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Emotionaler Rapper

Klischees bedienen kann jeder. Das Independent-Hip-Hop-Plattenlabel Rhymesayers Entertainment aus Minnesota hat es sich zur Aufgabe gemacht, weniger grell ausgeleuchtete Pfade des Raps zu beschreiten und ist dabei unter anderem auf Benjamin Laub aka Grieves gestoßen. Sein viertes und jüngstes Album, Winter & The Wolves, fußt auf nachdenklichen, emotionalen Texten über das Erwachsenwerden und den Kampf um die eigene Existenz. So klingen auch die Beats – eingebettet in ein smoothes, warmes Soundgerüst, Klavier, Gitarre, Gesang, Rap … Bei einigen Songs erinnert Grieves gar an Eminem ohne all den Zorn. Er setzt sich mit den alltäglichen Hindernissen auseinander und läuft manchmal Gefahr, zu sehr auf die eigene Person fokussiert zu sein. Das melodisch treibende, fast schon poppige Gewand verzeiht aber inhaltliche Schwächen. Dafür lauscht man auch Grieves Stimme einfach zu gern – egal ob sprechend oder singend.

TEXT: LENA FROMMEYER

www.facebook.com/Grievesmusic

 

Zu viele Kippen

Thees Uhlmann, Joko Winterscheidt, Atze Schröder – die Journalistin und Moderatorin Katrin Bauerfeind hat sie alle vorm Mikro. In diesem Jahr erschien ihr erstes Buch, in dem sie selbst Auskunft über ihr Leben gibt. In Mir fehlt ein Tag zwischen Sonntag und Montag erzählt sie Geschichten vom schönen Scheitern. Passt der Titel zu einer Frau, die noch während ihres Studiums das Gesicht von Ehrensenf wurde und ihr eigenes Kulturmagazin auf 3sat bekam? Ja, denn in ihrem Debüt geht es nicht primär um beruflichen Misserfolg, sondern das Scheitern im Alltag und persönliche Macken, von denen sie in sarkastisch-amüsiertem Ton berichtet. Bauerfeind schreibt über Dinge, die viele Menschen in der Großstadt mit Anfang 30 beschäftigt: Zu wenig Sport, frühes Aufstehen ist weiterhin ungeil und die Sache mit dem Rauchen sollte man wahrscheinlich lieber sein lassen. Amüsant sind auch die Kapitel, in denen sie ihre Besuche in der schwäbischen Heimatprovinz beschreibt, da findet sich in Hamburg jeder Zugezogener mit dörflichen Wurzeln wieder. Am 16. April liest sie im Ballsaal des Medienbunkers.

TEXT: LENA FROMMEYER

www.facebook.com/Katrin.Bauerfeind

 

Singende Traveller

Manchmal halten Reisefreundschaften länger als gedacht. Gerade auf Langzeittrips trifft man Menschen – manchmal sogar mehrmals auf verschiedenen Kontinenten – die einen auch durch das weitere Leben begleiten. So geschehen bei Sänger Adam und Bassist Victor, die sich beim Reisen durch Europa und Südamerika kennenlernten, sich nicht aus den Augen verloren und schließlich eine Band gründeten. The Shy Lips sind mittlerweile zu fünft, das Hauptquartier liegt in Göteborg und die Bandmitglieder stammen aus Marokko, Polen und Schweden. Gemeinsam spielen sie sympathischen Indie-Pop und das sowohl ambitioniert als auch fleißig: Regelmäßig tauchen neue Songs und Videos auf ihrer Soundcloud- und Facebook-Seite auf. Oft spiegeln sich ihre Reisen oder die unterschiedliche Herkunft der Bandmitglieder in den Texten wieder. Die neuesten Stücke, She Was Born In Bahia und That’s Where I Belong, wurden am 11. April veröffentlicht und werden bestimmt auch beim Konzert in der Hasenschaukel auf St. Pauli vorgetragen.

TEXT: LENA FROMMEYER

www.facebook.com/theshylips

 

Slow Fashion

Die Hamburger Modedesignerin Regine Steenbock hat sich eine längere Kreativpause gegönnt und feiert nun an neuer Stelle mit verändertem Konzept die Neueröffnung ihres Ladens Sium. Das Label verabschiedet sich vom saisonalen Kollektionsprinzip. Im Sinne von „Slow Fashion“ soll ohne Zeitdruck kontinuierlich an neuen Schnitten gebastelt werden. Ihrem Bekenntnis zu Farbe, Sinn und Form zwischen Kunst und alltagstauglichem Modedesign bleibt Regine Steenbock treu. Ihre neuen Kreationen sind weiterhin in limitierter, in Hamburg gefertigter Auflage erhältlich und ab dem 16. April im neuen Laden (schräg gegenüber der alten Heimat) zu begutachten. Hier, in der Marktstraße des Karoviertels, hat sie sich ein offenes Atelier mit großer Schaufensterfront eingerichtet. Ab 18 Uhr steigt die Eröffnungsparty.

TEXT: LENA FROMMEYER

Mo-Fr 12–19, Sa 11.30–16 Uhr
www.facebook.com/pages/Sium/421425931254850

 

Fassaden-Emoticons

An vielen Häuserwänden, Brücken oder in Tunneln der Stadt steht das Schriftzeichen OZ – mit schwarzer Farbe auf die Wände gesprayt. Als „Hamburgs Graffiti-Großvater“ wird der Mann bezeichnet, der sich so oft auf fremdem Eigentum verewigt hat. Ob nun sein einfacher Schrifzug, bunte Smileys oder bemalte Gullideckel – vor dem Gericht gelten seine Werke als Sachbeschädigung. Mehrmals wurde der gebürtige Heidelberger verurteilt, sogar zu Gefängnisstrafen. Seine Fans indes feiern ihn als Künstler, der die Stadt bunter macht. Andreas Blechschmidt, KP Flügel und Jorinde Reznikoff brachten nun im Verlag Assoziation A ein bildreiches Buch über ihn heraus.

OZ 2
Die Fotografie stammt von Theo Bruns.

In Free OZ! – Streetart zwischen Revolte, Repression und Kommerz wird sein Schaffen von unterschiedlichen Seiten beleuchtet: Diverse Autoren – darunter Journalisten, Galeristen, Aktivisten und auch sein Rechtsanwalt und langjährige Verteidiger, Andreas Beuth – erklären, wie sich der öffentliche Raum gegen Privatisierung wehrt, untersuchen die Vereinnahmung von Urban Art durch Werbung, würdigen OZ als Künstler und Menschen und stellen die Kunstfreiheit der Straffreiheit gegenüber. Wer zur Buchpremiere am 15. April im Rahmen der HEW-Lesetage ins Gängeviertel kommt, darf sich darauf freuen, im Buch zu blättern und anhand der großen Fotos zu realisieren, wie allgegenwärtig OZ in Hamburg ist.

TEXT: LENA FROMMEYER

 

Rock in Versalien

Band of Skulls ist kaum formiert, da erhalten sie auch schon das Angebot, einen Song zum Soundtrack des Blockbusters Twilight – New Moon beizusteuern. Besser kann es für eine Band ja nicht losgehen. Das war 2009. In den Folgejahren gelingt es dem englischen Trio, seine Bekanntheit kontinuierlich auszubauen. 2010 erscheint sein Debüt-Album mit dem morbiden Titel Baby Darling Doll Face Honey. Die Single I Know What I Am steigert noch mal den Erfolg der Band of Skulls. Ihr zweites Werk, Sweet Sour, landet immerhin unter den Top 20 der englischen Album-Charts, was ihnen letztlich die Einladung einbringt, im Vorprogramm der US-Rocker Queens of the Stone Age zu spielen. Diese Erfahrung könnte die Band of Skulls auf die Idee gebracht haben, das Wort „Rock“ künftig in größeren Lettern zu schreiben – zumindest lässt das Himalayan, ihr aktuelles Album, vermuten, auf dem das Trio lauter, energischer und glamouröser denn je klingt.

www.facebook.com/bandofskulls 

 

Exzessiv Tanzen

Gypsy-Punk ist das Stichwort. Gute Laune und ein feucht-fröhlicher, ausgelassener Abend sind also vorprogrammiert. Die Gruppe Bohemian Betyars wurde 2009 im nordungarischen Miskolc gegründet. Seit Erscheinen ihres Debüt-Albums, Boros utca 1, sind die sechs Musiker ständig auf Tour. Ihren Sound als partytauglich zu bezeichnen, wäre eine maßlose Untertreibung – es ist der perfekte Soundtrack für einen exzessiven Tanzabend zu handgemachter Musik. Wer kann schon still halten, wenn zu Up-Tempo-Off-Beats bis zu 180 Schlägen pro Minute die Geige flott fiedelt und der Gitarrist sich euphorisch auf dem Boden wälzt? Also: Ab auf die Hedi und hoch mit den Wodka-Tassen! Tipp: Es dürfte eng werden auf der kleinen Barkasse – rechtzeitiges Erscheinen sichert die besten Plätze. Und Vorsicht: Nicht vor Freude ins Wasser fallen!

www.facebook.com/bohemianbetyars

 

Liebe zur Lochkamera

Christoph Johann „Hanns“ Zischler ist ein renommierter und vielfach ausgezeichneter Film-Schauspieler, Regisseur, Dramaturg, Sprecher, Übersetzer und Publizist. Er hat mit namhaften Regisseuren wie Jean-Luc Godard, Wim Wenders, Claude Chabrol und Steven Spielberg gearbeitet. 2013 erhielt er den Preis der Literaturhäuser. Im Galiani Verlag erschien zuletzt sein aktuelles Buch Berlin ist zu groß für Berlin. Das einzige Medium, das der 1947 in Nürnberg geborene Vielkönner nach eigener Aussage „wirklich beherrsche“, sei jedoch die Fotografie. Seine ganze Liebe gilt dabei der Arbeit mit der Lochbildkamera, also der Urform der fotografischen Kamera. In der Reihe Zwischen Kopf und Kragen ist Zischler am 15. April in der Galerie in The Box im Borselhof zu Gast. Unter dem Titel Die Sonne bringt es an den Tag hält er einen Vortrag über das Fotografieren mit der Camera Obscura. Begleitend dazu wird eine Auswahl seiner Foto-Arbeiten zu sehen sein.

 

1.000 Gegenstände

Als sich Günter und Anneliese Hillwig Ende des Zweiten Weltkriegs auf dem Dorfplatz von Eddelak das erste Mal in die Augen blickten, war es um sie geschehen. Schnell folgte die Hochzeit, zwei Kinder, der Hausbau … In den 66 Ehejahren haben sich viele Dinge angesammelt. Die Fotografin Nele Gülck hat in ihrer Arbeit Auf ewig diese Sammlung an Gegenständen, insgesamt sind es über 1.000, fein säuberlich katalogisiert. Sand aus dem Urlaub, Lebensmittelmarken und Hitlerabzeichen, Radios, eine Toilettenpapierrolle, liebevoll umstrickt. Pflanzen erzählen von der gemeinsamen Liebe zur Natur. Anhand der Gegenstände kann der Betrachter sich die Geschichte selbst zusammensetzen. Jeder für sich und jeder eine etwas andere. Zum 10. Jubiläum der Robert Morat Galerie werden die Bilder von Nele Gülck und großformatige Fotografien von Peter Bialobrzeski ausgestellt, dessen jüngste Arbeit Habitat die rasante Entwicklung von asiatischen Megacitys zeigt. Im Mai erscheint dazu sein neues Buch Nail Houses – or the Deconstruction of Lower Shanghai im Hatje Cranz Verlag.

TEXT: LENA FROMMEYER

Ausstellung vom 15. März bis zum 17. Mai 2014
Di-Fr 12-18 | Sa 12-16 und nach Vereinbarung

 

Kunst, Arbeit, Markt

Seit 1981 wird das Hamburger Arbeitsstipendium an jährlich wechselnde Hamburger KünstlerInnen vergeben. In der Geschichte dieses traditionsreichen Stipendiums finden sich zahlreiche Namen, deren Arbeit einst gefördert wurde und denen anschließend der Sprung in den freien Kunstmarkt gelungen ist – ob auf regionaler, bundesweiter oder sogar internationaler Ebene. Unter dem Titel Hamburger Arbeitsstipendium revisited – tennowandthen lädt das Kunsthaus Hamburg am 14. April zur Vernissage einer Gruppenausstellung mit Arbeiten von zehn KünstlerInnen, die 2004 in den Genuss des Stipendiums kamen. Was ist aus ihnen geworden? Wie hat sich ihre Kunst entwickelt? Hat das Stipendium als Sprungbrett für die künstlerische Karriere etwas bewirken können? Diesen und anderen Fragen kann man sich beim Betrachten der Werke von Catharina Barich, Baldur Burwitz, Kyung-Hwa Choi-Ahoi, Jeannette Fabis, Annette Kelm, Yvonne Lange, Markus Lohmann, Patrick Rieve, Pitt Sauerwein, Marco Peter Schäfer noch bis zum 11. Mai widmen.

Ausstellung: 15. April bis 11. Mai 2014
Di – So 11 – 18 Uhr