So funktioniert Kapitalismus. Ein Blog

Helmut Schlesinger macht es sich zu einfach

Von 11. März 2012 um 17:52 Uhr

Die WAMS hat ein langes Interview mit Helmut Schlesinger. Wie zu erwarten, kritisiert er die Drei-Jahres-Tender der EZB. Schön und gut – über die Geldpolitik der Notenbank lässt sich trefflich streiten, auch wenn ich eine andere Position vertrete. Aber bedenklich ist folgende Passage des Interviews:

Welt am Sonntag: Was würden Sie anders machen?

Helmut Schlesinger: Ich bin kein Notenbanker mehr. Ich gebe keine Ratschläge.

Genau solche Antworten machen eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den Rettungsskeptikern so schwierig. Sie kritisieren nur und weisen auf die sicherlich vorhandenen Risiken hin. Das kann jeder und es ist zu wenig.

Und wenn Schlesinger schwindlig wird, weil “leichtfertig” viel zu viel Geld in Umlauf gebracht werde und somit die große Inflation drohe, dann sei ihm folgende Grafik von Richard Koo (via FT Alphaville) empfohlen:

 

Die Zentralbankgeldmenge steigt, doch das Geldangebot insgesamt stagniert. Das sollte doch einem alten Monetaristen zu denken geben – es sei denn, er sucht die Inflation unter jedem Kieselstein.

Leser-Kommentare
  1. 1.

    @Mark Schieritz

    Die _wollen_ das nicht zur Kenntnis nehmen. Aber wo wir gerade beim Bilderbuch sind … hatte gerade Gustav Horns Verteilungsgraphik für die USA in Bezug zu einer anderen gesetzt.

    http://www.markt-daten.de/research/themen/images/debt-bip.gif

    Sonnige Grüße
    Andreas

    • 11. März 2012 um 18:56 Uhr
    • Andreas Heil
  2. 2.

    Erst einmal ist durch die Abschreibung von Scheinwerten (nicht werthaltigen Forderungen) im Zuge der Finanz- und Staatsschuldenkrise in den Bankbilanzen einiges Geld vernichtet worden. Zum Zweiten könnte es sein, dass billiges Zentralbankgeld derzeit erneut finanzsektorinterne Spekulationszyklen treibt und dabei neue nicht unbeträchtliche Scheinforderungen aufbläht, die in einer nächsten Finanzkrise zum Platzen gebracht werden. Zum Dritten erlaubt dieses Schaubild keine Aussage darüber, dass es nicht doch zeitverzögert im Zuge wieder wachsenden Vertrauens der Banken zueinander zu einem deutlichen Anstieg des Geldangebots kommt.

    • 11. März 2012 um 23:34 Uhr
    • alterego
  3. 3.

    @ Mark Schieritz

    Auf die Bemerkung von Helmut Schlesinger: “Ich bin kein Notenbanker mehr. Ich gebe keine Ratschläge” schreiben Sie:

    “Genau solche Antworten machen eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den Rettungsskeptikern so schwierig. Sie kritisieren nur und weisen auf die sicherlich vorhandenen Risiken hin. Das kann jeder und es ist zu wenig.”

    Diese Antwort ist schlicht eine Unverschämtheit. Natürlich kann und darf man kritisieren, ohne es selbst besser machen zu können oder die genaue Lösung zu kennen.

    Vor rund 200 Jahren hat dies einer der bedeutendsten Vertreter der Aufklärung in Deutschland mit seiner Anmerkung zur versalzenen Suppe und dem Nicht-besser-Kochen-müssen bereits geklärt (sollte man denken).

    Es fällt unangenehm auf, dass Sie so oft der Auseinandersetzung in der Sache entfliehen wollen, indem sie moralisierende Kommentare zur vermeintlichen (und kritikwürdigen) Motivation ihrer Gegner abgeben.

    • 12. März 2012 um 00:01 Uhr
    • Wirtschaftssachverständiger
  4. 4.

    @ Mark Schieritz

    Wenn Sie doch nur ein einziges Mal die von Ihnen eingestellten Datenreihen und Grafiken ein wenig sorgfältiger studieren würden!

    Dann könnten Sie zum Beispiel feststellen, dass das Geldangebot seit Beinn der lockeren Geldpolitik durchaus gestiegen ist. Zum Beispiel in den USA seit 2009 um mehr als 20 Prozent.

    Vor allem aber: Was derzeit noch nicht passiert ist, kann ja noch kommen. Wo die Liquidität so großzügig ausgestreut wird, lässt die Inflation nicht lange auf sich warten. Bei den Asset-Preisen haben wir doch längst eine massive Teuerung.

    • 12. März 2012 um 00:09 Uhr
    • Wirtschaftssachverständiger
  5. 5.

    Die Inflation ist doch schon lange da. Bei den “Finanzwerten”. Wo stände denn der DAX,DOW…sonstige Assets, ohne die Finanzspritzen der Notenbanken?

    • 12. März 2012 um 00:18 Uhr
    • Thor
  6. 6.

    @ andreas # 1:

    Immer wieder interessant, wenn auch längst bekannt. Nur geht es hier eben nicht um die USA, sondern um uns.

    • 12. März 2012 um 00:53 Uhr
    • ergo sum
  7. 7.

    Natürlich braucht es verschiedene Faktoren für eine “Inflation”, gemeint sind wohl Verbraucherpreissteigerungen.

    Am “knappen” “Geld” liegt es jedoch nicht, dass die Steigerungsraten (auch mit modernsten Methoden der Messung :roll: ) relativ moderat sind.

    Nur haben es eben nicht die, die Brötchen und Fernseher kaufen. Das “Geld” reichte auch für mehrer hundert Prozent höhere Preise.

    Insofern ist ja die Nichtinflation, also das aufblasen von Assetblasen, das größere Problem aus der Geldschwemme (nicht der letzten paar Jahre, sondern der letzten Jahrzehnte) als die Inflation.

    Brötchenpreissteigerungen kann jeder erkennen und sich darauf einstellen.

    In Schneeballsystemen gebunkertes Scheingeld dagegen kann jederzeit überall aufschlagen, unprognostizierbar, daher gibt es kaum sinnvolle Abwehrmöglichkeiten für Krisen.

    Und alle gängigen Theorien, die mit einer “passenden” Geldmenge entwickelt wurden, kann man getrost in den Eimer werfen.

    • 12. März 2012 um 01:47 Uhr
    • Thomas Pittner
  8. 8.

    @ Mark Schieritz

    Sie machen es sich mal wieder zu einfach.

    1.Wenn nicht ausgeschlossen werden kann, dass durch den eintrocknenden Interbankenhandel eine Liquiditätsklemme droht, dann kann NIEMAND etwas Anderes wollen als das, was die EZB tut – den Banken Zugang zu Liquidität zu verschaffen. Schlesinger kann nichts anders machen, weil auch er keine Liquiditätsklemme wollen kann. Wenn man – wie Sie – bei Schlesinger stehen bleibt, blendet man allerdings das damit verbundene Problem aus, dass die EZB faktisch VERTRAGSWIDRIG Fiskalpolitik betreibt.

    2.Unabhängig von 1. verweisen Sie und andere Advokaten dieser Politik immer wieder darauf, dass die EZB die zur Verfügung gestellte Liquidität sterilisieren könne und dadurch auch zukünftig Inflation kein Thema sei. Natürlich kann sie dies. Damit wird aber nicht die Frage beantwortet, ob sie es tun wird, wenn DADURCH z. B. eine Rezession oder gar Deflation zu erwarten wäre. Wenn Sie die Drei-Jahres-Tender der EZB in der jetzigen Situation als weitgehend unproblematisch ansehen – so verstehe ich Ihre Position –, dann sollte sie es offensichtlich nicht tun bei derartig erwarteten Folgen ihrer Politik. Das muss dann nicht gleich Inflation bedeuten, aber Inflation ist dann thematisch in der Diskussion.

    Unterm Strich:

    Sie bauen nicht zum ersten Mal mit VERKÜRZTER Sichtweise eine Argumentationssituation auf, die Ihnen scheinbar Überlegenheit sichert oder – wie in diesem Fall – Andersdenkende als hilflos erscheinen lässt.

    • 12. März 2012 um 02:19 Uhr
    • Dietmar Tischer
  9. Kommentar zum Thema

    (erforderlich)

    (wird nicht veröffentlicht) (erforderlich)

    (erforderlich)