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Was ist für Jakob Augstein links?

Von 3. Juli 2012 um 17:31 Uhr

Ich schätze die Kolumne von Jakob Augstein sehr und ich bin nicht unbedingt als Anhänger der Regierungspolitik bekannt, aber was er diese Woche geschrieben hat, kann man so nicht stehen lassen

Am Süden ist Merkels Austeritätspolitik in der vergangenen Woche gescheitert. Im Süden liegt das soziale Korrektiv des Kontinents. Und wenn schon die Deutschen linke Politik verlernt haben, im Süden beherrscht man sie noch.

Ist es links, wenn wie in Griechenland die Reichen keine Steuern bezahlen? Ist es links, wenn der Arbeitsmarkt wie in Spanien den Jugendlichen auch in guten Zeiten praktisch keine Chance gibt?  Ist es links, wenn wie in Italien bis zum Regierungswechsel ein halbseidener Medienzar das Land beherrscht?

Wenn man unter Links soziale Gerechtigkeit und einem einigermaßen funktionierenden Wohlfahrtsstaat versteht, dann ist Deutschland weit linker als die meisten Südländer. Das ist ja gerade das bemerkenswerte, dass die Krise eben nicht in erster Linie die Länder mit den hohen Staatsquoten trifft, sondern die mit den niedrigen, wie diese schöne Grafik von Paul Krugman zeigt. Deshalb ist die konservative Interpretation dieser Krise als Krise des Sozialstaats auch so komplett falsch.

 

 

 

 

 

 

Man kann und muss die Kanzlerin kritisieren – aber mit den richtigen Argumenten.

Leser-Kommentare
  1. 1.

    Ausnahme: Frankreich (Staatsquote > 56%).

  2. 2.

    Staatsschulden entstehea, wenn ein Staat mehr ausgibt, als er einnimmt. So simpel ist das.

    Ob man das nun als sozialistisch oder als links oder einfach nur als Misswirtschaft interpretieren möchte, ist letzten Endes jedem selbst überlassen.

  3. 3.

    Ich bin mir sicher, dass Augstein (von dem ich wenig halte) sich nur auf die jüngste Vergangenheit bezogen hat.

    Alex

    • 3. Juli 2012 um 18:52 Uhr
    • Alex
  4. 4.

    Die konservative Interpretation der Krise soll nach Schieritz also lauten, dass sie eine Krise des Sozialstaates sei. Interessant.

    Welche Protagonisten können Sie für diese Ihre Interpretation denn anführen, Herr Schieritz? Wobei dann noch zu fragen wäre, inwiefern deren Äußerung für ein irgendwie zu definierendes, konservatives Lager denn repräsentativ wäre.

    Staaten können auch mit vergleichsweise moderaten Sozialetats kräftig über ihre Verhältnisse leben. Sie verbraten das Geld dann eben auf andere Weise. Zum Beispiel für die Unterhaltung eines hoffnungslos überdimensionierten Staatsapparats.

    Andere Staaten wiederum können, trotz üppiger Sozialetats, in anderen Bereichen so sparsam wirtschaften, dass sie die Grenzen des nachhaltig Finanzierbaren vergleichsweise weniger stark überziehen – also weniger stark als andere über ihre Verhältnisse leben.

    Ist das nicht trivial?!

    • 3. Juli 2012 um 19:39 Uhr
    • alterego
  5. 5.

    Es ist offenbar – irgendwie – “links”, wenn man zur reinen Lehre vom Sparen a la schwäbischer Hausfrau bedenkt, dass eine Volkswirtschaft zur Gesundung auch Wachstum benötigt. Da Wachstum nur mit Investitionen geht (!= sparen) wird der Ansatz klug sparen und klug investieren als – irgendwie – “links” betrachtet. Das liegt wohl daran, das man die ideologische Begrifflichkeit “neoliberal” als – irgendwie – “konservativ” oder “rechts” auffaßt.

    Im Grund heitß es für das deutsche Verständnis. Zurück zur guten alten Bonner Rebulik mit dem guten, alten “Rheinischem Kapitalismus” inklusive dem Gedanken “man mus och gönne könne”. Was sich auch auf die Einkommen der Beschäftigten bezieht. Diese Republik wird allerdings von den Westerwelles & Co. im heutigen Sprachgebrauch gerne mit “Sozialismus” bezeichnet.

    Man darf bei diesen Betrachtungen eben nie vergessen. Mit der Kohlschen Bimbesgesellschaft verändert sich radikal der Sprachgebrauch. Das kann denn einen oder anderen schon mal irritieren.

  6. 6.

    Im Prinzip hat der kurze Einwurf völlig Recht re Augstein. Aber den Seitenhieb auf die angebliche “konservative” Interpretation dieser Krise hat der Autor wo genau her? Selbst im Economist liest man, wo von Reformbedarf die Rede ist, im wesentlichen von Strukturreformen, nicht von der Abschaffung des Sozialstaates.
    Aber manche Märchen schaffen sich wohl nie ab. Eines davon lautet, ausgerechnet “Konservative”, deren deutscher Mustervertreter ihn einst eingeführt hat, wären gegen den Sozialstaat. Mit dieser Schauergeschichte konnte man in Deutschland in den vergangenen 20 Jahren Schuldenaufnahmen erzwingen. Deren Zinsen an wen gingen? Genau …
    Gruss,
    Thorsten Haupts

    • 3. Juli 2012 um 20:26 Uhr
    • ThorHa
  7. 7.

    Wenn Augstein irrlichtert „Der Süden weiß, wie’s geht“, wird es auch für einen M. Schieritz ungemütlich und er distanziert sich.

    Aber es geht bei ihm eben nicht, ohne eine diffuse, nicht belegte „konservative Interpretation dieser Krise als Krise des Sozialstaats“ wie ein Karnickel aus dem Hut zu zaubern.

    Augstein schreibt Unsinn. Punkt.

    Dabei kann man es doch belassen.

    • 3. Juli 2012 um 21:23 Uhr
    • Dietmar Tischer
  8. 8.

    @7

    Sobald es beim Sparen um massiven Lohnverzicht geht, dann ist das eine rein, neudeutsche (siehe @5) Vorgabe aus konservativem Hause.

    Selbst der IWF (handelsblatt.com/politik/konjunktur/nachrichten/iwf-mahnt-deutschland-haengt-an-der-export-nadel/) legt nahe, dass in Deutschland mehr verdient werden muss.

    “Dafür müsse der Arbeitsmarkt weiter gestärkt werden, Investitionen erleichtert und generell der Konsum noch mehr angekurbelt werden – auch durch Stimulusmaßnahmen.”

    Da der Staat nicht die Löhne festsetzt, kann das im Kern für den handelnden Staat nur bedeuten bundesweite Mindeslöhne einzuführen, um Druck auszuüben im Niedriglohnbereich und bei der Zeitarbeit andere Wege zu beschreiten.

    Das wäre dann in der Tat klassich “links”.

  9. Kommentar zum Thema

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