BenachrichtigungPfeil nach linksPfeil nach rechtsMerklisteAufklappenKommentareAbspielenPauseAbspielenWiederholen
 

Die Röster

Um am Montagmorgen die Augen aufzukriegen, hilft ein Besuch im neuen Café von Argin Keshishian und Veljko Tatalovic. Schon seit einiger Zeit rösten und vertreiben die Freunde als Public Coffee Roasters hochwertigen Espresso und Filterkaffee aus Honduras, Panama und Äthiopien. Argin und Veljko sind Anhänger der Third Wave-Bewegung, die Kaffee, wie Wein, nach Herkunftscharakter bewertet und bei der Verarbeitung verschiedene Geschmacksnuancen herausarbeitet. Kürzlich eröffneten sie ihr Ladencafé in der Wexstraße – ein schöner Ort, um sich vom Barista einen starken Kaffee reichen zu lassen. Außerdem hat man am Tresen die Wahl zwischen Kuchen aus der Tarterie St. Pauli, Croissants und belegten Stullen. Das Café, das im reduzierten Industriedesign eingerichtet ist, soll als Plattform für Ausstellungen von Hamburger Künstlern dienen und bietet immer eine große Auswahl an Coffee Table Mags: hübsch gelayoutete Independent-Magazine wie The Gourmand oder Caffeine. Auch Kaffee und Zubehör sind kaufbar – im Ladencafé, unter anderem bei Hanseplatte oder im Onlineshop.

TEXT: LENA FROMMEYER

www.facebook.com/publiccoffeeroasters

 

Beats für Kids

Kinderlieder treiben Erwachsene mit musikalischem Anspruch oft in die Verzweiflung. Die Songs der Hamburger Band Deine Freunde sind anders. Rapper Florian Sump, DJ Markus Pauli und Sänger Lukas Nimscheck machen Hip Hop – keine weichgespülten Kinderversionen, sondern Beats und witzige Texte für die ganze Familie. Nach dem ersten Album Ausm Häuschen mit dem Hit Schokolade erschien nun die neue Platte Heile Welt, auf der auch mal ein nachdenkliches Stück Platz findet. Ansonsten bleiben die Musiker beim Musik-soll-Spaß-machen-Konzept. Mit dem letzten Album tourten die drei quer durch Deutschland. „Dabei haben wir gemerkt, dass die Kids auch auf härtere Sachen klarkommen“, sagt Florian, der Teilzeit in einer Kita arbeitet. Deshalb ist der Nachfolger noch basslastiger ausgefallen und mit Elektrosounds sowie Hip-Hop-Zitaten aus der erwachsenen Szene gespickt. Die Texte beschreiben aber nach wie vor die Welt von Kindern.

TEXT: LENA FROMMEYER

www.facebook.com/DeineFreundeHamburg

 

Böses Mädchen

Anna F. mag Camping, im Tourbus feiern, Henne im Korb sein, Fußball und Jimmy Page (Led Zeppelin). Anna F. hasst das Wort „Humankapital“, das Geräusch von platzenden Luftballons, Lakritz und Raumspray. All das erfährt man beim Lesen des Frage-Antwort-Spiels zwischen der österreichischen Popsängerin und dem Tagesspiegel. Die Liste klingt sowohl nach dem Mädchen von nebenan, als auch nach einer Frau, die gerne auf den Putz haut. So in etwa kann man auch das neue Album der 28-Jährigen beschreiben. Poppig und eingängig klingen die Melodien auf King In The Mirror – sie treffen aber auf unartige Texte, wie beim Song DNA, in dem Anna F. die Zeile „It’s ok, I just wanna fuck your friends“ singt, während ihr im Musikvideo geschmolzene Eiscreme von der Waffel über die Hand läuft. Böse, böse. Mittlerweile lebt Anna F. in Berlin, tourte im März als Opener mit dem britischen Singer-Songwriter James Blunt durch Deutschland, Österreich, der Schweiz sowie Italien, und steigt – weil’s so schön war – im Anschluss direkt wieder mit ihrer Band in den Tourbus. Nächster Halt: Nochtspeicher.

TEXT: LENA FROMMEYER

www.facebook.com/AnnaFofficial

 

Echter Trödel

Ramschige Neuware ist beim Kulturflohmarkt vom Museum der Arbeit tabu. Der Fokus liegt auf echtem Trödel von Privatpersonen und Antikem mit Sammlerwert, Büchern, Möbeln, Second-Hand-Kleidung und Hausrat. Hier kaufen und verkaufen Menschen, weil sie den Recycling-Gedanken gut finden und an nachhaltigen Konsum glauben. In diesem Jahr dürfen die Verkäufer erstmals nicht nur auf dem Hof des Museums, sondern auch auf dem umgestalteten Barmbeker Stadtplatz ihre Tische aufbauen. So entsteht eine Flohmarktfläche von insgesamt 7.500 Quadratmetern. Wer richtig schwere Dinge von A nach B transportieren muss, darf auf das neue Lasten-E-Bike vom Museum zurückgreifen. Während zwischen Wiesendamm und Osterbekkanal in alter Fabrikkulisse gefeilscht wird, trifft man auch auf den einen oder anderen Kulturbeitrag – Stelzenläufer und Osterhasen unterhalten die Kids und verteilen Schokolade, außerdem ist das Museum geöffnet und alle Ausstellungen sind zugänglich.

TEXT: LENA FROMMEYER

 

Musikalisches Doppel

Das Musikmagazin Intro bezeichnete die Band The Dropout Patrol vollmundig als „Berliner Update von Geoff Farinas Karate“, die Stadt-Postille Zitty heftete der Gruppe um Sängerin und Songschreiberin Jana Sotzko das seltene Etikett „Dream Rock“ an. Jahrelang tingelte Sotzko mit ihrem Soloprojekt ganz ohne Mitmusiker durch die Lande. Neuerdings sind The Dropout Patrol aber zu einem Quartett angewachsen. Und die Begleitung durch Bass, Schlagzeug und eine weitere Gitarre steht Sotzkos Songs gut, ohne ihnen ihre Zartheit zu nehmen und die Texte auch nur einen Zentimeter in den Hintergrund zu befördern. Mit dem Goldenen Salon im Hafenklang haben The Dropout Patrol den perfekten Club für ihren fast schon intimen Sound gewählt. Ebenfalls dabei an diesem Abend ist mit Gorges außerdem eine Hamburger Band, die sich 2007 gegründet hat und aus ehemaligen MusikerInnen von Tschilp und Eniac besteht. Ihren Stil verorten sie selbst im Post-Punk irgendwo zwischen Gang of Four und Sleater Kinney.

www.facebook.com/TheDropoutPatrol

 

Soul on Vinyl

Lange Zeit, bevor man in diesem verschlafenen Nest namens Hamburg überhaupt ahnte, wie man eine ganze Nacht durchtanzt, und lange bevor Begriffe wie „Clubbing“ und „Rave“ begannen, Einzug in die Köpfe der hiesigen Feierwütigen zu erhalten, etablierten die Veranstalter des Soul Allnighters, Leif Nüske und Olaf Ott, ihre alljährlich stattfindende Tanznacht, die mittlerweile zu einer unverzichtbaren Institution im lokalen Party-Betrieb geworden ist. Das ist jetzt gut 30 Jahre her. Jenseits von neumodischen Dance-Music-Stilen, fernab von Techno, Elektro und HipHop, widmet man sich hier seitdem mit fast schon erschreckender Konsequenz dem Soul der 1960er- und 1970er-Jahre. Noch nie war Retro so schön und unpeinlich. An den Plattentellern stehen diesmal Genre-Experten wie Henry Storch und Matt Fox sowie das DJ-Trio Delicious Biscuits. Aus Hamburg ist Lars Bulnheim am Start. Aufgelegt wird natürlich „strictly on vinyl“. Also: Schick machen und die Tanzschuhe nicht vergessen!

www.facebook.com/soulallnighter

 

Ran an den Stoff

Keine falsche Scheu – der Einsteigerkurs Mein eigener Denim-Rucksack ist auch für totale Näh-Frischlinge geeignet. In fünf Stunden werden erste Handgriffe und Techniken an der Nähmaschine wie das Einfädeln oder Erstellen verschiedener Nähte gezeigt. Und unter der Anleitung von Näh-Profi Julia Böhler fertigt man dann Schritt für Schritt einen Rucksack an. Techniken und Kniffe prägen sich beim Arbeiten mit der Unterstützung wie von selbst ein und am Ende kann man seinen persönlichen Denim-Rucksack mit nach Hause nehmen. Der Stoff muss mitgebracht werden, alles andere liegt im Stoffdeck bereit. Im neuen Co-Working-Space trifft man auf 263 Quadratmeter geballte Kreativität – Hobby-Näher, Anfänger, Mode- und Textildesigner kreieren, produzieren und lernen unter einem Dach. Arbeitsplätze und Nähmaschinen können zeitweise angemietet werden.

www.facebook.com/CoWorkingWilhelmsburg

 

Tag der Platte

Für die einen ist es altmodisch, für die anderen purer Musikgenuss – fest steht: die Plattenkultur lässt sich nicht unterkriegen und das ist auch gut so. Als besondere Ehre für unabhängige Plattenläden und Impuls für die Musikkultur findet jedes Jahr am dritten Samstag im April der internationale Record Store Day statt. Vinyl-Liebhabern wird weltweit und zeitgleich einiges geboten: Über 3.000 teilnehmende Plattenläden sorgen mit instore gigs, Parties, Clubevents und rund 500 exklusiven Releases für ein fettes Musikereignis, dazu gehören die Neuauflagen der Debütalben von Motörhead und Deep Purple, unveröffentlichte Songs von Bruce Springsteen und R.E.M. oder auch limitierte 7-Inch-Releases von The Black Lips, The Rolling Stones, SLUT, Kings Of Leon und Conor Oberst. In Deutschland nehmen mehr als 150 Plattenläden am Record Store Day teil und präsentieren rund 80 Ladenkonzerte und Events. In Hamburg kann man unter anderem zwischen Groove City, Black Ferry, Hanseplatte und Freiheit & Roosen pendeln. Letzterer Laden ist ab 15 Uhr Austragungsort einer Hip-Hop-Jams, dazu gibt es Bier und Wurst.

 

Direkt & korrekt

Das Klang-Geschwader von Heisskalt setzt sich zusammen aus Gitarrist und Sänger Mathias Bloech, Bassist Lucas Mayer, Gitarrist Philipp Koch und Schlagzeuger Marius Bornmann. Die Vier brennen auf der Bühne, ihre Songs sind rockig, direkt, mal mit punkig-elektronischen Begleiterscheinungen und auch mal melancholisch. Das Debütalbum Vom Stehen und Fallen erschien im März 2014. Ob man der Scheibe die jüngsten Erfolge anhört? 2011 erschien die erste Heisskalt-EP. Im nächsten Jahr gewann die Band den Wettbewerb zum Bandförderpreis Play Live und damit einen Auftritt beim Southside Festival. Zudem wurden sie vom Independent-Label Chimperator unter Vertrag genommen, zu dem auch erfolgreiche Künstler wie Cro und Die Orsons gehören. 2013 erschien die zweite EP Mit Liebe gebraut, es folgten eine Tournee und Auftritte bei Circus HalliGalli, Inas Nacht sowie verschiedenen Festivals. Es könnte an diesem Abend also reichlich eng werden in der kleinen Prinzenbar.

www.facebook.com/heisskaltmusik

 

Gratulation in Punk

Die Rote Flora wird ein Vierteljahrhundert alt. In Hamburgs Punkrock- und Hardcore-Kreisen freut man sich auf einen langen und intensiven Festivalabend. Dass es schnell, hart und laut wird, deuten schon die Namen der Veranstalter an. Friesenterz und Violent Banana präsentieren die niederländischen Landverraad und Deadverse aus der Schweiz. Vor und nach den internationalen Gästen geben sich noch The Malodro!ts, When There Is None, November 13th, Kobayashi und Naive die Ehre. Die Bandbreite reicht von klassischem Hardcore-Punk über Crust- bis Screamo-Core. Neben Drinks ist – wie immer in der Flora – auch für veganes Fast Food gesorgt. Und wenn der Live-Marathon  überstanden ist, liegt es an DJ MpunkT-Messer, die Stimmung mit Punk vom Plattenteller möglichst lange aufrecht zu erhalten.