Punk, Protest und Straßenschlachten: Das Lichtmeß-Kino zeigt eine Videodokumentation über den heißen Sommer 1980 in Zürich.
Jugendunruhen in Zürich, 1980: Als damals der Umbau des Opernhauses mit 60 Millionen Franken subventioniert werden sollte, erlebte die Schweizer Bankenmetropole einen heißen Sommer. Der Opernhauskrawall war nur eine von zahlreichen Demonstrationen, Besetzungen und anderen Aktionen, mit welchen die Jugendlichen im „heißen Sommer“ 1980 gegen die „Behäbigkeit und den verstaubten Mief des konservativen Bürgertums in der Zwingli-Stadt“ aufbegehrten. In den Straßen von Zürich kam es zu bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen, die während eines Jahres immer wieder aufflammten. Züri brännt verkündete nicht nur ein Punk-Stück der Zürcher Band TNT, ebenso explosiv geriet die gleichnamige Videodokumentation. Ihre Darstellung der Straßenschlachten aus Sicht der Aktivisten und ihre fantasievollen Aktionen zur Unterwanderung der Hochkultur regten damals nicht nur zu ästhetischer Nachahmung an.
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Der Verein Clubkinder bringt Menschen dazu, aus den Aufzeichnungen ihres Teenager-Ichs vorzulesen. Kelly Familie, Herzschmerz, Zoff – wir waren doch alle gleich…
Wenn man den Freund der besten Freundin geküsst hat, seinen Po zu dick und die Brust zu flach fand oder für den Sportlehrer schwärmte, dann schrieb man das als Teenager in sein Tagebuch. Mit einem Schnappschloss vor neugierigen Blicken geschützt lag das gute Stück versteckt im Jugendzimmer. Gibt es das wohl heute noch bei Heranwachsenden – ein klassisches Tagebuch? Oder bloggen die lieber? Wie auch immer… Regelmäßig lädt der gemeinnützige Verein Clubkinder zur Tagebuchlesung. Meist sitzen dann Mitglieder der Generation Y auf der Bühne und lesen vor, was ihr Teenager-Ich damals bewegte. Es wird peinlich, herzzerreißend, altklug – auf jeden Fall lustig. Die nunmehr 12. Ausgabe soll einem besinnlichen Motto gewidmet sein, die Einnahmen dienen (wie immer) als Spende dem guten Zweck. „Ich habe mich in Angelo Kelly verliebt.“ „Wenn einer in dich hineingucken will, außer ich, darfst du dich nicht aufmachen lassen.“ Man darf sich auf Sätze wie diese freuen. Vielleicht haben wir uns ja seitdem gar nicht so sehr verändert.
Spoken-Word-Poetry zwischen James Joyce und Wu-Tang Clan: Die 28-jährige Britin stellt ihr Debütalbum live im Molotow vor.
Wo hört Spoken-Word-Poetry auf und wo fängt Rap an? Der Übergang ist seit jeher fließend. Und spätestens seitdem sich Rap Ende der 1990er Jahre in alle möglichen musikalischen Richtungen weiterzuentwickeln begann und MCs über den HipHop-Tellerrand zu blicken gelernt haben, scheinen die Grenzen endgültig verwischt. Die 28-jährige Kate Tempest aus London ist auf dem weiten Feld der Wortkunst zu Hause. Literatur und Rap, James Joyce und der Wu-Tang Clan sind ihr gleich wichtig. Dass sie mit diesem freidenkerischen Ansatz den Ninja-Tune-Label-Ableger Big Dada für eine Plattenveröffentlichung gewinnen konnte, will da nicht weiter verwundern. So erschien dort kürzlich ihr Everybody Down betiteltes Debütalbum, das sie nun auf einer Europa-Tournee live vorstellt. Über ihren Zwischenstopp im Molotow freuen wir uns.
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Vier Positionen am Rande des guten Geschmacks: Im Gängeviertel zeigen Künstler verstörende Absurditäten des täglichen Lebens.
Die „Ästhetik des Absonderlichen“ hat es den vier KünstlerInnen angetan, die ab dem 27. November gemeinsam in der Galerie Speckstraße ihre Werke ausstellen. Die Bilder, Collagen, Skulpturen und Videos von Maaike Dirkx, Jens Rausch, Boje Arndt Kiesiel und Nino Svireli spüren den Verführungen der Konsumwelt und anderen Absurditäten des täglichen Lebens nach, „zitieren dabei teils ironisch, teils verstörend das unersättliche Verlangen nach ‚mehr'“ (Veranstalterinfo) und liefern Antworten auf Fragen wie: Warum ist die Cornflakes-Packung nicht nur für Kinder so verführerisch? Inwiefern stellen Plastik-Umverpackungen ein Spiegelbild unserer Zeit dar? Und warum steckt in jedem absurd-grotesken Dialog auch immer ein Moment der Poesie? Die Ausstellung läuft noch bis zum 6. Dezember.
Der „Kampf der Künste“ geht in seine 44. Runde – mit Slam-Poeten aus der ganzen Republik, Moderator Michel Abdollahi und DJ Johnboy Jones.
Auf zum nächsten Poetry-Slam in „Hamburgs härtester Arena“ (womit nicht nur das Bunker-Gemäuer des Uebel & Gefährlich gemeint sein dürfte). Mit Nick Pötter, Bo Wimmer, Sebastian Lehmann, Dominik Bartels, Malte Roßkopf, Andy Weber, Maik Martschinkowsky und Fabian Navarro treten am 27. November acht Slammer aus Berlin, Hamburg, Marburg, Helmstedt und Münster gegeneinander an, um im Rahmen der mittlerweile 44. Ausgabe des 2005 ins Leben gerufenen Kampf der Künste die Gunst des Publikums für sich zu gewinnen. Die Moderation übernimmt wie immer Michel Abdollahi. Für duften Disco- und House-Sound ist diesmal DJ Johnboy Jones zuständig. Kleiner Tipp am Rande: Unter dem Titel Best of Poetry Slam #1 ist in diesem Jahr ein 210 Seiten starkes Buch mit zahlreichen Illustrationen herausgekommen, das die Höhepunkte der letzten zehn Jahre versammelt.
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Die junge Hamburger Band singt und rappt auf Deutsch, Englisch und Französisch. Ihre Mischung aus Pop und Poesie zieht für ein Konzert in den Mojo Club.
Man sagt ja, zu viele Köche verdürben den Brei, aber das muss ja nicht für alles gelten, was aus der Küche getragen wird. Kollektiv22 nennen ihren Stil „musikalisches Ratatouille“, weil jedes der sieben Bandmitglieder etwas in den Topf geschnippelt hat: Folk, Reggae, HipHop, Chanson, Soul, Pop und Rock stehen auf dem Herd. Jetzt reicht es allerdings auch mit den kulinarischen Metaphern, zu den harten Fakten: Bei der Band handelt es sich um junge Musiker aus Hamburg, die auf Deutsch, Englisch und Französisch singen und rappen. Im Mai erschien ihr Debütalbum Geschichten ohne Versmaß, das mit einem ausverkauften Release-Konzert im Uebel & Gefährlich von den Fans freudig begrüßt wurde. Die Mischung aus Pop und Poesie kommt eben gut an: eine Boyband für Traumtänzer und Tagebuchschreiber. Um noch einmal in die Küche zurückzukehren: Kollektiv22s lange Zutatenliste ist ganz offensichtlich ein Erfolgsrezept.
Text: Michael Weiland
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Die Hamburger Autorin Petra Oelker stellt im Wohnheim für Männer ihren historischen Roman vor und unterstützt das Projekt „Das Ledigenheim erhalten!“.
Das Ledigenheim in der Rehhoffstraße bietet seit über hundert Jahren Männern ein Zuhause. Oft sind es Hafenarbeiter und Seefahrer, die hier leben. Jedoch ist der Fortbestand der Einrichtung bedroht. Jahrelang wurde die Instandsetzung des Gebäudes vernachlässigt. 2009 kaufte es ein dänischer Investor. Ob dieser das Haus langfristig als Männerwohnheim weiterführen möchte, scheint fraglich. Es ist die alte aber nicht minder brisante Investor-gegen-Minderheiten-Geschichte. Die Hamburger Autorin Petra Oelker liest am 24. November im Ledigenheim aus ihrem historischen Roman Das klare Sommerlicht des Nordens. Die Schriftstellerin verzichtet an diesem Abend auf ihr Honorar zugunsten des sozialen Projekts Das Ledigenheim erhalten! Im Roman kreuzen sich in der Kaiserzeit die Wege zweier völlig gegensätzlicher Frauen: Sidonie Eschberger lebt in einer Villa an der Außenalster, gehört zur jüdischen Oberschicht und möchte ihre gesellschaftlichen Fesseln sprengen. Dora Lenau arbeitet als Näherin in der Neustadt und träumt von finanzieller Unabhängigkeit.
Dunkle Töne, großes Fingerpicking: Der englische Singer/Songwriter gastiert mit neuer Scheibe „I Forget Where We Were“ am 25. November in der Sporthalle.
„Hot sand on toes, cold sand in sleeping bags.“ So sprach Ben Howard auf Every Kingdom (2011) über warme Sommertage und uns aus dem Herzen. Die neue Scheibe, I Forget Where We Were (2014), kommt schon vom Artwork düsterer daher und ist Anlass für eine spätherbstliche Konzertreise. Die Platte beginnt mit dunklen Tönen in Small Things, über die Howard mit trauriger Stimme singt „Has the world gone mad. Or is it me?“. Gänsehaut. Song zwei und sechs sind flotter. Der Titeltrack handelt dann doch vom Sommer, wenn auch von einem, der vorbeigeht. End Of The Air geht instrumental ab Minute 4.45 Uhr richtig ab, live darf man sich hingegen auf Stücke wie In Dreams mit großem Fingerpicking an der Gitarre freuen.
Text: Lena Frommeyer
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Zwischen den Stühlen des Musikbusiness hat Wreckless Eric Songs geschrieben, die nie groß wurden, dafür auf den kleineren Bühnen legendär sind.
Den ganz großen Erfolg konnte der britische Wreckless Eric nie für sich verbuchen und trotzdem kann man ihm Legenden-Status zuschreiben. Vielleicht zu eingängig für den Punk, zu eigenwillig und chaotisch für den Mainstream, spielte er stets irgendwo zwischen den Stühlen, gründete Bands, um sie kurze Zeit später wieder aufzulösen, gab sich einen Lebensabschnitt der Karriere des Vollzeitalkoholikers hin, wie er selbst erklärt, und schrieb schließlich seine Autobiographie mit dem Titel Ein dysfunktionaler Erfolg – Das Wreckless-Eric-Handbuch. Vielleicht braucht es eben all diese Zutaten, die so weit weg vom klassischen Erfolg einsortiert sind, um schließlich das im Gepäck zu haben, was der Brite mit dem Cockney-Akzent bei seinen Konzerten auf die Bühne bringt. Diese Songs, die rücksichtslos vereinen, was ihm selbst passt, die sich schnoddrig im Kopf festsetzen.
Text: Miriam Mentz
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Man sollte vorsichtig mit Begriffen wie „Live-Spektakel“ umgehen. Bei Shantel befinden wir uns jedoch punktgenau in der Wortdefinition.
Hätte man nur zehn Sekunden, um zu erklären, warum man eine Show von Shantel und seinem Bucovina Club Orkestra besuchen sollte, schmisse man vermutlich schnell mal Songtitel wie Disko Partizani oder Disco Boy in den Raum, ergänzt um den Verweis darauf, dass es sich hier um den mindestens gefühlten Erfinder des Balkan-Pop handle. Würde man nun noch etwas mehr ausschweifen dürfen, sei zu erwähnen, dass man diesem Künstler und Produzenten so nicht gerecht wird, der einer der gefragtesten Downbeat-Acts der 1990er war, Filmmusik für Fatih Akin und Sasha Baron Cohen schrieb, auf so ziemlich jedem wichtigen Festival der Welt eine Bombenshow ablieferte und ein immer anzuführender Beweis dafür sein könnte, dass Mannheim als Musikstadt nicht völlig versagt hat, sondern sogar Musiker in die Welt entlassen hat, denen wir liebend gerne unsere Ohren und aktuelle Stimmung anvertrauen.
Text: Miriam Mentz
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