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Fed wird bald senken

 

US Industrie Produktion aktuell

Totgesagte leben länger. Das galt bisher nicht zuletzt für die amerikanischen Verbraucher sowie für die amerikanische Konjunktur insgesamt. Beide sind einfach nicht totzukriegen. Weder hatte der Einbruch der Aktienkurse nach dem Frühjahr 2000 einen großen Eindruck hinterlassen – weil Alan Greenspan so energisch mit niedrigen Zinsen dagegengehalten hatte -, noch der starke Rückgang der Konjunktur im Wohnungsbau im vergangenen Jahr. Hierbei hatte offenbar geholfen, dass von der Fed signalisiert wurde, dass sie angesichts der doch ganz moderaten Inflationszahlen nicht überziehen würde und durchaus schon in diesem Jahr wieder eine Zinssenkung ins Auge fassen könnte, wenn die Umstände das erfordern sollten.

Am Mittwoch bei der turnusmäßigen Anhörung des Notenbankchefs Bernanke vor dem Senat wurde wie selbstverständlich von den Senatoren immer wieder darauf gedrängt, dass nur ja weiterhin genügend Jobs geschaffen werden, damit es bei der jetzigen Vollbeschäftigung bleibt. So müssten mal die europäischen Finanzminister in aller Öffentlichkeit mit Monsieur Trichet reden!

Nach den Zahlen vom gestrigen Donnerstag und dem heutigen Freitag könnte die Fed vielleicht schon früher in Zugzwang kommen als gedacht. Es sieht jetzt immer mehr danach aus, als würde der nächste Zinsschritt eine Senkung sein. Der Rückgang der (saisonbereinigten) Industrieproduktion um 0,5 Prozent von Dezember auf Januar (+2,6 Prozent gg Vj) hat die Märkte wieder einmal daran erinnert, dass die amerikanische Wirtschaft doch mit einigen Problemen zu kämpfen hat. Im verarbeitenden Gewerbe fiel der Output sogar um 0,7 Prozent, vor allem wegen der schwachen Autoproduktion (-6,0 Prozent ggü. dem Vormonat) und des schwachen Maschinenbaus (-4,1 Prozent ggü. dem Vormonat). Bei den PKW-Herstellern wollen die Lagerbestände einfach nicht schrumpfen, die Margen sind stark unter Druck, und eigentlich passen die meisten Modelle nicht in eine Zeit steigender Benzinpreise. Kein Wunder, dass DaimlerChrysler die Chrysler-Tochter loswerden möchte und dass der Kurs der Aktie in die Höhe schoss, als das Gerücht in diesen Tagen die Runde machte.

Eine Zinssenkung ist weiterhin dadurch wahrscheinlicher geworden, dass die Einfuhrpreise weiter auf dem Rückzug sind – sie sanken im Januar um 1,2 Prozent gegenüber dem Dezemberwert und waren damit nur um 0,1 Prozent höher als vor Jahresfrist. Es gibt also bei den Einfuhrkosten keinen Druck in der Pipeline. Bernanke, der am Mittwoch für das kommende Jahr einen Rückgang der Kerninflation auf deutlich unter 2 Prozent vorhergesagt hatte, darf sich bestätigt fühlen. Die Kerninflationsrate, die auch gerade veröffentlicht wurde, betrug im Januar nur 0,2 Prozent im Vergleich zum Vormonat und 1,8 Prozent im Vorjahresvergleich. Das könnte besser nicht sein, ist aber einigermaßen erstaunlich angesichts von Lohnsteigerungen in der Größenordnung von 4 Prozent und Produktivitätsfortschritten von nur rund 1 1/2 Prozent, also einem Anstieg der Lohnstückkosten von 2 1/2 Prozent – den amerikanischen Unternehmen fällt es offenbar nicht leicht, ihre höheren Lohnkosten weiterzugeben. Das heißt, dass ihre Gewinnmargen eher schrumpfen als steigen.

US Housing Starts aktuell

Die Zahlen von heute zum Wohnungsmarkt waren einigermaßen schockierend. Es gibt immer noch einen erheblichen Überhang an unverkauften Häusern, der nicht gerade dazu animiert, neue Bauprojekte in Angriff zu nehmen. Die Housing Starts gingen von Dezember auf Januar saisonbereinigt um 14,3 Prozent zurück, und um nicht weniger als um 37,8 Prozent gegenüber Januar 2006. Dass das nicht nur ein Ausreißer ist, wie er schon mal vorkommen kann, sieht man, wenn man die letzten drei Monaten mit den entsprechenden drei Monaten vor Jahresfrist vergleicht – in dieser Rechnung ergibt sich ein Rückgang von 27,9 Prozent. Der Wohnungsmarkt ist „dead in the water“, wie die Amerikaner sagen. Dabei steht der Großteil der Umstellungen variabel verzinslicher Hypotheken auf die höheren Zinsen erst noch bevor. Wir dürfen gespannt sein, ob es demnächst auch Effekte bei den Immobilienpreisen gibt. Bisher haben sie sich gut gehalten, so dass die Verbraucher bislang noch keine Vermögensverluste hinnehmen mussten und angesichts des bombenfesten Arbeitsmarkts und der Kursgewinne bei ihren Aktienportefeuilles nach wie vor munter weiter konsumieren.

Ein Wort zum Dollar: Wenn nicht alle Welt schon seit langem auf einen festeren Euro setzen würde, müsste er angesichts der Zahlen aus Amerika eigentlich viel fester sein. Hinzu kommt ja auch, dass die Wachstumsschätzungen für das Euroland ständig nach oben revidiert werden, so gerade etwa von der EU-Kommission, die für 2007 jetzt beim realen BIP des Eurolands 2,4 Prozent erwartet. Dass sich die Zinsdifferenz zum Dollar weiter einengen wird, ist so sicher wie das Amen in der Kirche, so dass es sowohl von den Zinsen als auch von den Unterschieden in den Leistungsbilanzen her eine steigende Nettonachfrage nach Euro und damit eine Aufwertung geben sollte. Dass die Märkte das nicht ganz so sehen, beunruhigt mich ein bisschen – vielleicht übersehe ich etwas.