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Brüsseler Schnapsidee

Von 26. Juli 2012 um 10:01 Uhr

Wenn es stimmt, was die SZ heute schreibt, dann muss die Verzweiflung in Brüssel wirklich groß sein.

Der EFSF soll also am Sekundärmarkt aktiv werden und spanische Staatsanleihen kaufen, um so deren Renditen zu senken.

Das wäre pure Geldverschwendung, bei der sich die Anleihebesitzer auf Kosten der Steuerzahler gesundstoßen.

Der EFSF verfügt noch über freie Kapazitäten von 148 Milliarden Euro. Wie Christian Schulz von der Berenberg Bank vorrechnet: Wenn der Fonds wie die EZB auf dem Höhepunkt ihres Anleiheprogramms 20 Milliarden pro Woche ausgibt, ist er in sieben Wochen leer.

Wahrscheinlich würden die Investoren sogar die Gelegenheit nutzen, ihre Anleihen möglichst schnell loszuwerden, weil sie wissen, dass die Ressourcen begrenzt sind. Das Ganze wäre also möglicherweise sogar kontraproduktiv.

Eine Intervention hat nur Aussicht auf Erfolg, wenn sie massiv ist. Frei nach Colin Powell: Wenn man rein geht, dann mit überwältigender Kraft. Das bedeutet hohe, idealerweise unbegrenzte Feuerkraft. Dazu muss der EFSF mit einer Banklizenz ausgestattet werden, so dass er sich bei der EZB refinanzieren kann.

Wenn man das nicht will, sollte man es bleiben lassen.

Leser-Kommentare
  1. 1.

    “Das wäre pure Geldverschwendung, bei der sich die Anleihebesitzer auf Kosten der Steuerzahler gesundstoßen.”

    Das gleiche kann man zu allen Maßnahmen der “Eurorettung” sagen.

  2. 2.

    Der Euroknoten kann sich nur langsam lösen.
    Erst müssen alle Fakten auf den Tisch. In Griechland, Spanien und
    Italien müssen die vorhandenen Parteien und Regierungen die Einsicht
    in die Notwendigkeiten gewinnen und Umsetzen. Das ist schwer und braucht Zeit. Aber es kommt Schritt um Schritt voran.
    Der europäische Arbeitsmarkt kommt auch endlich langsam in Bewegung.
    Die Binnenwanderung der Arbeitskräfte wird sich beschleunigen.
    Die Exportanstrengungen in Portugal, Spanien kommen voran.
    Die Ölpreise bleiben gedämpft. Das schont die Zahlungsbilanzen.
    Die schwache Konjunktur stört den Prozess, ist aber durch staatliche
    Konjunkturprogramme nur wenig zu beinflussen.
    Eine starke Konjunkturstütze sind die international niedrigen Zinsen.
    Es wird in Brüssel noch eine lange Zeit der Schnapsideen geben,
    dazwischen wird auch eine brauchbare sein, aber sie befeuern immer den notwendigen Lernprozeß.
    Dumm ist es die CO2 Preise ausgerechnet in der Rezession zu erhöhen.
    Manchmal hat man den Eindruck in Brüssel herrschen griechische Verhältnisse. Aber seien wir zuversichtlich “Not macht erfinderisch”.
    Ein Tipp für die Kommission. Die griechischen Arbeitslosen und Wachstumszahlen stimmen nicht. Die Schwarzarbeit hat in Griechenland
    gewaltig zugenommen. Hohe Arbeitslosenzahlen sind aber für die Griechen
    ein interessanter Verhandlungsjocker.

    • 26. Juli 2012 um 11:34 Uhr
    • Halapp
  3. 3.

    Beim Lesen der ersten Zeilen dachte ich, Mark Schieritz wäre doch noch zur “Vernunft” gekommen. Aber dann: Eine Banklizenz für den EFSF mit einer Refinanzierungsmöglichkeit bei der EZB. Ein Lösungsansatz, der von Herrn Soros stammen könnte.

  4. 4.

    “Eine Intervention hat nur Aussicht auf Erfolg, wenn sie massiv ist. Frei nach Colin Powell: Wenn man rein geht, dann mit überwältigender Kraft. Das bedeutet hohe, idealerweise unbegrenzte Feuerkraft. Dazu muss der EFSF mit einer Banklizenz ausgestattet werden, so dass er sich bei der EZB refinanzieren kann.”

    Hurra, Staatsfinanzierung durch den EFSF, der in 6 Monaten dann einfach zur “Bad Bank” deklariert wird. Super Idee, Schulden nicht nur mit mehr Schulden, sondern mit noch viel viel mehr Schulden zu bezahlen.
    Besserer Artikel in der Welt: “Deutschland droht nun selbst der Staatsbankrott” – vier Gründe warum der Euro scheitern musste. Ja, er ist gescheitert.

    • 26. Juli 2012 um 12:00 Uhr
    • my3cents
  5. 5.

    Banklizenz: ist vielleicht wirklich sinnvoll. Aber Colin Powell und den Irak-Krieg würde ich jetzt nicht unbedingt als Vorbild betrachten.
    Das Problem ist aber generell dass nur ein kraftvolles Gesamtkonzept Erfolg verspricht. Keine Einzelmaßnahmen.
    Zu glauben dass noch mehr vom gleichen wie bisher, also Rentner abwürgen, Arbeitsschutz aufheben usw. was seit 2 Jahren von Merkel europaweit durchgedrückt wird, plötzlich zur Trendwende führt ist eine Illusion.
    Frau Wagenknecht hat ein Konzept. Aber erst müssen diese Taktierer und neoliberalen Ideologen alles an die Wand fahren bevor so etwas eine Cance hat.

    • 26. Juli 2012 um 12:02 Uhr
    • thbode
  6. 6.

    Der entscheidende Satz:

    “Der EFSF soll also am Sekundärmarkt aktiv werden und spanische Staatsanleihen kaufen, um so deren Renditen zu senken.”

    Sekundärmarkt heißt, der EFSF soll nicht direkt Anleihen vom Staat Spanien kaufen, sondern von Kapitalgesellschaften und Einzelgläubigern, die spanische Anleihen im Portfolio haben.
    Wieder einmal nichts anderes, als die Gewinne zu privatisieren und Verluste zu sozialisieren.

    Sollte ich falsch liegen, lasse ich mich gerne belehren.

    MfG
    AoM

  7. 7.

    “bei der sich die Anleihebesitzer auf Kosten der Steuerzahler gesundstoßen.”

    Das wirt vielleicht erzählt und vielleicht sieht es auf den ersten Blick auch so aus, allerdings wird hier nichts gesundgestoßen – wie den auch, wenn man die Kaufkraft der Bürger wegnimmt und die Produktion schrumpft.

    Ja wo sollten die Anleger Ihr Geld anlegen, wenn die Produktion (der Geldkreislauf besser gesagt) immer weiter zusammenbricht?

    Ja ja, das Vertrauen der Finanzmärkte wieder herstellen.

    Wie rational dieses System ist, zeigt sich an seinen Widersprüchen. Mit Garantien will man die Finanzmärkte beruhigen, die aber genau das Problem schaffen, welches ich oben genannt habe. Dagegen wird die Enteignung (Reichensteuer, etc.) als Sünde gesehen, wobei genau das den Finanzmarkt wirkliche Sicherheiten geben würde.

    Wann begreifen die meisten Menschen, dass für die meisten das System gegen sie arbeitet?

  8. 8.

    Mark Schieritz glaubt an die “Vertrauenskrise”

    Wenn es sich um eine Vertrauenskrise handeln würde, könnte man die Situation durch herstellen von Vertrauen retten, eben mit der “unbegrenzten Feuerkraft” (werden militärische Metaphern jetzt wieder salonfähig?) des Herrn Schieritz. Wer bei der Euro-Krise an eine Vertrauenskrise glaubt, sollte aber lieber an den Weihnachtsmann glauben.

    Es handelt sich um eine Strukturkrise und eine Zahlungsbilanzkrise. Die europäische Politik hat sich aber entschlossen, davor ganz fest die Augen zu verschließen. Herr Schieritz und die Zeit-Online-Redaktion haben es auch. Ihnen allen sei gesagt: Weihnachtsabend ist erst am 24. Dezember.

    • 26. Juli 2012 um 12:15 Uhr
    • WolfHai
  9. Kommentar zum Thema

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