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Das nahe Ende der Verbrennungsmotoren

 

Mit Riesenschritten nähert sich die Welt dem Punkt, an dem, getrieben durch immer niedrigere Preise für Photovoltaik und Windstrom, zusätzlich benötigte Energie komplett aus alternativen Quellen stammen wird. Er dürfte das Ende des fossilen Zeitalters markieren und damit das Ende der Unternehmen, die sich darauf nicht rechtzeitig vorbereitet haben. Manchmal kann das sehr schnell passieren, wie die beiden folgenden Bilder vom Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts zeigen: Innerhalb von nur 13 Jahren hatten Autos die Pferdekutschen vollkommen von der Fifth Avenue Manhattans verdrängt.

Fifth Avenue - Easter 1900 (Quelle: National Archives and Records Administration)
Fifth Avenue – Easter 1900 (Quelle: National Archives and Records Administration)

Fifth Avenue -  Easter 1913 (Quelle: Library of Congress)
Fifth Avenue – Easter 1913 (Quelle: Library of Congress)

Manchmal passiert der Strukturwandel fast über Nacht. Jüngere Beispiele sind das Verschwinden der Handysparte von Nokia, die Konkurse führender Kohleproduzenten und das plötzliche Schrumpfen der deutschen Versorger, vieler global aufgestellten Banken oder der europäischen Stahlindustrie. Die nächsten Kandidaten könnten Volkswagen, Daimler und BMW sein, wenn sie die Zeichen der Zeit nicht erkennen oder nicht ernst nehmen. Was ist, wenn einzelne Länder beschließen, ab einem bestimmten Zeitpunkt keine Autos mit Verbrennungsmotoren mehr zuzulassen? In Norwegen und in den Niederlanden wird darüber bereits nachgedacht. Kalifornien könnte bald folgen. Die Luft ist in vielen der chinesischen, indischen oder lateinamerikanischen Megastädte heutzutage so belastet, dass diesel- oder benzinbetriebene Autos demnächst aus den Zentren verbannt werden dürften, oder dass nach dem Vorbild Londons hohe Eintrittsgelder verlangt werden. Auch ohne staatliche Subventionen schlägt dann die Stunde der Elektrofahrzeuge.

Wenn auf den Straßen mehr Elektroautos fahren, muss das nicht heißen, dass der Strom selbst aus „sauberen“ Quellen stammt. Es ist aber wahrscheinlich, dass das demnächst für die zusätzlich benötigte Elektrizität gilt. Die globale Kapazität von Wind- und Solaranlagen dürfte auch in den nächsten Jahren mit Raten zwischen 15 Prozent (Wind) und 25 Prozent (Solar) zunehmen. Gleichzeitig stagnieren oder fallen die Investitionen in Anlagen, die den Strom durch das Verbrennen von Kohle, Gas und Erdöl gewinnen. Der Economist zitiert die International Renewable Energy Agency, die darüber berichtet, dass die Preise für Solarpaneele seit 2010 um nicht weniger als 80 Prozent gefallen sind. Solarstrom kann in den sonnigeren Regionen der Welt neuerdings auch ohne Subventionen billiger angeboten werden als Strom aus fossilen Quellen. Für die armen Länder des Südens sind das wunderbare Entwicklungen.

Ein Grund für die rapide Expansion der alternativen Energie sind die großen Fortschritte bei der Leistungsfähigkeit von Batterien sowie ihr anhaltender Preisrückgang. Da die Sonne nicht immer scheint und der Wind nicht immer weht, schwankt die Abgabe von Strom ins Netz sehr stark, so dass sich die Abnehmer bisher nicht darauf verlassen konnten, den Strom dann zu bekommen, wenn sie ihn brauchten. Es war ein Argument dafür, immer ausreichend konventionelle Kraftwerke als Reserve vorzuhalten und es mit der Umstellung auf Erneuerbare langsam angehen zu lassen. Dieser Aspekt ist zunehmend weniger relevant, weil der Trend dahin geht, aus gebrauchten Autobatterien Speicherkraftwerke zu bauen sowie die Elektrofahrzeuge in der Zeit, in der sie nicht bewegt werden, zu einem gigantischen Stromspeicher zu vernetzen. Auch die Umwandlung von überschüssigem Strom in speicherbares Gas ist eine interessante Methode, wie sich Spitzen ausgleichen lassen.

Während das globale Sozialprodukt real mit einer Rate von rund drei Prozent zunimmt, steigt die Energienachfrage im Trend lediglich um ein Prozent, also etwa so schnell wie die Weltbevölkerung. Denn die Energieeffizienz verbessert sich ebenfalls mit Riesenschritten. Durch die Isolierung von Gebäuden, Wärmepumpen, immer sparsamere Verbrennungsmotoren, kürzere Entfernungen zwischen Erzeugern und Verbrauchern, durch Steuern und Abgaben auf den Einsatz fossiler Brennstoffe sowie den kommenden Umstieg auf Elektromobilität lässt sich der allgemeine Wohlstand stärker steigern als der Energiebedarf.

In den reichen Ländern mit ihren Wachstumsraten von nur etwa 1,5 Prozent ist er bereits rückläufig, für die Welt insgesamt ist es nur eine Frage der Zeit. Darüber, wie lange es noch dauern wird, gehen die Meinungen – je nach Interessenlage – weit auseinander. In den Schwellenländern mit ihrem sehr niedrigen pro-Kopf-Verbrauch und raschen Wirtschaftswachstum gibt es natürlich noch erheblichen Nachholbedarf. Der Preisverfall von Kohle, Gas und Erdöl stimuliert darüber hinaus für sich genommen den Verbrauch von fossilen Brennstoffen. Aber die Umwelt ist teilweise schon jetzt in einem so katastrophalen Zustand, dass es mit der herkömmliche Energiegewinnung und Mobilität nicht mehr ungebremst weitergehen kann. Die Politik wird zunehmend gegenhalten müssen

Ich vermute, dass wir den sogenannten Tipping Point, an dem der globale Verbrauch fossiler Energieträger absolut zurückzugehen beginnt, früher erleben werden als allgemein erwartet, vielleicht schon vor 2030. Angesichts des Preisverfalls von Strom aus Sonne und Wind, des explosiven Ausbaus der Kapazitäten und der großen Vorteile für die Umwelt ist ein Prozess in Gang gekommen, der nicht mehr zu stoppen ist.

89 Kommentare

  1.   Babendiek

    @ Wermuth

    Es wird noch sehr, sehr lange dauern, bis alternative Antriebe den Verbrennungsmotor abgelöst haben. Hierzu nur ein paar aktuelle Fakten.

    • Die viel beklatschte Firma Tesla baute im ersten Quartal 2016 gerade einmal knapp 15 000 Elektroautos. Das waren weniger Fahrzeuge, als Porsche produzierte.

    • Die Bundesregierung hat verkündet, dass bis 2020 eine Million Elektroautos auf den deutschen Straßen rollen sollen. Dieses Ziel wird voraussichtlich weit verfehlt werden.

    • Die deutschen Autohersteller verlangen Subventionen für den Verkauf von Elektroautos. Sonst werden sie ihre Vehikel voraussichtlich nicht los.

    • BMW hat bereits vor einiger Zeit die Arbeiten am Wasserstoffauto eingestellt.

    • Ende der 1990er Jahre kündigte Daimler an, bis 2004 die ersten Serienfahrzeuge mit Brennstoffzellenantrieb herauszubringen. Die Autos sind bis heute nicht auf dem Markt.

    • In ganz Europa bieten bislang nur zwei oder drei Hersteller PKW mit Fuel Cells an. Aufgrund des hohen Preises werden die Modelle nur in ganz kleinen Serien produziert.

    • Das einzige, was läuft, sind Autos mit Hybridantrieb. Doch diese Fahrzeuge benötigen Verbrennungsmotoren, die bei Überlandfahrten eingeschaltet werden.

    Ich fürchte, noch im Jahr 2030 kurven mehrheitlich Autos mit Otto- oder Diesel-Motoren über unsere Straßen.

  2.   Dietmar Tischer

    Das Ende des fossilen Zeitalters ist eine Sache.

    Das vermeintlich nahe (!!) Ende der Verbrennungsmotoren ist eine andere.

    Um marktfähig zu sein – marktfähig, nicht subventionsfähig – muss das Elektroauto noch gewaltig zulegen beim Preis, der Reichweite und der Infrastruktur (Elektro-Tankstellen).

    Das ist hinreichend nirgendwo erfüllt und nicht wirklich abzusehen. TESLA lebt nur solange, wie Geld nachgeschossen wird. Die Umdeutung von Reservierungen in Bestellungen ändert daran nichts.

    >Was ist, wenn einzelne Länder beschließen, ab einem bestimmten Zeitpunkt keine Autos mit Verbrennungsmotoren mehr zuzulassen?>

    Einzelne Länder können das beschließen – diejenigen, die keine Automobilindustrie haben.

    Diejenigen, die eine haben, werden für eine noch erhebliche Zeit nicht einmal im Traum daran denken, dies zu beschließen. Denn sie würden in erheblichem Umfang Arbeitslosigkeit beschließen und in der Folge soziale Destabilisierung.

    Ich halte mit folgender Hypothese dagegen:

    In dem Maß, in dem das Elektroautomobil an Bedeutung gegenüber dem mit Verbrennungsmotor gewinnt, nimmt die Bedeutung von Automobilen wegen der Verstädterung der Welt ab.

    Demnach könnte es sein, dass das Automobil, ob mit Elektro- oder Verbrennungsmotor, abnehmende Nachfrage erfährt noch bevor das Elektroautomobil zur Reife gelangt ist.

    >Der Preisverfall von Kohle, Gas und Erdöl stimuliert darüber hinaus für sich genommen den Verbrauch von fossilen Brennstoffen. Aber die Umwelt ist teilweise schon jetzt in einem so katastrophalen Zustand, dass es mit der herkömmliche Energiegewinnung und Mobilität nicht mehr ungebremst weitergehen kann. Die Politik wird zunehmend gegenhalten müssen.>

    Das ist Wunschdenken.

    Der Zustand der Umwelt, dessen desaströse Weiterentwicklung von keinem der maßgebenden Politiker in der Welt geleugnet wird, hat nicht dazu geführt, dass es nicht so weitergeht.

    Es geht mehr oder weniger so weiter, weil die Politik einen anderen Job hat als den, den Sie ihr aufbürden.

    Die Politiker haben nicht die Umwelt zu retten, sondern soziale und politische Stabilität dort zu sichern, wo sie die Verantwortung dafür haben.

    Wenn die Malediven und große Teile von Bangladesch nur gerettet werden können, wenn es woanders Millionen Arbeitslose mehr gibt, dann werden die Malediven und große Teile von Bangladesch nicht gerettet. Dies auch dann, wenn diese Politik wiederum Flüchtlingswellen in die Länder auslösen würde, die sich vor Arbeitlosigkeit verschont haben.

    Das kann man bedauern, für unmoralisch oder sonst etwas halten.

    Es ist aber so.

    Käme es anders, wäre der Mensch ein anderer als der, der er durch Jahrtausende seiner evolutionären Entwicklung geworden ist.

    Es nicht anzunehmen, dass dies der Fall sein könnten, weil es der Umwelt dreckig geht.

  3.   rjmaris

    @ Babendiek

    Ich glaube, Sie unterschätzen die möglichen Dynamiken bei wesentlichen Innovationen. Vor ca. 8 Jahren sagte ein Innovationsforscher der uni Magdeburg folgendes:

    Eine mögliche disruptive Innovation im Fahrzeugbau könne das erste marktfähige Elektroauto sein. „Ich wette, dass das nicht von Audi, Mercedes oder BMW entwickelt wird. Start-ups oder Seiteneinsteiger, etwa aus dem Elektronik- oder Energiebereich, werden hier die Nase vorn haben“.

    Im Augenblick sieht es schwer danach aus, das er Recht hat.

    Quelle: http://www.ingenieur.de/Panorama/Am-Rande/Heutigen-Industrieriesen-droht-Schicksal-Dinosaurier

    Ich hatten den Artikel noch im Kopf, weil der dort beschriebene Fall der Fa. Tudor mir nachhaltig in Erinnerung geblieben ist. Dieses US-Eisimperium wurde mit einer Erfindung (Eis-Herstellung) konfrontiert, was aufgrund der hohen Transportkosten für den Eistransport in den Süden der USA gefährlich für Tudor wurde:

    Das Tudor-Imperium reagierte mit hohen Investitionen in seine Infrastruktur. Transportwege und Lagerhaltung wurden optimiert, das Marketing verstärkt. „Keiner aber kam auf die Idee, in die neue Technologie zu investieren. Statt dessen fuhren die Eis-Abbauer mit Vollgas in die Sackgasse“, so Horton.

    Dieses Verhalten sei typisch. „Etablierte Firmen haben schließlich viel in ihr Wissen und ihre Maschinen investiert. Dies alles aufzugeben – zugunsten einer unsicheren Invention – kann von einem Manager kaum verlangt werden. Zumal der tobende Konkurrenzkampf seine gesamte Aufmerksamkeit verlangt“.

    Wir sehen hier übrigens eine Parallelexistenz zweier Technologien in einer Übergangszeit. Gerade diesen Umstand macht, dass es plötzlich schnell gehen kann. Das könnte (muss nicht) mit dem E-Auto auch passieren.

  4.   vanselow

    Der Artikel trifft den Nagel auf den Kopf. Die Energiewende ist nicht mehr zu stoppen. Braunkohle liegt bei Stromgestehungskosten von 3 bis 4 Cent pro kWh. Windenergie in Deutschland schon unter 3 Cent pro kWh. Braunkohle ist die billigste Stromproduktion auf die traditionelle Art. Atomkraft liegt bei 12 Cent pro kWh (siehe Hinkley Point C). Atomkraft hat sich schon deshalb in Europa erledigt. Braunkohle dient nur noch als Lückenfüller, wenn kein Windstrom da ist. Es lohnt sich nicht mehr, neue Kohlekraftwerke zu bauen, weil diese sich nur rechnen, wenn diese länger als 30 Jahre laufen und Geld verdienen. Das scheint nicht mehr möglich, weil Wind- und Solarstrom immer billiger wird. Auch Solarstrom wird in den USA schon unter 4 USCent pro kWh verkauft. Und selbst als Lückenfüller taugen die alten Kraftwerke bald nicht mehr, weil die Batteriespeicherkraftwerke immer billiger werden. Tesla verkauft grosse Batteriespeicher schon für 250 USD pro kWh. Grossabnehmer bekommen Preise von unter 150 USD (siehe General Motors für den Bolt). Für jede kWh, die in der Lebenszeit (ca. 15 bis 20 Jahre bei mehr als 10.000 Ladezyklen) von so einem Batteriespeicher eingelagert werden, sind das nur noch Kosten von 1 bis 2 Cent. Und dann gibt es eben noch den Eigenverbrauch: Privathaushalte aber auch kleine Gewerbegebiete, Gemeinden produzieren den Strom selbst. Dadurch entfallen die Stromtransportkosten, die heute schon viel höher als die eigentlichen Stromproduktionskosten sind. Die alte Struktur der zentralen Stromproduktion hat sich damit auch erledigt. Und viele Gegenden der Welt, die bislang keinen Strom hatten, werden nun schnell und einfach Strom bekommen.

    Und beim Elektroauto: das wird schneller gehen, als man sich das in der deutschen Autoindustrie heute so vorstellt. Vermutlich sogar so schnell, dass die deutsche Autoindustrie es nicht überleben wird. Damit verschwinden so etwa 20 Prozent der deutschen Arbeitsplätze. Norwegen und Niederlande wollen ab 2025 die Benzin- und Dieselautos verbieten. Indien möchte das für 2030 machen. China wird etwas ähnliches tun. Kalifornien, grosse Städte usw werden folgen. Nur dort, wo es eine starke Autolobby gibt, wird der Verbrennungsmotor noch länger halten. Aber warum soll man die Luft verpesten, wenn es auch ohne geht? Das wird man in vielen Ländern so sehen. Und die Elektroautos werden immer billiger: Tesla Model 3. 400.000 Vorbestellungen in nur 3 Wochen. Zum Vergleich verkaufen Daimler, BMW, Audi jeweils 2 Mio. Fahrzeuge pro Jahr. Das Tesla Model 3 könnte diese alle ersetzen, wenn es so weiter geht. Und Elon Musk hat die besten Eigenschaften des Tesla Model 3 noch gar nicht erzählt: Das Model 3 ist voll autonom. Elon Musk erklärt das so: Man kann das Fahrzeug über 500 km herrufen. Das Fahrzeug wird die Strecke bewältigen ohne einen Fahrer an Board und es wird auch noch unterwegs allein auftanken. Das Aufladen soll in 10 bis 15 Minuten funktionieren und das kostenlos. Und das zu einem Preis von 31.000 Euro. Das Tesla Model 3 wird mit dem iPhone verglichen: danach war die Handyindustrie nicht mehr so wie davor: es verkauften sich nur noch Smartphones mit Touchscreen. Nokia hat das nicht überlebt, weil verschlafen. Samsung ist damit erst in den Markt eingestiegen. Das Model 3 wird auch mit dem T-Model von Ford verglichen. Lange Zeit gab es praktisch nur dieses eine Auto. Elon Musk sagt dazu: das Model 3 wird das Automobil auf einen neuen Level heben. Das Fahrzeug wird ab 2017 verkauft. Die deutschen Autobauer haben nichts vergleichbares anzubieten und werden es auch nicht mehr schaffen, etwas vergleichbares anzubieten. Den Trend einfach verschlafen, obwohl dieser lange vorhersehbar war. Die deutsche Autoindustrie wird das nicht überleben. Viele Menschen werden arbeitslos. Die deutsche Wirtschaft wird stark einbrechen.

  5.   Babendiek

    @ Wermuth

    Die Parallele, die Sie zur sehr raschen Ablösung von Kutschen durch Kraftfahrzeuge ziehen, ist m. E. nicht ganz statthaft. Das Auto war dem Pferd seinerzeit in vielerlei Hinsicht überlegen:

    1. Autos fahren erheblich schneller als Pferde traben können.

    2. Die Reichweite ist wesentlich größer.

    3. Autos sind deutlich wendiger und im Straßenverkehr leichter manövrierbar als eine Kutsche, die von zwei (oder mehr) Pferden gezogen wird.

    4. Es ist ziemlich aufwendig und teuer, Pferde zu versorgen, zu füttern, zu striegeln etc. Ein Auto kann ich nach Gebrauch einfach in der Garage parken.

    Ganz im Gegensatz dazu sind Elektroautos heute Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren in kaum einer Hinsicht auch nur ebenbürtig.

    Die Reichweite beträgt bei den Modellen der französischen, japanischen und deutschen Hersteller in der Regel zwischen 80 und 200+ Kilometern.

    Bei Beschleunigung und Höchstgeschwindigkeit liegen Elektroautos ebenfalls weit zurück. Hinzu kommen die langen Ladezeiten, die bei einigen Modellen bis zu acht Stunden beragen. Kürzere Ladezeiten müssen mit teurer Zusatztechnik erkauft werden.

    Vor allem aber sind E-Autos beim Preis noch lange nicht wettbewerbsfähig. Das weltweit populärste Modell – der Leaf von Nissan – kostet in der Grundversion m. W. 29.000 Euro. Das sind ungefähr 10.000 Euro mehr als ein entsprechender konventioneller PKW kostet.

    Auf große Reichweiten und hohe Geschwindigkeiten kommen lediglich die Spitzen-Modelle von Tesla. Entsprechend stolze Preise verlangt der Hersteller. Das Modell S kostet in der Grundausstattung 82.700 Euro. Für das Modell X verlangt Tesla in Deutschland mehr als 100.000 Euro. Die Extras kosten dann nochmal ein paar zehntausend Euro.

    M. a. W.: Die Autos sind so teuer wie die S-Klasse von Mercedes. Entsprechend gering sind die Verkaufszahlen.

    Anfang April stellte Tesla mit viel Tamtam sein Modell 3 vor, das eine Art von „Volks-Tesla“ werden soll. Der Hersteller gibt den Einstiegspreis mit 35 000 Dollar an. Inklusive der üblichen Zusatzausstattung und der Mehrwertsteuer dürfte das Modell, das 2017 auf den Markt kommen soll, in Deutschland 40.000 bis 45.000 Euro kosten. Einen VW Golf gibt es für rund die Hälfte.

    Was in der Diskussion oft vergessen wird: Elektromobilität ist ja keine völlig neue, revolutionäre Technologie, die anfangs unvermeidlich hinter den konkurrierenden alten Technologien zurückliegt.

    Im Gegenteil: Elektroautos sind fast so alt wie Benziner. Anfang des 20. Jahrhunderts gab es Dutzende von kleinen Firmen, die Autos mit Elektroantrieb herstellten.

    Wenn sich dennoch Otto- und Diesel-Motoren durchgesetzt haben, ist dies auf grundlegende technische Probleme bei Elektroantrieben zurückzuführen. Es wird vermutlich noch ziemlich lange dauern, bis die Ingenieure es geschafft haben, den Rückstand zu konventionellen Autos aufzuholen.

  6.   Dietmar Tischer

    Zur Nachfrage von Automobilen in den entwickelten Volkswirtschaften:

    Die Automobiltechnik ist sehr innovativ, allerdings in besonderer Weise.

    Sie erhöht Sicherheit und Komfort und vernetzt das Automobil, womit sie lediglich nachzieht gegenüber Wohnzimmer und Büro. Niemand kauft sich ein neues Automobil, weil es mit einer Kamera zum Einparken ausgestattet ist. Ein neues Automobil wird anhand anderer Kriterien gekauft.

    Was die Automobiltechnik mit ihren Innovationen – 10 von 9 sind der Elektronik geschuldet – nicht kann:

    Sie erhöht nicht die Mobilität, d. h. den originären Nutzen. Der nimmt eher ab durch Staus und Geschwindigkeitsbegrenzungen bzw. wird dysfunktional zur Erschwernis durch Verdichtung der Besiedlung und den Mangel an Parkplätzen. Neuerungen wie SUV sind mit Blick darauf ein Marketing-Gag, bieten aber nicht wirklich ein Mehrwert.

    Das ist nicht der einzige Grund, aber ein wesentlicher, warum der Automobilbestand auf unseren Straßen immer älter geworden ist.

    Auch das Elektroautomobil kann diesbezüglich keinen Mehrwert bieten.

    Wenn es überhaupt einen bieten kann, ist der sekundär – ein wenig „gutes Umweltgewissen“ und möglicherweise evtl. irgendwann einmal, weit weg von heute, geringere Unterhaltskosen, wenn die Batterien ausgereift sind und regenerative Energie viel billiger ist als heute. Der Grund: Elektromotor und die Steuerung von E-Motoren sind billiger herzustellen als Verbrennungsmotoren und mechanische Getriebe.

    Bis DAHIN:

    Den Wettbewerb mit den ausgereiften konventionellen Automobilen kann das E-Auto nur durch einen substantiellen Preisvorteil gewinnen oder – daran wird ja schon ansatzweise gearbeitet – durch Regulierung, d. h. Bevorteilung durch Subventionen bzw. später durch Verbot von Automobilen mit Verbrennungsmotoren.

    Klar:

    Mit Dirigismus ist ALLES möglich.

    Man muss das aber offen sagen und darf die Kosten dirgistischer Eingriffe nicht verschweigen.

  7.   Babendiek

    @ Vanelow

    Es ist lustig, wie Sie hier einseitig Reklame machen für Tesla. Auch viele etablierte Autobauer haben längst entdeckt, dass der Elektroantrieb ein Zukunftsthema ist.

    Laut einer Aufstellung, die ein bekanntes Auto-Magazin neulich veröffentlicht hat, wollen Autobauer aus Europa und Asien in den kommenden Jahren mehr als zwei Dutzend neue Modelle mit alternativen Antrieben (Elektromotor, Hybridantrieb, Brennstoffzellen) auf den Markt bringen. Selbst die Innovations-Schlafmütze Volkswagen springt auf den Zug: Den Golf VIII soll es auch mit Elektromotor geben.

    Das Problem ist nur: Wichtige Leistungsdaten sind auch bei den neuen Modelle deutlich schlechter als bei konventionellen Fahrzeugen.Die Preise sind dafür umso höher. Da unterscheiden sich die etablierten Hersteller nicht von Tesla.

    Tesla ist übrigens eine Manufaktur, die bisher nur sehr teuere Autos in Kleinserien gefertigt hat. Die müssen erst einmal zeigen, dass sie auch Großserienfertigung von massenmarkttauglichen Autos können.

  8.   Dietmar Tischer

    Das nahe Ende der Verbrennungsmotoren“ (Wermuth) und „Elektroautos werden immer billiger: Tesla Model 3. 400.000 Vorbestellungen in nur 3 Wochen.“ (vanselow).

    Ob nahes Ende statt ANFANG mit Alternativantrieb, ob Vorbestellung statt RESERVIERUNG:

    Hier vernebelt Wunschdenken die Sinne.

    Richtig, aber nicht auf Erkenntnis beruhend ist allerdings:

    >Die deutschen Autobauer haben nichts vergleichbares anzubieten und werden es auch nicht mehr schaffen, etwas vergleichbares anzubieten.>

    Sie wären verrückt, wenn sie auch nur eine Minute daran dächten etwas dem Tesla Model 3 VERGLEICHBARES anzubieten.

    Geld mit nicht gewinnbringenden Produkten zu verbrennen, überlassen sie anderen.

  9.   vanselow

    @Dietmar Tischer
    Ich werde in drei Jahren nochmals auf Ihren Kommentar eingehen. Das Problem in Deutschland liegt nicht nur bei Managern, die solche Entwicklungen verschlafen. Das Problem liegt beim ganzen Volk, was letztlich auch die Politik prägt. Wie kann die Politik derart lange darüber nachdenken, ob nun Kaufprämie oder nicht, wo in Deutschland ein erheblicher Anteil der deutschen Wirtschaft von der Automobilindustrie abhängt? In Deutschland hätte man dieser Entwicklung vorausgehen müssen. BMW oder Daimler oder Audi hätten einen Tesla Roadster noch vor 2008 auf die Strassen bringen müssen und vor 2012 noch ein Tesla Model S. Stattdessen tut dies ein Startup und führt die gesamte Autoindustrie vor. Das Rennen ist längst verloren. 400.000 Vorbestellungen (es wird tatsächlich Vorbestellung genannt) in drei Wochen für ein Auto gab es noch nie in der Automobilgeschichte. Der Knall kann doch fast nicht mehr lauter sein. Wie kann man das immer noch überhören? Tesla wird bei der Massenproduktion scheitern? Das ist dann auch noch der letzte Strohhalm, an den man sich klammern kann.

    @Babendiek
    Sicher gibt es auch herkömmliche Autofirmen, die Elektroautos entwickelt haben und verkaufen. In Deutschland gibt es da genau nur den BMW i3. Und fast die gesamte Entwicklermannschaft vom i3 wurde jetzt von einer chinesischen Autofirma aufgekauft. In China gibt es übrigens 36 Autofirmen, die reine Elektroautos herstellen. Hybridantrieb war ein Übergang in den letzten 20 Jahren angefangen von Toyota. Der Übergang ist jetzt abgeschlossen (siehe Opel Ampera). Brennstoffzelle kommt zu spät. Es gibt schon Millionen von Batteriefahrzeugen weltweit auf den Strassen. Das können die Brennstoffzellenautos nicht mehr einholen, auch wenn die deutschen Autobauer immer noch daran weiterentwickeln und bis heute noch kein kaufbares Produkt haben.

    Zu den Preisen: Tesla Model 3: 31.000 Euro . Das Auto ist vergleichbar mit Mercedes C-Klasse, 3er BMW, Audi A4. Für das Geld bekommt man kein Benzinerfahrzeug mehr mit vergleichbaren Leistungsdaten. Die meisten werden es aber erst sehen, wenn diese selbst in so einem Auto gesessen sind. Das Rennen ist gelaufen.

    Und selbst wenn jetzt ein deutscher Autobauer noch kurzerhand ein echtes Elektroauto auf den Markt bringen würde. Es fehlen die Batterien. Durch den derzeitigen Boom der Elektroautos insbesondere in China ist die Akkuproduktion für die nächsten 5 bis 10 Jahre ausverkauft. Genau deshalb hat Tesla auch eine Gigafactory gebaut und baut sich die Akkus selbst. Die deutschen Autobauer stehen da vor dem Nichts. Jetzt noch eine Gigafactory hochziehen in Deutschland, das wird Jahre dauern und wird sicher zu spät kommen. Man könnte hier vielleicht noch an irgendeine Chance glauben. Aber Deutschland schläft bis heute tief und fest. Solche Zeitungsartikel wie oben sind sehr selten. Die Medien müssten heute voll davon sein, um eventuell noch ein Umdenken einzuleiten. Aber ich denke, es liegt nicht in der Mentalität der Deutschen. Man hat es bis heute verschlafen und wird auch weiterhin schlafen. Erst wenn die Gewinne bei den deutschen Autofirmen und damit die Aktienkurse dramatisch einbrechen, wird man aufwachen. Dann ist aber alles schon viel zu spät. Deutschland war gut im Industriezeitalter, wo man genau und exakt produzieren musste. Jetzt im Zeitalter der Roboter, wo die Produktion automatisiert ist, und man fast überall solche Produktionslinien aufstellen kann, kommt es auf Innovation und Kreativität an. Da hat Deutschland nichts zu bieten. Apple entwickelt das iphone, aber die Produktion läuft in China bei foxconn ab. Apple wollte das Applecar bei BMW oder Daimler bauen lassen. BMW und Daimler haben abgelehnt. Man wolle kein Zulieferer für eine IT-Firma sein. Jetzt wird wohl Magna in Österreich das Appleauto herstellen. Damit bleibt den deutschen Autofirmen am Ende nichts mehr. Beim autonomen Fahren werden deutsche Firmen mit den IT-Giganten Google und Apple nicht mehr mithalten können. Dafür sind die IT-Abteilungen der deutschen Autofirmen viel zu winzig. Mir sagte mal jemand: deutsche Autofirmen können prima Bleche stanzen, biegen und schweissen und Motorblöcke giessen. Der Rest wird eh von Zulieferfirmen gemacht. Und Zulieferfirmen, die dienen heute dem einen und morgen dem anderen. Nur Zulieferfirmen, die heute Auspuffanlagen gebaut haben, können nicht morgen Akkus bauen. Da sind auch viele Ausbildungsberufe am Ende.

  10.   Babendiek

    @ Vanselow

    Woher nehmen Sie den Optimismus, dass der von Ihnen so bewunderte Tesla Modell 3 in Deutschland für 31.000 Euro zu haben sein wird? Der Hersteller selbst hat noch keinen Preis genannt.

    Ich mache Ihnen mal folgende Rechnung auf:

    In den USA soll das Basis-Modell 35.000 Dollar kosten. Das ist, wie in den USA üblich, der Netto-Preis ohne Umsatzsteuer.

    Für den Transport aus Kalifornien nach Deutschland dürften inklusive aller Zusatzkosten circa 2.000 Dollar fällig werden. Dann wären wir schon bei 37.000 Dollar.

    Bei einem Euro-Kurs von 0,90 Dollar sind dies umgerechnet 33.300 Euro. Hinzu kommt die Mehrwertsteuer von 19 Prozent.

    Der Tesla 3 dürfte also in Deutschland für einen Einstiegspreis von knapp 40.000 Euro angeboten werden. Das ist ungefähr doppelt so viel wie ein konventioneller PKW der Golf-Klasse in der Basis-Version kostet. Rauschende Verkaufserfolge sehe ich da nicht.