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Die letzten Tage des alten Europas

 

Europa steuert auf die Entscheidungsschlacht zu. Wenn sich der Risikoaufschlag auf spanische und italienische Staatsanleihen auf dem aktuellen Niveau hält, können beide Länder früher oder später Bankrott anmelden – was uns wieder einmal zeigt, dass eine Pleite kein objektiver Zustand ist, sondern eines von mehreren möglichen Gleichgewichten.

Letztlich können wir nur hoffen, dass die aktuellen Renditen wirklich ein Ergebnis der Panik an den Märkten sind – dass es sich also um eine Fehlbewertung handelt. Mit Liquiditätskrisen kann Europa umgehen, genau deshalb wird jetzt ein Europäischer Währungsfonds eingerichtet, der im Zweifel die überhohen Renditen durch den Ankauf von Anleihen auf dem Sekundärmarkt oder die Vergabe von Garantien nach unten prügelt. In diesem Fall wäre damit auch kein Transfer verbunden.

Und wenn der neue Fonds nicht rechtzeitig fertig und schnell genug aufgestockt wird, weil die Parlamentarier es vorziehen, in den Sommerurlaub zu fahren, während der Kontinent brennt, dann muss eben die EZB noch einmal ran. Sie hat im Prinzip unbegrenzte Ressourcen und kann ohne langwierige Abstimmungsprozesse handeln. Es wäre nicht das erste Mal, dass die Notenbanker einspringen, weil die Finanzpolitik versagt. Und der erste deutsche Abgeordnete, der etwas vom Überschreiten des Rubikon faselt, sollte sein Mandat zurückgeben.

Wenn wir es aber, woran ich nicht glaube, doch mit Solvenzproblemen zu tun hätten, wenn also wirklich halb Europa pleite ist, dann weiß ich auch nicht weiter. Dann bleibt nur der Euro-Bond oder die Auflösung der Währungsunion.

Was also tun?

34 Kommentare

  1.   PBUH

    Hihi, in Italien geht die Panik um

    ITALY BREAKS: Entire FTSE MIB Is Now Suspended

  2.   Rebel

    @ Stephan

    enigma hat im 4:15 Uhr Kommentar die Zusammenhänge erklärt.

    Deine technischen Umsetzungen kannst Du als Mathematiker den EZB`lern auf ihrer Sommerfortbildung ja beibringen. 😉
    Was der Weidmann jetzt wohl mit der Merkel ausbrütet?
    Auf jeden Fall keine Urlaubsunterbrechung, SMSen muß reichen !

  3.   B Mayr

    @PBUH

    > Also treten wir endlich aus dem EURO Verein aus, das schwächt den Export stärkt aber die
    > Gruppen mit geringem Einkommen.

    Im Grunde ist das richtig. Ich glaube nur dass man das gleiche auch anders u.a. über höhere Inflation erreichen kann und das mit weniger Nebenwirkungen.

    > Was sie wollen ist das Gegenteil, sie wollen die geringen Einkommen durch Inflation weiter senken.

    Die Löhne müssen hoch, das habe ich vergessen explizit zu sagen, Lohnerhöhungen waren als Mittel die gewünschte moderate Inflation zu erreichen mit gedacht.

    > Wo in Deutschland, ausser bei der Instandhaltung der Infrastruktur, gibt es grösseren Investitionsbedarf?

    – Energiewende
    – Bildung

    Aber Investitionen machen auch im europäischen Ausland Sinn. Kann man sich als debt-equity swap denken, bei dem die Schulden der GIPS Länder in Beteiligungen an sinnvollen Zukunftsinvestionen getauscht werden.

  4.   Cangrande

    Detlef Drewes, Brüsseler Korrespondent verschiedener deutscher Regionalzeitungen, hat u. a. in seinen Artikeln „Euro-Rettung kostet Deutschland mehr als erwartet“ (augsburger-allgemeine.de/politik/Euro-Rettung-kostet-Deutschland-mehr-als-erwartet-id16211646.html) und „Schuldenkrise und kein Ende“ (
    augsburger-allgemeine.de/wirtschaft/Schuldenkrise-und-kein-Ende-id16212141.html
    ) in der Augsburger Allgemeinen (online 3.8.11, gedruckt 4.8.) behauptet:
    „Sowohl Italien wie auch Spanien haben angekündigt, dass sie keine Mittel für die nächsten Athen-Tranche im September zur Verfügung stellen können. Nach dem internen Verteilungsschlüssel der Euro-Retter müssten die Länder mit den höchsten Bonitätsnoten einspringen – Deutschland, Frankreich und die Niederlande. „Reine Spekulation“ hieß es dazu gestern aus dem Kreis der Euro-Finanzminister. Und auch die EU-Kommission bemühte sich nach Kräften, die aufkommende Unruhe zu dämpfen. Doch die Zahlen sprechen längst eine andere Sprache.“

    So etwas saugt sich kein seriöser Journalist aus den Fingern, und Drewes ist bislang auch nicht als Bailout-Gegner aufgefallen.
    Warum berichtet die Mainstream-Presse nichts darüber? Wissen die nichts davon – oder hat die Regierung die Chefredakteure der großen Medien um Stillschweigen gebeten, bis der Bundestag den neuen Rettungsbeschlüssen zugestimmt hat?

    Auf jeden Fall ist diese (aus Sicht der Europhilen:) ‚Kommunikationspanne‘ (die ich sehr detailliert in meinem Blog-Eintrag „Einer hat geplaudert: Brüsseler Europa-Korrespondent Detlef Drewes verliert die Nerven“ –
    beltwild.blogspot.com/2011/08/einer-hat-geplaudert-brusseler-europa.html
    – untersucht habe) äußerst beunruhigend.

    Aber natürlich nicht für Mark Schieritz; der kennt nur einen Weg: ein immer größeres Rad drehen. Frank Schäffler hat das treffend als „Interventionsspirale“ beschrieben.

  5.   Fabian Lindner

    @ Mark

    Ich habe immer meine Schwierigkeiten, Insolvenz von Illiquidität bei Staaten auseinanderzuhalten. Bei Unternehmen ist das klar – wenn die kein Eigenkapital mehr haben, sind sie insolvent, sie können ihre Verbindlichkeiten nicht mehr ablösen, selbst wenn sie all ihr Vermögen verkaufen. Aber was soll die Aktivaseite beim Staat sein?

    Ich würde sagen, die Frage ist eine eindeutig politische: Solange ein Staat seine eigene Währung drucken kann, kann er gar nicht insolvent oder illiquide sein. Und illiquide im wahrsten Sinne des Wortes kann er nur sein, wenn er sich in Fremdwährung verschuldet.

    Jetzt stellt sich die politische Frage: Ist der Euro für die Mitglieder der Währungsunion eine Fremd- oder eine Eigenwährung?

    Die Deutschen sagen: Er ist eine Fremdwährung und erfüllt damit in etwa die Aufgabe von Gold unter dem Goldstandard – man muss seine Wirtschaft wettbewerbsfähig halten, sonst haut das Gold eben ab.

    Ich würde sagen: Das sind schlechte Ideen aus dem 19. Jh., an denen der Goldstandard und überhaupt die Weltwirtschaft Anfang des 20. Jh. gründlich gescheitert ist. Wie Krugman immer richtig betont: Wir sind mental wieder im ökonomischen Mittelalter und haben gründlich alles verlernt, was die harte Erfahrung der 30er Jahre uns gelehrt hat…

  6.   Maidag

    Das Grundproblem liegt einzig und allein in der ständig steigenden Staatsverschuldung im Bereich der europäischen Währungsunion. Hier muß eine nachhaltige Trendumkehr erfolgen, sonst zerstören die steigenden Refinanzierungskosten auch den allerletzten Spielraum. Eine letzte Galgenfrist mag noch so lange bestehen, bis tatsächlich halb Europa pleite ist. Spätestens zu diesem Zeitpunkt endet dann auch der durch politischen Rettungsaktionismus teuer erkaufte Zeitrahmen. Danach ist es aus und die europäische Währungsunion kommt auf den Müllhaufen der Geschichte.

  7.   Art Vanderley

    Es mag ja schon eine Binsenweisheit sein , aber solange die Macht der Finanzwirtschaft nicht reguliert wird, läuft Europa einer Krise nach der anderen hinterher.
    Auch das schon zu Brünings Zeiten gescheiterte Sparen in der Krise ist nicht geeignet , einen Ausweg zu finden.
    Politische Veränderungen werden aber wohl nur durch Druck aus der Bevölkerung heraus stattfinden , die Lobby-geknebelte Politik ist offenbar kaum handlungsfähig.

  8.   Nixda

    Ich möchte mal wissen, an wen die Banken ihr gesamtes gesammeltes Kapital eigentlich verleihen wollen, wenn ihnen die ganzen Schuldner nicht mehr Kreditwürdig sind? Die schießen sich doch langsfristig selbst ins Knie.

  9.   WIHE

    Bin gespannt,

    wann Deutschland im Gefolge der ganzen Bürgschaften
    das Dreifach AAA verliert.

    Der Euro bringt uns noch alle um.

  10.   WIHE

    [19.03 Uhr] Die neuen Stützungsmaßnahmen der Europäischen Zentralbank stoßen auf Skepsis: Der CDU-Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Willsch befürchtet Auswirkungen auch auf die deutsche Bonität. „Es ist ein Rutschen auf der schiefen Ebene und übersteigt jede Dimension“, sagte Willsch dem „Handelsblatt“. „Dies wird auch Auswirkungen auf die Bonität Deutschlands haben.“ Von der Spiegel-WEB-Seite heute

    Nach dem Bürgen kommt das Würgen.
    An der EZB ist Deutschland mit rd 27 % beteiligt.
    Verluste der EZB sind dann zu 27 % auch deutsche Verluste.
    Wie sag ich es nur meinen Kindern, wenn sie einmal fragen:
    „Papa, warum habt Ihr es nicht verhindert, sag nicht, dass ihr nichts wusstet“.

 

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