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Die letzten Tage des alten Europas

 

Europa steuert auf die Entscheidungsschlacht zu. Wenn sich der Risikoaufschlag auf spanische und italienische Staatsanleihen auf dem aktuellen Niveau hält, können beide Länder früher oder später Bankrott anmelden – was uns wieder einmal zeigt, dass eine Pleite kein objektiver Zustand ist, sondern eines von mehreren möglichen Gleichgewichten.

Letztlich können wir nur hoffen, dass die aktuellen Renditen wirklich ein Ergebnis der Panik an den Märkten sind – dass es sich also um eine Fehlbewertung handelt. Mit Liquiditätskrisen kann Europa umgehen, genau deshalb wird jetzt ein Europäischer Währungsfonds eingerichtet, der im Zweifel die überhohen Renditen durch den Ankauf von Anleihen auf dem Sekundärmarkt oder die Vergabe von Garantien nach unten prügelt. In diesem Fall wäre damit auch kein Transfer verbunden.

Und wenn der neue Fonds nicht rechtzeitig fertig und schnell genug aufgestockt wird, weil die Parlamentarier es vorziehen, in den Sommerurlaub zu fahren, während der Kontinent brennt, dann muss eben die EZB noch einmal ran. Sie hat im Prinzip unbegrenzte Ressourcen und kann ohne langwierige Abstimmungsprozesse handeln. Es wäre nicht das erste Mal, dass die Notenbanker einspringen, weil die Finanzpolitik versagt. Und der erste deutsche Abgeordnete, der etwas vom Überschreiten des Rubikon faselt, sollte sein Mandat zurückgeben.

Wenn wir es aber, woran ich nicht glaube, doch mit Solvenzproblemen zu tun hätten, wenn also wirklich halb Europa pleite ist, dann weiß ich auch nicht weiter. Dann bleibt nur der Euro-Bond oder die Auflösung der Währungsunion.

Was also tun?

34 Kommentare

  1.   EricB.

    Seit dem Sondergipfel Ende Juli ist nicht viel passiert. Die Euro-Chefs haben geschlafen, Ratifizierung und Inkraftsetzung der neuen Maßnahmen kommen nicht voran. Dies gilt vor allem für die Flexibilisierung und Ausweitung des Rettungsschirms EFSF. Der Fonds soll künftig als „Feuerwehr“ tätig werden und helfen, bevor ein Land in eine finanzielle Notlage gerät. Für große Euroländer wie Spanien und Italien steht aber nicht genug Geld zur Verfügung. Selbst wenn der EFSF schon morgen eingreifen würde, wäre es vermutlich bereits zu spät, um den heftigen Fieberanfall auf den Märkten zu stoppen. mehr auf lostineurope.posterous.com

  2.   f.luebberding

    Wie wäre es damit, dass wir die Nerven behalten? Die Entwicklung auf den Sekundärmäörkten kann uns erst einmal egal sein. Hier handeln Anleger mit Wertpapieren. Die ist nur aus einem Grund relevant: Weil wir darin einen Indikator sehen, dass sich die Refinanzierungsbedingungen des italienischen und spanischen Fiskus gravierend verschlechtern werden, selbst wenn sie morgen keine neuen Bonds auf den Markt unterbringen müssen. Jetzt soll mir bitte jemand erklären, was die Intervention auf den Sekundärmärkten dann bringen soll? Ändert die noch irgendwas? Bringen die das „Vertrauen“ zurück? Oder haben die nicht tatsächlich nur noch den Zweck, den gleichen Leuten, die das System vor die Wand gefahren haben, erneut einen goldenen Fallschirm zu verpassen? Es gibt, wie vor ein paar Wochen schon einmal, keinen einzigen makroökonomischen Grund für diese Entwicklung, aber die Anleger scheinen eine Art Todessehnsucht zu haben. Das Vertrauen in die Grundlagen ihres Finanzsystem scheint so gering zu sein, dass sie Risikoaufschläge erwarten, die genau dieses System endgültig in den Orkus versenken werden. Das ist absurd. Da hilft auch der Hinweis auf den Herdentrieb nichts mehr. Jeder Staat hat verschiedene Handlungsoptionen, um sich zu finanzieren: Er kann Anleihen ausgeben, Steuern eintreiben, Zwangsanleihen verordnen, sogar nach einer Pleite einen Neustart versuchen. Man könnte auch die Staatsfinanzierung für eine Übergangszeit direkt über die Zentralbank abwickeln. Was soll man eigentlich machen, wenn die handelnden Akteure ihr System selbst für bankrott halten? Ich denke dort liegt das Problem. Wir werden die Lösung nicht auf den Märkten finden.

  3.   B Mayr

    Was tun?

    Das Geld holen von denen die es haben!

    1. Steuern hoch in ganz Europa

    2. Die Länder, die sich noch billig finanzieren können, nehmen ordentlich Schulden auf.

    3. Das Geld wird investiert in Projekte, die dem Gemeinwohl dienen und die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber dem Nicht-EU Ausland erhöhen, auch und besonders in Südeuropa. Wenn Desertec in Nordafrika Sinn macht, dann tut es das auch in Spanien (Andasol), Süditalien und Griechenland.
    Das mit der Wettbewerbsfähigkeit muß sein, auch unter Einbeziehung privater Vermögen (investment position) ist die EU ein Nettoschuldner.

    4. Moderate Inflation

    In kurzen Worten: Solidarität, der Reichen mit den Armen, auf Länder- wie auf Personenebene.

  4.   WIHE

    Ich bin für den Rückzug der Deutschen aus dem Euro.
    Schlechter als den Schweizern wird es uns dann auch nicht
    ergehen.

    Es sei denn, die Franzosen greifen uns dann an.

    Um den Angriff zu verhindern, können wir ihnen dann ja den
    Vorsitz in der Bundesbank für die nächsten 100 Jahre anbieten.
    Dann hätten wir für die nächsten 100 Jahre einen franzöischen Bundesbankpräsidenten, der auf den Konferenzen der Welt die DM vertritt.

    Vielleicht sollten wir auch Französisch als Landessprache einführen,
    um sie gnädig zu stimmen.

    Kohl hat ja gesagt, der Euro sei eine Frage von Krieg und Frieden.

  5.   Stephan

    >Dann bleibt nur der Eurobond oder die Auflösung der Währungsunion.

    OK. Ich bin für Auflösung der Währungsunion. Alles andere funktioniert leider nicht da es ja Die Bild und Konsorten gibt. Mit dem EFSM können wir dann die insolventen Banken retten natürlich erst nach der Verstaatlichung und Enteignung der Rentiers.

  6.   WIHE

    Fest steht,
    im Euroraum sind eine Reihe von Ländern nicht konkurrenzfähig,
    Löhne zu hoch, Strukturen im Lande nicht optimal.

    1998 schrieb ich in der WELT in einem Leserbrief in der WELT:

    „Mit Grausen denke ich daran, dass künftig im Euroraum nicht mehr abgewertet werden kann“ Titel: „EURO-Sprengstoff“

    Abwertung hatte in vielen Ländern Europas eine lange Tradition, während in Deutschland meist die Aufwertung nach dem Kriege zu Hause war.

    Nun frage ich mich, warum zum Teufel waren es nicht viel mehr, denen davor gegraust hat, dass der Korrekturmechanismus Wechselkursveränderung künftig wegfiel.

    Dabei bin ich doch nur ein Chemiker, habe weder Politik noch Volkswirtschaft studiert.
    Hatte ich fast vergessen, direkt nach dem Abtiur wollte ich noch Volkswirtschaft studieren, weil ein Nachbar in Bonn als Volkswirt Karriere machte. Später wurde er dann Bundesbank-Präsident.
    Wir haben sogar gemeinsame Verwandte.

  7.   Dietmar Tischer

    @ M. Schieritz

    >…dann muss eben die EZB noch einmal ran. Sie hat im Prinzip unbegrenzte Ressourcen und kann ohne langwierige Abstimmungsprozesse handeln.>

    Die Ressourcen hat sie (im Prinzip).

    Aber muss sie deshalb (noch einmal) ran?

    Bis die Parlamentarier aus dem Urlaub zurückkommen, kann man das befürworten.

    Aber DANN stellt sich genau Ihre Frage:

    Was tun?

    Hier ist meine Antwort, unabhängig davon, ob wir es mit Liquiditäts- oder Insolvenzproblemen zu tun haben (die Frage danach hat Vertagungscharakter):

    Da die Frage, ob eine fortbestehende Euro-Zone in Summe für alle Länder billiger ist als eine zerfallene Euro-Zone, nicht annähernd zu beantworten ist als Basis für eine rationale Entscheidungsgrundlage, sollten die Parlamente als politisch LEGITIMIERTE Institutionen entscheiden: Soviel Geld stellen wir für die Erhaltung der Euro-Zone zur Verfügung (als Geberländer) bzw. soviel Geld erwarten wir als Beihilfe für unsere Sanierungs- bzw. Konsolidierungsbedingungen (als Nehmerländer).

    Wenn die Gelder, die man zur Verfügung stellen will nicht höher als die Beihilfen sind, dann ist eben Schluss mit der Euro-Zone.

    Das ist natürlich ein abstrakter, aber auch ein fairer Ansatz. Denn jeder betroffene Bürger ist bei diesem Verfahren betroffen und zwar genau so, wie es ihn betrifft: als Geber und Nehmer.

    Die EZB immer wieder ins Rennen zu schicken, wird zu nichts führen, außer dass ihre Glaubwürdigkeit damit systematisch für immer zerstört wird.

  8.   Dietmar Tischer

    @ f. luebberding

    >Die Entwicklung auf den Sekundärmärkten kann uns erst einmal egal sein. Hier handeln Anleger mit Wertpapieren. Die ist nur aus einem Grund relevant: Weil wir darin einen Indi-kator sehen, dass sich die Refinanzierungsbedingungen des italienischen und spanischen Fiskus gravierend verschlechtern werden>.

    Erst einmal egal sein – meinen Sie das wirklich im Ernst?

    Zur Erinnerung:

    Wer Staatsanleihen hat, konnte vom letzten Gipfel erfahren, dass die Gläubigerbeteiligung beim „Rettungspaket“ für Griechenland eine „außergewöhnliche und einmalige Lösung“ war. Gleichzeitig war klar, dass der „Fonds“ nicht hinreichend aufgestockt wurde, um glaubwürdig andere Länder aus einer etwaigen Zinsschling zu befreien bzw. zu verhindern, dass sie in eine solche geraten.

    Was machen Sie denn da als Inhaber von Staatsanleihen?

    Sie überlegen sich, was sie mit den Anleihen tun – behalten oder verkaufen.

    Sie verkaufen.

    Aus Sicht der Anleiheninhaber geht es dabei um den WERT ihres VERMÖGENS.

    Sie verkaufen, weil sie NICHT schlüssig wissen, was die Gipfelentscheider WIRKLICH wollen – bail out der Staaten ohne Umschuldung, weil angeblich einmalig, oder doch Umschuldung, und die evtl. in einer ganz anderen Dimension als im Fall Griechenland.

    Dass es den Anleiheninhabern nicht um Handeln geht, sondern um Vermögenssicherung, lässt sich daran ablesen, dass die Renditen für deutsche Anleihen unter die Inflationsrate gefallen sind!

    Was hier im Gange ist, lässt sich nicht aussitzen mit Nerven behalten.

    M. Schieritz sieht die Lage schon richtig – die Entscheidung naht.

  9.   PBUH

    Warum sollten Anleger, Leuten die nachweislich nicht mit Geld umgehen können eben dieses leihen und weiter Staats-Anleihen kaufen.

    Die Politik muss lernen, sie können die Märkte nicht dauerhaft ver**schen.

    >wenn also wirklich halb Europa Pleite ist, dann weiß ich auch nicht weiter.

    So geht es auch Frau Merkel, macht ja nix, dass man auf dem Weg zu dieser Erkenntnis Abermilliarden Volksvermögen in den Sand gesetzt hat.

    >OK. Ich bin für Auflösung der Währungsunion

    Den Südländern wird zuerst das Licht aufgehen, dass sie ohne Währungsunion besser dran sind.

    @B Mayr

    Tolles Programm

  10.   enigma

    D. Tischer hat mit seiner Diagnose Recht, daß es darum geht, ernsthafte Entscheidungen zu treffen im Gegensatz zu den lauwarmen Beschwichtigungsversuchen, die es bisher gab. Diese waren offenbar davon geprägt, daß sich das Bankeninteresse in den Vordergrund gespielt hat, und zwar mit der Drohung, die Staatsanleihenfinanzierung nicht kontinuierlich sichern zu können in Verbindung mit dem Hinweis, daß ein Default von Staatsanleihen zu einer Entwertung von Fonds-, Spar- und Rentenanlagen führen würde (was sowieso schon passiert).

    Daß die Auflage von Staatsanleihen deswegen notwendig ist, damit (jawohl: damit) die Geldsammelstellen irgendwas zum verzinsen haben, macht die gegenwärtige Situation vollends kurios. Denn Geldanleger können auf Staatsanleihen nicht verzichten!!! Warum? Weil Staatsanleihen für den privaten Sektor Nettogeldvermögen darstellen, die außerhalb ihrer betrieblichen Kalkulation liegen. Für Kenner: geldschöpfungsfinanzierte Staatsanleihen erzeugen für den Unternehmenssektor die sogenannten q-Gewinne, denen keine betriebliche Notwendigkeit gegenübersteht. Insofern speist sich die Geldanlage in Staatspapieren aus der Auflegung eben dieser Staatspapiere. Das Witzige ist: es gibt keine Veranlassung dafür zu glauben, daß dieser Mechanismus irgendwann abbrechen würde, denn der Akkumulation von Geldvermögen ist – soweit es sich als autoregressives Kreislaufphänomen darstellt – keine Grenzen gesetzt. Die aus historischen Untersuchungen kolportierte 90% Regel ist der Tatsache geschuldet, daß irgendwelche albernen Realbindungen der Geldschöpfung dieser Geldvermögensakkumulation eine Grenze setzen. Die gibt es aber nicht mehr. Wie ich es schon mal ausgedrückt habe: wenn die Leute ‚green cheese‘ haben wollen, dann braucht man sich darüber keine Gedanken zu machen, denn der ist in einem Kreditgeldsystem unendlich erzeugbar!

    Was natürlich nicht geht ist die Vorstellung zu pflegen, daß Staatsschulden irgendwann zurückgezahlt werden und zwar in dem Sinne des Häuslebauers. Falsch. Staatsschulden werden rolliert, weil die Sucht nach Mehr-Geld Staatsschulden erfordert. Insofern ist eine Verweigerung der Geldanleger, Staatsschulden zu kaufen, eine ‚contradictio in adjecto‘!

    Wenn man das mal im Kopf hat: warum gibt es eigentlich diesen Budenzauber? Meine These ist: Geldverwerter sind darauf angewiesen monetäre Erträge zu erwirtschaften, die über die von ihnen gegebenen Versprechen hinausgehen. Schaut man sich die Zinssenkungsstrategien der verschiedenen Zentralbanken an, kommt man auf die Idee, daß genau das den Interessen von Geldanlegern widerspricht! Geringe Inflation ist zwar ganz schön, aber wenn das mit fast Nullzinsen einhergeht, laufen die monetären Versprechen der Geldsammelstellen in die Miesen. (Daß das natürlich mit einer Erhöhung des Basisgeldvolumens einhergeht und die Quantitätstheorie verbildeten „Ökonomistas“ immer Inflation schreien, ohne daß sich an dieser Front was tut, erzeugt letztlich nur fundamentale Verwirrung über die tatsächlichen Geschehnisse!)

    Aber es gibt ja eine (vermeintliche) Abhilfe: wie man aus der Theorie der Optionen weiß, ist deren Wert von der Volatitität abhängig. Grundregel: keine Volatitität, keine Ertragsaussichten. Was ist Volatitität? So was Ähnliches wie Unsicherheit! Ergebnis: schafft man Unsicherheit, gehen die Ertragsraten wieder nach oben. So einfach ist das! (Noch einfacher ist es, wenn man sich auf Ratingagenturen verläßt, denn dann brauchen die nur irgendwas abzustufen und die Zinssätze gehen – fast – automatisch in die Höhe. Warum das im Fall der USA nicht passiert? Dreimal darf man raten!? Antworthinweis: Basel macht´s möglich!)

    Was bedeutet das aber? Wie irgendwo schon mal beschrieben, war das fast einheitliche Zinsniveau der EURO-Zone von Anfang an nicht marktkonform! Das waren 10 Jahre Illusion, deren Ursprung in politischem Wunschdenken begründet ist. Witzigerweise haben die Ratingagenturen, denen man ja ökonomische Fachkompetenz nun wirklich nicht nachsagen kann, nach langjährigem Winterschlaf genau das spitzgekriegt und haben – wenn man von einer Interessenverflechtung mit der Geldanlagewirtschaft ausgeht – angefangen, die notwendige Unsicherheit zu schüren. Und da war Griechenland DAS gefundene Fressen. Und wenn man feststellt, daß das erfolgreich ist, kann man ja auch andere Staaten ins Visier nehmen. Schließlich muß ja ein ganzes Portfolio wieder auf Rendite getrimmt werden! Das geht aber nur dann, wenn über Jahre hinweg diese Unsicherheit aufrechterhalten wird. Warum? Weil Geldanlageunternehmen an Nominalgrößen hängen und nur bei Neuemissionen auch die höheren Zinssätze wirksam werden. Denn eine kursbedingte rechnerisch höhere Rendite nützt einem Geldanlageunternehmen nichts, wenn sie das Wertpapier zu 100% gekauft hat. (OK, damit kann man wenigstens Bilanzen schönrechnen – wenn man es „kann“!)

    Umgekehrt: hätte man die Bundesbank ohne Mitspracherecht anderer EURO-Staaten zur EZB gemacht, hätte sich die Zinsstruktur der EURO-Zone keinen Millimeter bewegt. Denn entgegen landläufiger Laienmeinung ist die Ausgestaltung der Recheneinheit so ziemlich das ökonomisch gesehen uninteressanteste Problem. Daraus ergeben sich keine wohlfahrtstheoretischen vermutbaren Konvergenzprozesse. (OK, die Inflationsmentalität hätte man sich abschminken müssen – immerhin.) Warum auch? Geldpolitik ist für die Aufrechterhaltung eines einheitlichen Bonitätsniveaus zuständig, wobei die Unterschreitung der Bonitätsnorm postwendend einen Zinsaufschlag nach sich zieht, der die Kredit- und Geldschöpfung automatisch auf ein nachhaltiges Maß begrenzt. Soll heißen, hätte man die EZB anständig konzipiert – man hätte sich ja noch nicht mal was Neues ausdenken müssen – wäre Europa noch völlig im Lot! Warum ist das nicht passiert? Weil irgendein komisches großmannssüchtiges Völkchen (bzw. dessen sich selbst beweihräuchernde vermeintliche „Eliten“) gemeint hat, daß monetäre Stabilitätsorientierung des Teufels ist. Und so ist es nun zu diesem Schlamassel gekommen, es war aus ökonomischen Gründen auch nicht anders zu erwarten.

    Heißt: die Entscheidung, die zu treffen ist liegt darin, genau die Mechanismen, die bei der EZB-Installation amputiert wurden, wiederherzustellen, d.h. in der EURO-Zone überhaupt erst mal eine Zentralbank, die sich wirklich so nennen kann, zu schaffen. Was regulierungssüchtigen Naturen widerstrebt ist, daß eine Zentralbank auch das Recht hat zu einer Finanzierung auch NEIN zu sagen. Übersetzt hieße das, die Vollzuteilung einzustellen um den Zinsfächer, der sich letztlich nach der jeweiligen Bonität der Kreditinstitute richtet, wieder aufzuspannen. Selbst wenn Prof. Sinn das auch beschwört: das ist notwendig, um Bonitätskriterien relativ zueinander einheitlich zu halten. Das ist auch Stiglitz/Weiss 1981: schlechtere Bonität bedeutet höherer Zins, noch schlechtere Bonität heißt kein Geld!!! So einfach ist das.

    Für die gegenwärtige Situation heißt das: die Ratingagenturen simulieren letzten Endes genau diejenigen Aufgaben, welche die EZB aus „Beschwichtigungsgründen“ NICHT wahrnimmt. Ergebnis? Auch europäisches politisches Wunschdenken scheitert an ökonomischen Selbstverständlichkeiten. Es wäre zwar alles so einfach. Wenn aber politische Wünsche ökonomische Gegebenheiten verzerren ist die Konsequenz stets, daß sich die Ökonomie durchsetzt und nebenbei daran prächtig verdient. Die Prichard-Evans verbohrten kleinen Engländer können davon ein Lied singen und zusehen, wie Soros und Mitstreiter sich auf ihre Kosten den Champagner schmecken lassen.

    So wie´s aussieht, kommt der Reibach für den Champagnernachschub inzwischen kräftig ins Rollen. Kann die EURO-Zone machen, sie kann´s (noch) lassen!

    Ach so: das „neue“ Europa sollte sich schnellstens auf die Qualitäten des alten Europa besinnen! Das alte Europa hätte noch eine Zukunft, die das „neue“ Europa noch nie hatte! (Und nein, ich meine nicht Hankel!)

 

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