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Der Herr der Künste

Jung, erfolgreich und talentiert – Jan Philipp Zymny präsentiert sich im MUT! Theater im ganzen Ausmaß. Neben Auszügen aus seinem Buch Hin und zurück – nur bergauf! und seinen besten Poetry-Slam-Texten, können sich die Zuhörer im Rahmen der Kampf der Künste-Veranstaltung auch an Improvisationen, Musik und Live-Hörspielen erfreuen. Zymny ist schon seit einigen Jahren auf den Bühnen im deutschsprachigen Raum unterwegs und zugleich Zuhause. Im Jahr 2012 wurde er Vizemeister bei den deutschsprachigen Poetry-Slam-Meisterschaften und im darauffolgenden Jahr erhielt er den Nightwash Newcomer Talent Award – das konnte Zymny dann im letzten Jahr noch toppen und wurde zum amtierenden deutschsprachigen Meister im Poetry Slam. Sein Buch erschien 2012 und lässt durch ein Potpourri aus Geschichten und Gedichten zu Themen wie Müllpressen oder Ponys ein wenig in die Welt des gebürtigen Wuppertalers blicken. Übrigens: Sein zweites Buch Henry Frottey – Sein erster Fall: Teil 2 – Das Ende der Trilogie erschien Anfang April.

www.facebook.com/janphilippzymny

 

Haariger Hirte

„Nasty Western“, „Old School Banjo Beats“ und „The Best of European Country Trash“, aufgelegt von einem „haarigen Rinderhirten“ – das klingt doch nach einem lustigen Abend. Wenn The Hairy Cowboy los- beziehungsweise auflegt, ist fachmännisches Wissen und eine Menge Kennertum am Werk. Doch Genre-Puristen dürften hier auch immer wieder mal vor den Kopf gestoßen werden. Zum Beispiel, wenn althergebrachte Hillbilly-Nummern mit elektronischen Beats unterlegt werden oder „Kantrie“ aus der tiefsten deutschen Provinz auf dem Plattenteller landet. Schließlich schreiben wir das Jahr 2014 und seit Hank Williams, Johnny Cash und Willie Nelson hat sich die (Musik-)Welt – ja, selbst die des Country & Western – weitergedreht. Und da das konservative Country-Genre schon immer sehr christlich geprägt war, ergibt es natürlich auch Sinn, dass die Hasenschaukel-Betreiber heute Abend die staatlich verordnete Karfreitags-Trauer um den vor ca. 2.000 Jahren hingerichteten Jesus Christus respektieren und The Hairy Cowboy erst ab Mitternacht die Musik aufdreht.

 

Tango des Nordens

Ja, klar: Mit Tango assoziiert man zu Recht erst mal das Land Argentinien. Mittlerweile dürfte sich aber herumgesprochen haben, dass es noch ein zweites Land mit relativ langer Tango-Geschichte gibt, nämlich Finnland. Im letzten Jahr feierte der finnische Tango, der weitaus melancholischer klingt als der argentinische, seinen 100. Geburtstag. 1913 gilt als das Jahr, in dem der argentinische Tango Europa eroberte und also auch nach Finnland kam. Zu den berühmtesten Interpreten des finnischen Tango zählt ohne Zweifel der Sänger, Schriftsteller, Filmemacher und Wittgenstein-Experte M. A. Numminen. Weniger bekannt, aber absolut hörenswert ist auch die Musik des deutsch-russischen Duos Pegan ja Vika, das schon mehrmals in Hamburg zu Gast war und mit Charme und Herzblut durch die Geschichte des finnischen Tangos führt. Zieht die richtigen Schuhe an, es darf getanzt werden. DJ Mari legt im Anschluss einen Mix aus traditionellem und modernen Tango auf.

https://www.facebook.com/PeganJaVika

 

Schön kaputt

Die Geschichte eines weiblichen Filmstars, der unter den Nazis große Erfolge feierte und im Deutschland der Nachkriegszeit, dem Morphium verfallen, als Schauspielerin wieder Fuß zu fassen versucht, wurde 1982 von Rainer Werner Fassbinder auf die ihm typisch beeindruckende Weise und mit Rosel Zech und Robert Krohn in den Hauptrollen verfilmt. In Bastian Krafts Inszenierung von Die Sehnsucht der Veronika Voss übernimmt André Szymanski die Rolle des in Voss verliebten Sportreporters Robert. Voss selbst wird von Victoria Trauttmansdorff als Mischung aus verführerischer Frau und Drogen-Wrack dargestellt. Die Eindringlichkeit der Geschichte um eine eigentlich starke Frau, die aber an den kleingeistigen Konventionen der sie umgebenden Gesellschaft zu zerbrechen droht, kommt auf der kleinen Bühne des Thalia in der Gaußstraße sicher besser zur Geltung als im großen Haupthaus des Theaters. Das Bühnenbild und die Projektionen von Peter Baur tun ihr Übriges, um die klaustrophobische Intensität der hier erzählten Geschichte zu steigern. Alle Plätze in der Vorstellung am 18. April sind bereits vergeben – im Mai folgen weitere Termine.

 

St. Pauli bei Nacht

Wohl kaum ein Titel erzeugt dermaßen schnell einen Ohrwurm im eigenen Kopf wie Wolfgang Liebeneiners, 1954 gedrehter Film Auf der Reeperbahn nachts um halb eins mit Hans Albers und Heinz Rühmann in den Hauptrollen. Die Geschichte um den Seemann Hannes Wedderkamp, der seinem Freund Pitter Breuer dabei helfen möchte, dessen schlecht laufende Pinte Galopp-Diele wieder auf Vordermann zu bringen, gehört zu den absoluten Klassikern des deutschen Nachkriegskinos. Allein die Drehorte – der Hamburger Hafen, der Stadtteil St. Pauli, Timmendorfer Strand, Helgoland und Cuxhaven – machen den Film schon sehenswert, auch wenn das Heyne Filmlexikon 1996 urteilte, das „musikalische Volksstück“ habe nur wenig „mit dem Volk und der Wirklichkeit auf Hamburgs sündiger Meile zu tun“. Oder, wie es das Handbuch V der katholischen Filmkritik zusammenfasst: „Mischung aus Film-St.-Pauli und etwas Wirklichkeit.“

 

Tödliches Heimweh

Der Psychologe und Philosoph Karl Jaspers untersuchte seinerzeit das Phänomen junger Kindermädchen in der Fremde, die von Heimweh gequält zu morden begannen. Angelehnt an Jaspers Heimweh und Verbrechen betitelte Arbeit hat der Regisseur Christoph Marthaler für seine Inszenierung Protokolle der damaligen Gerichtsverhandlungen mit Texten von Diktatoren kombiniert, die vom Schauspielhaus-Ensemble mit Gleichmut vorgetragen und durch eine Auswahl von Volksliedern auf absurde Weise kontrastiert werden. Anders als bei anderen Inszenierungen Marthalers spielt die Musik in Heimweh und Verbrechen eine vergleichsweise kleine Rolle. Das macht das immerhin zweistündige Stück noch ein bisschen trockener und weniger zugänglich. Zudem werden einige Monologe komplett auf Französisch vorgetragen – dem Publikum wird hier also einiges abverlangt. Aber wer sagt, dass Theater immer nur unterhaltsam sein muss und seine Zuschauer nicht auch einmal herausfordern darf?

www.facebook.com/Schauspielhaus

 

Neues aus dem Viertel

Warum sollte man als Hamburger an einer Stadtführung teilnehmen? Weil Sven Amtsberg und Katrin Seddig pikante Details über ein Viertel wissen, die bei normalen Rundgängen unausgesprochen bleiben. Das Literatur-Entertainment-Duo spricht diesmal die ungeschönte Wahrheit über das Portugiesenviertel und seine Entstehung aus. Das war ihrer Meinung nach so:

Der Portugiese hatte alles, was sich ein Hamburger wünschte: dichtes Haar, das ihm auch bei einer leichten Prise keck ins Gesicht weht, das Talent, aus Fisch mehr zu machen als nur Fischbrötchen, und ein sonniges Gemüt ohne den Hang zum Plaudern. Der Hamburger verbrachte also seinen Urlaub oft in Portugal und war ganz traurig, wenn er wieder nach Hause musste. Deshalb entschloss sich der Senat Anfang der siebziger Jahre viel Geld in die Hand zu nehmen, um Portugiesen nach Hamburg zu holen und die Hanseaten glücklich zu machen. Das klappte prima, sie wurden lebensfroher und die Portugiesen bekamen ihr eigenes Viertel – einige fuhren wieder in die Heimat, andere blieben und brühen noch heute tollen Kaffee und kochen leckere Fischgerichte.

TEXT: LENA FROMMEYER

Anmeldung zur Stadtführung vor Ort, Treffpunkt: S-Bahnstation Landungsbrücken, Eingang Hafentor

 

Affiges Amtsdeutsch

Wirklich greifbar ist das Thema „Flüchtlinge in Deutschland“ erst, wenn es ein Gesicht bekommt, oder gleich mehrere, wie im Dokumentarfilm Land in Sicht – Willkommen im Asyl von den Berliner Filmemacherinnen Judith Keil und Antje Kruska. Sie begleiteten ein Jahr lang drei Flüchtlinge mit der Kamera und zeigen so einen Alltag, der manchmal durch seine Tragik schon fast komisch wirkt. Die Regisseurinnen waren ganz nah dran am neuen Leben von Brian aus Kamerun und Farid aus dem Iran, die beide im Flüchtlingsheim Bad Belzig untergebracht sind, und sie begleiteten den jemenitischen Soldaten Abdul, der eine Wohnung in Bad Belzig bezog. Sie zeigen, wie die drei Männer versuchen, die „deutsche Kultur“ zu begreifen und sich im Diesseits ein Leben aufzubauen. Der Zuschauer ist dabei, wenn sie auf Spielmannszüge, eine Bauchtanzgruppe, die Zeugen Jehovas und eine Jobberaterin treffen – diese Begegnungen sind skurril, dadurch auch unterhaltsam, und illustrieren gut, wie obskur die deutsche Vereinslandschaft, religiöse Gruppierungen und die Sprache der Behörden tatsächlich sind, was nicht nur auf Flüchtlinge völlig fremd wirken dürfte. Die Regisseurinnen Judith Keil und Antje Kruska sind bei der Hamburger Premiere zu Gast.

TEXT: LENA FROMMEYER

www.facebook.com/LandinSichtderFilm

 

Weltraum-Zombies

Das martialische Make-Up der vier Musiker gibt einem das Gefühl, dass da tatsächlich Untote an Kontrabass, Schlagzeug und Co. hantieren. Die Horrorpunk- und Psychobilly-Band Bloodsucking Zombies From Outer Space aus Wien spielt im Hafenklang. Ihr attitüdenreiches Auftreten und ihre Texte, die sich bei Horror-Filmklassikern wie Freitag der 13. oder Der Exorzist bedienen, bilden ein gruseliges Gesamtpaket. Ähnlich dramatisch klingen auch die Namen jener drei Bands, die ab 20 Uhr im Grünen Jäger angekündigt sind: Declare Your Funeral stehen für Metalcore aus Hamburg, Cry My Name spielen melodischen Hardcore und auch We Need Guns aus Lübeck sind musikalisch den Genres Metal und Hardcore zugeneigt. Letztere distanzieren sich übrigens von jeglicher Waffengewalt, die ihr Bandname suggeriert. Der entstand, als der kleine Bruder des Gitarristen ihre erste Jam-Session stürmte und aufgeregt „Wir brauchen Waffen!“ rief, um mit seinen Freunden Indianer und Cowboy spielen zu können. Süß.

TEXT: LENA FROMMEYER

www.facebook.com/BZFOS

 

Kohl der Heimat

„Kimchi ist die Seele der koreanischen Kultur“, heißt es in der Graphic Novel Vergiss nicht, das Salz auszuwaschen. „Und wer genug Kimchi eingemacht hat, der fühlt sich reich, hat keine Sorgen mehr – schließlich kann man damit alle möglichen Gerichte zubereiten“, erklärt Sohyun Jung. Die 32-jährige Südkoreanerin kam vor sechseinhalb Jahren nach Hamburg, wo sie an der Hochschule für Bildende Künste studierte. In ihrem Buch, das mit dem Hamburger Graphic-Novel-Förderpreis AFKAT ausgezeichnet wurde, spielt das koreanische Nationalgericht die Hauptrolle. Und Hana, die in einer deutschen Großstadt lebt und aus lauter Sehnsucht nach ihrem koreanischen Zuhause versucht, Kimchi zuzubereiten. In zarten Tusche-Zeichnungen erzählt Jung die Geschichte von Heimat und Heimweh, von Familie und vom Erwachsenwerden. Manchmal macht Sohyun Jung ebenfalls Kimchi – so wie ihre Titelheldin schneidet sie den Chinakohl in vier Viertel, legt ihn ein, streut Salz zwischen jedes Blatt und lässt das Ergebnis acht Stunden lang stehen. Wenn ihr dazu die Geduld fehlt, geht sie zum Kimchi-Essen ins Restaurant Hanmi in der Rentzelstraße. Am 17. April präsentiert Sohyun Jung ihre Graphic Novel im Club 20457 in der HafenCity – mit Kimchi-Verkostung und einem Konzert des Krachkisten Orchesters.

TEXT: LENA FROMMEYER