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Wo Dirk Kurbjuweit irrt

 

Dirk Kurbjuweit attackiert in einem Essay im neuen Spiegel, die vermeintliche Sprachlosigkeit der Kanzlerin unter anderem in der Euro-Krise.

Es ist hohe Zeit für Reden an die Bevölkerung, es ist die Zeit für große Reden, jedenfalls klärende. Merkel verweigert das. (…) Es muss geredet werden. Das Reden gehört nicht nur zur Demokratie, es ist das Wesen der Demokratie. Ohne Worte wird sie zum Skelett. Reden Sie, Kanzlerin, reden Sie endlich.

Bitte nicht! Es wird nicht zu wenig, sondern zu viel geredet – gerade von Angela Merkel. Ständig erklärt sie sich den Bürgern, lobt den Euro, müht sich ab. Wie ein fleißiges Bienchen den Honig sammelt sie die Legitimität, auch weil das die Leitartikler von ihr erwarten – und je mehr sie sammelt, desto mehr wenden sich die Bürger ab (weil sie mit Europa nun einmal noch nie etwas anfangen konnten) und desto nervöser werden die Märkte (weil sie genau das wissen).

Eine saubere Lösung dieser Krise hätte so ausgesehen: Die EU garantiert erst einmal für die Schulden der Problemstaaten, dann trifft sich Merkel mit Papandreou in einem Hinterzimmer und macht ihm klar, dass sein Land alle Stimmrechte in Brüssel verliert, wenn nicht harte Reformen umgesetzt werden. Dann geht sie in die Tagesschau und erklärt mit festem Blick, dass alles in Ordnung sei. Die Märkte wären ruhig geblieben und die Reformen wären trotzdem auf den Weg gebracht worden. Der große strategische Fehler der Retterei war es, Konditionalität über die Märkte erzwingen zu wollen, statt diese Konditionalität politisch durchzusetzen. Denn wer mit dem Märkten spielt, der spielt mit dem Feuer. Wenn sie erst einmal brennen, dann brennen sie alles nieder. Nicht lange rumreden, sondern handeln – so wird Geschichte gemacht.

Stattdessen: Geschnatter und Chaos.


32 Kommentare

  1.   ThorHa

    „Nicht lange rumreden, sondern handeln – so wird Geschichte gemacht.“ Pruuust. Selten ein überzeugenderes Plädoyer für die sofortige Abschaffung der Demokratie gehört oder gelesen. Denn entschiedenes Handeln in und mit einer Demokratie geht nicht – mit dem Handeln werden nämlich Parlamente festgelegt, ansonsten ist es schlimmer als Dauergeschwätz. Wann gründen Sie die Initiative zur Rückkehr der Fürstenherrschaft?
    Im übrigen, Herr Schieritz, irren Sie vermutlich in der Bewertung von Kurbjuweits Appell. Es geht ihm wahrscheinlich nicht um das tägliche Erklärungs-Klein-Klein des aktuellen europäischen Abstimmungsirrsinns. Sondern um das grosse Bild, den grossen Rahmen, die generelle Einordnung, das klare Ziel. Und damit ist er nicht alleine. Auch wenn es wiederum unfair ist, das von einem perfekten Repräsentanten westlicher Mediendemokratie zu erwarten – da ist der Repräsentant nur unwesentlich besser, als der Durchschnittsbürger. Das Mittelmass erträgt keine Grösse.
    Gruss,
    Thorsten Haupts

  2.   Rebel

    Eine halbe Stunde zur Kontemplation :

    dradio.de/dlf/sendungen/essayunddiskurs/1178969/

    Wo wird Europa am Ende dieser Woche wandeln?

  3.   Hans Hütt

    Weder ist Zeit für große Reden noch für das Salamitaktikreden der Bundeskanzlerin. Ich lese Ihren Einwurf gegen Kurbjuweit als Realsatire, als Verzweiflungsäußerung, als rhetorischen Vergeblichkeitsakt.

    Tatsächlich haben das bisherige Verhalten und Reden der Bundeskanzlerin zwei Ergebnisse hervorgebracht: die Kosten hochgetrieben und die Akzeptanz minimiert.

  4.   Eckrentner

    Das ist ja mal ein toller Ratschlag von Herrn Schieritz. Geschichte wird gemacht, indem man all das blöde Zaudern und Abwägen sein läßt und stattdessen ohne weitere demokratische Schwächeleien einfach das tut was Schieritz gut findet, nämlich ruck zuck die Transferunion zu einem Faktum zu machen.

    Im Vergleich zu solchen adoleszenten Phantasien lobe ich mir doch fast das Krisenmanagement von Merkel und Co.


  5. Und vor lauter „Geschnatter und Chaos“ geht auch schon mal korrekte Grammatik flöten…


  6. Das Euro Problem ist eine schlechte Show – es gibt kein Europ Problem.

    Die EZB könnte per Knopfdruck Griechenland entschulden und was würde geschehen? Vielleicht ein wenig mehr Inflation.

    Vielleicht haben wir danach ein Problem mit den „offenen Schleußentoren“, weil alle Länder denken, jetzt erst Recht, aber grundsätzlich könnte man auch diese Problem „weginflationieren“, bis wir ein wirkliches Inflationsproblem hätten.

    Die Notenpresse der EZB, bzw. der „Geld-Computer“, kann jede beliebige Geldsumme per Knopfdruck erschaffen. Solange der Staat dieses Geld als Zahlungsmittel anerkennt ist alles in Butter (Zur Bezahlung der Steuerschulden bzw. Schulden im Allgemeinen.)

    Das „KERN“-Problem bliebe natürlich weiter ungelöst:

    Was machte ich mit einem Europa, dass sich in 2 Teile spaltet:
    a) Das wirtschaftlich erfolgreiche Kerneuropa. mit Frankreich, Deutschland, NL, Skandinavien etc.- welches rel. gut funktionierende staatl. Insitutionen aufweist und diszipliniert auf dem Weltmarkt wirtschaftet

    und

    b) Südländern mit einer zweifelhaften Disziplin und verkrusteten, auf dem internationalen Markt, nicht wettbewerbsfähigen Strukturen, die ihre Probleme durch abwerten der Währung gelöst haben (damit die innere Struktur nicht verändert werden musste)?

    Erlässt man den Südländern die Schuldsumme wird sich dort nichts ändern. in 10 Jahren hätten wir die nächste Krise….. und auf die Dauer ist es schwer dem eigenen Volk zu verkaufen, wieso Griechenland soviel Geld ausgeben darf, und wir „sparen“ müssen…

    Meine Schlussfolgerung daher: Die aktuelle Krise wird aus 2 Gründen vergrößert und instrumentalisiert:

    1) Die Südländer sollen zu internen Reformen gezwungen werden, besonders im korrupten Beamtenapperat und der Verwaltung
    2) Der schwache Euro fördert europäische Exporte – und senkt Importe.

    Daher agiert Merkel auch so – komisch.

    Stellt euch vor, wir hätten keine Eurokrise, wo der Dollar dann wäre? Seht euch den Franken als Beispiel an – dort ist niemand glücklich mit der starken Währung.

    Es ist alles nur Show. Punkt.

    P.S. Nicht die Bevölkerung per se ist „Faul“ und „undiszipliniert“ in den PIGS – die Eliten sind faul, korrupt und gegen jede Veränderung.

  7.   Rebel

    „Monopolretter“

    Will Herr Sinn die Banken zeitweise verstaatlichen? :

    „Ich glaube ja. Es ist billiger, notfalls Banken zu retten in den westlichen Ländern, wenn sich zeigen sollte, dass bei einem Schuldenschnitt sie in Schwierigkeiten kommen, als nun den Lebensstandard ganzer Völker dauerhaft über einem Niveau zu halten, das ihrer eigenen Leistungsfähigkeit entspricht. Also warten wir es doch mal ab! Wenn man einen Schuldenschnitt macht und einzelne Finanzinstitute in Frankreich oder Deutschland kommen in Schwierigkeiten, na dann retten wir sie halt. Das ist zehnmal billiger.“

    dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/1506712/

    Der wird doch nicht noch zu STAMOKAP?
    Weil es billiger ist – als was?

  8.   Neunmal

    Schon richtig: Nicht lange rumreden, sondern handeln – so wird Geschichte gemacht.

    Aber REDEN ist nun mal wichtig und wird immer wichtig bleiben.
    Es geht darum, WAS geredet wird. Politiker sollen Mut beweisen und Wahrheiten berichten und nicht rumducksen. Sie sind nicht dazu da, eine Führung abzugeben für die Nation, nach dem Motto eines Animateurs der Sorgenlosigkeit.


  9. Besser ist sie tritt zurück, die Frau Merkel.
    Und Herrn Westerwelle soll sie an die Hand nehmen und gleich mitnehmen.

    Orpheus G

  10.   nobum

    Die Zeitungsschreiber denken, dass Frau Merkel die Schuldenkrise mit Worten lösen kann. Das ist nicht möglich, weder im privaten noch im öffentlichen Leben.

 

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