So funktioniert Kapitalismus. Ein Blog

Ulf Poschardts Krise

Von 24. Juli 2012 um 11:15 Uhr

Es ist ein alter journalistischer Trick: Man nehme seine persönliche Agenda, eine krisenhafte Zuspitzung in der realen Welt, behaupte eine Verbindung zwischen beidem und fertig ist die scheinbar objektive Begründung einer subjektive Sichtweise.

Ulf Poschardt zeigt in der Welt, wie es geht:

Die europäische Idee braucht eine neue Erzählung. Ein Weiter-so mit größenwahnsinnigem Staat, absurder Bürokratie, unbezahlbaren Sozialleistungen und aufreizender Bequemlichkeit darf es nicht geben. Aber wer soll das den Europäern beibringen?

Der größenwahnsinnigste Staat in Europa ist Dänemark, mit einer Ausgabenquote von 59,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Irland liegt mit 44,2 Prozent sogar unter Deutschland. Wo bleibt bloß die dänische Krise?

Bei den Sozialleistungen liegt Schweden ganz vorne (und übrigens auch Deutschland). Spanien und Irland ebenfalls recht weit hinten. Wo ist die schwedische Krise?

Bei den Urlaubstagen wiederum sind wir Deutschen an der Spitze. Nicht die Griechen. Wo ist die deutsche Krise?

Vorschlag: Vielleicht hat die Krise in der Währungsunion auch ein bisschen was mit dem Konstruktionsprinzip eben jener Währungsunion zu tun?

Leser-Kommentare
  1. 1.

    Lieber Herr Schieritz,
    jetzt versuchen Sie auch schon, wie der vereehrte Kollege Krugman, Zombies zu killen, die dann doch immer wieder aufstehen.

    Man muß sich damit abfinden, dass es Menschen gibt, für die Fakten keine ausreichenden Argumente sind.

  2. 2.

    War die Entscheidung Irlands sein aufgeblähtes Bankensystem zu retten nicht größenwahnsinnig? Man darf bei der Frage zu viel/zu wenig Staat nicht nur auf den Staatsanteil des BIP schauen, sondern muss auch die Regulierungsdichte mit einbeziehen. Der größte Teil der durch die “Energiewende” verursachten Kosten wird sich z.B. nicht im Staatsanteil niederschlagen. Auch Subventionen durch Steuervergünstigungen haben eine stark lenkende Wirkung, senken den Staatsanteil jedoch formal. Die von den Club-Med-Ländern eingeforderten Reformen beziehen sich in erster Linie auf Deregulierungen und nicht auf Kürzung von Sozialausgaben.

    • 24. Juli 2012 um 12:33 Uhr
    • JMQ
  3. 3.

    JMQ

    Regulierungsdichte? Irland?

    • 24. Juli 2012 um 12:36 Uhr
    • Mark Schieritz
  4. 4.

    Alexandra Endres Zeit über Krisenländer:

    “Die Eliten halten ihre Schäfchen so lange im Trockenen, wie sie nur können.” Für eine Regierung, die sparen müsse, sei es deshalb nur logisch, den Sozialhaushalt zu kürzen. ”

    In Norwegen, Finnland, Schweden und Dänemark, gibt es eben die korrupten Eliten nicht in diesem Umfang, sondern meistens gelebte Solidarität. Leben und leben lassen. Wenn dann die Gemeinschaft sieht, dass sich zu viele in die soziale Hängematte fallen lassen, was durchaus von Zeit zu Zeit vorkommt, wird dieses korrigiert. Griechenland, Spanien und Italien müssen halt ihre mafiösen Strukturen beseitigen und den organisierten, gerechten Fleiß des Normalbürgers freilegen oder halt mit diesen Zuständen leben, aber nicht über ihre Verhältnisse, kein Leistungsbilanzdefizit, dieses ist auch OK.

  5. 5.

    Mark Schieritz: “Regulierungsdichte? Irland?”

    Natürlich nicht. Regulierungsdichte bezog sich auf Deutschland und Südeuropa und es war auch nicht die Bankenregulierung gemeint.

    • 24. Juli 2012 um 12:50 Uhr
    • JMQ
  6. 6.

    @Schieritz
    “Vorschlag: Vielleicht hat die Krise in der Währungsunion auch ein bisschen was mit dem Konstruktionsprinzip eben jener Währungsunion zu tun?”

    Nein, nicht mit dem Konstruktionsprinzip, sondern mit der Währungsunion an sich. Man kann Volkswirtschaften mit tief verwurzelten, unterschiedlichen ökonomischen und politischen Kulturen nicht unter ein Währungsdach zusammenhüten kann, ohne dass sie dieses Dach (und ggf. das Haus) kraft der ihnen innewohnenden, divergierenden Kräfte sprengen. Die zentrale Geldpolitik verfügt über kein Mittel, dies zu verhindern.

    • 24. Juli 2012 um 12:54 Uhr
    • alterego
  7. 7.

    Addiert man Staatsausgaben mit den Ausgaben der staatlichen Gesundheits-, Rentensysteme kommt in ganz Europa Staatswirtschaft heraus.

    Spart die Staatswirtschaft, kommt, unabhängig vom Verschuldungsgrad immer eine Depression heraus.

    Das gilt für alle Wirtschaften einschließlich der BRD, Dänemark, Schweden oder wo es das Paradies an Sozialleistungen und Urlaubtagen gibt..

    • 24. Juli 2012 um 13:11 Uhr
    • fidel
  8. 8.

    @ Bernd Klehn # 4

    Stimme Ihnen zu und ergänze:

    Es ist überhaupt nicht erforderlich, dass irgendjemand den Europäern etwas beibringt (Poschardt) oder für die Währungsunion irgendein anderes Konstruktionsprinzip geschaffen wird (Schieritz).

    Die Märkte richten es gerade.

    An den spreads für europäische Staatsanleihen ist das zu ersehen.

    @ alterego # 6

    Sie haben recht.

    Zu ergänzen ist allerdings:

    Es gäbe keine Krise der Währungsunion, wenn wir mit Einführung der Währungsunion Institutionen in Europa gehabt hätten mit von nationalen Befindlichkeiten unabhängigen und somit quasi DIKTATORISCHEN Durchgriffsrechten, um Konvergenz zu erzwingen.

    Die gab es nicht und die will auch heute NIEMAND, an erster Stelle Frankreich nicht.

    Heißt:

    Selbst wenn so etwas wie eine funktionierende Währungsunion denkbar ist – die BEDINGUNGEN dafür wird es nicht geben.

    Schieritz hat das anscheinend immer noch nicht begriffen, wenn er das Problem im Konstruktionsprinzip statt in der POLITIK sucht.

    • 24. Juli 2012 um 14:18 Uhr
    • Dietmar Tischer
  9. Kommentar zum Thema

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