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Wir entern die EZB!

 

Ein Gedankenexperiment: Ein Land – sagen wir Italien – ist unzufrieden mit der Politik seiner Zentralbank und ändert deshalb die Geschäftsordnung jener Zentralbank zu seinen Gunsten. Was würde der brave, konservative deutsche Ökonom reagieren? Mit einem Aufschrei! Attacke auf die Unabhängigkeit, Notenpresse, Hyperinflation usw. usf.

Die CDU schlägt laut FTD vor, die Stimmverhältnisse in der EZB so zu ändern, dass Deutschland mehr Macht hat, weil man in der Union mit dem Kurs der Notenbank unzufrieden ist. Wo bleibt der Aufschrei? Richtig, er findet nicht statt. Denn es geht ja um deutsche Interessen.

Der Unabhängigkeitsdiskurs ist an Verlogenheit nicht zu überbieten. Ich habe prinzipiell nichts gegen einen stärkeren deutschen Einfluss. Ich habe aber etwas gegen Heuchlerei.

23 Kommentare

  1.   Dietmar Tischer

    Schon richtig, in der FTD steht „Besondere Verärgerung löste die Zentralbank mit ihrem Vorgehen aus, im großen Stil Anleihen hoch verschuldeter Euro-Staaten wie Italien und Spanien aufzukaufen.“

    Das mag in der Tat der Anlass sein, die Stimmverhältnisse ändern zu wollen.

    Ist es deshalb unbillig, die Stimmverhältnisse der Wirtschaftskraft entsprechend ändern zu wollen?

    Ist es nicht.

    Darüber muss es keinen Aufschrei geben.

    Wenn ein Aufschrei gerechtfertigt ist, dann über den Anlass, nicht jedoch über das Ziel, die Stimmverhältnisse zu ändern.

  2.   keiner

    Wo immer Deutschland in nächster Zeit über den Tisch gezogen werden kann, wird es von seinen „Partnern“ über den Tisch gezogen werden. Auch wieder von Frankreich und Italien, wenn es um die Auflösung der Eurozone um Weihnachten herum gehen wird.

    Und dabei habe ich schon durch Wohlstandsverlust in den letzten 20 Jahren unsere Ossis hochgepäppelt…

  3.   PBUH

    Die Leitlinien der EZB sollten sich an denen der Deutschen Bundesbank orientieren, oder etwa nicht?

    Da unsere „Partner“ und „Freunde“ sich nicht an Verträge, Versprechen und Absprachen halten und die EZB immer mehr vergewaltigen, ist es absolut richtig, mehr Einfluss zu fordern.

    Zumal immer klarer wird, Deutschland braucht weder den scheiss Euro noch diese scheiss Union, in der uns alle beklauen wollen.

    Es wird Zeit, dass Frau Merkel aufwacht und ganz anders auftritt und offen mit dem Austritt droht.

  4.   keiner

    Ohne Euro und Europa wird es für Deutschland zappenduster, NOCH mehr arbeiten für NOCH weniger Geld, bis zum Umfallen mit 72… Wenn nicht das ganze System entgleist und Europa wieder einmal im Chaos versinkt.


  5. @Dietmar Tischer
    „Ist es deshalb unbillig, die Stimmverhältnisse der Wirtschaftskraft entsprechend ändern zu wollen? – Ist es nicht. “

    One man, one vote. Das war eigentlich mein Verstaendnis von Demokratie – nicht der wirtschaftlich staerkere haut den wirtschaftlich schwaecheren in die Pfanne.

    @keiner/PBUK

    Europaer ziehen uns Deutsche ueber den Tisch, wollen uns beklauen? Es ist doch eher so dass die Finanzelite und unsere Politiker die uns erzaehlen wollen, dass Leistungsbilanzueberschuesse gut sind, uns beklauen und ueber den Tisch ziehen. Das ist die FDP und die CDU.

    Man hat grosse Kreditvolumen und Leistungsbilanzdefizite zugelassen von 2000 bis 2010 im Euroraum. Das ist ein Fehler der EZB, die dachte, der Markt wird es schon richten. Das sind marktglaeubige Versager wie Issing und Weber, die immer noch in den Zeitungen auftauchen, und die, wenn man macht was die CDU hier will das Sagen haetten! Bzw. ihre Bundesbank Nachfolger, die nicht anders denken!

    Das beklaut uns, da geht der deutsche Wohlstandsverlust floeten!

    Den Euro gibt es, sie moegen ihn nicht, und er hat den Nachteil, dass man sich nicht Gedanken ueber ein solches katastrophales Szenario wie wir im Moment haben gemacht hat.

    Aber was ist die Alternative, wenn man den Laendern die jetzt Probleme mit hohen Anleihenzinsen haben, nicht hilft. Die Krise verschlimmert sich, es kommt zu Staatspleiten von Griechenland ueber Irland zu Italien. Wer denkt man koennte jetzt mit einem Euroaustritt drohen, der verkennt ganz gewaltig die Lage.

    Natuerlich muessen alle Laender ihre Haushalte selber in Ordnung bringen, aber das sollte nicht durch Totsparen passieren, sondern durch Erhoehung von Steuern auf Vermoegende. Denn nur das laesst die Konjunktur nicht einbrechen.

    Das sollten Merkel und Schaeuble aber mal sagen, und uns Deutsche nicht weiter ueber den Tisch ziehen.

  6.   PBUH

    @keiner

    >Ohne Euro und Europa wird es für Deutschland zappenduster

    Für wen? Für das Eurobürokratenheer und für die Besitzer von hochverzinsten Fremdwährungsanleihen vielleicht?

    Der normale Bürger wird sich darüber freuen, dass sein Geld wieder einen Wert hat.

    Dann können wir wie die Schweizer, auf hohem Niveau jammern.

  7.   PBUH

    >One man, one vote. Das war eigentlich mein Verstaendnis von Demokratie

    Da hat Europa dann offensichtlich nix mit zu tun, denn die deutsche Stimme ist ja laut Vertrag in Europa am wenigsten wert.

    >Europaer ziehen uns Deutsche ueber den Tisch, wollen uns beklauen?

    Ja, seit Jahrzehnten und das wird sich bald rächen, denn wenn der deutsche Michel aufwacht, dann fällt er von einem Extrem ins andere.

    >Aber was ist die Alternative, wenn man den Laendern die jetzt Probleme mit hohen Anleihenzinsen haben, nicht hilft.

    Das Problem sind nicht hohe Anleihezinsen, das Problem ist ne unseriöse Staatsführung und mangelndes Vertrauen, dafür ist jedes Land selber verantwortlich und man kann den Ländern hier auch nicht helfen.

    >Die Krise verschlimmert sich, es kommt zu Staatspleiten von Griechenland ueber Irland zu Italien.

    Na und? Ist mir komplett egal, dann müssen halt die Leute bluten, die hier Geld verliehen haben, so sollte Marktwirtschaft doch eigentlich funktionieren.

    Die Probleme werden so auch mal nachhaltig gelöst weil dadurch der Finanzsektor auf ein vernünftiges Mass zusammengeschrumpft wird.

    Kleines Beispiel: >>BlackRock, which manages about $3.66 trillion in assets, has also been buying debt issued by financial firms and high- yield bonds, Rieder said. As with the Italian bonds BlackRock has bought, the financial debt will benefit “as soon as you see stability,” Rieder said.“<Wer denkt man koennte jetzt mit einem Euroaustritt drohen, der verkennt ganz gewaltig die Lage.

    Nö, der lässt sich nur nicht mehr von Leuten beeinflussen, für die der Austritt den Untergang bedeutet.

    >Natuerlich muessen alle Laender ihre Haushalte selber in Ordnung bringen,

    Natürlich 😉

    >aber das sollte nicht durch Totsparen passieren, sondern durch Erhoehung von Steuern auf Vermoegende.

    Das sollte jedes Land für sich selber entscheiden


  8. @PBUH
    „Na und? Ist mir komplett egal, dann müssen halt die Leute bluten, die hier Geld verliehen haben, so sollte Marktwirtschaft doch eigentlich funktionieren. “

    Ihnen persoenlich ist es egal, aber der Mehrheit vielleicht nicht.

    Das sind Sie, die bluten werden, als Steuerzahler. Wenn Griechenland Pleite geht, haengt der Europaeische Steuerzahler mit drin, der potentiell etwa die Haelfte der 400 bis 500 Mrd Euro Verlust zu tragen hat. Dann kommt die Ansteckungsgefahr auf andere Laender.

    Das ist etwa das 2 – 3 Fache der Insolvenz von Lehman Brothers! Wirtschaft baut immer auf Vertrauen auf, das waere total hin, die Folgen sind nicht nur fuer die Finanzwirtschaft katastrophal (die wuerde runtergestuft) sondern auch fuer die den Rest der Wirtschaft. Was sie fordern ist absolut unverantwortlich!

    Wenn es darum gehen sollte unverantwortliche Staaten und Regierungen zu bestrafen, hat man dafuer das Wahlrecht. Und durchaus Sanktionsmoeglichkeiten im jetzigen EU Staatenverbund, um fianziell unverantworliches Verhalten zu bestrafen. Man wollte es nur nicht – hab ich doch oben geschrieben. Und man wollte den Finanzsektor staerken bis 2008, und hat ihn danach nicht wieder eingeschraenkt. Wenn sie meinen dass eine katastrophale europaweite Insolvenz der einzig richtige Weg sein sollte, liegen sie damit natuerlich falsch. Der richtige Weg waere eine Regierung zu waehlen, die sich fuer eine Einschraenkung des Finanzsektors einsetzt, und die Europapolitik auf den richtigen Weg bringt.

  9.   PBUH

    >Ihnen persoenlich ist es egal, aber der Mehrheit vielleicht nicht.

    Die Mehrheit ist hier ganz sicher auf meiner Seite.

    >Wenn Griechenland Pleite geht, haengt der Europaeische Steuerzahler mit drin

    Ja, aber nur weil die EZB vertragswidrig Anleihen gekauft hat und unverantwortliche Politiker mit Bürgschaften um sich geworfen haben. Ist ja auch ein Grund warum die Politik die Pleite hinauszögern will, denn dann werden Buchverluste plötzlich zu realen Verlusten und die vorliegende Untreue wird für jeden offensichtlich.

    >Wirtschaft baut immer auf Vertrauen auf, das waere total hin

    LOL, machen sie die Augen auf, das Vertrauen ist verspielt und kann nur durch stringente Ordnungspolitik wieder hergestellt werden.

    >Was sie fordern ist absolut unverantwortlich!

    Nö, was ich fordere ist richtig und wird die Probleme nachhaltig lösen.

    >Der richtige Weg waere eine Regierung zu waehlen, die sich fuer eine Einschraenkung des Finanzsektors einsetzt, und die Europapolitik auf den richtigen Weg bringt.

    Die organisierte Verantwortungslosigkeit muss beendet werden, auf allen Ebenen, zuerst bei der Politik selbst.

    Machen sie sich klar, die aktuelle Bundesregierung hat nicht nur falsche Entscheidungen getroffen, die Deutschland mehrere hundert Milliarden Euro kosten, man hat ganz offensichtlich Recht und Verträge gebrochen. Das muss man in Prozessen aufarbeiten und am Ende möglichst hart bestrafen.

    Eine Ex-Regierungschefin lebenslänglich im Knast würde sicher positive Wirkung auf ihre Nachfolger im Amt haben.

 

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