BenachrichtigungPfeil nach linksPfeil nach rechtsMerklisteAufklappenKommentareAbspielenPauseAbspielenWiederholen
 

Gregory Porter

Der Soul-Jazz-Sänger aus Los Angeles passt mit seinem 50-köpfigen Metropole Orchestra so gerade auf die Freilichtbühne im Stadtpark.

Seine Stimme war im vergangenen Jahr nicht zu überhören: Gregory Porter ist zwar noch keine Soul-Legende, aber wenn er so weitermacht, auf dem Weg dahin. Mit Kappe, Riesenstimme und dem Grammy-ausgezeichneten Album Liquid Spirit eroberte er die Charts und legte den Grundstein für eine hoffentlich lange Karriere. In Hamburg war er zuletzt Gast beim Elbjazz, nur wenige Monate später kehrt er zurück – hoffentlich mit besserem Wetter, ganz sicher mit imposanter Verstärkung. Seine Band an diesem Abend ist ein Orchester. Das 50-köpfige (!) Metropole Orchestra unterstützt den 42-jährigen Sänger bei seinem Auftritt. Was bei anderen Künstlern leicht größenwahnsinnig wirken könnte, ist hier nur folgerichtig: Große Stimme braucht großen Sound. Der kann für Porters Wahnsinnsorgan zwar gar nicht riesig genug sein, aber so viel Platz ist auf der Freilichtbühne auch wieder nicht.

Text: Thorsten Moor

 

„Die Schutzbefohlenen“

Der Essay der österreichischen Schriftstellerin Elfriede Jelinek feiert in einer Inszenierung von Nicolas Stemann Premiere am Thalia Theater.

Entstanden ist Elfriede Jelineks Text ursprünglich als Reaktion auf die österreichische Asylpolitik und deren Umgang mit einer Gruppe pakistanischer Flüchtlinge, die Ende 2012 in der Wiener Votivkirche in einen vergeblichen Hungerstreik gingen. Vor einem Jahr gab es eine Urlesung in der Hamburger St.-Pauli-Kirche, in der etwa 60 Asylsuchende aus Libyen eine vorübergehende Unterkunft fanden. Neben Schauspielern des Thalia Theaters wurden auch einige der Flüchtlinge in die Lesung eingebunden. Die Resonanz war groß, die Kirche bis zur letzten Bank voll.

Elfriede Jelineks Essay Die Schutzbefohlenen handelt von Grenzen. Davon, dass Menschen hier sind und trotzdem nicht hineinfinden in die eherne Festung Europa. Auch deswegen, weil sie nicht die richtige Sprache finden, um gehört und ernst genommen zu werden. Die österreichische Schriftstellerin gibt Flüchtlingen und Asylsuchenden ihre Sprache. Ihre messerscharfe, eindringliche, zornige, bittere Sprache. Zur neuen Spielzeit wird sie in einer Inszenierung von Nicolas Stemann auf der Bühne des Thalia Theaters erklingen.

Text: Katharina Manzke

 

Neonsplash

What the f***? Bei Europas größter Paint-Party schmiert man sich mit Neon-Farben voll und geht zu Elektronikmusik ab.

Bevor sie anschließend in Richtung Groningen, Enschede, Amsterdam und München weiterdüst, macht Europas größte Paint-Party Neonsplash am 12. September erst einmal Halt in der Hansestadt. Nachdem im April kurzfristig eine Ersatzlocation für den eigentlich geplanten Veranstaltungsort, die Messehallen, gesucht werden musste, findet der Farben-Rave nun, wie schon im August letzten Jahres, erneut in der Großen Freiheit statt. Bei der Utopia 3 D Tour können sich Pistengänger mit Tausenden Litern Neon-Farbe beschmieren und dabei zu elektronischer Tanzmusik von internationalen Top-DJs abhotten. Was sich für den einen anhört wie die Hölle auf Erden ist für den anderen tatsächlich die Abendveranstaltung seiner Wahl: In über 60 europäischen Städten sei die Tour ausverkauft gewesen. Sei’s drum: Damit sich der Farbenrausch auch wirklich lohnt, wird wie immer um weiße Kleidung gebeten – Hamburgs Schmierfinken-Szene ist diese Info natürlich bekannt.

Text: Ole Masch

 

„The Hamburg Tea Party“

Das Indra möchte eine feste Anlaufstelle für Psychedelic-Liebhaber werden und startet eine neuen Konzertreihe.

In New York waren es das Fillmore East und der Electric Circus, in San Francisco das Fillmore West, in Philadelphia die Electric Factory und in Boston war es The Boston Tea Party. In all diesen Clubs trafen sich rund um die späten 1960er Jahren all jene, die sich besonders in psychedelischen Sphären beheimatet fühlten. Bands und Musiker wie Grateful Dead, Jimi Hendrix oder Pink Floyd zählten zu den regelmäßigen Gästen. Ein paar Jahrzehnte später und Zeitzonen versetzt möchte das Indra nun an diese Zeit erinnern und bietet sich mit The Hamburg Tea Party regelmäßig als abendlicher Zielort für ein paar Jahrzehnte zu spät geborene Psychedelic-Liebhaber an. Zur kommenden Ausgabe werden dazu The Morphinettes aus Hamburg geladen, LYNX LYNX aus Dortmund sowie Holy Wave aus Austin, die es doch tatsächlich schaffen, den von Bands wie The Velvet Underground geprägten Sound um warme Surf-Rock-Parts zu erweitern.

 

„Everyday Rebellion“

Handwerk des Widerstands: Dieser Film porträtiert kreative Protestbewegungen auf der ganzen Welt – ab 11. September in Hamburger Kinos.

Taksim, Tahrir, Maidan haben sich in kurzer Zeit von bloßen Ortsnamen zu Symbolen des Widerstands entwickelt. Proteste gegen Machteliten scheinen allgegenwärtig und ziehen die Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf sich.

Rebellion 2

In dem mehrfach preisgekrönten Dokumentarfilm Everyday Rebellion erzählen Mitglieder von Occupy und Femen, spanische Indignados und Aktivisten des Arabischen Frühlings die Geschichte ihres Widerstandes. Die aus dem Iran stammenden Regisseure Arash und Arman Riahi porträtieren junge Menschen, die zivilen Ungehorsam gegen Missstände und Machtmissbrauch in ihren Ländern praktizieren. Allen von ihnen ist der Glaube an gewaltfreien Widerstand gemeinsam und die Überzeugung, dass friedliche Proteste langfristig Erfolg haben werden. Außerdem kommt Srđa Popović zu Wort, der am Umsturz von Slobodan Milošević beteiligt war und weltweit gewaltfreie Demokratiebewegungen unterstützt. Er erläutert, warum kreative und gut vorbereitete Proteste eine bessere Strategie für Veränderungen sind als Gewalt.

Text: Natalia Sadovnik

 

4-Elemente-Festival

Krautrock, EBM-Poetry und Gothic-Punk: Faust, Oberer Totpunkt, Der Rest und Die Schatten des Dorian Gray beschallen das Logo.

Sind Krautrock und Psychedelia jetzt wieder voll im Kommen oder was? Das deuten diverse Aktivitäten am 11. September an. Im Indra absolvieren drei Bands einen psychedelisch-musikalischen Abend – inklusive Langhaarmähnen und Lichtprojektionen. Ebenfalls krautrockig geht es beim 4-Elemente-Festival im Logo zu. Hier tritt mit Faust einer der Gründerväter des Genres auf. Was Jean-Hervé Peron und Zappi Diermaier diesmal mit ihrem Instrumentarium (Mikrophon, Gitarre, Schlagzeug, Horn, Flex und Kettensäge) anrichten? Man darf gespannt sein. Die anderen drei Bands an diesem Abend: Das Duo Oberer Totpunkt widmet sich dunkler Poesie, die von Beats und Sounds untermalt wird; Der Rest stellt sein brandneues Album vor, 10 Lieder für Freunde; und Die Schatten des Dorian Gray haben sich dem Gothic-Punk verschrieben.

 

The Graveltones

Da brummt der Verstärker: Das britische Duo spielt seinen „Bastard“ aus Garage- und Bluesrock im Hafenklang.

Aus der Rubrik Anpreisungen, die nach hinten losgehen: „The Graveltones waren auch schon Support für BossHoss“, so der Versuch, uns die Band um Jimmy O und Mikey Sorbello per Mail schmackhaft zu machen. Normalerweise wäre das Thema damit so gut wie vom Tisch – hätte der Mail-Urheber sich nicht über Jahre als verlässliche Quelle erwiesen. Also kurz mal im Netz ein paar Songs ausgecheckt, und was sollen wir sagen: The Graveltones haben mit BossHoss so viel gemein wie Johnny Cash mit den Dixie Chicks. Beide Bands bedienen sich beim Rock. Doch während die Berliner ihren Countryrock chartkompatibel aufbereiten, spielen die Briten einen arschcoolen Garage-/Bluesrock, der das Blut zum Kochen bringt. Bang Bang, Forget About The Trouble, Lightning Bolt – alles Songs ihres Debütalbums Don’t Wait Down, die so viel Druck und Groove haben, dass man befürchtet, der Band fliegen jederzeit die Verstärker um die Ohren. BossHoss, tsss.

Text: Jan Kahl

 

P/ART

Doppelt so groß wie im letzten Jahr – und genauso ambitioniert: Die Produzentenkunstmesse ist in die Phoenix-Hallen gezogen.

Sie waren neu in Hamburg – und haben die Lage sofort erkannt. Drei Praktikanten der Deichtorhallen, die fanden, dass es in der Kunstszene der Hansestadt kein Format gibt, das jung und mutig ist – und dabei eben keine Nischenveranstaltung irgendwo in einem Hinterhof ist. So kam P/ART auf die Welt. Die Producers Art Fair, die Produzentenkunstmesse für unabhängige KünstlerInnen, die 2013 im Kolbenhof Premiere hatte. 3.000 Besucher flanierten durch die Halle, es wurde einiges an Kunst verkauft, und Publikum und Künstler waren begeistert. Auch davon, dass die P/ART eben keine normale Kunstmesse ist, sondern sich zwischen Verkaufsschau und Ausstellung bewegt.

Nele_Gülck__Auf_ewig1
Nele Gülck: Auf ewig. Fotografischer Katalog einer 66-jährigen Ehe

600 Künstler haben sich für die P/ART 2014 beworben, 80 sind ausgewählt worden, und zwar von einer Jury, die quer durch die Disziplinen führt und zu der Künstler Henning Kles ebenso gehört wie der Architekt Tilman Kriesel oder Merle Radtke, die wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Kunsthalle ist. Die 80 Künstler, zu denen We Are Visual, Verena Issel und Nele Gülck gehören, sind während der drei Messetage vor Ort und sie tragen auch einen Button. Doch da manche lieber durch ihre Arbeiten als selber sprechen, sind Kommunikatoren vor Ort, die Besucher und Messe betreuen und bei der Kontaktaufnahme behilflich sind.

Text: Sabine Danek

 

Poems For Jamiro

Nina und Laila spielen in der Ponybar ein paar Lieder für Jamiro vor. Wer aufmerksam zuhört, dürfte in sich schnell einen kleinen Jamiro finden.

Wir können Jamiro dankbar sein, dieser vielleicht nicht ganz realen, aber dafür heldenhaften und mit Liebe erdachten Figur aus Kindertagen. Denn hätte sich Jamiro nicht als Adressat zur Verfügung gestellt, wer weiß, wo dann all die leise bestechenden Lieder und Textzeilen gelandet wären, die Nina und Laila derzeit von Ort zu Ort tragen. Die ersten Songskizzen wurden von Nina im letzten Sommer mit Blick auf das New Yorker Treiben aufgezeichnet, wieder zurück in Deutschland traf sie dann auf Laila, die mit klarer Stimme, Geige und anderen Instrumenten das beisteuerte, was den zuvor noch einbeinig schaukelnden Songs fehlte. Und so singen und spielen sie als Poems For Jamiro nun gemeinsam von all diesen Themen zwischen Zurück- und Nachvorneblicken, zwischen Weitermachen und Erinnern. Ihre Songs sind unaufdringlich, schleichen sich erst einmal leise an, aber bauen sich dann – wenn man ihnen zuhört und ihnen Raum gibt – unerwartet groß vor einem auf. Jamiro kann schon ein wenig stolz auf sich sein, ein Mädchenduo zu haben, das ihm solch herzerwärmende Lieder zu Füßen legt.

Text: Miriam Mentz

 

Rainbirds

In den 1980ern haben die Rainbirds Musikgeschichte geschrieben. Mit „Yonder“ haben sie diese neu und frischen Mutes aufgerollt.

Fast 30 Jahre ist es her, dass sich die Rainbirds mit ihrem Titel Blueprint einen dauerhaften Platz in den Radioschleifen Europas sicherten. Einige Alben später verlief sich die Band dann Ende der neunziger in den Weiten des Musikkosmos‘. Sängerin Katharina Franck veröffentlichte ihr erstes Soloalbum und ein zweites. Der Club der toten Dichter wurde gegründet und Rilke vertont, bis dann 2013 eines zum anderen kam und der Zeitpunkt für einen Blick zurück auf das, was die Rainbirds einmal waren und wieder sein könnten, gekommen schien. Franck tat sich mit Bela Brauckmann und Gunter Papperitz zusammen und sie machten sich gemeinsam daran, das Gesamtwerk zu sichten und ihm ein neues Gewand zu schneidern. Ein aktuelles. Eines, das dem ganzen ein zeitgemäßes Strahlen verleihen könnte. Auf Yonder haben sie nun all das vereint, was für sie die Rainbirds heute noch sind und präsentieren das Ergebnis bei kleinen, intimen Konzerten. So zum Beispiel am 10. September in der Prinzenbar.