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Laith Al-Deen

Nach mehrjähriger Schaffenspause meldet sich der Mannheimer Musiker mit neuem Album „Was wenn alles gut geht“ in der Großen Freiheit 36 zurück.

Drei Jahre hat sich der Mannheimer Popmusiker Laith Al-Deen eine Auszeit gegönnt. Nach über einer Dekade aktiver Musikkarriere war die Luft raus, eine Schaffenskrise schlich sich ein und in den Vordergrund. Mit seinem neuen Album Was wenn alles gut geht erklärte er dann im vergangenen Oktober die Pause für beendet und bewies dies mit textgewordenem Tatendrang. „Aber was, wenn alles gut geht, was, wenn jeder Plan gelingt? Was ist, wenn wir feiern können, weil jetzt endlich alles stimmt?“, heißt es in der ersten Single. Die Zeilen machen deutlich, dass eben manchmal eine vorübergehende Auszeit wieder Energie freiboxt. Auf der nun anstehenden Tour will er auf den Putz hauen: Alte Songs haben ein neues Gewand erhalten, die Band hat Zuwachs bekommen. Könnte gut sein, dass dieser Plan besonders live gelingt.

 

„Buy Buy St. Pauli“

Der Abriss der ESSO-Häuser ist in Hamburg zum Politikum geworden. Die Dokumentation „Buy Buy St. Pauli“ lässt die beteiligten Akteure zu Wort kommen.

Am 15. Dezember 2013 geht alles plötzlich ganz schnell: Bewohner berichten von wackelnden Wänden, eine akute Einsturzgefahr wird ermittelt und die Wohnungen, Geschäfte und Clubs in den ESSO-Häusern werden noch in der gleichen Nacht geräumt. Ende Januar 2014 erfolgte schließlich der Abriss des Wohn- und Gewerbekomplexes zwischen Spielbudenplatz und Kastanienallee. Die Filmemacher Irene Bude und Olaf Sobczak sowie Steffen Jörg von der Stadtteilinitiative GWA St. Pauli drehten einen Film über die Ereignisse. In Buy Buy St. Pauli berichten sie mit gentrifizierungskritischem Ton darüber, was rund um den Abriss des Gebäudekomplexes geschehen ist, der früher als moderner Stadtbau gefeiert und dann fürchterlich vernachlässigt wurde. Sie lassen Aktivisten, Politiker und Investoren zu Wort kommen – vor allem aber die ehemaligen Bewohner und ansässigen Gewerbetreibenden. Und sie erzählen von einer Lücke im Stadtbild, die eine Protestwelle losgetreten hat. Die Filmemacher sind zur Vorstellung im Abaton Kino anwesend.

Text: Miriam Mentz

 

Kaalia

Heute mal etwas anderes in der Mittagspause ausprobieren? Vielleicht den neuen Inder in Rotherbaum? Da werden einfache Gerichte der indischen Streetkitchen aufgetischt.

Ulf Lindeholz und Wiebke Basse haben die Welt bereist, in Neuseeland gelebt und monatelang Indien erkundet. Auch in Hamburg sind die beiden recht umtriebig. Mit dem Dinnerclub Zum Kuckuck bekochen sie seit Herbst 2013 in Läden wie Koralle, Hafenkante oder auch in Privatküchen kleine Gruppen für einen Abend. Als einer dieser Veranstaltungsorte (nämlich das Paul’s) in diesem Sommer einen liebevollen Nachfolger suchte, waren sie mit einem eigenen Restaurantkonzept zur Stelle. „Beim Dinnerclub habe ich immer mehr Elemente der indischen Küche eingearbeitet“, erzählt Ulf, der zehn Jahre in namhaften Restaurants (La Mirabelle, Cox, Vienna) als Koch gearbeitet hat. Mit leuchtenden Augen berichtet er von den kulinarischen Einflüssen, denen er in Kalkutta begegnet ist, und den feinen Unterschieden der Masala-Gewürzmischungen. Im Kaalia fließen die Elemente der gehobenen und der indischen Straßenküche zusammen. Mittags werden einfache Gerichte der Streetkitchen aufgetischt: knusprige Vada-Linsen-Krapfen mit drei hausgemachten Dips (5,80 Euro) oder die Kaalia-Roll, gefüllt mit Käse, Tomaten, Koriander, Chili, Bio-Ei und Zwiebeln (7,50 Euro). Abends werden die als Deckenlampen umfunktionierten Salatschüsseln angedreht und die Kreationen, die Ulf in der offenen Küche zubereitet, aufwendiger. Der Lammrücken wird mit Kebab-Gewürzen mariniert und auf einem Fruchtknödel mit Zwiebelchutney und Jus (21,80 Euro) serviert.

Text: Nele Gülck

 

Schafe & Wølfe

Das elektronische Hip-Hop-Duo präsentiert seine erste Platte im Kleinen Donner. Nebenan, im Saal des 73, erklingen Swing-Klänge beim Salon Commode.

Das 73 am Schulterblatt ist ja immer eine gute Adresse, wenn zwischen Feierabend und Nachtruhe noch Stunden mit Ausgehen gefüllt werden sollen. So auch am 21. Januar, wenn in den unterschiedlichen Räumen der Location Musik und Tanz im Vordergrund stehen.

Das Duo Schafe & Wølfe bespielt den 73-Club Kleiner Donner. „Eine bunte Mischung Electro und Hip-Hop – immer mit dem Anspruch Pop zu sein“, so ordnen sich die zwei Jungs aus der westfälischen Provinz musikalisch selbst ein. Ihre erste gemeinsame Platte ließen sie in Hamburg produzieren: Große Augen für schlechte Aussichten entstand in Zusammenarbeit mit Norman Kolodziej (Der Tante Renate, Bratze).

Stilvoller geht es im 73-Saal zur Sache. Dort laden die Swingwerkstatt und DJane Miss Skyla Belle ab 20 Uhr zum Salon Commode mit Cocktails und flotten Klängen, die in den 1920er bis 1940er Jahren das Licht der Welt erblickten. Eintritt frei.

Text: Lena Frommeyer

 

Tim Sohr

Der Autor und Journalist liest aus „Woanders is‘ auch scheiße“ im Kitchenclub der Superbude St. Pauli – und einige Zeilen aus seinem neuen Roman „Summa Summarum“.

Der Leitsatz für jeden Menschen, der mit der eigenen (Wohn-, Arbeits-, Lebens-)Situation unzufrieden ist, sich aber nicht verändern will, lautet: „Woanders is‘ auch scheiße.“ Herrlich, wie einem da der Pessimismus mit jeder Silbe entgegenschleudert und automatisch den Antrieb des Lesers bremst. Wollte Tim Sohr genau das mit dem Titel seines Debütromans erreichen? Oder ist sein Buch eher eine Art Simplify-your-life-Lektüre mit zynischem Schriftzug auf dem Cover?

Nein, nein, nein – das ist die falsche Fährte. Der Autor und Journalist schrieb eine Milieustudie, eine Geschichte über den im Ruhrgebiet heranwachsenden Teenager Kalli. Tim Sohr begibt sich auf Zeitreise in die 1990er Jahre – zum Aschenplatz, an die Theke des Vereinsheims, mit der Musik von Metallica im Ohr. Das ist ähnlich witzig, ehrlich, trostlos und euphorisch wie die Vorgängerwerke von Rocko Schamoni und Heinz Strunk. Tim Sohr kennt „den Pott“, er wurde tief im Westen geboren und studierte in Düsseldorf. In seiner Wahlheimat Hamburg schreibt er für zahlreiche Zeitungen und Magazine. Für die Lesung im Hostel Superbude auf St. Pauli bringt er auch ein paar seiner Kurzgeschichten mit.

Text: Lena Frommeyer

 

Let’s initiate

Zur vierten Ausgabe der Reihe „Stadtgespräch. Metropolitane Perspektiven“ ist der Journalist und Aktivist Christoph Twickel im Büro der Stadtkuratorin zu Gast.

Hamburgs Stadtkuratorin Sophie Goltz beschäftigt sich die nächsten zwei Jahre mit der Kunst im öffentlichen Raum. Und zwar jenseits von Drop Sculptures, von Denkmälern, die einfach irgendwo aufgestellt werden, sondern eingebettet in Themen wie Globalisierung, Kolonialgeschichte, die Stadt als Tor zur Welt und kosmopolitischer Ort. Dazu gehören auch Initiativen, die für ihre eigene Stadtvision kämpfen, und deshalb ist heute Christoph Twickel (Foto), ehemaliger Chefredakteur des Stadtmagazins SZENE HAMBURG, Mitbegründer und Sprecher der 2009 ins Leben gerufenen Initiative Not In Our Name. Marke Hamburg! und Autor unter anderem von Gentrifidingsbums oder Eine Stadt für alle (erschienen bei Edition Nautilus, 2010), im Büro der Stadtkuratorin zu Gast und fordert Let’s initiate!

 

Klub Katarakt

Platz für alles: Ein international besetztes Festival will dem Ehrfurcht gebietenden Begriff „Avantgarde“ den Schrecken nehmen.

Was macht Musik neu, was macht sie aufregend? Das Klub Katarakt-Festival auf Kampnagel spürt seit zehn Jahren dem Mysterium der Klangerzeugung hinterher – in einem interdisziplinären Anything-goes-Programm, das dem Ehrfurcht gebietenden Begriff „Avantgarde“ multimedial den Schrecken nimmt. Konzerte, DJ-Abende, Video- und Sound-Installationen stehen auf dem Programm des viertägigen Musikfests. Die Festivalleiter Jan Feddersen und Robert Engelbrecht haben sich im Jubiläumsjahr wieder internationale Gäste eingeladen, unter anderem die New Yorker Komponistin Lois V Vierk, das audiovisuelle Trio Telcosystems aus den Niederlanden und den Schweizer Perkussionisten Christian Wolfarth. Zum Ende darf auch einfach gefeiert werden. Bei der Abschlussfeier am 24. Januar legen Viktor Marek und Booty Carrell gemeinsam auf: Funk aus dem Iran, ungarischer Hardrock, pakistanische Filmmusik, südfranzösische Disco und vieles mehr. Auf diesem Festival ist Platz für alles, von minimal bis maximal.

 

 

Stars

Liebe, Tod und Tanz: Ein kanadisches Quintett widmet sich mit bewegungsfreudigem Indie- und Elektropop seinen drei Lieblingsthemen.

Die drei Themen der kanadischen Indiepop-Band Stars lassen sich knapp umreißen: Liebe, Tod und Tanzen. Auch wenn ausgiebig Trübsal geblasen wird, hallt doch häufig ein bewegungsfreudiger Beat ins Jammertal – nur damit es im nächsten Song wieder auf die Parade regnen kann. Mit dem so bösen wie traurigen Pathosbrocken Your Ex-Lover Is Dead hatte sich die Band 2004 ein unverwitterliches Denkmal gesetzt – das aktuelle Album No One Is Lost kämpft wacker gegen den Verdacht an, die Band hätte in der Vergangenheit bereits alles gesagt. Der Zwiegesang von Torquil Campbell und Amy Millan ist so einnehmend wie immer, das Gespür für Melodien ungebrochen, die Musik täuscht immer wieder Indie- und Elektropop an, ohne sich grundsätzlich für eine Sparte zu entscheiden. Es mag auf den jüngsten Alben nie wieder ein Jahrhundertsong zu finden gewesen sein, an Hits leidet die Band aber nach wie vor keine Not.

Text: Michael Weiland

 

 

Animal Farm

Das Theater- und Performance-Ensemble Showcase Beat Le Mot inszeniert den Klassiker des englischen Schriftstellers George Orwell.

Das wird Hamburgs Englischlehrern gefallen: George Orwells Klassiker Animal Farm als unterhaltsames Theater auf Kampnagel, von dem sie sich gewiss einen Motivationsschub für den Unterricht erhoffen. Das wird ihnen nicht gefallen: Die anarchischen Inszenierungen des Performancekollektivs Showcase Beat Le Mot sind pädagogisch wenig wertvoll und nutzen mitunter halblegale Mittel für einen dienlichen Zweck. Zum ersten Mal nehmen sie die Zielgruppe der ab 14-Jährigen ins Visier, die berüchtigt ist für ihre Theatermüdigkeit. Aber vielleicht lockt ja die Tatsache, dass die weltbekannte Fabel in Englisch und Deutsch erzählt wird? Oder dass die vier männlichen Spieler dem Publikum nichts ersparen, aber viel bieten? Und sogar an ein Worst-Case-Szenario gedacht haben: Wem die Sauerei mit der Herrschaft der Schweine zu viel wird, kann sich während der tierischen Nummer in einen Dark Room zurückziehen und Panik überwinden.

Text: Dagmar Ellen Fischer

 

Lambert

Entrückend schönes Klavierspiel, düsterer Maskenzauber – der Auftritt von Lambert am 22. Januar in der Hamburger Kammeroper wird ein Spektakel.

Das Rätselraten bringt nichts: Wer den maskierten Pianisten kennenlernen will, muss seine Musik hören. Masken haben einen festen Platz in der Popkultur: Von den Residents über Gwar zu Daft Punk und Cro. Der jüngste, aber sicher nicht der letzte in der Reihe der kunstvoll Vermummten ist Lambert, ein Pianist, über den wenig in Erfahrung zu bringen ist. Beim geschmackssicheren Label Staatsakt unter Vertrag, hat er bislang Werke von Kollegen wie Boy oder Ja, Panik als Reworks neu bearbeitet, dieses Jahr erschien sein schlicht Lambert benanntes Debütalbum: Darauf zu hören sind kunstvolle Klavierstücke, die nicht gerade gegen die Vergangenheit aufbegehren: Hier ist (neo-)klassischer Schönklang zu bewundern, dabei so reduziert, dass der Kitschvorwurf ins Leere läuft – und so songorientiert, dass die Platte nicht zur Leistungsschau gerät. Am Mischpult saß der Kollege Nils Frahm, dessen eigene Klaviermusik oft wagemutiger in andere, elektronischere Klangsphären streift. Könnte der nicht hinter der Maske…? Glaubt man denen, die ihn getroffen haben, versteckt sich hinter der Maske niemand Berühmtes. Lambert will einfach seine Musik sprechen lassen. Und die ist so hörenswert, dass sie auch keinen großen Namen braucht.

Text: Michael Weiland