zwischendrin statt auf Hans-Werner Sinn (der vor nicht langer Zeit noch vor der „nachlassenden Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft“ warnte und über den Untergang des Produktionsstandortes D sinnierte) auch einmal auf Oskar Lafontaine gehört hätten.

Doch erstens ist das ein technisches Problem, dass sich lösen lässt – zum Beispiel durch die Drosselung der Kreditvergabe in den Boomländern und deren Ankurbelung in den Krisenstaaten mittels der Vorschriften für die Eigenkapitalquote der Banken. Und zweitens ist es ein Thema für die Zukunft. Im Moment bekommen die Spanier nicht zu viel, sondern zu wenig Kredit und deshalb müssen wir ihnen beistehen.

Man kann das Konkursverschleppung nennen – oder Makroökonomie.

29 Kommentare

  1.   Ich

    „Deutschland hat wenn man so will praktisch seit Kriegsende unter seinen Verhältnissen gelebt:“

    Da käme es aber auf die Änderung der NIP an, nicht auf den absoluten Stand. Ca. zwischen 59 und 83 scheint die NIP im Verhältnis zum BIP nur sehr wenig geschwankt zu haben. In den 80ern gab es einen großen Anstieg, aber in den 90ern ging es auch wieder zurück. Erst nach Einführung des Euro ist die Position wieder sehr stark und stärker als je zuvor gestiegen. Ich denke nicht, dass man das als einheitlichen Verlauf seit Kriegsende sehen kann.

    Ich halte es übrigens für die Durchsetzung vernünftiger politischer Maßnahmen für im höchsten Maße abträglich, wenn Griechenland mit Spanien und Italien in einen Topf geworfen wird. Italien hat nur das Problem in Südeuropa zu liegen, Spanien hatte einen durch den Euro ausgelösten Bauboom in der Privatwirtschaft, während sich die öffentliche Hand zurückgehalten hat – in Griechenland hat sich selbst im Boom der Staat in extrem unverantwortlicher Weise verhalten.

    Bei der Frage eines Zahlungsaufschubs zur Vermeidung der Insolvenz ist es wichtig einzuschätzen, ob bald wieder bessere Zeiten kommen können. Für Griechenland muss das sehr stark bezweifelt werden, während es in Spanien und Italien keinen Grund zum Zweifel gibt.

  2.   Wirtschaftssachverständiger

    Lieber, guter Herr Schieritz,

    selbst in diesem Forum habe ich selten soviel aggregierten Unfug in einem einzigen Blog-Beitrag gelesen wie in Ihrem jüngsten Artikel. Ich erlaube mir, Ihre phantastischen Thesen sukzessive zu sezieren:

    Zitat 1: „Die so genannte Nettoauslandsposition – die Forderungen an Ausländer abzüglich der Verbindlichkeiten – belaufen sich aktuell auf 877 Milliarden Euro.“

    Aber davon entfällt doch nur ein sehr kleiner Teil auf die Süd-Länder, ich schätze mal: maximal zehn Prozent. Die größten Positionen bestehen gegenüber den USA, Großbritannien, Frankreich und nicht zuletzt der Schweiz. Haben Sie exakte Zahlen?

    Zitat 2: „Wenn Sinn und andere nun argumentieren, der Zusammenbruch des Euro-Raums bedrohe unsere Renten und Lebensversicherungen, weil dann Italien und Spanien nicht mehr zahlungsfähig seien und dort viel deutsches Kapital angelegt wurde, dann ist das korrekt.“

    Diese Behauptung trifft aus drei Gründen keinesfalls zu:

    a) Die Gesetzliche Rentenversicherung beruht, abgesehen von den Riester-Komponenten, nicht auf Kapitaldeckung. Sie hat also praktisch nichts mit Investments in südeuropäischen Krisenstaaten zu tun.

    b) Die deutschen Lebensversicherer haben maximal einige wenige Promille, allenfalls ein paar Prozent der Kundengelder in südeuropäische Staatsanleihen investiert. Und davon entfällt wiederum nur ein mikroskopisch kleiner Anteil auf Griechenland. Keiner der 120 deutschen Lebensversicherer geht m. E. pleite, wenn Hellas Bankrott anmeldet. Mithin sind auch die Ansprüche der Kunden nicht gefährdet.

    c) Die immensen Target-Salden haben, wie Bundesbank und EZB wiederholt festgestellt haben, unmittelbar nichts mit Zahlungsbilanzen bzw. Nettofinanzvermögen im Ausland zu tun. Aus den 500 Milliarden Euro Forderungen, die die Bundesbank gegenüber dem EZB-System hat, lässt sich m. E. kaum herleiten, in welchem Ausmaß die Ersparnisse deutscher Kleinanleger und Rentenbeitragszahler bei einem Zerfall der Eurozone gefährdet wären.

    Zitat 3: „Doch man könnte diese Mittel ((Rettungsschirme etc.)) als eine Investition in die Zukunft betrachten, die der Erhaltung der Zahlungsfähigkeit unserer wichtigsten Handelspartner dienen.“

    Die Zahlungsfähigkeit Griechenlands konnte trotz dreistelliger Milliarden-Hilfen bislang nicht wiederhergestellt werden. Viele Experten bezweifeln, ob dies ohne Euro-Austritt überhaupt jemals möglich sein wird.

    Zitat 4: „Wer dagegen jetzt den Moralischen macht und den Südländern die Kredite kappt – und sie damit womöglich aus dem Euro-Raum verbannt –, wie es Hans-Werner Sinn zu fordern scheint, der verantwortet die Auslöschung des deutschen Auslandsvermögen. Sie werden in einem Währungschaos epischer Dimension in Rauch aufgehen, beziehungsweise in Lire und Escudo.“

    Wie oben schon gesagt: Die deutschen Nettofinanzvermögen liegen nur zum kleinsten Teil in Südeuropa – und allenfalls in homöopathischen Dosen in Griechenland.

    Im übrigen hat die Bundesrepublik die vermutlich deutlich höheren Verluste aus den amerikanischen Subprime-Hypotheken verkraftet, ohne dass sich die deutschen Ersparnisse in „epischer Dimwension“ in Rauch aufgelöst hätten.

    Zitat 5: „Über den Euro zwingen wir Italiener, Griechen und Spanier dazu, hart zu arbeiten, damit sie uns unser Geld zurückzahlen.“

    Die allermeisten Menschen in Südeuropa sind ebenso fleißig (oder ebenso faul) wie die Deutschen. Dies hat mit dem Euro nun wirklich gar nichts zu tun. Nur haben sich die Regierungen in Griechenland und anderswo gedacht, dass sie dank der reichhaltig sprudelnden und billigen Kredite ihre Wähler mit Wohltaten überhäufen können.

    Im übrigen finde ich die Vorstellung, dass die Südeuropäer wie Sklaven schuften, damit unsere Renten gezahlt werden können, befremdlich.

    Zitat 6: „Wer erst rettet und dann alle drei Monate mit Hilfeentzug droht, weil irgendwo eine Defizitvorgabe nicht eingehalten wird, der gefährdet den Erfolg der Unternehmung.“

    Hübsche Umschreibung dafür, dass griechische Politiker seit zwei Jahren nichts anderes tun, als um die Wette zu tricksen, zu täuschen und zu taktieren. Wie viele Verhandlungsrunden waren notwendig, um das jüngste Rettungspaket zu vereinbaren, das ja noch keineswegs in trockenen Tüchern ist? Ich hab das Zählen aufgegeben.

    Zitat 7: „Retten heißt loslassen“

    Wunderbare Formulierung (Siegmund Freud läßt grüßen). Also: Das viele Geld ist futsch – und kommt auch nicht wieder?

    Zitat 8: „Der zentrale Konstruktionsfehler der Währungsunion war nicht der zahnlose Stabilitätspakt, sondern die Abwesenheit eines Regimes zur Kontrolle der grenzüberschreitenden Kapitalströme.“

    Hääääääh? Eine Währungsunion mit Kapitalverkehrskontrollen? Sinn, Ziel und Zweck der Eurozone ist es doch gerade, die Geldströme zu erleichtern, nicht zu blockieren! Auf die USA übertragen, würde Ihre Idee bedeuten: Ein Unternehmen aus dem Federal Reserve District New York, das Geld in den Fed District Chicago transferieren will, muss dafür zuvor eine Genehmigung der Behörden einholen. Dies ist nun wirklich kompletter Unsinn!

    Obendrein widersprechen Sie hiermit krass Ihrer Kritik an H.-W. Sinn: Dem werfen Sie ja gerade vor, dass er die Target-Salden beschränken und damit die Kredite an die Süd-Länder kappen will.

    Was denn nun: Freier Kapitalverkehr aus Nord nach Süd oder nicht?

    Zitat 9: „… zum Beispiel durch die Drosselung der Kreditvergabe in den Boomländern und deren Ankurbelung in den Krisenstaaten mittels der Vorschriften für die Eigenkapitalquote der Banken.“

    Sie wollen das Wachstum in Deutschland beschränken, damit es in Südeuropa höher ausfällt? Und dies mit regional unterschiedlichen Eigenkapitalquoten?

    Es wird ja immer grotesker. Hierzu nur ein paar Bemerkungen:

    a) Bereits in den vergangenen Jahren waren die Investitionen der deutschen Wirtschaft ziemlich niedrig. Besserung ist kaum in Sicht. Denn aufgrund der schärferen Eigenkapital-Vorschriften nach Basel III müssen die Banken nolens volens die Kredite an die Unternehmen beschränken. Und Sie wollen Kreditklemme und Investitionssschwäche noch verstärken?

    b) Die Eigenkapitalanforderungen dienen keineswegs dazu, die Ausstattung einer Volkswirtschaft mit Krediten zu steuern. Sie sollen vielmehr dafür sorgen, dass die Banken besser gerüstet sind für die nächste, unvermeidlich kommende Finanzkrise. Sie aber schlagen vor, dass ausgerechnet in den notleidenden Süd-Staaten die Banken besonders riskant finanziert werden sollen. Dies ist doch völlig absurd!

  3.   Thomas Pittner

    Also nach der Grafik kommt bei den Leistungsbilanzungleichgewichten der DÖFN gar nichts ins Lot.
    (aber die Grafik bezieht sich ja nicht auf den Text, gibt es auch eine richtig passende?)

    Loslassen ist gut. Aber von den richtigen, und mit den irchtigen Konsequenzen.

    Zur Rente; wie sieht denn die Demographie im Süden aus?
    Die Vorstellung, flächendeckend nennenswerte Rentenzahlungen (Rollatoren) aus dem Ausland zu beziehen, aufgrund früherer Überschüsse, scheint auch in einer Währungsunion, die kein Nationalstaat wird, nicht sehr realistisch.

    und neben die Grafik zur Auslandsposition der Bundesrepublik sollte man unbedingt mal eine Aufsummierung der netto ins Ausland geflossenen Beträge stellen; da würde deutlich, wieviel sich einfach in heiße Luft aufgelöst hat.

    Dann kann man vielleicht auch leichter loslassen.

  4.   Hamit

    Wir müssen loslassen lernen, richtig und hier können wir von unseren Kindern viel lernen. Sie lassen sich von den Politikern nicht mehr in die Irre führen und schaffen gerade ihre eigene Realität, die lediglich für uns virtuell ist.

    Geld mag für uns noch eine Bedeutung haben, unsere Kinder steuern bereits in eine neue Richtung, die noch in duffusem Licht schimmert, aber zu weiten Teilen bereits Konturen hat.

    Schulden und das damit verbundene Kapital entwerten wir gerade mit geradezu exemplarischen Maßnahmen; man könnte denken, dass wir es mit unseren Kindern gut meinen, da wir den inflationären Prozess beschleunigen, als ginge es um den Endspurt in die Zielgerade.

    Sie werden uns danken, wobei ihnen klar sein wird, dass wir nicht wussten was wir tun.

    Unsere Kinder sind auch zukünftige Rentner und ich bin mir sicher, dass sie mehr in Liebe, Mitgefühl und Menschlichkeit investieren werden, denn wir haben ihnen vorgelebt, dass es sich nicht rechnet an die Politik, Wirtschaft und Rüstung zu glauben.


  5. Lieber Herr Schieritz,

    Ihr bester Beitrag seit Langem!

    Nicht nur, aber auch, weil ich hier schon lange die Bedeutung der IIP predige und versuche auf die Konsequenzen hinzuweisen (sinapisvulgaris.blog.de/2005/10/20/altersvorsorge_staat_oder_privat~248851/).

    Vor Allem macht die Betrachtung der makroökonomischen Grundsituation Vieles klarer und weist einen Weg heraus aus dem Schlamassel.

    Vielen Dank!


  6. „Die sogenannte Nettoauslandsposition – die Forderungen an Ausländer abzüglich der Verbindlichkeiten – belaufen sich aktuell auf 877 Milliarden Euro.“

    Das gilt für Deutschland.

    Wahr ist aber auch, dass die Nettoauslandsposition der gesamten EURO-Zone -1293 Milliarden Euro beträgt. MINUS 1,2 Billionen oder 14% des GDP. Die EURO-Zone ist als Netto Schuldner. Deshalb ist auch Merkel’s Gerede von der Wettbewerbsfähigkeit nicht ganz falsch, die EURO-Zone muss wettbewerbsfähiger werden, um die Importüberschüsse abbauen zu können. Da müssen viele Länder ihre Hausaufgaben noch machen.

    Ein guter Anfang wäre schon mal einen viel größeren Teil der Energie aus Sonne in den Südländern der EU zu produzieren und dafür weniger Öl kaufen zu müssen. Damit würde man verdammt viele Fliegen mit einer Klappe schlagen.

    Und ein bisschen Inflation und EURO Abwertung würde auch helfen …

  7.   Manfred

    Deutschland hat ganz klar indirekt profitiert von den anderen Staaten. Geht es dir gut muss es zwingend anderswo jemanden dafür schlecht gehen. Deutschland ist nur dann solidarisch wenn man es zwingd dazu.


  8. Zu diesem fundierten Beitrag meine Gratulation! Erstaunlich für mich ist, dass bei der Bedeutsamkeit dieses Themas und der bevorstehenden Abstimmung über den (wievielten?) „Rettungsschirm“ im Deutschen Bundestag die Medien – wohin man auch blickt – sich z.Z. wieder handzahm zurückhalten.


  9. Mein Kommentar war als Antwort auf „Wissenschaftssachverständiger“ formuliert und n i c h t mit Bezug auf Herrn Schieritz !!!

  10.   us

    „Robinson sitzt auf seiner Insel und kann sich nun überlegen, ob er seine Früchte aufisst oder sie einpflanzt, damit sie sich vermehren. Isst er sie alle auf, hat er morgen nichts mehr zu essen. Pflanzt er sie ein, wird er vielleicht heute nicht statt, dafür verhungert er morgen nicht.“

    ein gutes beispiel, welches von realen verhältnissen ausgeht!
    solche realen verhältnisse exsistieren allerdings nicht mehr!

    es hat leider keiner mehr früchte zum einpflanzen….nun eventuell als papiergarantie, nur wächst diese leider nicht (real), selbst bei klimatisch besten bedingungen!